B&W Zeppelin Cover
Die vierte Generation des berühmten B&W One-Box-Lautsprechers Zeppelin ist da. Besser und frischer denn je. Aber leider auch teurer: sie kostet jetzt 800 Euro (Foto: B&W)

Test B&W Zeppelin: die smarte Einbox-Ikone in der 4. Generation mit Streaming total

Im Oktober vorigen Jahres war es so weit: Bowers und Wilkins, oder auch kurz B&W, stellte die neueste Version seines ikonischen All-In-One-Lautsprechers Zeppelin vor. Von da an dauerte es aufgrund der gestörten weltweiten Lieferketten noch etwas, aber vor einer Weile ist das Lautsprecher-Luftschiff im LowBeats-Hangar eingetroffen. Es handelt sich um die inzwischen vierte Inkarnation des elegant geformten Speakers (die Lightning-Modifikation im Jahr 2013 nicht mitgerechnet). Äußerlich fast unverändert musste der neuen B&W Zeppelin im Test zeigen, welche Fortschritte die Technik in den sechs Jahren seit Erscheinen seines Vorgängers gemacht hat.

B&W Zeppelin 2021 01
Die Legende lebt: Der B&W Zeppelin in seiner neuesten Inkarnation mit Alu-Standfuß und Ambiente-Licht (Foto: B&W)

Das Konzept des neuen Zeppelin

Der Name ist … Zeppelin. Nur Zeppelin. Nichts weiter. Auf Zusätze wie „Air“, „Wireless“ oder „Wireless II“ verzichtet der Hersteller künftig. Der Name steht für sich und reicht für eine Ikone völlig aus.  

Der Zeppelin 2021 macht beim Design keine gewagten Experimente. Die Grundform bleibt im Wesentlichen unverändert. Die einzig hervorstechende optische Änderung betrifft den neuen Standfuß, der Ähnlichkeiten mit denen von Apple Cinema Displays aufweist. Eine einfache geschwungene Form aus Aluminium, die den Lautsprecher ein paar Zentimeter anhebt. Zur Betonung dieses Merkmals sitzt im neuen Standfuß eine LED-Ambiente-Beleuchtung. Die ist über die zugehörige App in der Helligkeit regelbar – aber nicht in der Lichtfarbe bzw. Farbtemperatur. Der Schein auf den Fuß ist tageslichtweiß.

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B&W Zeppelin 2021 02
Die Ambiente-Leuchte an der Unterseite ist in der Helligkeit regelbar. Sie dient als Betriebsanzeige. Im Standby erlischt sie (Fotos: B&W)
B&W Zeppelin schwarz und weiß
Der Kunde hat die Wahl zwischen einem schwarzen und einem weißen Gehäuse. In B&W-Marketing-Sprech heißen die Farben Midnight Grey und Pearl Grey. (Fotos: B&W)
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Technisch setzt B&W auf einige der besten Treiber aus seinem Portfolio an HiFi- und High-End-Lautsprechern. Darunter zwei Kalotten aus der 600 Serie Anniversary Edition, zwei „Fixed Suspension Transducer“ (FST) für die Mitten und ein 15 cm Subwoofer in der Mitte. Angetrieben werden diese von eigenen Endstufen, die zusammen eine Systemleistung von 240 Watt liefern.

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Bei der Treiberbestückung hat B&W in sein eigenes Regal gegriffen. Die Abdeckung ist übrigens fest angeclippt und lässt sich nicht einfach abnehmen (Foto: B&W)

Der Blick auf die Rückseite zeigt, dass B&W die Reduktion auf das Wesentliche in dieser Modellgeneration auf die Spitze getrieben hat. Es gibt nur noch eine Reset-Taste sowie einen Anschluss für das Stromkabel – das einzige mitgelieferte Zubehör. Die daneben liegende USB-C-Buchse dient eigentlich nur für Service-Zwecke, kann aber mittels eines (nicht mitgelieferten) Ethernet-auf-USB-C-Adapters auch für eine kabelgebundene LAN-Verbindung genutzt werden. Ansonsten ist der neue Zeppelin rein auf drahtlose Verbindungen per WLAN oder Bluetooth ausgelegt.

Worüber sich allerdings streiten lässt: Es gibt keine Infrarot-Fernbedienung. Zumindest die erste Generation des Zeppelin hatte noch eine. Die Bedienung erfolgt entweder über die Tasten an der Gehäuseoberseite oder die B&W Music App (iOS und Android), die auch die netzwerkfähigen Geräte der Formation-Serie von B&W steuert. 

Ich persönlich fände es gut, wenn zumindest Lautstärke und Play/Pause/Skip auch über einen ständig in Bereitschaft befindlichen IR-Geber steuerbar wäre, weil es manchmal einfach komfortabler ist. Auch deswegen, weil z. B. der Pegel bei WLAN-Verbindung nicht über die seitlichen Tasten am iDevice geregelt werden kann und es gibt im iPhone/iPad-Lockscreen auch keine Buttons zur Titelsteuerung. Diese Möglichkeiten existieren nur bei Bluetooth-Verbindung, die aber nicht die primäre Verbindungsart des Zeppelin ist.

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Die Tasten am Gehäuse sind nur zu sehen, wenn man sich über das Gerät beugt, dafür aber gut zu fühlen und zu unterscheiden (Foto: F. Borowski)

Was dem Komfort hingegen zugutekommt: Der Zeppelin ist ein Always-On-Gerät. Er hat keinen Netzschalter. Sobald er mit dem Strom verbunden und „gebootet“ ist, befindet er sich in ständiger Empfangsbereitschaft und bleibt mit dem Heimnetzwerk verbunden. Nach 20 Minuten ohne Signal schaltet er sich automatisch in einen Netzwerk-Bereitschaftsmodus (<2 Watt), in dem auch die Ambiente-LED erlischt. Es gibt in diesem Modus erfreulicherweise keine überflüssigen Statusleuchten, sodass sich der Zeppelin auch für das Schlafzimmer eignet.

Alles dreht sich um Streaming

Natürlich wurde der Zeppelin um alle heute wichtigen Streamingfunktionen ergänzt, die per LAN oder WLAN genutzt werden können. Oder per Bluetooth, falls mal eine schnelle Direktverbindung hergestellt werden soll. Für letzteres ist Bluetooth 5.0 mit aptX Adaptive und AAC an Bord. Über das Heimnetzwerk wird AirPlay 2 unterstützt, UPnP/DLNA momentan noch nicht. 

Der neue Zeppelin bzw. die B&W Music App versteht sich mit Internetradio via Last.fm, sowie den wichtigsten Streamingdiensten, darunter Qobuz, Tidal, Deezer und Spotify Connect.

Der Begriff „Connect“ bedeutet hier folgendes: Wenn Sie ein Spotify-Abo haben, gelangt die Musik dieses Dienstes von Ihrem Router ohne Umweg direkt per WLAN oder LAN in den Zeppelin. Das Smartphone oder Tablet dient in diesem Fall nur als Fernbedienung.

Wird die Musik über einen Dienst ohne „Connect“-Funktionalität gestreamt, dann müssen die Daten erst vom Router per WLAN in das Smartphone oder das Tablet auf dem die App läuft. Von dort geht es zurück zum Router und erst dann werden die Musiksignale zum Zeppelin gesendet. Ein Umweg, der nicht nur ein deutlich höheres Datenaufkommen im Heimnetz bedeutet, es führt auch zu praktischen Einschränkungen: Bewegt sich das Smart-Device mit der App aus der WLAN-Reichweite heraus, bricht die Musik ab. Bei einer „Connect“-Verbindung würde sie weiterspielen, weil die Daten direkt aus dem Internet und vom Router kommen.

Ein Beispiel zur Veranschaulichung: Stellen Sie sich vor, das Signal Ihres Fernsehers würde nicht direkt von dem angeschlossenen Kabel in die Glotze gelangen, sondern den Umweg über die TV-Fernbedienung nehmen. Ist die Fernbedienung kaputt, die Batterien leer oder jemand hat sie versehentlich eingesteckt und mit aus dem Haus genommen, ist Schluss mit Fernsehen: „kein Signal“. Klingt absurd, ist aber bei digitalem Musikstreaming ohne „Connect“ im Prinzip genau der Fall.

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Ein schöner Rücken kann entzücken. Dank der schlichten und „cleanen“ Rückseite mit nur einem Kabel macht der Zeppelin auch frei im Raum aufgestellt eine gute Figur (Foto: F. Borowski)

Momentan ist Spotify mit seiner Connect-Variante am weitesten verbreitet. Andere Streamingdienste wie Tidal haben ebenfalls eine „Connect“-Option, die vom Zeppelin aber noch nicht unterstützt wird. Wieder andere Dienste wie Qobuz arbeiten daran. Nur Apple Music wird aller Voraussicht nach auf unabsehbare Zeit keine „Connect“-Variante anbieten, weil der Konzern seine Dienste heute nur noch ungern an andere Marktteilnehmer lizensiert. 

Es gibt noch eine Möglichkeit, Musik über das Internet und Heimnetzwerk in den Zeppelin zu schicken, nämlich Roon. Zwar wird auch bei dieser Variante zur Übertragung momentan das AirPlay-Protokoll genutzt (das auf 16 Bit und 48 kHz beschränkt ist), aber wer Roon ohnehin nutzt, wird diese Möglichkeit mit Sicherheit allen anderen Zuspielwegen vorziehen. Im Falle einer Server-Applikation wie Roon gelangen die Daten auch ohne „Connect“ ohne Umweg über das Smart-Device zum Gerät. Zum Beispiel: Qobuz via Internet > Router > Roon Core > Roon Endpoint (Zeppelin). Die App dient nur zur Steuerung.

Die Hardware des B&W Zeppelin unterstützt Auflösungen bis 24 Bit und Samplingraten bis 96 kHz, also „Studioqualität“. Praktisch gesehen ist die Auflösung aber momentan wegen des AirPlay-Protokolls auf 16bit/48kHz begrenzt. Das wird sich ändern, wenn das System per Firmware-Update für das Formation-Audio-Netzwerk fit gemacht wird. Oder auch für den Fall, dass Spotify sein angekündigtes „HiFi“-Angebot mit höheren Auflösungen startet. Oder wenn Tidal Connect vom Zeppelin unterstützt wird. Oder wenn Qobuz seine Connect-Option startet und der Zeppelin dafür aktualisiert wird. Oder wenn der Zeppelin Roon Ready zertifiziert wird. Oder, oder, oder: Die Technik des Zeppelin ist vorbereitet.

Noch mal kurz zu der erwähnten Integration in das B&W Formation System: Der Zeppelin wird von der B&W Music App, die auch für die Formation-Serie zuständig ist, zwar erkannt und kann darüber gesteuert werden. Aber aktuell lässt sich der Zeppelin noch nicht mit den Formation-Geräten direkt vernetzen und wird auch noch nicht von der Formation Funk-Technologie (die 24bit/96kHz unterstützt) angesteuert. Das dafür nötige Firmware-Update war ursprünglich für „Anfang 2022“ in Aussicht gestellt worden. Wir drücken die Daumen. Das Jahr ist ja noch jung.

In der Formation-Serie findet sich übrigens noch eine Alternative zum Zeppelin. Der B&W Formation Wedge ist ebenfalls ein All-In-One-Lautsprecher, aber mit einer etwas anderen Form und geringerer Breite. Der Wedge lässt sich somit besser in Ecken aufstellen. Auch die Treiberbestückung ist der des Zeppelin sehr ähnlich. Allerdings kostet dieses Gerät mit rund 1.000 Euro nicht unerhebliche 200 Euro mehr. Wir hatten den Wedge hier im Test.

B&W Formation Wedge Ambiente2
B&W Formation Wedge mit weißer Rückseite und silbergrauer Frontbespannung (Foto: F. Borowski)

Last but not least: Der Zeppelin hat den beliebten Sprachassistenten Amazon Alexa eingebaut. Einmal in der B&W App aktiviert und mit dem Amazon-Konto eingeloggt, reicht der übliche „Alexa“-Zuruf oder ein Druck auf die Sprachaktivierungstaste (die mit dem Kreis), um alle Annehmlichkeiten dieses Dienstes nutzen zu können.

Der B&W Zeppelin in der Praxis

Wer mit Musikstreaming bislang nichts oder nur wenig zu tun hatte und die obigen Beschreibungen liest, könnte den Eindruck bekommen, das alles wäre viel zu kompliziert. Aber seien Sie versichert: In der Praxis und vor allem mit dem neuesten Zeppelin ist es das nicht. B&W ist es gelungen, den Anschluss und die Einrichtung seines legendären Lautsprecher-Luftschiffs auf ein absolutes Minimum zu reduzieren.

Im Karton findet sich neben dem Lautsprecher und einer Schnellanleitung nur ein einziges Zubehör: Das Stromkabel. Der Ablauf ist jetzt wie folgt:

  1. B&W Music App aus dem iOS App Store oder Google Play Store laden
  2. Zeppelin am gewünschten Ort aufstellen und das Stromkabel anschließen. Nach ca. einer Minute ist der Speaker verbindungsbereit, was durch langsam pulsierendes Orangefarbenes Licht der Multifunktionstaste signalisiert wird.
  3. In der App nun einfach den Anweisungen folgen. Ich habe Ihnen den Ablauf hier in ein paar  iPad-Screenshots zusammengefasst:
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B&W Music App 01
(Screenshot: F. Borowski)
B&W Music App 02
(Screenshot: F. Borowski)
B&W Music App 03
(Screenshot: F. Borowski)
B&W Music App 04
(Screenshot: F. Borowski)
B&W Music App 05
(Screenshot: F. Borowski)
B&W Music App 06
(Screenshot: F. Borowski)
B&W Music App 07
(Screenshot: F. Borowski)
B&W Music App 08
(Screenshot: F. Borowski)
B&W Music App 09
(Screenshot: F. Borowski)
B&W Music App 10
(Screenshot: F. Borowski)
B&W Music App 11
(Screenshot: F. Borowski)
B&W Music App 12
(Screenshot: F. Borowski)
B&W Music App 13
(Screenshot: F. Borowski)
B&W Music App 17
(Screenshot: F. Borowski)
B&W Music App 18
(Screenshot: F. Borowski)
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Zur Nutzung der App ist ein Account erforderlich. E-Mail und Passwort reichen dafür. Es werden keine weiteren Daten abgefragt.

Eine Bluetooth-Verbindung wird hergestellt, indem die Multifunktionstaste ein paar Sekunden gedrückt wird, bis sie blau blinkt. Dann einfach in den Bluetooth-Einstellungen ihres Gerätes den Zeppelin koppeln.

Frühere Zeppeline hatten zusätzliche Kabelanschlüsse wie einen Aux-IN für analoge Quellen und USB, oder sogar einen Composite-Video-Ausgang, über den Videosignale eines angedockten iPods oder iPhones zu einem Fernsehgerät oder Computermonitor gesendet werden konnten. Auch der direkte Vorgänger, der Zeppelin Wireless aus dem Jahr 2015, hatte noch eine Aux-Buchse und einen RJ45 LAN-Port. Der Neue bietet nur noch den USB-C-Port, über den per optionalem Adapter eine LAN-Verbindung hergestellt werden kann. Ansonsten ist alles auf Drahtlosempfang ausgelegt.

B&W Zeppelin Rückseiten
Die Anschlüsse der vier Zeppelin-Generationen – die Lightning-Modifikation aus 2013 nicht mitgezählt. (Fotos: B&W und F. Borowski)

Diesen Umstand mag mancher beklagen, aber seien wir ehrlich: Der Zeppelin ist weder als Soundbar-Ersatz für den Anschluss an einen Fernseher gedacht, noch wird es viele Nutzer geben, die ihn am Desktop per USB mit ihrem Mac oder PC verbinden, oder ihren Discman per Klinkenkabel anstöpseln wollen. Der Zeppelin ist eine reine Streamingmaschine.

In der App gibt es weitere Einstellungsmöglichkeiten. Etwa Regler für Bässe und Höhen und die Ambiente-Beleuchtung kann ausgeschaltet oder gedimmt werden. Und natürlich wird in der App die Verbindung mit dem Streamingdienst Ihrer Wahl hergestellt – sofern vom Zeppelin unterstützt. Hier ein paar Beispiele, wie Qobuz in der App dargestellt wird:

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B&W Music App 14
(Screenshot: F. Borowski)
B&W Music App 15
(Screenshot: F. Borowski)
B&W Music App 16
(Screenshot: F. Borowski)
B&W Music App 19
(Screenshot: F. Borowski)
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Einmal komplett eingerichtet merkt sich der Zeppelin die Einstellungen, inklusive Netzwerkverbindung, auch wenn er vom Strom getrennt wird. Sofern eine Steckdose in der Nähe ist (denn der Zeppelin hat keinen Akku-Modus), steht einem schnellen Umzug in andere Räume oder auf die Terrasse nichts im Wege.

Das alles funktioniert in der Praxis sehr gut. Aber geht es auch so einfach, wie mit dem guten alten Tischradio, und kann auch die Prä-Computer-Generation damit umgehen? Ich habe die Nagelprobe gemacht und den Zeppelin ein paar Tage lang meiner Mutter in ihre Küche gestellt, wo sie eigentlich immer nur einen Radiosender hört. Kann das gut gehen? Die Antwort darauf ist ein klares: JEIN!

Zum Start habe ich via LastFM den Lieblingssender meiner Mutter eingerichtet, sodass darauf auch über die B&W Music App zugegriffen werden kann. Sender aus der App starten und es läuft. Über die erhabenen, gut fühlbaren und weit auseinander liegenden Tasten am Zeppelin kann nun lauter und leiser gestellt werden und mit der Taste Play/Pause die Wiedergabe unterbrochen und auch wieder gestartet werden. Damit kommt meine Mutter gut klar. Doch schon am nächsten Tag hakt es. 

Der Grund: Der Zeppelin sollte sich den zuletzt gehörten Sender bzw. die letzte Abspielposition merken und jederzeit mit einem Druck auf die Play-Taste fortsetzen können. Auch nach einem Standby. Tut er aber nicht. Dafür muss die App zur Hilfe genommen werden. Ergebnis: Meine Mutter bleibt doch lieber bei dem 20 Jahre alten, unter die Küchenzeile geschraubten Autoradio für terrestrischen Empfang mit den Einbaulautsprechern über den Küchenschränken. Damit kommt sie klar, es funktioniert immer und hat sogar Senderwahltasten.

Das bedeutet Abzüge in der Praxisnote für den Zeppelin. Erst wenn Streaminggeräte genauso einfach und narrensicher zu starten sind, wie ein schlichtes, einfaches Radio von „damals“, wird es die vollen fünf Sterne geben.

Wünschenswert wäre außerdem eine Fernbedienung für Lautstärke, Mute, Titelsteuerung und mit fünf bis zehn selbst programmierbaren Preset-Tasten, um mit nur einem Druck den Lieblingssender oder eine festgelegte Playlists starten zu können.

Hörtest – Eine Frage der Perspektive

Wie gut der neue B&W Zeppelin aus dem Jahre 2021 klingt, ist vor allem eine Frage der Perspektive. Egal wie gut seine Treiberbestückung auch sein mag, mit guten HiFi-Stereoboxen kann der Zeppelin als One-Box-Speaker prinzipbedingt nicht konkurrieren. Genau aus dem Grund hat B&W selbst solche Boxen wie die Formation Duo im Sortiment, die als Paar bei entsprechender Aufstellung eine große Stereobühne vermitteln können.

Für seine Art und Größe hingegen ist der neue Zeppelin, wie schon seine Vorgänger, der King of the Koppel. In der neuesten Inkarnation mehr denn je. Zur optimalen Beurteilung sollte man sich relativ nah und direkt mittig vor den Zeppelin setzen. So kann auch er mit seinen weit außen liegenden Hochtönern eine tolle Stereobühne erzeugen. Die Feinheiten der Wiedergabe lassen sich so ebenfalls am besten beurteilen.

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Der zeitlose Zeppelin kann auch in klassischer Einrichtung eine gute Figur machen. (Foto: F. Borowski)

Ganz klar: Die Hochtöner dieses One-Box-Speakers sind vermutlich die besten ihrer Art. So fein und präzise auflösend kenne ich das von keinem Konkurrenten. Für die Mitten gilt das im Prinzip genauso. Wunderbar verfärbungsfreie und klare Stimmen mit realistischen Klangfarben sind aus solchen „Tischradios“ sonst nirgendwo zu hören.

Der Tieftonbereich ist eine Sache für sich. Bezogen auf die Gehäusegröße ist das Bassfundament des Zeppelin ausgezeichnet, die angebliche untere Grenzfrequenz von 35 Hz lassen wir einmal dahingestellt. Bassimpulse kommen knackig, präzise und schnell. Die Basspräzision stimmt. Und auch fast-partytaugliche Pegel sind möglich. 

Herkömmliche Reflexöffnungen gibt es hier übrigens nicht. Ganz geschlossen ist das Gehäuse aber entgegen anderslautenden Aussagen auch nicht. B&W arbeitet im Zeppelin mit einer Konstruktion namens „controlled leak porting“, was die Basspräzision geschlossener Gehäuse bieten und gleichzeitig eine gewisse Bassunterstützung wie mit Reflexports bringen soll. Wo genau die entsprechenden Strömungsöffnungen dafür sitzen, ist mir allerdings nicht ganz klar.

Die Konstruktion erweitert auch die Aufstellungsmöglichkeiten, aber ganz frei von Raumeinflüssen ist der Zeppelin damit natürlich nicht. In der oben beschriebenen Küchenaufstellung war der Grundton etwas zu präsent. Der Nachrichtensprecher klang dadurch etwas zu „dröhnig“, als säße er in einer großen Röhre.

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Screenshot aus einem B&W Produktvideo. Der Aufbau gibt keinen Hinweis auf die Technik namens „controlled leak porting“. (Rendering: B&W)

Ohne aufwändige DSP-Einmessung lassen sich solche und andere Einflüsse der Raumakustik kaum vermeiden. Dennoch rechne ich es B&W nicht als Nachteil an, dass sie auf eine solche „Raumkorrektur“ verzichtet haben. Sehr einfache Systeme, wie zum Beispiel mit Einmessung über das iPhone, sind meiner Erfahrung nach oft eher Verschlimmbesserungen. Und eine wirklich grandiose Einmessung und Raumkorrektur á la Trinnov wäre für ein Gerät wie den Zeppelin sicherlich over the top.

Es bleibt die schlichte Erkenntnis, dass One-Box-Speaker wie der Zeppelin gewisse klangliche Grenzen haben, die hauptsächlich auf ihre geringe Stereo-Basisbreite zurückzuführen sind und stark von der Aufstellung abhängen. Solche Lautsprecher sind nun mal nicht dafür gedacht, in einem speziell präparierten Hörraum einen Sweet-Spot zu beschallen. Sie sollen einfach da stehen, wo sie gut hinpassen, dabei möglichst gut aussehen und den Raum bis in alle Winkel gut beschallen. Der B&W Zeppelin macht das so gut wie kaum ein anderer. Punkt.

Fazit: Noch immer der Beste seiner Art

Für die Summe von 799 Euro – rund 100 Euro mehr als sein Vorgänger – bietet der B&W Zeppelin des Modelljahres 2021 enorm viel. Wobei die Preissteigerung unter Berücksichtigung der Inflation, der aktuellen Lage und der gebotenen Features sogar als moderat anzusehen ist. Schließlich ist hier ein kompletter Streamer mit DAC verbaut, für den man als alleinstehendes Gerät oft schon 250 Euro oder weit mehr ausgeben kann. Dazu kommt das in seiner Klasse wohl einzigartig designte und hervorragend verarbeitete Gehäuse mit Verstärkern und Treibertechnik vom Feinsten.

In Bezug auf die Streamingtechnik ist der aktuelle Zeppelin voll auf der Höhe der Zeit. B&W ist es gelungen, sowohl die Einrichtung als auch die Bedienung des All-In-One-Speakers so einfach wie nur irgend möglich zu gestalten – mit kleinen Einschränkungen (siehe Text). Über den Klang ist alles gesagt. Für seine Art und Gattung ist der Zeppelin einfach konkurrenzlos gut.

Die Entscheidung des Herstellers, auf weitere Anschlüsse zu verzichten, ist auch der Erfahrung geschuldet, wie die Kunden den Zeppelin in aller Regel einsetzen: hinstellen, verbinden, Playlist oder Radio starten, genießen. Und nicht zuletzt sich an der ikonischen Form des Lautsprechers erfreuen, der jede Einrichtung aufwertet…

Nur gut, dass B&W dieses Erfolgsrezept nie aufgegeben hat. 

 

B&W Zeppelin (2021)
2022/01
Test-Ergebnis: 4,5
ÜBERRAGEND
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
zeitlos ikonisches Design
klangstark und pegelfest
einfache Einrichtung und Bedienung
keine IR-Fernbedienung

Vertrieb:
B&W Group Germany GmbH
Kleine Heide 12
33790 Halle/Westf.

Tel.: 05201-87170
Fax: 05201-73370
E-Mail: info-de@bowerswilkins.com

Preis (Hersteller-Empfehlung):
B&W Zeppelin: 799 Euro

Die technischen Daten

B&W Zeppelin (2021)
Konzept:2-Wege Stereo One-Box-Speaker mit integriertem Subwoofer
Tieftöner:1 x 150 mm
Mitteltöner:2 x 90 mm FST
Hochtöner:2 x 25 mm Kalotten
Systemleistung:
240 W
Besonderheiten:viele Streamingoptionen, Alexa Sprachassistent, optionale Wandhalterung
Abmessungen (B x H x T):

650 x 210 x 194 mm

Gewicht:6,5 Kilo
Alle technischen Daten
Mit- und Gegenspieler:

Test B&W Zeppelin Wireless: Überflieger mit Bluetooth

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Test: Multiroom-Speaker B&W Formation Wedge


Autor: Frank Borowski

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LowBeats Experte für Schreibtisch-HiFi und High End kennt sich auch mit den Finessen der hochwertigen Streaming-Übertragung bestens aus. Zudem ist der passionierte Highender immer neugierig im Zubehörbereich unterwegs.