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Test Trinnov Amethyst: Digitale Traumvorstufe mit Profi-Einmessung

Diesen Platz hätte man meines Erachtens besser nutzen können. So zeigt das Display im Roon-Ready-Betrieb beispielsweise weder Titelinformationen noch einen Fortschrittsbalken an. Überhaupt besitzt der Amethyst weder an der Front noch über die Fernbedienung Tasten zur Titelsteuerung. Dadurch ist man bei Roon- oder auch UPnP-Wiedergabe komplett auf App-Steuerung angewiesen, auch wenn man nur kurz die Wiedergabe pausieren oder zum nächsten Titel skippen will.

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Trinnov_Amethyst_Fernbedienung
Die Fernbedienung des Trinnov Amethyst (Foto: F. Borowski)
Trinnov_Amethyst_Display
Das Display ist ausreichend hochauflösend und schön kontraststark, die Anzeigefläche könnte aber besser ausgenutzt werden (Foto: F. Borowski)
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Der im Amethyst verbaute DAC, ein PCM4410 TI, hat auch schon einige Jahre auf dem Buckel. Aber unter Kennern gilt er immer noch als einer der Besten – was er im Hörtest nachdrücklich unter Beweis stellte.

Das VNC-Interface – Quasi die ”App“ des Trinnov

VNC steht für ”Virtual Network Client” und ist eine netzwerkgestützte Anwendung, mit der per Computer oder iDevice auf den Amethyst und seine Funktionen zugegriffen werden kann. Und zwar auch aus der Ferne. So können Support-Mitarbeiter anhand der Seriennummer über das Internet auf die Hardware zugreifen und Einstellungen vornehmen. Sehr praktisch.

Die Anleitung empfiehlt, sich für den Amethyst-Client eine entsprechende VNC-App für Mac, PC oder Mobilgerät aus dem jeweiligen App-Store zu beschaffen. Die im Manual genannten Beispiele für Apple-User wie mich sind leider veraltet. Es geht viel einfacher: Auf dem Mac das im System vorhandene Programm ”Bildschirmfreigabe“ öffnen, die IP-Adresse des Amethyst und das Passwort des Gerätes eingeben, und fertig. Auf dem iPad nutzte ich den Weg über den Webbrowser. Geht fast genauso einfach: Neues Fenster oder Tab öffnen, dann in der Adressleiste die IP-Adresse gefolgt von /vnc.html eingeben, Passwort eingeben – verbunden.

Das Fenster des VNC zeigt eine grafische Repräsentation in Anlehnung an das Display und die Bedienelemente des Amethyst. Die Grafik ist nicht sonderlich hoch aufgelöst und das Fenster nicht frei skalierbar, die Funktionselemente aber weitgehend selbsterklärend:

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Trinnov Amethyst Wizard EQ_08
Hauptscreen der VNC-Oberfläche: Hier erfolgt u.s. die Quellenauswahl, wobei diese mit kleinen Grafiken versehen und nichtbenötigte Quellen ausgeblendet werden können (Screenshot: F. Borowski)
Trinnov Amethyst Main Menü2
Auswahl der Presets (Screenshot: F. Borowski)
Trinnov Amethyst Main Menü3
Kanaleinstellungen (Screenshot: F. Borowski)
Trinnov Amethyst Main Menü4
Das „Settings“-Menü ist der Zugang zu den wichtigsten Untermenüs…(Screenshot: F. Borowski)
Trinnov Amethyst Main Menü5
… Beispielsweise zum Quellenmenü. Hier kann u.a. für jede Quelle die Anfangslautstärke und der gewünschte Preset zugewiesen werden (Screenshot: F. Borowski)
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Unter ”Settings“ finden sich zahlreiche Optionen zur Konfiguration und Einmessung. Der Menüpunkt ”Optimizer“ führt zu einem Assistenten für die automatische Einmessung. Der Punkt ”Advanced Settings“ ist der Zugang ins Wunderland. Dort findet sich unter anderem die Möglichkeit, manuell weitere Messpunkte hinzuzufügen sowie eine gefühlte Million Feineinstellungen und Optimierungsmöglichkeiten.

Die Trinnov Einmessung – hinab ins Allerheiligste

Die Lautsprecher- und Raumkorrektur von Trinnov macht aus dem Amethyst eine Stereo-Hifi-Komponente, die ihresgleichen sucht. Die Komplexität ist für Laien auf den ersten Blick erschreckend und ich will auch nichts beschönigen: Ohne intensive Kenntnis der Materie oder die tatkräftige Unterstützung der Serviceabteilung des Trinnov-Vertriebs MediaLantic stößt man schnell an Grenzen. Nicht ausschließlich wegen der erforderlichen Fachkenntnis, sondern auch deshalb, weil man das Interface dafür erst mal in seinen vielen Details verstehen muss.

Die gute Nachricht: Der Anfang ist ganz einfach und auch für Nicht-Experten kinderleicht zu bewältigen. Zunächst einmal benötigen wir für die Einmessung das Trinnov Spezialmikrofon, welches über ein langes Kabel und vier XLR-Stecker an die entsprechenden Buchsen des Analogeingangs angeschlossen wird.

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Trinnov_Amethyst_Messmikro2
Das außergewöhnliche Trinnov Spezialmikrofon besitzt vier räumlich leicht versetzte Kapseln (Foto: F. Borowski)
Trinnov_Amethyst_Messmikro1
Mit ihnen wird der Raum akustisch dreidimensional „kartografiert“. Daher übrigens auch der Name Trinnov für Tri (3D) Innovation (Foto: F. Borowski)
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Die Aufstellung des Mikrofons sollte sehr akribisch und möglichst zentimetergenau am Hörplatz auf Ohrhöhe erfolgen. Ein passendes Stativ ist hilfreich, aber nicht im Lieferumfang enhalten.

Trinnov_Messmikro Hörplatz
Mit Hilfe eines kleinen Fotostativs habe ich das Trinnov-Mikro am Hörplatz exakt auf Ohrhöhe platziert (Foto: F. Borowski)

Der Optimizer-Assistent führt durch den Prozess. Dabei wird nach korrekter Einpegelung über jeden Lautsprecher drei mal hintereinander für etwa zwei Sekunden Rosa Rauschen wiedergegeben. Das ist auch schon alles. Durch die spezielle Anordnung der vier einzelnen Mikrofonkapseln kann das System nicht nur die Amplitude messen – so wie bei den meisten herkömmlichen Einmess-Systemen – sondern auch die Richtung und die Phase des Schalls. Ähnlich wie beim menschlichen Gehirn, das Richtungsinformationen aus Laufzeitunterschieden des Schalls zwischen linkem und rechtem Ohr ermittelt.

Das ist bei Trinnov so clever gemacht, dass aus den kurzen Rauschsignalen dreidimensional der gesamte Raum kartografiert, frühe Reflexionen erkannt und sogar die exakten Positionen der Lautsprecher erfasst werden. Genial!

Die anschließende Berechnung der Korrekturfilter dauert (für zwei bis vier Kanäle) nur einige Sekunden, dann kann auch schon Musik gehört werden. Und das Ergebnis ist phänomenal! Doch bevor ich dazu komme, erst mal noch ein paar Details zur Einmessung anhand von Screenshots:

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Trinnov Amethyst Wizard EQ_01
Der Optimizer Wizard führt durch die Prozedur. Erst die Konfiguration auswählen
Trinnov Amethyst Wizard EQ_02
Dann das Mikrofon ausrichten und anschließen
Trinnov Amethyst Wizard EQ_03
Mikro einschalten
Trinnov Amethyst Wizard 04
Einpegeln
Trinnov Amethyst Wizard EQ_06
Nach erfolgter Einmessung Mikro ausschalten…
Trinnov Amethyst Wizard 06
… dann erfolgt die Berechnung der Filter
Trinnov Amethyst Wizard EQ_08
Anschließend gibt’s noch ein paar Erläuterungen
Trinnov Amethyst Wizard EQ_08
Nach Einmessung stehen verschiedene Klang-Presets zur Verfügung (Alle Screenshots: F. Borowski)
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Schon die einfache Einmessung auf den Hörplatz brachte bei mir sensationelle Ergebnisse zutage. Aber, das ist bei so Hightech-Maschinen fast immanent – es gibt stets noch Potential für Verbesserungen. Etwa durch das Hinzufügen weiterer Messpunkte ein paar Zentimeter vor, hinter und seitlich der Hörposition. Das ist etwa dann sinnvoll, wenn man nicht nur auf einen bestimmten Hörplatz festgenagelt Musik hört, sondern Hörpositionen abseits des Sweet Spot genutzt werden sollen. Dazu werden die Messergebnisse quasi gemittelt, wobei man jederzeit selbst die Gewichtung zwischen Haupthörplatz und Nebenplätzen festlegen kann. Für mich, der ich beim Musikgenuss den exakten Sweet Spot bevorzuge, brachte das im Test nur wenige Vorteile, war aber dennoch hilfreich. Erklärung folgt. Hier zunächst eine Slideshow der Einpunkt-Messungen:

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Trinnov Amethyst Einpunkt_01
Die Ergebnisse (Amplitude) nach der ersten Einmessung auf dem Hörplatz: Vorher (oberer Verlauf), nachher (Mitte) und welche Filterkurve dafür angewendet wurde (unten). Die Grafik ist in der Standardansicht etwas geglättet, um nur die wichtigsten Problemzonen hervorzuheben. Zoomt man weiter in die Y-Achse herein, wird der Verlauf deutlich unruhiger – was aber normal ist.
Trinnov Amethyst Einpunkt_02
Es folgen die weiteren Tabs, hier die direkte Amplitude von den Lautsprechern (ohne Raum).
Trinnov Amethyst Einpunkt_03
Der Phasengang. Gelegentliche 180°-Drehungen sind nicht ungewöhnlich. Das System kann dies weitgehend ausgleichen.
Trinnov Amethyst Einpunkt_04
Die Gruppenlaufzeit
Trinnov Amethyst Einpunkt_05
Impulsantwort (Alle Screenshots: F. Borowski)
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Die zusätzlichen Einmessungen müssen manuell vorgenommen werden, was deutlich mehr Kenntnis über die Eigenheiten des Interface und dessen Funktionen erfordert. MediaLantic-Chef Veit Wegmann half mir telefonisch und dank Fernzugriff via VNC durch die Prozedur und erklärte mir auch viele andere Besonderheiten. Denn auch nach erfolgter Ein- oder Mehrpunktmessung ermöglicht das System eine Vielzahl von Anpassungen und Feineinstellungen. Um nur ein paar Beispiele zu nennen:

Für einen direkten Hörvergleich kann die Optimierung jederzeit ausgeschaltet werden. Aber nicht nur komplett, sondern auch einzelne Parameter, wie das ”Level Alignment“ (Pegelanpassungen) und das ”Delay Alignment” (zeitliche Korrektur) können individuell deaktiviert werden. Selbst auf den Ausgleich früher Reflexionen kann nachträglich sehr feinfühlig Einfluss genommen werden.

Da die Korrektur in der Standardeinstellung keine Pegelschwankungen größer als -10 bzw. +5 dB ausgleicht, in manchen Situationen aber mehr erforderlich ist (z. B. meine Raummode, die max. 12 dB Ausschlag hat) kann über die sogenannte Excursion Curve festgelegt werden, in welchen Frequenzbereichen ggf. stärker (oder weniger stark) als normal kompensiert werden soll.

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Trinnov Amethyst Excursion Curve
Mit der Excursion Curve können Frequenzbereiche definiert werden, in denen die Kompensation mit mehr als +5/-10 dB eingreifen soll. Nur auf diese Weise konnte beispielsweise meine Raummode bei 90 Hz komplett ausgebügelt werden.
Trinnov Amethyst Excursion Curve comp.
Hier die Messung vorher (grün) und nachher (blau). Da die Raummode bei 90 Hz bis maximal 12 dB ausschlägt, musste ich in der Excursion Curve (Bild zuvor) eine entsprechende Erweiterung des Kompensationsspielraums bei dieser Frequenz festlegen. Das ist die kleine „Badewanne“, die in der Grafik zuvor zu sehen ist (Alle Screenshots: F. Borowski)
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Der Nutzer hat dermaßen viele Möglichkeiten zur Einflussnahme auf den Klang, dass es selbst für geübte Anwender Tage dauern kann, auf das letztlich gewünschte ”perfekte“ Ergebnis zu kommen. Ich habe mich gar Wochen damit beschäftigt, dabei aber bis zum Schluss durch langwierige Hörtests immer wieder an gewissen Ecken nachgefeilt, was ungeheuer lehrreich war…

Hörtest Trinnov Amethyst: Wenn der Hörraum plötzlich verschwindet

Wie ihnen sicherlich bewusst ist, sind Hörtest-Beschreibungen immer subjektiv. Meine Erfahrungen mit dem Trinnov System anhand einzelner Musikbeispiele zu beschreiben, brächte wahrscheinlich nichts. Ich werde stattdessen versuchen, Ihnen mit Hilfe von Analogien ein Gesamtbild des von mir erlebten zu vermitteln.

Die wohl wichtigste Erkenntnis: Mit keinem anderen System zur Raum-Einmessung beziehungsweise Lautsprecherkorrektur habe ich bisher ähnlich umfangreiche und positive Hörerfahrungen gemacht. Die Trinnov Einmessungen ist in der Lage, den Abhörraum (nahezu) vollständig aus der Klanggleichung verschwinden zu lassen – mit weitreichenden Folgen.

Die allermeisten der erlebten Effekte sind dem Klangerlebnis absolut zuträglich, aber es gibt auch kleinere Bereiche, in denen ich Bedenken habe. Doch der Reihe nach…

Stellen Sie sich das Gehörte wie folgt vor: Das Ergebnis ist ähnlich wie Aufnahmen aus einem Fotostudio, in dem das Motiv perfekt von allen Seiten ausgeleuchtet wird, ohne absaufende Schatten oder ausgebrannte Lichter, mit ausgewogenen Farben und Kontrasten und bis ins kleinste Detail analysierbar. Das ist der Perfektion zwar ein gutes Stück näher, gleichzeitig aber auch nicht so gewohnt natürlich, wie Fotografien, die mit ”Available Light“, also ganz ohne Blitz, Reflektoren und Zusatzleuchten lediglich in dem vorhanden Licht entstanden.

Die ersten Hörerfahrungen mit der Einpunkt-Messung per Optimizer-Assistent waren ein echter Augenöffner. Zwar sind mir die akustischen Besonderheiten und auch Unzulänglichkeiten meines Hörraums seit langen gut bekannt und auch stets bewusst, doch mit aktiviertem Trinnov Optimizer verschwinden sie auf einen Schlag fast vollständig. Der Einfluss des Hörraums scheint wie weggeblasen. Dadurch ergeben sich einschneidende Veränderungen des gesamten Klangbilds.

Trinnov_Amethyst_im Hörraum2
Als Endstufe diente mir der rechts im Bild zu sehende T+A PA 2500 R Vollverstärker im „Surround“-Modus, in dem das Eingangssignal direkt zu den Endstufen durchgereicht wird. Im späteren Verlauf wurde auch der Exogal Comet und Ion PowerDAC (Mitte, schwarz) als D/A-Wandler und Endstufe genutzt (Foto: F. Borowski)

Das Resultat ganz ohne Optimierung: Sie kennen das vermutlich auch. Es gibt stets Musikstücke, die der vorhandenen Raumakustik ”schmeicheln“. Tracks, die ganz besonders gut klingen und die man deshalb auf seine Playlist für Hörtests nimmt. Andere wiederum regen beispielsweise eine Raumresonanz besonders stark an oder sie erscheinen aufgrund anderer Raumeinflüsse irgendwie nicht so gut, wie an einem anderen Ort, von dem man dieses bestimmte Stück vielleicht viel besser in Erinnerung hat. Etwa aus der Vorführung bei einem Fachhändler. Das ist meistens den Tücken einer nicht perfekt ausgewogenen Raumakustik geschuldet und nicht zwingend den klanglichen Fähigkeiten des Lautsprechers. So kann es passieren, dass man sich für viel Geld neue Lautsprecher anschafft und diese dann womöglich in den eigenen vier Wänden gar nicht mehr so gut gefallen.

Ein wenig erging es mir so mit den Børresen-Speakern. Zunächst hatte ich ja die kleinen Kompaktboxen Børresen 01 im Test. Die passten ausgesprochen gut zu meiner Raumakustik. Danach entschied ich mich ”blind“ für die Anschaffung der 2,5-Wege Standbox Børresen 02. Nicht, dass ich diese Entscheidung bereut hätte, doch die wesentlich basskräftigeren 02 regen die Problemzonen meines Raums eben deutlich mehr an und harmonieren dadurch nicht so gut mit der Raumakustik, wie die 01. Damit hatte ich durchaus gerechnet. Daher habe ich für sie ein stärkeres Augenmerk auf Korrekturen per parametrischem EQ gelegt und die weitere Optimierung meines Hörraums per Plattenabsorber geplant.

Doch dann kam der Trinnov Amethyst…

Trinnov_Amethyst_Front
Hat die Raumresonanzen voll im Griff: der Trinnov Amethyst (Foto: F. Borowski)

Zunächst einmal der Bass. Im Tieftonbereich erzielt das System die gravierendsten Verbesserungen. Nicht nur die lästige Dröhnfrequenz um 90 Hz ist wie weggeblasen, auch gewinnt der Bass dramatisch an Kontur und Reinheit. Hier zeigt sich, wie grandios präzise und tiefreichend meine Referenzlautsprecher Børresen 02 tatsächlich zu spielen vermögen. Der gesamte Tieftonbereich von der unteren Grenzfrequenz bis etwa 150, 200 Hz ist plötzlich unglaublich ausgewogen, ohne Resonanzen und Auslöschungen und stets herrlich sonor. Durch eine sauberere Trennung zu den Obertönen wird auch der Klangkörper der Instrumente besser heraus modelliert und die Ortbarkeit steigt.

Ähnlich dramatische Wandlungen spielen sich in den Mitten ab. Vor allem Stimmen – womit sich unser Gehör am besten auskennt – wirken wie aus einem Pappkarton befreit. Das ist zwar etwas übertrieben bildhaft formuliert, beschreibt den Effekt aber gut. Ich habe das immer wieder und wieder auch beim Fernsehen durch ein- und ausschalten des Optimizers ausprobiert. Egal, ob Nachrichtensprecher oder Serien/Spielfilmheld: die Stimmen wirken befreit und ”wie mit Perwoll gewaschen” – um mal ein Werbezitat anzubringen. Reinheit und Verfärbungsfreiheit dominieren fortan die gesamten Mitten.

Am wenigsten tut sich im Hochtonbereich, jedoch sind auch hier ein klein wenig mehr Präzision und dadurch mehr Sauberkeit festzustellen.

Der eigentliche Klangcharakter wird bei alledem aber so gut wie nicht verändert! Was natürlich enorm wichtig ist. Mit der per Assistent durchgeführten Einmessung erstellt das System automatisch sechs Klang-Presets mit leicht unterschiedlichen Präferenzen zwischen eher angenehm und unaufdringlich (”Comfort“) und gnadenlos präzise (”Monitoring“) Die beiden zwischen diesen Extremen angesiedelten Presets ”Natural“ und ”Neutral“ gefielen mir persönlich am besten.

Natürlich ist es auch möglich, sich eigene Presets anzulegen und damit beispielsweise die Auswirkung einer Einpunkt- und Mehrpunktmessung zu vergleichen, oder um sich für eine Quelle wie TV eine leichte Bassbetonung anzulegen. Der Möglichkeiten sind‘s gar viele!

Trinnov_Amethyst_im Hörraum
Zum Abhören kamen unter anderem meine Referenzlautsprecher Børresen 02 zum Einsatz (Foto: F. Borowski)

Doch die absolute Reinheit der Darstellung führte vor allem in den Mitten dazu, dass ich mit der Stimmenwiedergabe nicht immer zufrieden war. Es hat eine ganze Weile gedauert, den Grund dafür einzukreisen. Primär liegt es daran, dass Stimmen ein wenig an Brustton zu verlieren scheinen und dadurch zu dünn wirken.

Nun, ein Teil dieses Eindrucks mag daran liegen, dass wir es einfach gewohnt sind mit einer gewissen Raumantwort bei der Tonwiedergabe daheim zu leben. Der Raum gehört akustisch einfach dazu. Wenn nun aber Stimmen plötzlich klingen, als wären sie auf dem freien Feld oder zumindest in einem stark bedämpften Studio aufgenommen, ändert das einiges.

Die Mitwirkung der heimischen Raumakustik bedeutet in jedem Fall immer eine mehr oder weniger starke Verfälschung des Originals. Und wenn ich den Optimizer abschaltete, kam stets dieser gewisse Pappkarton-Beigeschmack wieder zum Vorschein. Als würden die Stimmen in die hohle Hand genuschelt (wieder überspitzt dargestellt, um den Effekt zu beschreiben). Nach Aktivierung des Optimizers sind plötzlich alle Mitten wieder glockenklar, aber gerade Stimmen etwas blutarm.

Im Laufe einiger Wochen gelang es mir, diesem Phänomen mit den schier unendlichen Möglichkeiten des Trinnov beizukommen – vor allem, indem ich von der reinen Einpunktmessung auf Mehrpunktmessung mit relativ hoher Gewichtung (10:6) für die nahe umliegenden Plätze zu wechselte. Dadurch ging nur ein winziger Teil der sehr willkommenen Klarheit und Präzision verloren, Stimmen bekamen aber wieder ein wenig mehr Unterstützung vom Hörraum. Doch für die allein-glückselig machende Einstellung muss ich wohl noch ein wenig experimentieren…

Auch wenn mit dieser Erkenntnis am Ende nicht alles eitel Sonnenschein ist: In der Summe aller Dinge gefällt mir die Wiedergabe mit der Trinnov-Optimierung um Längen besser, als nur mit (unvollständiger) Raumoptimierung durch Akustikmodule und parametrischem EQ. Nie hat sich der Ton bei mir so gut von den Lautsprechern gelöst und nie zuvor habe ich einen derart sauberen und zugleich mächtigen Bass in meinen vier Wänden erlebt. Ganz ohne Subwoofer. Die Børresen 02 leisten hier trotz ihrer zierlichen Maße wahrhaft Erstaunliches!

Wie gut ist der DAC des Amethyst?

Der interne D/A-Wandler des Amethysten ist, wie weiter oben bereits erwähnt, nicht gerade der modernste am Markt. Wie es scheint, stammt seine Architektur schon von Anfang der 2000er Jahre. Also 15 Jahre, oder älter. Der Hersteller versichert aber, dass er trotzdem mit den besten heutigen Wandlerchips mithalten können soll – eine Steilvorlage für einen Quercheck.

Dank der Möglichkeit, das Signal digital per Coax auszugeben, habe ich den Amethyst in folgenden Konfigurationen gehört:

• Kette 1: Amethyst als Vorstufe mit seinem internen DAC –> T+A PA 2500 R als Endstufe –> Børresen 02
• Kette 2: Amethyst –> per Coax an Exogal Comet DAC –> T+A PA 2500 R als Endstufe –> Børresen 02
• Kette 3: Amethyst –> per Coax an Exogal Comet+Ion PowerDAC –> Børresen 02

Eine exakte Vergleichbarkeit ist natürlich nur bei der ersten und zweiten Variante gegeben, da der Leistungsverstärker gleich sein sollte. Die dritte Variante mit dem Exogal Ion PowerDAC als Verstärker diente nur als Quervergleich. Was dabei leider nicht berücksichtigt werden kann, ist der Umstand, dass ich die Lautstärkeregelung des Amethyst nicht aus dem Signalweg bekomme. So habe ich für diesen Test den Pegel am Trinnov auf fast Vollanschlag (-5 bis -2 dB) gedreht und die Lautstärke über den Exogal geregelt.

Lange Rede, kurzer Sinn: Mit dem Exogal als DAC kam eine nachvollziehbare Verbesserung vor allem im Mittel- und Hochtonspektrum ins Spiel. Der interne DAC des Amethyst wirkte dem gegenüber etwas weniger fein aufgelöst und weniger mühelos. Natürlich sind die mit der Raum-/Lautsprecherkorrektur einher gehenden Klangveränderungen viel größer, als die Unterschiede zwischen verschiedenen DACs, aber das heißt nicht, dass dieser Punkt vernachlässigbar ist. High End lebt nun mal auch ein gutes Stück von der Erforschung und Erweiterung von Grenzbereichen. Da sollte Trinnov vielleicht nachrüsten…

Fazit: Ein Ausnahmetalent ohne Star-Allüren

Am Ende dieses Projekts stellt sich heraus, dass es vielleicht doch keine so gute Idee war, diesen Test auf die Beine zu stellen. Nicht wegen des hohen Aufwands oder weil ich unzufrieden wäre. Ganz im Gegenteil. Jetzt, wo der Amethyst wieder weg ist, fehlt er mir doch sehr: Das wird sicher nicht meine letzte Begegnung mit Trinnov gewesen sein.

An der Hardware hätte ich einige Kritikpunkte. Die etwas hemdsärmelige Verarbeitung im Inneren mit hörbaren Lüftern ist dabei nur ein Nebenaspekt. Wichtiger ist, dass es keine Musiksteuerungsfunktionen für Roon und UPnP gibt und dass der interne DAC nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit ist.

Das ändert aber alles nichts an der Hauptattraktion des Trinnov Amethyst: seiner überragenden Funktion zur Lautsprecher- und Raumkorrektur. In dieser Hinsicht ist er der Konkurrenz um Längen voraus. Einfach atemberaubend, was damit machbar ist. Wer sich den Amethyst zulegt, kann sich einer dramatischen Verbesserung des Klangs sicher sein. Die Komplexität sollte allerdings nicht unterschätzt werden, auch wenn die Einmessung an sich sehr einfach geht.

Ein ganz dickes Lob möchte ich abschließend noch für die hervorragende Stabilität der Software aussprechen. Ich hatte während der gesamten Testphase nicht einen einzigen Aussetzer oder Absturz zu beklagen. Das ist leider alles andere als eine Selbstverständlichkeit bei Software-gestützter Audio-Hardware, erst recht bei derart komplexen.

Kurzum: Der Trinnov Amethyst ist ein wahrlich außergewöhnliches HiFi-Produkt mit schier unendlichen Möglichkeiten und pragmatischem Hardware-Design. Von LowBeats Seite gibt es dafür eine Top-Empfehlung!

Trinnov Amethyst
2020/04
Test-Ergebnis: 4,6
überragend
Bewertungen:
Klang
Praxis
Verarbeitung

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Überragender Klang dank perfekter Raum-Korrektur
Zahlreiche und flexibel anpassbare Ein- und Ausgänge
Enorm hohe Stabilität und Reifegrad der Software
Online-Support

Vertrieb:
MediaLantic
Martin-Hoffmann-Str. 11
12435 Berlin
www.medialantic.com

Preis (Hersteller-Empfehlung):
Trinnov Amethyst: ab 9.800 Euro
Trinnov 3D Mikrofon: 714 Euro

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Test: Raumkorrektur-Sensation Trinnov ST2-Hifi

Autor: Frank Borowski

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LowBeats Experte für Schreibtisch-HiFi und High End kennt sich auch mit den Finessen der hochwertigen Streaming-Übertragung bestens aus. Zudem ist der passionierte Highender immer neugierig im Zubehörbereich unterwegs.