T+A Pulsar R 20 Aufmacher2
Die T+A Pulsar R 20 macht sich auch im LowBeats Wohnhörraum bestens. Sie kostet 1.400 Euro pro Paar (Foto: H. Biermann)

T+A Pulsar R 20 – so schön kann HiFi sein

Eigentlich steht T+A für „Theorie und Anwendung“, ein Credo, dem sich Firmenchef Siegfried Amft und sein Entwicklungsleiter Lothar Wiemann so sehr verschrieben hatten, dass fast immer nur die beste Anwendung im Vordergrund stand und dafür das optisch Gefällige und Leichte nicht selten zu kurz kam. Hatte man bei der Elektronik aber schon bald sehr passende Bauhausformen gefunden (und gilt seitdem als designierter Braun-Design-Nachfolger), folgte bei den T+A Lautsprechern die Form meist unerbittlich der Funktion – was dann nicht immer Designpreis-verdächtig war. Aber die Ostwestfalen können auch anders: Mit der kompakten T+A Pulsar R 20 sowie der großen Standboxen-Schwester (siehe auch Test Pulsar ST 20) weicht T+A von der harten Linie ab. Und siehe und höre: auch ein so schöner T+A Lautsprecher kann richtig gut klingen.

T+A Pulsar R 20 Abdeckung
Die Pulsar R 20 ist ein hübscher, elegant dezenter Lautsprecher, der mit Abdeckung fast gar nicht mehr auffällt. Die Abmessungen der eleganten Kompakten liegen bei 19 x 30 x 30 cm (B x H x T),  ihr Gewicht bei 7,0 Kilo und sie ist in Hochglanz Schwarz und-Weiß zu haben (Foto: H. Biermann)

Fangen wir also bei den Äußerlichkeiten der kleinen T+A Pulsar R 20 an. Um den Seitenwänden die attraktive, ovale Form zu geben, wird bei ihnen einfach der Radius herausgefräst: Vorn und hinten an den dünnsten Stellen bleiben 19 Millimeter, in der Mitte üppige 30 Millimeter stehen.

Das ist genauso aufwändig wie akustisch sinnvoll: Weil die Wände keine durchgehende Stärke haben, sind auch deren Resonanzen schön verteilt und wenig ausgeprägt.

T+A Pulsar R 20 Shape
Die Form der Pulsar R 20 ist elliptisch. Das sieht gut aus und verbessert den Klang, weil die Seitenwände unterschiedlich dick sind und die Resonanzen so besser verteilt werden (Foto: H. Biermann)

Das Lack-Finish der T+A Pulsar R 20 ist von bester Qualität: Lässt man die Finger darauf spazieren gehen, bleiben sie nirgends hängen.

An der gesamten Box finden sich (auf den ersten Blick) nur vier Schrauben – nämlich jene, die auf der Rückseite das präzise eingelassene Anschlussterminal arretieren.

Natürlich gibt es auch weitere, die den Hoch- und den Tiefmitteltöner auf der Schallwand halten. Aber die sind unter hübsch gemachten Aluminiumblenden versteckt.

T+A Pulsar R 20 Anschluss
Ein Single-Wiring-Anschluss sorgt für besten Kontakt. Der Bi-Wiring-Anschluss der großen ST 20 wäre hier Unfug. Jedenfalls experimentiert keiner von meinen Bekannten, denen ich eine R 20 empfehlen würde, mit Bi-Wiring-Kabeln… (Foto: H. Biermann)

Der kleine Gehäusekorpus ist mit einem querlaufenden T-Träger verstrebt und wenn man draufklopft, hört man – nicht viel. Jedenfalls nichts, das verdächtig wäre, dem guten Klang zu schaden.

Auch ein Zeichen hoher Qualität: Die Treiber werden durch Gewindeschrauben in der Schallwand verankert. Die in dieser Klasse sonst oft verwendeten Holzschrauben können einen so festen Halt über viele Jahre nicht garantieren.

Im Grunde müssen Schrauben über die Zeit sowieso nachgezogen werden. Verlässlich geht das aber nur bei Gewindeschrauben.

T+A Pulsar R 20 Schallwand
Die Schallwand besteht aus 19 Millimeter starkem MDF, das präzise ausgefräst ist. Der Tiefmitteltöner wird durch Gewindeschrauben gehalten – beste Gewähr für festen Halt (Foto: H. Biermann)

Die T+A Pulsar R 20 ist eine klassische Zweiwegebox mit Bassreflex-Unterstützung. Der Reflex-Ausgang ist relativ klein und mündet auf der Rückseite.

Wie auch bei der Standbox ST 20 kommen bei der R 20 nur Treiber mit Membranen aus Aluminium zum Einsatz: eine 25 Millimeter große Hochtonkalotte und ein 15 Zentimeter großer Tiefmitteltöner.

Beide, sowohl die Kalotte als auch die Invers-Membran sind mit einer sternförmigen Prägung versehen. Das sieht edel aus und verstärkt das dünne Aluminium deutlich.

Wer die T+A Werbung dieser Tage verfolgt, entdeckt Erstaunliches: Die Treiber der kleinen R 20 ähneln denen der sehr viel teureren (gerade beworbenen) Lautsprecher der Talis Serie doch ziemlich. Und wie T+A Entwickler Jochen Fabricius zugibt, besteht hier auch eine enge Verwandtschaft.

T+A Pulsar R 20 Tweeter
Die 25 Millimeter große Hochtonkalotte ist aus sehr steifem Aluminium und durch die sternförmige Prägung versteift und bedämpft (Foto: H. Biermann)

Die gleiche Treibertechnik in einem Lautsprecher für 1.400 Euro Paarpreis wie in einem für 6.500 Euro? „Nicht ganz“, sagt Fabricius. „Die Antriebe haben wir bei Talis schon sehr, sehr viel aufwändiger gemacht.“

Trotzdem vielversprechend, zumal der Tiefmitteltöner der T+A Pulsar R 20 durchaus etwas hermacht. Nicht nur wegen des stattlichen Magneten: Seine Randeinspannung (Sicke) hat eine dreifache Faltung und erlaubt deshalb etwas mehr lineare Bewegung (Hub) als vergleichbar große Treiber mit klassischer Einspannung.

T+A Pulsar R 20 Tiefmitteltöner
Der 15 cm Tiefmitteltöner basiert auf den Bässen der großen Schwester ST 20, wurde aber zusätzlich auf feine Mitten hin optimiert – was naturgemäß die Tiefbass-Ausbeute etwas schmälert (Foto: T+A)

Die beste Position für die T+A Pulsar R 20

Der Lautsprecher kann zwar vergleichsweise tiefe Bässe produzieren, ist aber insgesamt recht schlank abgestimmt. Im HiFi-Laden neben einer Canton der gleichen Preisklasse wird sie weit weniger wuchtig agieren.

Aber genau das ist gewollt: T+A Entwickler Fabricius hat sie so abgestimmt, dass man sie bedenkenlos ins Regal oder auf das Sideboard dicht an der Rückwand stellen kann – also dort, wo man einen Lautsprecher dieser Art auch hinstellen würde.

Bei den ersten Hörtests im LowBeats Wohnhörraum, klang das erst einmal etwas ungewohnt, aber auf dem Sideboard und nah an der Rückwand (man sollte einen Abstand von 5 cm wegen des Bassreflex-Ausgangs hinten nicht unterschreiten) schon sehr viel erwachsener.

Diese Form der Aufstellung war dann auch im LowBeats HiFi Hörraum erwartungsgemäß die richtige: auf einem Ständer direkt an den (bei uns beweglichen) Rückwand-Elementen.

Doch auch mit der Wand im Rücken bleibt sich die kleine T+A in ihrer schlank-präzisen Gangart treu. Ich persönlich schätze so etwas sehr: Präzision vor gemütlichem Grummelbass.

Aufgrund ihrer Abstimmung liegen der T+A Pulsar R 20 eher Verstärker, die etwas wärmer klingen. Am Magnat Röhrenhybrid RV4 beispielsweise tönte die Kleine bezaubernd; ebenso am Rega Brio 2017

Und noch eines bewies der Hördurchgang mit dem kleinen Brio: Auch an kleinen Verstärkern mit wenig Leistung spielt die T+A zu großer Form auf. Sie ist nämlich in der Impedanz unkritisch und mit einem erfreulich hohen Wirkungsgrad gesegnet.

Der Hörtest

Nach wenigen Optimierungsschritten bei der Aufstellung im Hörraum hatte sich die richtige Position gefunden. Hatte ich die größere Schwester ST 20 als klanglich eher unauffällig erlebt, legte die etwas „heller“ abgestimmt R 20 los wie die Feuerwehr.

Echt nicht übel, mit welcher Dynamik und Genauigkeit die T+A Mittelhochton-Details in den Raum katapultieren kann. Und das bei Flüsterlautstärken genauso wie mit Pegeln, die man dem hübschen Zwerg nie und nimmer zugetraut hätte.

Das Cover von Alessandro Quarta Plays Piazolla
Alessandro Quarta Plays Astor Piazzolla: eine mitreißende, sehr lebendige Aufnahme (Cover: IAN)

Die ProAc Tablette 10, einer meiner absoluten Lieblinge in dieser Preis- und Größenklasse, bot in den Stimmlagen noch mehr Ausdruck und Charme und zog auch den Raum vielleicht noch etwas weiter auf.

Aber der – bis zu recht hohen Lautstärken – ungebremsten Dynamik und dem hohen, spaßmachenden Pegel der T+A hatte die kleine ProAc nichts entgegenzusetzen.

Bei Crying von James Blood Ulmer Live Experience, dem wohl beeindruckendsten Stück der Dali CD 4 bewiesen beide eine enorme Wiedergabe-Präzision im Herausarbeiten der nachschwingenden Bassdrum-Felle, aber die R 20 brachte das auch noch bei Pegeln, die den Zuhörer (bei einem Hörabstand von maximal 2,5 Metern) durchaus in Live-Stimmung versetzte.

Ein schöner Vergleich ergab sich mit einer weiteren LowBeats Dauer-Referenz: der Dynaudio Excite X 18. Die Dänin brauchte mehr Abstand zur Rückwand und konnte mit dieser freien Aufstellung den sonoreren Ton und die natürlichere Stimmwiedergabe für sich verbuchen.

Die Pulsar R 20 punktete dagegen mit höherer Lebendigkeit, Spielfreude und größerer Transparenz – schön zu hören auf dem kürzlich vorgestellten Album Alessandro Quarta plays Astor Piazzolla.

Während die Dynaudio mit einer unglaublichen Natürlichkeit die Klangfarben der Geige zelebrierte, riss uns der Auftritt der R 20, mit, weil sie all die vielen kleinen Details, die diese Aufnahme so lebendig machen, so quicklebendig funkelnd in den Raum projizierte.

Fazit

Die T+A R 20 ist das, was man von T+A erwarten darf: Ein toll gemachter Kompaktlautsprecher, erstklassig verarbeitet und wunderbar offen und präzise klingend.

Bemerkenswert ist die ausgesprochen attraktive Formsprache, die bewusste Abstimmung auf die Nische hin (nämlich für den Einsatz in Rückwandnähe) sowie ihre erstaunliche Pegelfestigkeit. Richtig kombiniert, bekommt man mit diesem Lautsprecher sehr viel hübsches HiFi für gar nicht so viel Geld.

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Die Mit- und Gegenspieler:
Test Dynaudio Excite X 18 – überragende Natürlichkeit
Test ProAc Tablette 10 – die wahre Nachfolgerin der LS 3/5a
Test Magnat Hybridverstärker RV4: 150 Watt mit Röhre
Test Rega Brio 2017: viel Musikalität für wenig Geld

T+A Pulsar R 20
2018/02
Test-Ergebnis: 4,3
SEHR GUT
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Spritzig-lebendiger Klang mit präzisem Bass
Tolle Verarbeitung, elegantes Äußeres
Verstärker-freundlich & pegelfest
Klingt bei freier Aufstellung recht schlank

Vertrieb:
T+A elektroakustik GmbH & Co. KG
Planckstraße 9–11
32052 Herford
www.ta-hifi.de

Paarpreis (Hersteller-Empfehlung)
T+A Pulsar ST 20: 1.400 Euro