Test JBL Flip 5: Besser als der Bestseller Flip 4?

Der JBL Flip 5 tritt ein schweres Erbe an: Die JBL Flip Serie gilt als erfolgreichster Bluetooth-Lautsprecher der Welt. Seit kurzem gibt es den Nachfolger, der auf der CES in Las Vegas bereits vor einem Jahr vorgestellt wurde, auch in Deutschland.

Der Flip 5 wuchs in den Abmessungen von 7 x 17,5 x 6,8 cm auf 7,4 x 18,1 x 6,9 cm (H x B x T). Das Gewicht blieb mit 540 Gramm weitgehend unverändert. Vom akustischen Konzept mit zwei nach vorne gerichteten Breitband-Lautsprechern, die von zwei passiven Bass-Radiatoren auf beiden Seiten eines runden Gehäuses unterstützt werden, rückte JBL ein Stück weit ab.

Es gab eine entscheidende Änderung zum Flip 4: Im Flip 5 kommt nur noch ein nach vorne gerichteter ovaler Racetrack-Treiber zum Einsatz. Über den Grund kann man nur spekulieren. Grundsätzlich besteht bei zwei dicht nebeneinander sitzenden Treibern die Gefahr von gegenseitigen Auslöschungen.

Größerer Akku, gleiche Laufzeit wegen Mehrleistung

Die  Akkulaufzeit liegt beim Flip 5 wie bisher bei bis zu 12 Stunden. Dafür musste allerdings die Kapazität von 3.000 auf 4.800 mAh steigen, um die auf 20 Watt gesteigerte Ausgangsleistung und deren Strombedarf auszugleichen. Die Wasserdichtigkeit nach IPX7 steht für die Möglichkeit, den Lautsprecher gegebenenfalls ins Wasser zu werfen. Man kann sagen: Der JBL Flip 5 taucht was, sozusagen. Man darf den Lautsprecher sogar bis zu zwei Meter tief eintauchen.

Explosionszeichnung JBL Flip 5
Die Funktionszeichnung des JBL Flip 5 zeigt den wesentlichen Wandel: Statt zweier runder Breitband-Chassis gibt es jetzt nur noch einen RaceTrack-Treiber (Foto: S. JBL)

Soweit blieb alles beim Alten. Aber es gab auch Streichungen. Die Freisprechfunktion des Flip 4 entfiel beim Modellwechsel. Über den Flip 5 lassen sich keine Anrufe mehr entgegennehmen. Damit entfällt auch das Aufrufen der Assistenten Siri oder Google Assistant. Auch der analoge AUX-Eingang fiel dem Lautsprecher-Upgrade zum Opfer.

JBL Flip 5 wirbelt Wasser auf
Wie bisher ist der JBL Flip 5 wasserdicht nach IPX7 (Foto: S. Schickedanz)

Connect+ hat es ebenfalls nicht in den JBL Flip 5 geschafft. Allerdings ist das vom Funktionsumfang kein Rückschritt. Mit der neuen PartyBoost Funktion lassen sich beliebig viele Flips per Bluetooth miteinander synchronisieren, um als kleine PA für Parties zu fungieren. Bisher lag die Grenze des Wachstums bei maximal 100 Wireless-Boxen via JBL Connect+. Soweit, so gut. Durch die Umstellung auf PartyBoost kann man alte und neue Flips zwar nicht im Team betreiben. Das neue Verfahren funktioniert nur mit aktuellen JBL-Bluetooth-Speakern. Doch mit der kostenlosen JBL App für iOS oder Android ist auch die Bildung eines Stereo-Paares aus zwei Flip 5 möglich.

JBL Flip 5: In Tarnfarbe verstecken sich die Tasten

Die gummierten Tasten zur Lautstärkeregelung, Start/Stop und zum Verbinden von beliebig vielen Flips über PartyBoost hoben sich bei unserem Testmuster schlecht von der Stoffbespannung in Tarnfarbe ab. Immerhin gibt es ihn noch in sechs anderen Uni-Farben. Der JBL Flip 5 lässt sich weiterhin stehend und liegend betreiben.

Anschlussfeld des neuen JBL-Lautsprechers
Neben dem Tastenfeld gibt es noch die Tasten für Start/Stop und Titelsprung. Die sind allerdings gerade in Verbindung mit der Tarnfarbe des Testmusters nicht so gut zu erkennen. (Foto: S. Schickedanz)

Ein USB-C-Ladekabel liegt bei, der Trageriemen ist wie beim Vorgänger vormontiert. Offenbar setzt JBL jetzt auf pfiffige Müllvermeidung: Die aufklappbare Innenverpackung aus schwarzem Styropor lässt sich als Transportbox verwenden.

Hörtest gegen den Flip 4

In Schwarz trat auch der bisherige Flip 4 auf, gegen den sich der Nachfolger im Hörtest beweisen musste. Schnell zeigte sich der Fortschritt. Das größere Gehäuse, seine neue Technik und eine optimierte Abstimmung verhalfen dem JBL Flip 5 zu noch ausgewogenerem und satterem Klang. Man könnte sagen: Die neueste Generation des ewigen Bestsellers wirkte noch erwachsener.

JBL Flip 4 und JBL Flip 5 nebeneinander
Der Vergleich von JBL Flip 4 (links) und JBL Flip 5 lässt das Gehäusewachstum erkennen. Es kommt dem Bass zugute (Foto: S. Schickedanz)

Der Klang des Flip 4 erschien im direkten Vergleich regelrecht dünn und spitz. Dabei war er für sich genommen durchaus eine runde Sache. Der Neue ließ ihn jedoch mit einem Mal alt aussehen, spielte entspannter und gehaltvoller mit noch besserem Bassfundament.

Der neue RaceTrack-Treiber brachte allerdings nicht nur Vorteile. Er bündelte Mitten und Höhen stärker nach vorne. Den Flip 4 konnte man auch von der Seite und selbst von hinten mit verhältnismäßig geringen Klangeinbußen hören. Der JBL Flip 5 klang dagegen direkt  von vorne deutlich besser als aus allen anderen Richtungen.

Der Flip 5 stemmt sich damit gegen den Trend. Hersteller wie Bose oder Amazon setzen vorwiegend auf omnidirektionale Abstrahlcharakteristiken. Man sollte den Flip 5 also zum Hörplatz ausrichten. Dann macht der Neue mit allen Musikrichtungen eine bessere Figur. Wir erreichte ohne Unsauberkeiten hohe Pegel. Die Drums in „Africa“ (Toto XX) oder Elektro-Beats  bei Tracks wie beim Spandau Ballet Cover „True“ von Yuri Petrovski ertönten sonorer und authentischer als mit dem bisherigen Bluetooth-Bestseller.

Passiv-Radiator am Gehäuse des JBL Flip 5
Auf beiden Seiten des Gehäuse sitzen Passiv-Radiatoren für satteren Bass (Foto: S. Schickedanz)

Gesangsstimmen konnte man aus dem Klangbild trotz gesteigerter Bassgewalt ausgewogen und ausdrucksvoll heraushören. Die Transparenz der Wiedergabe war für diese Klasse sehr gut. Auch die Höhen kamen sehr frisch und keinesfalls scharf aus der kleinen Bluetooth-Dose. Unter den kleinen mobilen Wireless Speakern muss man lange suchen, um einen noch besseren als den noch natürlicher abgestimmten, allerdings auch deutlich kostspieligeren B&O Play A1  zu finden. Mit seinem Mono-Zweiwege-System erspielte sich der Däne vor allem bei Stimmen einen kleinen Vorsprung. Im günstigen Preis-Bereich kommt eigentlich nur der Teufel Rockster Cross als Alternative in Frage.

Fazit JBL Flip 5

Der Flip 5 übertrifft seinen erfolgreichen Vorgänger klanglich in allen Belangen. Abgesehen von einer leichten Richtwirkung leistete sich der dynamische, bassstarke und präzise Bluetooth-Speaker keine Schwäche. Mit dem Modellwechsel gelang es JBL, den klanglichen Abstand zum Klassenprimus B&O Play A1 verkürzen.

In der Ausstattung macht der JBL Flip 5 allerdings sogar gegenüber seinem Vorgänger einen Schritt zurück. Die Freisprecheinrichtung entfällt und es gibt auch keinen Analog-Eingang mehr. Im Grunde dürfte der Verzicht zu Gunsten eines besseren Klangs den meisten Nutzern allerdings leicht fallen, denn Bluetooth ist die Verbindung der Wahl für Smart Phones und andere Musikquellen. Wer benutzt heute noch ein Klinkenkabel für den AUX-Eingang seines Wireless Speakers? In wieweit die Umstellung von Connect+ auf das leistungsfähigere, aber nicht abwärtskompatible PartyBoost ein Vor- oder ein Nachteil ist, hängt letztlich davon ab, ob man noch ältere JBL-Boxen besitzt oder ohnehin neu einsteigt.

Keine Frage: Der Flip 5 hat das Zeug, die Geschichte des ewigen Bestsellers Flip 4 fortzuschreiben, auch wenn er in unserer preisbezogenen Bewertung wegen des verringerten Funktionsumfangs nur noch auf 4,7 statt 4,8 Sterne kommt.

JBL Flip 5
2020/02
Test-Ergebnis: 4,7
Überragend
Bewertung
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Sehr homogene Abstimmung mit ausgesprochem sattem Bass, kann sehr laut und verzerrungsarm spielen
Stereo- und Party-Modus mit zwei oder unbegrenzt vielen JBL Flip 5 durch JBL PartyBoost
Sehr robuste Bauweise, gegen Stöße, Stürze sowie Wasser nach IXP7 geschützt
Kein AUX-Eingang und keine Freisprecheinrichtung mehr

Preis (Hersteller-Empfehlung) JBL Flip 5: 130 Euro

Vertrieb:
Harman Deutschland GmbH
Allee 18
74072 Heilbronn
Deutschland
www.jbl.com

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Autor: Stefan Schickedanz

Stefan Schickedanz
Schneller testet keiner. Deutschlands einziger HiFi-Redakteur mit Rennfahrer-Genen betreut bei LowBeats den Bereich HiFi im Auto sowie die Themengebiete Mobile- und Smart-Audio.