Rotel Michi P5 Beauty
Sind ja gerade in aller Munde: Die Vorstufe P5 (Bild) und die beiden Endstufen (S5 und M8) aus Rotels neuen Michi-Serie verblüffen durch extrem viel Material und Leistung fürs Geld. Aber sie klingen auch vorzüglich... (Foto: Rotel)

Test Vor-/Endstufen-Kombinationen Rotel Michi: P5, S5, M8

Ultimativ, gewaltig und unfassbar stark: Ein maximal großes Transistoren-Gedeck. Entstanden auf den Werkbänken von Rotel, eigentlich bekannt für erschwingliche Elektronik. Doch jetzt drehen die Japaner auf – mit den Rotel Michi Komponenten: die Vorstufe P5, die Stereo-Endstufe S5 und die Monoblöcke M8. LowBeats hatte sie alle drei (beziehungsweise vier) im Test.

Es war ein langer und bewegender Test, der nicht nur die obligatorische Frage nach der Qualität der Rotel Michi Komponenten beantworten wollte, sondern auch die fast schon philosophische Frage: Kann man die schiere Kraft von 2.000 Watt pro Kanal hören? Antwort: Man kann. Und die extrem hohe Leistung der M8 Monoblöcke ermöglichte uns zudem ein Erlebnis der ganz außergewöhnlichen Art: die 125 Dezibel Experience mit der JBL Everest DD 67000. Das schwingt noch immer nach…

Rotel Michi P5 + M8
Tower of Power: Rotel Michi P5 mit den beiden Mono-Blöcken M8. Äußerlich eher unscheinbar, sind in den zentnerschweren Gehäusen mächtige Triebwerke untergebracht (Foto: Rotel)

Rotel Michi: alles ultimativ, nur nicht der Preis

Michi. Natürlich ist nicht der Michi aus den „Rosenheim Cops“ gemeint. „Michi“ (sprich: Mitschi) ist im Japanischen das Wort für den „Weg“. Und das kommt einer Philosophie, fast Religion gleich. So wie hierzulande: Der Weg ist das Ziel. Oder im musikalischen Sinn: „The Long and Winding Road“. Bislang war Rotel für seine erschwingliche Elektronik berühmt. Kleine Kisten, fein gemacht, aber für jeden Studenten finanzierbar. Wie beispielsweise die Vollverstärker A10, A12, A14.

Michi bricht mit dieser Botschaft. Es darf ultimativ werden, in edlen Gehäusen. Eine offen ausgesprochene Botschaft hat das Unternehmen erfasst: Schaut nicht auf das schnöde Geld. Das ist eigentlich ein Tabu. Denn die losgelassenen Ingenieure geben sich plötzlich wie eine Horde wilder Hunde. Schön für uns. Mit Michi haben sie großartige Elektronik erschaffen.

Was dabei am meisten verwundert: Trotz des irrsinnigen Aufwands sind die schwarzen Kisten noch erstaunlich kaufbar. Ok, man muss sparen, aber nicht unbedingt seine Oma verpfänden. Konkret: die Vorstufe ist für 3.500 Euro zu haben, der Stereoamp liegt bei 6.000 Euro, die Monos fordern im Duo 12.000 Euro. Da zuckt man, aber da greift man sich nicht ans Herz.

Die Zentrale: Rotel Michi P5

Jeder der Brocken ist enorm schwer. Die Spedition stellte uns vier gewaltige Kisten hinter die Tür. Schon die Muskeln waren beeindruckt. Ok, die Vorstufe mit ihren 23 Kilogramm war noch ein Klacks. Doch der Stereo-Amp mit 60 Kilo hätte meine Bandscheiben gesprengt. Aber hier geht es nicht um Sportlichkeit. Die Zahlen sollen nur andeuten, mit welchen Prachtexemplaren man es hier zu schaffen hat. Die Fotos auf diesen Seiten fangen dies nur andeutungsweise ein. Doch Geld und Gewicht allein macht noch kein kluges Konzept aus.

Rotel Michi P5 Front Bass-Einstellung
Die Rotel Michi P5 von vorn. Das Menü ist – wie bei den Japanern üblich – vielfältig. Das Bild zeigt die Basseinstellung der Vorstufe (Foto: Rotel)

Deshalb machen wir, was andere wegen möglichen Garantieverfalls nicht tun sollten: Nämlich den Schraubenzieher zur Hand nehmen und in die Komponenten hineinschauen. Das ist ein Fest der alten, aber guten HiFi-Werte. So baut man grenzenlos in der Welt der Transistoren. Die Netzteile sind gewaltig, der Parcours an Bauteilen ist strikt in spiegelgleichem Stereo getrennt. Zudem sollte man über gute Freunde oder einen dienstbeflissenen Händler verfügen. Weil allein heben…? Nein.

Rotel Michi P5 innen
Ein Fest der diskret aufgebauten Analog-Technik: Die Rotel Michi P5 ist komplett symmetrisch aufgebaut, jeder Kanal hat seinen Trafo. Die Symmetrierung sorgt für geringste Störeinflüsse und für die Möglichkeit symmetrischer Ein- und Ausgänge (Foto: Rotel)

Widmen wir uns zunächst einmal der Vorstufe, „P5“ genannt. Ein Knauf für die Steuerung, ein weiterer für die Lautstärke. Das wirkt unaufgeregt. Doch direkt dahinter liegen zwei Trafos für die Kraftaufbereitung. Wirklich das Maximum an Symmetrie. Wir könnten die Kettensäge zücken und hätten zwei komplett funktionierende Wege. Und Vorsicht: Auch die P5 kann warm werden. Das Schaltungskonzept folgt den Spielregeln von Class-A, überschüssige Energie wird in Wärme verwandelt. Deshalb die dezenten, kompakt-effektiven Kühlrippen an den Seiten.

Rotel Michi M8 Kühlkörper
Solide bis zum Anschlag: die Rotel Michi Komponenten bieten brutal viel Material fürs Geld. Hier die Kühlkörper (Foto: Rotel)

Nur mal so zum Spaß: Schauen Sie in irgendeine andere, günstigere Vorstufe oder gar einen CD-Player. Sie werden erstaunt sein, was hier im Inneren herrscht. Nämlich meist Luft. Die meisten Hersteller bedienen das Frontformat von 43-Zentimetern, haben aber dahinter nicht wirklich etwas zu sagen. Ganz anders Rotel in der Michi-Serie. Das ist vollgestopft. Das ist grundehrlich und mächtig. So wird die Zielgruppe nicht nur mit einer reinen Vorverstärkung umschmeichelt.

In der P5 gibt es ein umfassendes Digital-Board mit potentem DAC. Man kann – einen Streamer vorausgesetzt – seine Lieblingsmusik zustreamen – bis 32 Bit und 384 Kilohertz. Das ist ein Machtwort. Solch eine hohe Auflösung ist noch meilenweit davon entfernt, im Markt angekommen zu sein. Zukunft ist hier also garantiert. Dazu bedient Rotel auch die Exoten und Sonderlinge. DSD? Mit an Bord. MQA? Auch hier legt sich Michi aus dem Fenster. Da streichelt man zufrieden seinen Bauchansatz.

Aber es gibt noch eine entscheidende Zugabe. Auch die Fans der schwarzen Scheiben werden umarmt. Mit einem großartigen MM-Modul, mehr noch: auch die winzigen MC-Impulse kann die P5 auslesen, entzerren und verstärken. Dazu können wir auch die Wohnung betreten und unser Smartphone per Bluetooth an den Michi-Vorverstärker koppeln.

Rotel Michi P5 Anschlüsse
Die Ordnung der P5 ist auf der Rückseite zu erkennen und konsequent in zwei Stockwerke aufgeteilt: unten das Digitalboard, oben die analogen Stufen beziehungsweise die Ein- und Ausgänge. Ebenfalls gut zu sehen: der Dongle für den Bluetooth-Empfang. Ungewöhnlich sind die beiden Digital-Ausgänge und zwei Mono (Cinch-) Ausgänge für Subwoofer (Foto: Rotel)

Das ist natürlich in der möglichen Klangkraft absurd, aber modern-praktisch. Also für das große Bild: Wir haben einen Plattenspieler im Rack, über das MacBook streamen wir unsere ehemalige CD-Sammlung herbei, dazu ein Handy in der Westentasche – die P5 nimmt alles entgegen und freut sich. Das ist ein mächtiger Anker in die Vergangenheit und die Zukunft der Klangwandlung, alles in nur einem Gehäuse. Ein audiophiler Rundumschlag.

Die Rotel Michi Endstufen S5 und M8

Jetzt rollen wir die erste Kanone heraus – die Stereo-Endstufe. Über ihre 60 Kilogramm habe ich bereits gesprochen. Aber lassen wir uns das einmal umfassend egal sein. Schauen wir lieber unter die Haube. Da stockt abermals der Atem. Hinter dem Display liegen zwei verkapselte Trafos. Danach spreizt sich der Weg. Links und rechts davon hat Rotel je einen Kanal etabliert. Hier wird auf Leistung gepusht. Mit extremer Energie und hoher Wärmeentwicklung.

Rotel Michi M8 Rear
Der Mono-Block M8 von hinten: Bestimmt wird die Rückseite von den mächtigen Ventilatoren, die im Betrieb langsam laufen und tatsächlich nicht hörbar sind. Anschluss-seitig ist ein symmetrischer und ein asymmetrischer Eingang vorhanden; hinzu kommen zwei Paar Lautsprecherausgänge (Foto: Rotel)

Deshalb liegen die Endstufen in einem Dauerfluss von kühlender Luft. Vorn flutet ein Ventilator im idealen Gegentakt zu einem Ventilator auf der Rückseite. Das schafft eine Windkammer. Wow, wie clever, wie schön, wie potent. Knapp 1.000 Watt an vier Ohm? Kein Problem. Wäre es ein Gartengrill, wir würden in vier Sekunden ein perfektes Medium-Steak mit wunderbarer Kruste erhalten. Das Display auf der Front spielt ein wenig mit der nötigen Show. Wir sehen den Input, die Leistung, die Frequenzbereiche. Muss nicht sein, hat aber seinen Charme.

Rotel Michi P5 Leistungsazeige
Die Stereo-Endstufe S5 hat – natürlich – zwei umschaltbare Leistungsanzeigen für linken und rechten Kanal auf der Front (Foto: Rotel)

Die Rotel Michi M8 ist verwandt zur Stereostufe. Eigentlich sogar eine direkte Kopie – halt nur die doppelte Ausführung. Heißt: 12.000 Euro Paarpreis, heißt 120 Kilo Gewicht, heißt gut 2 x 2.000 Watt an vier Ohm. Die Leistung könnte noch höher sein, wird aber über die Sicherungen des Hausnetzes limitiert. Doch auch so kann man damit große Standlautsprecher mit Feuerwerk in die Luft sprengen. Es ist das Mächtigste, was mir in den letzten Jahren über den Weg gelaufen ist. Eine McIntosh MC2KW könnte da noch mithalten. Aber die ist ja um einiges teurer…

Rotel Michi M8 Innenaufbau
Perfekter Aufbau, perfekt durchdacht: Ventilator-Schächte reduzieren die Abwärme der 32 Hochstrom-Ausgangstransistoren. Die vier Netzteil-Kondensatoren addieren sich zusammen auf beeindruckende 188.000uF. Aus diesen Zahlen spricht die schiere Stabilität (Foto: Rotel)

Wohin soll so viel Energie fließen? Hüten wir beispielsweise einen wunderbaren Zweiwegler im Regal, dann würden wir mit Wasserstoffbomben auf Spatzen schießen. Hier braucht es am Ende der Kette einen echten Kraftsauger. Also eine mächtige Standbox. Der Wirkungsgrad geht uns am verlängerten Rücken vorbei, völlig egal. Wir wollen das Maximum – eine Rakete in den Orbit jagen.

Zum Hörtest geht‘ s auf der nächsten Seite

Seite 1      Rotel Michi P5, S5, M8: Konzept, Aufbau
Seite 2     Michi P5, S5, M8: Hörtest, 125 dB Experience, Fazit

Autor: Andreas Günther

Andreas Günther
Der begeisterte Operngänger und Vinyl-Hörer ist so etwas wie die Allzweckwaffe von LowBeats. Er widmet sich allen Gerätearten, recherchiert aber fast noch lieber im Bereich hochwertiger Musikaufnahmen.