Quadral Chromiumstyle 105 Ambiente
Die 105 ist das Flaggschiff der neu überarbeiteten Chromium-Serie von Quadral. Ein Energiebündel, das für HiFi wie für Filmton gleichermaßen gut geeignet ist. Ihr Paarpreis liegt bei knapp unter 3.000 Euro (Foto: Quadral)

Test Standlautsprecher Quadral Chromium 105

Quadral feiert ja in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag. Aber statt eine neue Titan auf Kiel zu legen, modernisieren die Hannoveraner erst einmal ihre Oberklasse – genauer: die Chromium Serie. Das Flaggschiff der Serie, die Quadral Chromium 105, hatten wir für einige Wochen im Test. Es ist ein unglaubliches Dynamikbündel, das pegelmäßig erstaunlich souverän auftritt. Und weil die stattliche 105er auch noch mit einem Bändchen-Hochtöner ausgestattet ist, könnte man hier doch einige Anleihen an die Titan entdecken…

Die Besonderheiten der Quadral Chromium 105

Obwohl die Treiber irgendwie bekannt vorkommen, wurden sowohl der Hochtöner als auch die Tieftöner komplett neu entwickelt. Quadral-Entwickler Sascha Reckert hat darin mittlerweile eine große Kompetenz und entwirft bei Bedarf (also oft) eigenständige Treiber. Zum Beispiel den Tiefmitteltöner der Chromestyle 105. Von den 17 Zentimeter großen und silbern schimmernden Bässen hat die 105 gleich drei eingebaut. Tatsächlich handelt es sich hier um denselben Treiber, nur dass der obere auch noch als Mitteltöner fungiert.

Quadral Chromiumstyle 105 Bass
Den kräftigen 17 Zentimeter Tieftöner findet man in der Chromium 105 gleich drei Mal. Auffällig und Quadral-typisch ist die durchgezogene ALTIMA-Membran ohne Dustcap (Foto: H. Biermann)

Schon vor einiger Zeit hat Reckert ein Konzept ausgefuchst, das er BDS (Balanced Distribution System) nennt: Die beiden unteren Bässe sitzen in einem großen Bassreflexgehäuse, der obere Tiefmitteltöner in einem kleineren. Alle drei sind auf die gleiche Tieftonresonanz (in diesem Fall 34 Hertz) abgestimmt. Der einzige Unterschied: Die unteren Bässe der 105 haben eine um zehn Gramm höhere bewegte Masse und laufen bis 400 Hertz parallel zum dritten Bass – was zu einer enormen Pegelfestigkeit führt. Der obere Tieftöner wiederum läuft bis etwa 3.000 Hertz – wo dann der Bändchenhochtöner übernimmt.

Das Thema Bändchen hat bei Quadral ja eine lange Tradition. In der ersten Titan war es ein 800er-Bändchen von Technics, das damals Hochton-Maßstäbe setzte. In den neuen Modellen der Quadral Top-Serie (Aurum) arbeitet ein Spitzen-Bändchen, das sogar im Quadral-Stammhaus in Hannover produziert wird. Der Hochtöner der Chromium 105 ist ebenfalls ein echtes Bändchen (also kein AMT oder Magnostostat, wie sie heute so häufig zu finden sind), das mittels angedocktem Übertrager auf ein für Verstärker brauchbares Impedanz-Niveau gehoben wird.

Quadral Chromiumstyle 105 Bändchen
Auch der Bändchen-Hochtöner ist neuester Stand: War früher die eigentliche Membran (das Bändchen) geriffelt, ist es heute glatt, der Hochtöner insgesamt deutlich verzerrungsärmer (Foto: H. Biermann)

Wie so oft in dieser Klasse hat das Gehäuse eine akustisch vorteilhafte Schiffsrumpf-Form: eine Rundung der Seitenwände sorgt dafür, dass sich das Gehäuse nach hinten verjüngt. So entstehen Wandstärken zwischen 10 – 31 Millimetern. Aber das Gehäuse ist durch die verschiedenen Kammern mehrfach versteift und in den Kammern befinden sich schräge Bretter. Parallele Wände (die oft zu sich aufschaukelnden Dröhnfrequenzen führen) findet man hier nur wenige.

Quadral Chromium Style 105 Aufriss
Der Aufriss zeigt das Konzept: Das Gehäuse der 105 ist im Verhätnis 1 (Tiefmittelton) zu 2 (Bassgehäuse) aufgeteilt. Verschiedene Verstrebungen sowie vergleichsweise viel Polyesterwatte unterdrücken Vibrationen (Grafik: Quadral)

Die Lackqualität der Chromium ist erwartungsgemäß tipptopp. Aber es ist das, was man in dieser Klasse mittlerweile erwarten darf.

Quadral Chromiumstyle 105 Logo
Die Rundung der Seitenwände sieht hübsch aus und ist akustisch vorteilhaft – auch, weil die Wände nicht durchgehend die gleiche Stärke haben und sich so kein einheitliches Resonanzverhalten ausbilden kann (Foto: H. Biermann)

Praxis

Einen großen Vorteil der 105 hört man schon beim Warmlaufen: Dieser Lautsprecher hat mit über 88 Dezibel einen erfreulich hohen Wirkungsgrad und setzt sich schon damit von etlichen Leisetretern seiner Klasse ab. Das bedeutet nämlich im Umkehrschluss, dass der angeschlossene Verstärker gar nicht so kräftig sein muss, um beeindruckende Pegel aus dieser Standbox herauszuholen. Und auch ein Blick auf die von LowBeats ermittelten, elektrischen Werte geben für den angeschlossenen Verstärker Entwarnung: Da gibt es in Bezug auf Impedanz, Phase oder EPDR keine Herausforderung, die nicht von einem gängigen 500-Euro-Verstärker (wie z. B. dem Rotel A11) gemeistert werden könnte.

LowBeats Messung IMpedanz, Phase, EPDR: Quadral Chromiumstyle 105
Die Impedanz (rote Kurve) liegt immer oberhalb der von DIN geforderten 3,2 Ohm. Aber auch die Phase (blaue Kurve) macht keine solchen Sprünge, so dass der EPDR-Wert (graue Kurve) das Netzteil des Verstärkers über Gebühr belasten würde (Messung: J. Schröder)

Dieser Punkt ist nicht ganz unwichtig: Weil Quadral in den vergangenen Jahren auch sehr viel mit Heimkino-affinen Händlern arbeitet, ist es natürlich hilfreich, wenn ein Quadral-Modell auch an AV-Receivern (wie zum Beispiel dem Denon AVR-X1700H) funktioniert. Denn die müssen ihre Leistung ja auf fünf oder mehr Kanäle verteilen. Und bei Energie-saugender Filmmusik à la Hans Zimmer kommt so ein effizienter, Netzteil-schonender Kraftbolzen wie die Chromium 105 gerade richtig.

Wenn allerdings der Verstärker (oder AV-Receiver) Leistung im Überfluss hat, kann er mit der 105er einen ordentlichen Orkan erzeugen. Maximal 103 dB Dauerpegel ermittelte das Verzerrungsmess-System, bevor es Alarm gab. Das bedeutet in Realität, dass ein Pärchen Quadral Chromium Style 105 mit Musik locker 115 dB erzeugen kann. Wir haben es ausprobiert: Da kommt eine Menge – zumal sie auch im Tiefbass einiges zu bieten hat…

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LowBeats Messung Pegel @ 85 dB: Quadral Chromiumstyle 105
Bei Pegeln im Wohnzimmerbereich (85 dB) zeigt die Quadral keinerlei Verzerrungen (Messung: J. Schröder)
LowBeats Messung Pegel @103 dB: Quadral Chromiumstyle 105
Bei hohen Pegeln steigen die Verzerrungen bei 60 und 100 Hertz stark an (Messung: J. Schröder)
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Die Aufstellung empfand ich nicht als sonderlich schwierig: Die Chromium 105 produziert zwar sehr tiefe, aber keineswegs dröhnige Bässe. Aber hier schreibt einer mit nahezu perfekten Abhör-Bedingungen. Der fein getunte (große) Hörraum von LowBeats hat gut 70 Quadratmeter Fläche; da findet sich fast immer ein Plätzchen. Dennoch habe ich auch mit wandnahen Aufstellungen experimentiert und empfand das als durchaus akzeptabel.

Noch ein Wort zur Hörraum-Größe. Man findet bei Herstellern öfter Empfehlungen und auch wir geben ja eine maximale Größe an. Dieser Wert ist ein bisschen ins Blaue gesprochen und orientiert sich an den THX Pegel-Vorgaben zum Heimkino. Der viel wichtigere Wert ist die Hördistanz. Man kann auch mit einer kleinen Box super in einem großen Raum hören: Man muss nur nah genug dransitzen. Für klassische HiFi-Boxen würde ich einen Hörabstand von drei, maximal vier Metern nie überschreiten. Bei den üblichen (sehr breiten) Abstrahl-Charakteristika geht einfach zu viel Energie in den Raum verloren und mischt sich als unerwünschtes Echo zum Originalsignal.

Hörtest

Vor kurzem hatten wir die Quadral Signum 70 im Test. Die gefiel uns mit ihrer harmonisch samtpfotigen Spielweise so gut, dass wir sie gleich zur Klasen-Referenz kürten. Wer nun meint, die 105er schlüge in die gleiche Kerbe, der irrt. Die Chromium packt deutlich energischer zu, klingt offensiver und zeigt mehr Vorwärtsdrang. Einen solchen Unterschied hätte ich – trotz der unterschiedlichen Familien – nicht erwartet.

Entwickler Reckert erklärt die klanglich unterschiedliche Ausrichtung zum einen mit den sehr stärkeren Antrieben der Chromiumstyle-Treiber. Zum anderen mit einer gewissen Offenheit gegenüber der Konstruktion selbst. Reckert: „Wenn ich beim Entwickeln den Charakter eines Lautsprechers erkenne, versuche ich den zu verfeinern und nicht unbedingt auf einen Quadral-Kurs zu zwingen.“ Ein sympathischer Ansatz, der uns hier ein wahres Dynamik-Paket beschert.

Tendenziell hat Reckert die 105 weitgehend neutral abgestimmt, ihr aber auch diesen durchaus kernigen, hoch-energischen Mittenbereich mit auf den Weg gegeben, der den Zuhörer immer direkt in das Geschehen versetzt. Nachdem wir da übliche Repertoire an Singer-Songwriter-Musik (zum Beispiel Sara K., Kings Of Convenience, Katie Melua, David Crosby…) ausgiebig abgehandelt hatten und festhalten mussten, dass die (ebenfalls kürzlich getestete und fast gleichteure) Inklang Ayers Three diese Form von melancholisch-schöner Lagerfeuermusik ruhiger, feiner, einen Hauch voller und irgendwie „schöner“ zelebrierte, wechselten wir das Programm in Richtung Live-Konzert.

Inklang Ayers Three versus Quadral 105
Zwei exzellente Vertreter der 3.000 Euro Klasse im LowBeats Hörraum: die Quadral Chromium 105 (links) und die Inklang Ayers Three (Foto: H. Biermann)

Und hier zeigte sich ein völlig anderes Bild. Zum einen, weil die Chromium auch bei sehr hohen Pegeln und komplexen Passagen sehr schön die Übersicht bewahrte. Aber auch, weil sie viel dynamischer spielte, die Bassdrums sehr viel zupackender, mitreißender knallen ließ – wow! „Hysteria“, ein Stück von dem Muse Live-Album Live At Rome Olympic Stadium kam über die Quadral als wäre uns eine ganze Packung „Hallo-Wach“-Pillen in den Tee gekippt worden: Der Bass treibend, die Snares knallhart und die Gitarre so direkt, als stünden wie headbangend direkt vor der Bühne. Mich spricht so etwas an…

Ich konnte nicht anders und musste zu einer meiner Lieblings Live-Aufnahmen greifen: „One“ von der Metallica S+M, das die Hardrocker zusammen mit dem San Francisco Symphony Orchestra eingespielt haben. Ich kann mich gar nicht entsinnen, wann ich dieses wirklich großartige Werk  mit Lautsprechern dieser Klasse jemals so packend erlebt habe. Die Bassdrum von Lars Ulrich schiebt tierisch von unten und über all dem liegt dieser zarte Schmelz der Streicher. Die Inklang Ayers Three klang auch bei „One“ etwas feiner und kultivierter. Aber nicht mal im Ansatz so mitreißend…

Cover Metallica S-M
Die Hardrock-Band mit dem San Francisco Symphony Orchestra: Ein großes, auch klanglich prachtvolles Werk (Cover: Amazon)

Die hohen dynamischen Fähigkeiten der Chromium 105 verführten zu einem anderen Experiment: Wie würde sich die Säule wohl in einem 2-Kanal Heimkino schlagen? Antwort: fantastisch. Selbst die Boxen-mordenden Pauken von Hans Zimmers „Pirates Of The Carribean“ meisterte die 105 erstaunlich souverän. Das machte echt Spaß. Und dank des minimal vordergründigen Mittenbereichs waren auch die Dialoge etwas besser zu verstehen als über viele „klassische“ HiFi-Boxen aus unserem Referenzregal. Die Quadral Chromium 105 erscheint somit als Top-Lösung für die Zwitter-Aufgabe von HiFi und AV, die „normale“ HiFi-Speaker nur ganz selten so gut leisten.

Fazit Quadral Chromium 105

Vor kurzem hatten wir die Perlisten S5M im Test. Ein Lautsprecher, der von einem Heimkino-Spezialisten für HiFi-Freunde gemacht wurde und deshalb auf beiden Bühnen exzellent spielt. Die Perlisten ist ein grandioses, aber kein günstiges Vergnügen. Ohne dass die Chromium 105 wirklich an die irre Präzision und Transparenz der Perlisten heranreichen würde, erscheint sie doch als eine fast ebenso gute Lösung. Halt eine, die noch unter 3.000 Euro zu haben ist. Und eine Lösung, die zudem – Preisklassen-angemessen – sehr viel weniger Ansprüche an den Verstärker stellt und auch diesbezüglich die Kosten im Rahmen hält…

Quadral
Chromium 105
2022/07
Test-Ergebnis: 4,3
SEHR GUT
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Dynamisch-energischer, natürlich-offener Klang
Satter und tiefer Bass
Superbe Heimkino-Eignung, hohe Dialogverständlichkeit
Praxisgerechte elektrische Werte, hoher Wirkungsgrad

Vertrieb:
Quadral GmbH & Co KG
Am Herrenhäuser Bahnhof 26
30419 Hannover
www.quadral.com

Paarpreis (Hersteller-Empfehlung):
Quadral Chromium Style 105: 2.940 Euro

Die technischen Daten

Quadral Chromium 105
Technisches Konzept:2,5-Wege Standbox, Bassreflex
Bestückung:TT: 2 x 17 cm ALTIMA, TMT: 1 x 17 cm ALTIMA, HT: 1 x Bändchen
max. empf. Raumgröße:bis 45 Quadratmeter
min. empf. Verstärkerleistung:> 30 Watt pro Kanal
max. Schalldruck:
115 Dezibel
Abmessungen (H x B x T):112,0 x 23,2,0 x 39,9 cm
Gewicht:
29,1 Kilo
Alle technischen Daten
Mit- und Gegenspieler:

Test Standbox Inklang Ayers Three: perfekte Harmonie
Perlisten Audio S5M: audiophile Hochpegelbox mit höchster THX-Zertifizierung
Test: Denon AVR-X1700H – der perfekte Einsteiger-Receiver

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Autor: Holger Biermann

Chefredakteur mit Faible für feinste Lautsprecher- und Verstärkertechnik, guten Wein und Reisen: aus seiner Feder stammen auch die meisten Messe- und Händler-Reports.