Denon AVR-X1700H: Kleinster Receiver der X-Serie mit praller Ausstattung, sieben Endstufen und HEOS Streaming unter 700 Euro (Foto: R. Vogt)
Denon AVR-X1700H: Kleinster Receiver der X-Serie mit praller Ausstattung, sieben Endstufen und HEOS Streaming unter 700 Euro (Foto: R. Vogt)

Test: Denon AVR-X1700H – der perfekte Einsteiger-Receiver

Ein Heimkino, gerade in diesen Zeiten des Cocoonings, ist ein Stück Lebensqualität. Doch was, wenn weder Raum noch Budget dafür in größeren Dimensionen bereitstehen? Ein Soundbar bietet dem einen oder anderen zu wenig an Klang – was ich gut verstehen kann. Dann kommen eben preiswerte AV-Receiver und kompakte Lautsprecher ins Spiel. Und der Denon AVR-X1700H ist der wahrscheinlich attraktivste Einsteiger-AV-Receiver. Denn er macht in Sachen Ausstattung und Performance keine Abstriche, obwohl er mit 699 Euro noch gut in viele Budgets passen dürfte…

Aufgeäumt: die Front Denon AVR-X1700H mit großer Kopfhörerbuxe (Foto: R. Vogt)
Aufgeräumt: die Front Denon AVR-X1700H mit großer Kopfhörerbuchse (Foto: R. Vogt)

Lautsprecher oder Subwoofer kann man in aller Regel getrost gebraucht kaufen, aber AV-Receiver sollten stets auf der Höhe der Zeit sein – vor allem was das digitale Innenleben angeht. Und hier kleckern die Ingenieure von Denon selbst bei diesem Junior der X-Serie nicht. Seien es nun mehrere Eingänge oder ein Ausgang für sämtliche HDMI-Signale bis 8K/60Hz und 4K/120Hz – sie stehen bereit, ebenso wie sonstige HDMI-Optionen für die allerneuesten Spielekonsolen, Audyssey-Einmessung per Audyssey MultEQ Editor App oder HEOS Streaming und Multiroom-Integration – es ist alles da. Und wer genügend Lautsprecher anschließt, bekommt sogar diskretes Dolby Atmos und DTS:X Immersive Audio oder eine virtualisierte Deckenlautsprecher-Abbildung.

Denon AVR-X1700H: Ausstattung und Verarbeitung

Im Anschlußfeld werden Analogeingänge rar. Immerhin: Ein Phonoeingang (Foto: R. Vogt)
Im Anschlussfeld werden Analogeingänge rar. Immerhin: Ein Phonoeingang (Foto: R. Vogt)

Der Blick auf das Anschlussfeld verrät, das hier sieben Endstufen am Werk sind. Die lassen sich maximal für 7.1-Kanal-Surround klassisch oder 5.1.2 für Immersive-Audio per Atmos oder DTS:X einsetzten. Für Dolby Formate ist auch 2.0.2 erlaubt, also Stereo plus Höhen-Effekten, falls man keine Surroundlautsprecher installieren möchte oder kann.

Überhaupt ist an eine „reine“ Stereo-Anwendung in mehrerer Hinsicht clever gedacht. Beispielsweise steht ein klanglich recht brauchbarer Phono-Eingang zur Verfügung. Aber auch manches Surround-Feature funktioniert beim Denon AVR-X1700H erstmals auch mit einem reinen Stereo (2.0) Setup. So etwa der Dialog-Enhancer, der die Transienten im Stimmbereich anhebt und so Dialoge in komplexen Action-Szenen einfacher verstehen lässt. Zudem lassen sich zwei Subwoofer ansteuern. Das ist auch in dieser Preisklasse sinnvoll, denn oft lassen sich zwei kompakte Subwooferle leichter verstecken als ein größerer: bei gleichen Kosten und gleicher akustischer Potenz.

Vorwärts Zurück
Alle sechs HDMI-Eingänge mit den selben Features, drei davon bis 40Gbps (Foto: R. Vogt)
Alle sechs HDMI-Eingänge mit den gleichen Features, drei davon bis 40 Gbps (Foto: R. Vogt)
Die Antennen können "geparkt" werden, falls nicht lässt sich der Halter abnehmen (Foto: R. Vogt)
Die Antennen können „geparkt“ werden, falls nicht lässt sich der Halter abnehmen (Foto: R. Vogt)
Vorwärts Zurück

Es gibt weitere Details zu entdecken. So lassen sich die WLAN/Bluetooth-Antennen entweder für besten Empfang ausrichten oder bei Nichtgebrauch in Halterungen parken. Meine Empfehlung lautet: Statt WLAN, wo es geht, bitte ein LAN-Kabel verwenden. Nur das gewährleistet beste Streamingqualität.

Bei Bluetooth dient der AVR-X1700H nicht nur als Empfänger für Musik vom Smartphone, er kann als Transmitter auch Bluetooth-Kopfhörer versorgen. Als klassischer Receiver kann der Denon zudem auch Radio. Unser Testgerät war zwar lediglich mit einem UKW-Empfänger ausgerüstet, aber für nur 50 Euro mehr gibt es zusätzlich DAB+ Empfang (Denon AVR-X1700HDAB, 749 Euro).

Vorwärts Zurück
HEOS Modul der neuesten Generation mit WPA3 Verschlüsselung (Foto: R. Vogt)
HEOS Modul der neuesten Generation mit WPA3 Verschlüsselung (Foto: R. Vogt)
Kraftwerk: der mächtige Trafo reicht für 7 x 120 Watt an 6 Ohm (Foto: R. Vogt)
Kraftwerk: Der mächtige Trafo reicht für 7 x 120 Watt an 6 Ohm (Foto: R. Vogt)
Effizient mit nicht-hörbarem Energiemanagenemt: 7 kräftige Class A/B Endstufen (Foto: R. Vogt)
Effizient mit nicht-hörbarem Energie-Management: 7 kräftige Class A/B Endstufen (Foto: R. Vogt)
Vorwärts Zurück

Wer glaubt in so einem „kleinen“ AV-Receiver sei nichts drin, der sollte hier mal den Deckel lupfen. Das vordere Drittel und die gesamte linke Seite des Gehäuses füllen das Netzteil mit dem klotzigen Trafo und den sieben diskret aufgebauten Class-A/B Endstufen. Besonders auffällig ist das riesige Signalprozessorboard  mit der Video- und Digitaltechnik. Darauf thront das HEOS-Modul, das auch die Netzwerktechnik kontrolliert. Dabei handelt es sich um die allerneueste Generation des Moduls, das bereits die neuesten Verschlüsselungen für WLAN (WPA3) beherrscht.

Handhabung und Bedienung

Vorwärts Zurück
Nicht beleuchtet aber haptisch gut und aufgeräumt: die Fernbedienung (Foto: R. Vogt)
Nicht beleuchtet aber haptisch gut und aufgeräumt: die Fernbedienung (Foto: R. Vogt)
Das Webmenü: die schnellste und übersichtlichste Möglichkeit alles einzustellen und zu konfigurieren (Foto: R. Vogt)
Das Webmenü: die schnellste und übersichtlichste Möglichkeit alles einzustellen und zu konfigurieren (Foto: R. Vogt)
Vorwärts Zurück

Die Handhabung gleicht allen anderen Denon und Marantz AV-Geräten. Es gibt ein vorbildliches Schritt-für-Schritt-Menü zur Einrichtung mit kurzen, klaren Texten und Grafiken. Wer sich auskennt und flott sämtliche Einstellungen erledigen möchte, verwendet das Webinterface in einem Browser. Erfreulich: Die Infrarot-Fernbedienung wirkt klar strukturiert und bietet haptisch gute Tasten, wenngleich keine Beleuchtung.

Auch die Gerätefront bietet klassische Tasten und dicke Drehknäufe. Praktisch: Man kann beispielsweise per Quickselekt-Taste den Receiver auch gleich mit seinem Lieblingssender starten oder die Voreinstellung für TV-Sound. Zu guter Letzt lässt sich auch der AVR-X1700H im Alltag komplett mit der HEOS-App kontrollieren: Hier stehen praktisch alle Alltagsfunktionen wie Lautstärke, Eingangs- und Soundmodus-Wahl bereit.

Klang und Praxis

Die Installation des Denon AVR-X1700H ist vergleichsweise einfach: Zunächst sollte man allerdings das Netzwerk anmelden und die neueste Firmware laden. Das war beim Testgerät fast schon überfällig.

Dann verwende selbst ich gerne die Schritt-für-Schritt geführte Einrichtung. So übersieht man nichts und praktischerweise werden alle Funktionen und Anschlüsse gleich auf ihre Funktionalität hin getestet. Das haben aktuell besonders Denon und Marantz gut drauf, wenngleich die Yamaha-Installations-App schon dicht dran ist…

Angenehm fallen die dezent neu gestalteten On-Screen-Menüs ins Auge, die sich eher unauffällig über das Videobild legen und für mich als technisch neugierigen Anwender die nun noch informativeren Infoscreens für Signalarten, HDMI-Signale und Soundprocessing darstellen. Funktional flutscht alles wie geschmiert. Selbst mit der Zahl von über 4.000 Alben auf dem Server navigierte das HEOS-Modus so schnell wie man scrollen konnte. Wie schon erwähnt, selbst der Phono-Eingang klingt ordentlich, vielleicht eine Spur oberflächlicher als die digitalen Quellen.

Klanglich hält der Denon AVR-X1700H eine ausgewogene Balance, die sich ja gegebenenfalls auch per Audyssey (Stichwort HouseCurve via Audyssey MultEQ App) beliebig trimmen lässt. Die Abbildung ist schön schlüssig zwischen den Lautsprechern mit klar umrissenen Phantomschallquellen und löst sich gut von den Lautsprechern. Die Abbildung liegt tendenziell eher vor als hinter den Lautsprechern. Und bullige Kraft hat der kleine Receiver mehr als genug: Auch krachende Action oder ein authentisches Rockkonzert drückte er fast mühelos ins Zimmer.

Denon AVR-X1700H: die Front mit dezent integrierter Tastenzeile (Foto: R. Vogt)
Denon AVR-X1700H: die Front mit dezent integrierter Tastenzeile (Foto: R. Vogt)

Fazit: Für Einsteiger ohne Kompromisse

Hat man sich für einen großes HDR-Smart-TV entschieden und die wichtigsten Streaming Abos abgeschlossen, dann darf man am Ton nicht zu viel sparen, sonst droht das Kasperle-Theater statt des Heimkinos. Soundbars haben akustisch und in Sachen Funktionen ihre Grenzen und lassen kaum einen Ausbau zu. Der Denon AVR-X1700H dagegen ist technisch kompromisslos auf der Höhe der Zeit – mit Reserven für die Standards der absehbaren Zukunft mit bis zu 8K Auflösung und höheren Bildfrequenzen beim Bild. Zudem beherrscht er alle Immersive-Audio- und alle Stereo-Hi-Res-Formate.

Der Denon AVR-X1700H kann alles, was moderne Soundbars können und sehr, sehr viel mehr. Mutiroom, Audio-Streaming und HEOS sind integriert, die sieben Endstufen schieben auch leistungshungrige Lautsprecher an, Kopfhörer können mit Kabel angeschlossen oder per Bluetooth drahtlos verbunden werden. Audyssey passt die Wiedergabe zuverlässig an den Raum an und sorgt für ein stimmiges Panorama. Zum Start langt Stereo, um dann stufenweise bis Atmos/DTS:X mit weiteren Lautsprechern und Subwoofer auszubauen oder virtualisierte Lautsprecher zu verwenden. Nur Lautsprecher braucht es noch. Das nenne ich mal ein veritables Schnäppchen, bei dem man nichts verkehrt machen kann.

Ein Wort noch zur Liefersituation: Denon versicherte auf Nachfrage, dass dieses Modell ab Februar tatsächlich lieferbar ist. Damit wird der Denon AVR-X1700H zum doppelten Lichtblick…

AVR-X1700H
2022/01
Test-Ergebnis: 4,5
überragend
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
konturierter, plastischer Klang
HEOS Streaming/Multiroom
HDMI Vollausstattung
Audyssey App verwendbar

Vertrieb:
D&M Germany GmbH
A division of Sound United
An der Kleinbahn 18
41334 Nettetal
www.denon.de

Preis (Hersteller-Empfehlung):

AVR-X1700H: 699 Euro
AVR-X1700H DAB: 749 Euro

Technische Daten

Denon AVR-X1700H
Ausgangsleistung (8 Ohm, 2 Kanäle):80 Watt
Ausgangsleistung (6 Ohm, 2 Kanäle):120 Watt
Ausgangsleistung (6 Ohm, 1 Kanal):145 Watt
Abmessungen:434 x 339 x 215 mm
Gewicht:10,6 kg
Alle technischen Daten

Autor: Raphael Vogt

Technischer Direktor bei LowBeats und einer der bekanntesten Heimkino-Experten der Republik. Sein besonderes Steckenpferd ist die perfekte Kalibrierung von Beamern.