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Test Wolf von Langa Audio Frame Chicago: die neue Referenz

Der Wirkungsgrad eines Lautsprechers wird in der Regel durch den Tieftonbereich limitiert. Deshalb hat Wolf von Langa die beiden 38 cm Bässe auf höchste Effizienz getrimmt: zum einen mit der geringen bewegten Masse und zum anderen mit kräftigen Elektromagneten.

Wolf von Langa Audio Frame Chicago: das Netzteil
Das FCA Netzteil, das die Elektromagnete der acht Treiber der Chicago antreibt (Foto: H. Biermann)

Und das ist die wirkliche Besonderheit. Anders als der übliche, vormagnetisierte Permanentmagnet, hängt der Elektromagnet an einem potenten Netzteil und damit an der Steckdose. Bei ihm entsteht die magnetische Feldstärke durch die Stärke des elektrischen Stroms im Luftspalt der Schwingspule.

Prinzipiell bieten solche Elektromagnete viele Vorteile: höhere Magnetflussdichte, ein damit verbundener höherer Wirkungsgrad und die Möglichkeit, die Magnetstärke sogar einzustellen. Die Nachteile liegen aber ebenfalls auf der Hand: eine Feldspule plus Stromversorgung bedeuten teuren Extra-Aufwand.

Das FCA Netzteil der Wolf von Langa Audio Frame Chicago
Das FCA Netzteil der Wolf von Langa Audio Frame Chicago von hinten: Die Magneten der acht Treiber sind alle einzeln angeschlossen und können über die jeweiligen Schrauben in der Magnetstärke angepasst werden (Foto: H. Biermann)

Im HiFi sind Elektromagneten (der Kenner sagt „fremderregt“ dazu, aber das klingt in meinen Ohren so sperrig, dass ich lieber beim „Elektromagneten“ bleibe) sehr selten. Focal hat in seiner Grande-Serie zwei Lautsprecher (Utopia und Stella); bei denen sind aber nur die Bässe elektromagnetisch motorisiert. Wolf von Langa aber spendiert jedem seiner Treiber einen solchen Motor. Das zeugt von seinem extrem hohen Anspruch.

Wolf von Langa, Entwickler der Audio Frame Chicago
Wolf von Langa hat als Fachhändler in den Jahren 1984 bis 1993 selbst jede Menge hervorragende Lautsprecher anderer Fabrikate verkauft. Er erkannte früh die Vorzüge, die der Elektromagnet vor dem klassischen Antrieb mit Permanentmagneten hat – vor allem die höhere Effizienz und die höhere Linearität. Das Bild zeigt ihn beim Besuch im LowBeats Büro (Foto: H. Biermann)

Von diesem Elektromagnet-Antrieb profitieren auch Mittel- und Hochtöner. Den Mitteltöner A1.750 baut von Langa selbst: die sehr leichte Membran aus handgeschöpftem Papier, eine mit 5 cm recht große Schwingspule und die extraweiche Aufhängung.

Von Langa Audio Frame Chicago: die Mittelhochtoneinheit
Den 20 cm Mitteltöner A1.750 fertigt Wolf von Langa selbst. Wie auch beim Tieftöner ist der Mitteltöner statt an einem Korb an einem massiven Aluminium-Quadrat verschraubt. Den hoch effizienten AMT-Hochtöner links lässt von Langa nach eigenen Spezifikationen beim Frequenzweichen-Spezialisten Mundorf fertigen (Foto: H. Biermann)

Obwohl die Wolf von Langa Audio Frame Chicago wegen der Elektromagnete am Netz hängen, sind sie immer noch passive Lautsprecher, deren drei Teilbereiche entsprechend durch klassische Frequenzweichen getrennt werden müssen.

Erstaunlich dabei ist der sehr breitbandig laufende Tieftöner: Von Langa lässt ihn bis 700 Hertz laufen. Das können nur sehr wenige 38er überzeugend. Da der hochbelastbare AMT-Hochtöner bereits ab 1.500 Hertz eingesetzt wird, bleibt dem Mitteltöner nur die Oktave zwischen 700 und 1.400 Hertz.

Allerdings ist diese Oktave für die Mittenpräzision ungemein wichtig. Das ist beispielsweise der Unterschied zur Tannoy Canterbury GR, die bei uns ja ebenfalls einen überragenden Eindruck hinterließ. Bei ihr muss die schwere 38er Tieftonmembran bis 1.800 Hertz wiedergeben. Das fällt so einer leichten Mitteltönermembran im wahrsten Sinne des Wortes „leichter“.

Die Frequenzweiche ist in Tiefton- und Mittelhochtonsektion aufgeteilt; die Chicago ist also Bi-Wiring- oder Bi-Amping-fähig. Und sie ist durchwegs mit bewährt guten Bauteilen bestückt.

Die Bassweiche der Wolf von Langa Audio Frame Chicago
Die Bass-Platine der Frequenzweiche sitzt direkt unter dem oberen 38er Tietöner. Wer sich auskennt, sieht, dass hier auf hohe Qualität gesetzt wird. Wegen der offenen Bauweise der Chicago kann der Nutzer durch simples Wechseln der Widerstände beispielsweise den Pegel des Hochtöners anpassen (Foto: H. Biermann)

Völlig egal, wo man hinschaut: Man ahnt, dass Wolf von Langa ein Ziel hat und dieses Ziel mit außergewöhnlichen Mitteln zu erreichen versucht.

Und wenn man dafür alles selbst machen muss, macht er es halt: nämlich einen handgefertigten Lautsprecher mit sehr vielen konstruktiven Besonderheiten, die mit besonders aufwändigen Tief- und Mitteltönern bestückt sind, welche er selbst aufbaut. Eine solche Fertigungstiefe ist selten. Und ein solches Fachwissen um das Thema Antrieb beziehungsweise Elektromagnet ebenso.

Dieser Spirit ist nicht nur hörbar, man kann ihn auch messen. Dazu gehören allerdings keinen linealglatten Frequenzgänge – wie bei fast allen Dipol-Schallwandlern verläuft der etwas holprig. Dafür aber glänzt die Chicago mit einem vorbildlich linearen Impedanzverlauf:

Impedance and Phase Wolf von Langa Audio Frame Chicago
Impedanzverlauf (Betrag und Phase) der Wolf von Langa Audio Frame Chicago. Das Impedanzmaximum beträgt 82 Ohm bei 16 Hz. das Impedanzminimum 5,8 Ohm bei 68 Hertz – tendenziell zählt die Audio Frame Chicago zu den 8-Ohm-Lautsprechern. Der maximale Phasenwinkel der Impedanz berägt – 60 Grad (kapazitiv) zwischen 22 und 28 Hertz: In diesem Bereich (rotes Feld) sollte der treibende Verstärker kapazitive Blindleistung aufbringen können. Ansonsten ist der Phasenverlauf unkritisch (Diagramm: J. Schröder)

Dieser weitgehend gutmütige Impedanz- und Phasengang begünstigt eine mögliche Kombination mit Röhrenverstärkern. Wir haben es selbstredend ausprobiert – mit dem kleinen Unison Research Simply Italy. Das klang wahrlich nicht schlecht und ganz sicher honoriert die Chicago auch noch sehr viel bessere Röhrenelektronik.

Aber die folgenden Messungen zeigen, dass die Chicago bemerkenswert verzerrungsarm ist – und dies auch bei sehr hohen Pegeln. Dafür aber braucht es Leistung. Viel Leistung.

Seite 1    WvL Audio Frame Chicago – Konzept (1)
Seite 2    Konzept (2), Ausstattung, Messungen (1)
Seite 3    Messungen (2), Ein-/Aufstellung, Hörtest, Fazit