Test Wolf von Langa Audio Frame Chicago: die neue Referenz

Von Langa Audio Frame Chicago: die Mittelhochtoneinheit
Den 20 cm Mitteltöner A1.750 fertigt Wolf von Langa selbst. Wie auch beim Tieftöner ist der Mitteltöner statt an einem Korb an einem massiven Aluminium-Quadrat verschraubt. Den hoch effizienten AMT-Hochtöner links lässt von Langa nach eigenen Spezifikationen beim Frequenzweichen-Spezialisten Mundorf fertigen (Foto: H. Biermann)

Obwohl die Wolf von Langa Audio Frame Chicago wegen der Elektromagnete am Netz hängen, sind sie immer noch passive Lautsprecher, deren drei Teilbereiche entsprechend durch klassische Frequenzweichen getrennt werden müssen.

Erstaunlich dabei ist der sehr breitbandig laufende Tieftöner: Von Langa lässt ihn bis 700 Hertz laufen. Das können nur sehr wenige 38er überzeugend. Da der hochbelastbare AMT-Hochtöner bereits ab 1.500 Hertz eingesetzt wird, bleibt dem Mitteltöner nur die Oktave zwischen 700 und 1.400 Hertz.

Allerdings ist diese Oktave für die Mittenpräzision ungemein wichtig. Das ist beispielsweise der Unterschied zur Tannoy Canterbury GR, die bei uns ja ebenfalls einen überragenden Eindruck hinterließ. Bei ihr muss die schwere 38er Tieftonmembran bis 1.800 Hertz wiedergeben. Das fällt so einer leichten Mitteltönermembran im wahrsten Sinne des Wortes „leichter“.

Die Frequenzweiche ist in Tiefton- und Mittelhochtonsektion aufgeteilt; die Chicago ist also Bi-Wiring- oder Bi-Amping-fähig. Und sie ist durchwegs mit bewährt guten Bauteilen bestückt.

Bass-Platine der Frequenzweiche
Die Bass-Platine der Frequenzweiche sitzt direkt unter dem oberen 38er Tietöner. Wer sich auskennt, sieht, dass hier auf hohe Qualität gesetzt wird. Wegen der offenen Bauweise der Chicago kann der Nutzer durch simples Wechseln der Widerstände beispielsweise den Pegel des Hochtöners anpassen (Foto: H. Biermann)

Völlig egal, wo man hinschaut: Man ahnt, dass Wolf von Langa ein Ziel hat und dieses Ziel mit außergewöhnlichen Mitteln zu erreichen versucht.

Und wenn man dafür alles selbst machen muss, macht er es halt: nämlich einen handgefertigten Lautsprecher mit sehr vielen konstruktiven Besonderheiten, die mit besonders aufwändigen Tief- und Mitteltönern bestückt sind, welche er selbst aufbaut. Eine solche Fertigungstiefe ist selten. Und ein solches Fachwissen um das Thema Antrieb beziehungsweise Elektromagnet ebenso.

Dieser Spirit ist nicht nur hörbar, man kann ihn auch messen. Dazu gehören allerdings keinen linealglatten Frequenzgänge – wie bei fast allen Dipol-Schallwandlern verläuft der etwas holprig. Dafür aber glänzt die Chicago mit einem vorbildlich linearen Impedanzverlauf:

Impedance and Phase Wolf von Langa Audio Frame Chicago
Impedanzverlauf (Betrag und Phase) der Wolf von Langa Audio Frame Chicago. Das Impedanzmaximum beträgt 82 Ohm bei 16 Hz. das Impedanzminimum 5,8 Ohm bei 68 Hertz – tendenziell zählt die Audio Frame Chicago zu den 8-Ohm-Lautsprechern. Der maximale Phasenwinkel der Impedanz berägt – 60 Grad (kapazitiv) zwischen 22 und 28 Hertz: In diesem Bereich (rotes Feld) sollte der treibende Verstärker kapazitive Blindleistung aufbringen können. Ansonsten ist der Phasenverlauf unkritisch (Diagramm: J. Schröder)

Dieser weitgehend gutmütige Impedanz- und Phasengang begünstigt eine mögliche Kombination mit Röhrenverstärkern. Wir haben es selbstredend ausprobiert – mit dem kleinen Unison Research Simply Italy. Das klang wahrlich nicht schlecht und ganz sicher honoriert die Chicago auch noch sehr viel bessere Röhrenelektronik.

Aber die folgenden Messungen zeigen, dass die Chicago bemerkenswert verzerrungsarm ist – und dies auch bei sehr hohen Pegeln. Dafür aber braucht es Leistung. Viel Leistung.

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Wolf von Langa Audio Frame Chicago IM-Spektrum 105dBspl
IMD-Spektrum Wolf von Langa Audio Frame Chicago: Beim einem empfohlenen, oberen (Dauer-) Schalldruckpegel) von 105 dB SPL wird die HiFi-Verzerrungsgrenze (3% <100 Hz) selbst bei 25 Hertz noch eingehalten. Der Spitzenpegel hierbei beträgt stattliche 117,4 dB SPL – und zwar kompressionsfrei. Linker und rechter Lautsprecher bringen es somit zusammen auf Spitzenschalldruckpegel von mehr als 123 dB SPL (Diagramm: J. Schröder)
Wolf von Langa Audio Frame Chicago IM-Spektrum 94dBspl
IMD-Spektrum Wolf von Langa Audio Frame Chicago (94 dB SPL; 1m). Bis hinunter zu 20 Hertz vorbildlich geringe Gesamtverzerrungen (Diagramm: J. Schröder)
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Ein- und Aufstellung der Wolf von Langa Audio Frame Chicago

Wir hatten deshalb auch verschiedene Leistungs-Schwerkaliber ausprobiert. Zum Beispiel den erdig klingenden McIntosh MA 7900 AC. Oder den T+A PA 2500 R mit seinem blitzsauberen Klang. Oder die Kombination aus Vorstufe SPL Director und Endstufe Nubert nuPower A. Die Nubert Endstufe haut bis zu 500 Watt Sinus pro Kanal raus – sie hat die relaxte Art eines untertourig gefahrenen 12-Zylinder-Motors. Das passt zur hochdynamischen Art der Chicago hervorragend.

Dipl Bassabstrahlung
Die Animation zeigt die Schallabstrahlung eines Dipol-Basses: In der Mitte steht der Lautsprecher, die schwarze Linie zeigt die Hörrichtung an. Nach hinten wie nach vorn wird die gleiche Energie abgegeben (Simulation: KS Digital)

Aber neben der passenden Elektronik ist natürlich auch die optimale Aufstellung eines solchen Lautsprechers wichtig. Dazu muss man sich noch einmal vor Augen halten: Die Wolf von Langa Audio Frame Chicago ist ein Dipol, was vor allem im Bass einige Möglichkeiten bietet. Die Simulation zeigt den Abstrahlcharakter eines Tiefton-Dipols: Nach hinten wie nach vorn wird die gleiche Energie abgegeben. Anders als bei üblichen Tieftonkonstruktionen im Gehäuse wird der Bass nicht kugelförmig, sondern in Form einer Acht abgestrahlt. So kann man Raumresonanzen gezielter anregen oder eben nicht anregen.

Im LowBeats HiFi Hörraum allerdings suchte sich die Audio Frame Chicago ihren Platz mehr oder minder selbst. Da der Hoch-/Mitteltonbereich mit 45° eingewinkelt ist und wir es am vorteilhaftesten empfanden, wenn die beiden Treiber relativ genau auf den Hörer strahlen, blieben so viele Aufstellungsorte nicht. Aber bei der Suche nach dem optimalen Platz zeigte sich auch, dass die Chicago trotz offener Bauweise nicht wirklich aufstellungskritisch ist. Wir haben ja die Möglichkeit, die Wand hinter dem Lautsprecher entweder Schall-reflektierend oder -dämmend aufzustellen. Beides klang gut, die dämmende Variante nach langem Hören aber etwas besser: Man hört noch mehr Feinheiten. Die Chicago steht also lieber vor der Bücherwand als vor nacktem Putz oder gar großen Glasflächen.

Aufstellung im LowBeats Hörraum
Die Audio Frame Chicago vor dem nicht-reflektierenden (weißen) Wandpanel im LowBeats HiFi Hörraum. Das Panel brachte noch mehr Feinheiten (Foto: H. Biermann)

Der Hörtest

Bei allen meinen Hörtests kommt immer irgendwie Yello vor. Am Ende eines Hördurchgangs gebe ich mit den Aufnahmen der Schweizer Elektro-Popper noch einmal richtig Gas und drehe auf, soweit es eben geht. Und so laut, vor allem aber auch so genau und mitreißend natürlich habe ich diese Bass-dominierten Titel von Yello (Album: Toy) noch nie gehört. Tieftonwelle auf Tieftonwelle, die auf einen zugerollt kommen: Es kribbelt im Zwerchfell und man hört ALLES.

Cover Art: Zappa Live in New York
Zappa Live in New York von 1977: ein immer noch großartiges, vor allem hochdynamisches Album (Cover: Amazon)

Beim „Black Page Drum Solo“ von Frank Zappas Live In New York bringt die Chicago jeden Hieb so punktgenau, dass es den Zuhörer direkt in die Schießbude versetzt. Diese Schnelligkeit und Präzision erzeugt einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann – zumal die Chicago diese Fähigkeiten ja in allen Frequenzbereichen zeigt.

Piano? Klingt fein, perlig, grummelig oder wenn es sein muss brachial dynamisch – wie bei Tim Fischers „Akne Vulgaris“ (aus: Lieder eines armen Mädchens), wo der Pianist den Deckel mit Kraft zuschlägt. Die meisten Lautsprecher brechen an dieser Stelle dynamisch ein. Die Wolf von Langa Audio Frame Chicago nicht. Da spürt man noch das Nachbeben des Instruments.

Oder Stimmen? Ebenfalls wunderbar klar artikuliert. Herausragend, wie plastisch sie die wandlungsfähige Stimme Fischers darstellt, nichts unterschlägt – oder wie sie die einzelnen Stimmen des Hilliard Ensembles (Officium Novum: Jan Garbarek & The Hilliard Ensemble) auseinander hält und wie fein und luftig sie die Schwebungen dieser Musik weitergibt.

Mit diesem Lautsprecher klingen gerade gut gemachte Live-Aufnahmen einfach echt. Die dreidimensionale Darstellung ist wegen des Dipol-Charakters beeindruckend. Und mit ihrer ungemeinen Präsenz und Spielfreude platziert sie den Zuhörer fast immer in der ersten Reihe.

Die Wolf von Langa Audio Frame Chicago wirkt bei jeder Art von Musik irgendwie müheloser als andere Lautsprecher. Das heißt nicht, dass sie ohne Fehler ist. Prinzipiell klingt sie minimal hell und im Bass eher etwas schlank. Musikfreunde, die es bei der Wiedergabe gern etwas kuscheliger und warm-tönend haben, werden die Chicago womöglich nicht vorziehen.

Und all jene, die bei 30 Hertz noch satten, vollen Pegel brauchen, ebenfalls nicht. Die Chicago reicht zwar bis unter 20 Hertz, aber das mit nur nachlassender Intensität; da ist die Physik beziehungsweise der akustische Kurzschluss nicht auszutricksen. Doch für jene, die Klarheit, Schnelligkeit und realistische Dynamik, also das authentische HiFi und Live-Konzerte lieben, für die ist dieser Lautsprecher ziemlich dicht an 100%.

im LowBeats Hörraum
Die beiden Chicagos im LowBeats HiFi Hörraum. In der Mitte das wuchtige Netzteil FCA zur Versorgung der Elektromagnete (Foto: H. Biermann)

Fast drei Monate stand die Chicago im Hörraum und egal, ob allein oder mit Gästen: meine Begeisterung wuchs von Mal zu Mal. Ist es diese anspringende Lebendigkeit, diese Klarheit im Ton? Oder trifft die Wolf von Langa Audio Frame Chicago nur einfach meinen Hörgeschmack so genau? Wahrscheinlich beides. Ich habe jedenfalls viele Gäste gesehen, denen die Chicago auch schon nach kurzer Zeit Freude ins Gesicht zauberte. Und für den Kollegen Jürgen Schröder gilt dasselbe. Die Chicago ist ein Erlebnis-Lautsprecher, der fast jeden mitreißt – selbst wenn es darum geht, bei kleinen Pegeln kleine Besetzungen zu hören.

Fazit

Dieser Lautsprecher ist in allen Belangen highendig: im Preis (37.000 Euro/Paar), in der Technik (Elektromagnet-Antriebe), vor allem aber klanglich. Seine frappierende, filigrane Offenheit und Natürlichkeit, gepaart mit diesen grob- wie feindynamischen Fähigkeiten, lassen Live-Aufnahmen und Drum-Soli zu mitreißenden Erlebnissen der ganz seltenen Art werden. Das ist große Kunst. Mich erinnert die Chicago an beste PA-Lautsprecher – nur mit sehr viel mehr Feinsinn.

Man darf die Frage stellen, warum nicht mehr Hersteller dem Elektromagneten eine Chance geben. Wahrscheinlich sind Aufwand und Kosten einfach sehr hoch. Aber dieser Aufwand macht deutlich, dass an einigen Stellen noch was geht. Die eigenwillige Chicago jedenfalls ist wegen ihrer universellen Ansteuerbarkeit, ihrer Gutmütigkeit gegenüber schwächlichen Verstärkern, vor allem aber wegen ihres natürlich-dynamischen Klangs von nun an die neue Lautsprecher-Referenz bei LowBeats. An ihr müssen sich bei uns zukünftig die Besten messen.

Die Mitspieler im Test:
Test SPL Director – HiFi Vorstufe aus dem Studio
Test Nubert nuPower A – 2 x 500 audiophile Watt
Test McIntosh MA 7900 AC – Kraft von unten
Test T+A PA 2500 R – modernste Verstärkertechnik

Im Beitrag erwähnt:
Test Tannoy Canterbury GR – der audiophile Studiomonitor
Test Line Magnetics 597 – Hochtöner mit Elektromagnet

Hier hört man alles: Der LowBeats HiFi Hörraum

Mehr von Wolf von Langa:
Test Wolf von Langa London – Dipolbox mit Lowther Breitbänder
Reportage: Dipol Lautsprecher Wolf von Langa Swing (Paarpreis 59.800 Euro)

Wolf von Langa Audio Frame Chicago
2017/11
Test-Ergebnis: 4,8
Referenz
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Natürlicher, feiner, hoch dynamischer Klang
Maximaler Pegel bis 123 Dezibel
Hoher Wirkungsgrad, Röhren-geeignet
Flexible Dipol Konstruktion, kein Gehäuseklang

Vertrieb:
Wolf von Langa
Roedlas 54
91077 Neunkirchen
www.wolfvonlanga.com

Paarpreis (Hersteller-Empfehlung)
Wolf von Langa Audio Frame Chicago: 37.000 Euro