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Test Stax SR-L Familie: L700 Pro, L500 Pro, L300

Das „Gehäuse“ der Ohrmuscheln, welches die elektrostatische Membran beherbergt, ist (wahrscheinlich aus Aufladungs- und Gewichtsgründen) aus Kunststoff. Ihre Kunststoff-Gitter liegen weit auseinender, so dass man a.) die Membran gut sehen kann und b.) aber auch als Nachbar die Musik unmittelbar und kaum gedämpft mitbekommt, die der Stax SR-L-Nutzer gerade hört. Das ist bei geschlossenen Kopfhörern natürlich für die Umgebung angenehmer…

Stax SR-L Familie SR-L700 Membran
Im Gegenlicht erkennt man die Wabenstruktur der hauchdünnen ESL-Folie sowie die durchlässige Gitterstruktur des Gehäuses (Foto: H. Biermann)

Und noch eine Eigenheit der Stax SR-L Familie: Das sehr offene Konstruktionsprinzip reagiert sensibel auf Näherungen, will heißen: Hände oder nahe Stuhllehnen am Ohr beeinflussen den Klangcharakter. Am besten, man hört allein, mit freiem Geist und in freier Umgebung, damit sich der charaktertypische feine, luftig-transparente Klang der Elektrostaten voll entfalten kann.

Die Gewichte der drei SR-Ls reichen von 322 über 347 bis 368 Gramm (ohne Kabel), ein leichtes Unterfangen für Home-Modelle. Die Kabel mit den jeweils vergoldeten Spezialsteckern sind jedoch im Aufbau unterschiedlich konzipiert. Während beim 300er ausschließlich sauerstofffreies Reinkupfer (OFC) für den Informationsfluss sorgt, findet sich beim 500er zudem Titan; der 700er lässt sich mit versilbertem, langkristallinem 6N-Reinkupfer und „extrem niedriger Kapazität“ an die Leine legen. In ihrer Konstruktionsweise sollen sich 500er und 700er nahe am Spitzenmodell SR-009 orientieren.

 

Stax SR-L Familie L700 Kabel 2
Die Kontakte der vierpoligen SR-L Kabel sind vergoldet, die Qualität der Leiter je nach Modell unterschiedlich. Das recht dünne, 2,5 Meter lange Kabel selbst ist etwas unpraktisch, weil es dazu neigt, sich zu verheddern (Foto: Stax)

Verstärkung können die drei SR-Ls bei einer großen Anzahl an hauseigenen Amps suchen. Stax gibt jedoch eine Empfehlung ab und bietet die Favoriten als preisgünstigere Bundles an. Auf ein Pfund Lebendgewicht kommt der kleine SRM-252S mit seiner gestrahlten, silbernen Alufront. Mit seiner gleichspannungsgekoppelten Class-A-Ausgangsstufe (ohne Gegenkopplung) und Zweifach-Poti-Lautstärkeregelung soll er dem 300er die nötige audiophile Luft unter den Membranen verschaffen.

Stax SR-L Familie SRM-252S back
Der kleine SRM-525S bietet natürlich nur bescheidene Anschlussmöglichkeiten: 1x RCA (Foto: C. Dick)

Als Sparringspartner für den 500er bestückten ihn die Entwickler mit einem Vierfach-Lautstärkepoti für eine noch größere Störgeräuschfreiheit und zwei Kopfhörer-Ausgängen auf seiner gebürsteten, silbernen Alufront. Die Kanalbalance lässt sich durch getrennte Lautstärkeregelung präzisieren. Zudem besitzt er einen symmetrischen Eingang an seinem 3-Kilo-Gehäuse.

Der größere SRM-006tS lässt zwei Doppel-Trioden-Röhren des Typs 6FQ7 (vom russischen Spezialisten Electro Harmonix) leuchten, ganz gemäß der alten Stax-Schule. Auch er arbeitet mit einem Vierfach-Lautstärkepoti und bietet drei Eingänge mit Relaisumschaltung, einer davon symmetrisch. Und auch hier lässt sich dank doppelter Kopfhörereingänge auf Wunsch Musik zu zweit genießen.

Stax SR-L Familie SRM-006ts innen
Der Aufbau des SRM-006tS ist ordentlich gemacht: stabiles Netzteil, zwei Röhren von Electro Harmonix und eine aufwändige Lautstärkeregelung (Foto: H. Biermann)

Die Stax SR-L Familie im Hörvergleich: wer ist der Beste?

Cover Art R.E.M Automatic For The People – 25th Anniversary Edition
R.E.M Automatic For The People – 25th Anniversary Edition (Cover: Amazon)

Drei Kopfhörer, drei Speiseteile, das macht theoretisch neun mögliche Kombinationen – die in der Praxis mehr oder weniger sinnvoll sind. Doch dazu mehr am Ende des Hörtests. Zunächst mussten die drei japanischen Konzert-Meister in drei Klassen mit ihrem jeweiligen, vom Hersteller empfohlenen Amp antreten. Den Anfang machte das Duo Stax Lambda SR-L300 und SRM-252S. Mit dem mehrpoligen, solide verarbeiteten Stecker in der runden Buchse des kleinen Amp-Kästchens verstöpselt, betrat zunächst Michael Stipe von R.E.M. aus der hervorragend klingenden Deluxe Edition von Automatic For The People die Bühne.

Ausgewogen, präzise, filigran und farbecht tönte „Man On The Moon“. Es gab an der kleinen Kombination schlicht nichts zu kritteln, sondern nur zu beklatschen – so mitreißend dynamisch und offen klang sie. Angesichts des Preises von rund 1000 Euro eine absolute Überraschung.

Das Team Stax Lambda SR-L500 Pro und SRM-353X setzte dann mit etwas mehr rhythmischer Vehemenz, Direktheit und Schnelligkeit noch eins drauf, ohne Feinheit und Plastizität zu vernachlässigen. Dass es noch besser geht, machten dann der Stax Lambda SR-L700 Pro mit dem SRM-006tS klar. Plastizität, Raumdarstellung, Klangfarbe, Luft und Auffächerung wirkten geradezu perfekt und extrem souverän. Ebenso die hervorragende Auflösung. Die 700er-Kombi spielte mit dem größten Panorama, intimer und noch musikverliebter. Kompliment.

Somit gelang das Top-Down des Trios auf Anhieb prima nachvollziehbar: Bei allen drei Modellen „passte“ im Prinzip alles – wenn man den direkten Vergleich vernachlässigte.

Robert Plant Carry Fire – Das Cover
Robert Plant Carry Fire ist das 11. Album des Meisters (Cover: Amazon)

Jazz von Pat Metheny, Charlie Haden, Jack DeJohnette, Dewey Redman und Mike Brecker auf ihrem Album 80/81 vom Kultlabel ECM spielte das 700er-Team mit einer aberwitzigen Feindynamik und Auflösung im Track „The Bat“. Das 500er-Duo spielte ebenso sehr präzise und farbecht sowie direkter, dabei nicht ganz so audiophil. Die 300er-Band spielte minimal unausgewogener, mit etwas weniger Plastizität, aber dennoch gemessen am Preis extrem schön. Das gilt auch bei Robert Plants Songs „The May Queen“ und „Dance With You Tonight“ aus dem Album Carry Fire: Ausgewogen und im Bass druckvoll-trocken mit einer beinahe sexy Stimme inszenierte das Elektrostat-Einsteiger-Team den Ex-Led-Zeppelin-Sänger. Die 500er-Kombi offerierte noch etwas klarer umrissene Konturen und Details, während die 700er-Familie den Drums mehr Authentizität einhauchte und den Raum noch etwas weiter öffnete.

Ein ähnliches Klangbild ergab sich auch mit David Gilmours fantastischem Album Live At Pompeii mit seiner Kult-Nummer „Comfortably Numb“. Nummer Sieben-Null-Null betörte mit 1a-Feinzeichnung, Live-Atmo, schön durchzeichneten Publikumschören und Atmosphäre. Gänsehautfeeling pur. Auch der 500er lieferte eine beeindruckende Live-Performance mit feiner Auflösung, entfaltete aber nicht ganz die coole Souveränität des 700er-Gespanns. Das galt noch etwas mehr auch für den 300er – wie gesagt, lieferte das „kleine“ Duo für seinen Preis aber eine fantastische Performance.

Die Stax SR-L Familie im Vergleich zu den Mitbewerbern

Konkurrenten wie der Magnetostat Hifiman Edition X beeindruckten im Vergleich mit einem sehr geschlossenen, farbechten, etwas wärmeren Klang, der Sennheiser HD 800 S wiederum mit einer extrem weiten Bühne mit feinster Detailtreue. Dafür punkteten die Elektrostaten mit einem Plus an Differenziertheit, Plastizität und smoother Charakteristik. Hier war also bereits beim 300er-Duo Augenhöhe angesagt.

Das galt auch bei Songs wie „Shoes For Man With No Feet“ und „Skáphos“ (Album The Misadventures Of Anthony Knivet) der tollen portugiesischen Newcomer-Band First Breath After Coma. Der Sennheiser öffnete einen schönen Raum mit feiner Auflösung und Spaß. Die Elektrostaten, allen voran der 500er und noch mehr der 700er, beeindruckten mit mehr Durchhörbarkeit sowie – höre & staune! – größerer Bassgewalt. Alle drei spielten mit einer sehr natürlichen Wiedergabe und tollem Einschwingverhalten. Cello und Piano von Sol Gabetta und Hélène Grimaud (Album Duo) klang über den 300er prägnant, respektive sehnig mit prima Auflösung und Klangfarbe. Beim 500er wuchs der Raum etwas, die Offenheit nahm noch zu. Der 700er schließlich punktete mit einem Plus an Luftigkeit, Seidigkeit und Obertonglanz. Chamber Music, ein Album des westafrikanischen Duos Ballaké Sissoko und Vincent Segal faszinierte mit einer unerhörten Feindynamik inklusive filigranster Zupfgeräusche der Kora. Dazu kamen Atem, Luft, Farbe und Raum in Bestmanier. Das kann der 700er besser als jeder andere Kopfhörer, den LowBeats bislang im Test hatte.

Der Focal Utopia, sicherlich auch einer der besten Kopfhörer am Weltmarkt, schafft es ja ebenfalls, den gesamten Mittelhochtonbereich mit einer ungemein quirligen, gleichwohl geschmeidigen Wiedergabe darzustellen. Aber diese „Luft“ der SR-Ls, diese Leichtigkeit schafft auch der Beryllium-Treiber des Focal nicht, wobei dieser aber auch im Tieftonbereich einer ganz anderen Klangphilosophie folgt und die Hörer mit sehr viel mehr sattem Bass (und somit wärmeren Klangfarben) zu becircen versucht.

Der Quercheck: Welches Speiseteil für welchen SR-L?

Soweit so sehr gut. Aber wie würden sich die Kopfhörer im Cross-Check mit den jeweiligen „fremden“ Speiseteilen schlagen? Dem 300er verschafften die beiden „größeren“ Amps etwas mehr Luft unter den Flügeln, sprich: seine ohnehin tollen Charaktereigenschaften wuchsen noch etwas. Allerdings geriet so das Preis-/Leistungsverhältnis aus den Fugen. Gleiches gilt auch für den 500er, der am SRM-006tS etwas zulegte. Hier sollte das Motto gelten: Wenn schon, denn schon – also Konto plündern und gleich den 700er im Bundle holen.

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