Roland Spiegler
Roland Spiegler war über 40 Jahre lang Geschäftsleiter beim schwäbischen Lautsprecher-Direktversender Nubert Electronic. Das sind Massstäbe, die heute nicht mehr erreicht werden (Foto: Nubert)

13 Fragen an Roland Spiegler

Burmester, Grundig, Sennheiser, Studer – solch große Namen stehen für viele Unternehmen der UE-Branche, die ihre Existenz visionären Gründerpersönlichkeiten verdanken. Um Visionen Wirklichkeit werden zu lassen, bedarf es jedoch auch transformierender Kräfte, die das Imaginäre nach den Gesetzen der Materie auf den Boden der Tatsachen bringen können. Genau dies ist die Domäne der Macher in der zweiten Reihe – der „Betriebsmänner“, wie man im Unternehmens-Coaching zu sagen pflegt. Sie stehen zwar nicht im Rampenlicht, aber ohne sie blieben die meisten der kühnen Pläne reine Fiktion. Geradezu der Archetyp des „Betriebsmanns“ ist Roland Spiegler: Der studierte Bauingenieur aus Wendlingen am Neckar agierte über vier Jahrzehnte hinweg als Geschäftsleiter bei Nubert Electronic und war damit die treibende Kraft hinter dem Schwäbisch Gmünder Lautsprecher-Direktversender. Roland Spiegler hatte maßgeblichen Anteil an vielen Entwicklungen innerhalb der Firma – darunter nicht nur das Direktvertriebskonzept, sondern auch die Produktstrategie. Kaum etwas verließ das Haus, das nicht seinen Segen hatte. Seinem klugen Wirken war es zu verdanken, dass aus Nubert, einem kleinen, lediglich lokal bekannten Unternehmen von der Ostalb, einer der größten deutschen Lautsprecher-Anbieter wurde.

Nebenbei war Roland Spiegler auch für die Belange der schreibenden Zunft zuständig: All diejenigen, die mit ihm zu tun hatten – und wer hatte das nicht –, schätzten ihn wegen seiner engagierten, dabei stets objektiven Art und Weise, mit der er die Vorzüge der Nubert-Produkte aus voller Überzeugung ins rechte Licht rückte. Nicht umsonst also brachte es Firmengründer Günther Nubert mal folgendermaßen auf den Punkt: „Ohne mich gäbe es die Firma natürlich nicht – aber ohne Roland gäbe es sie schon lange nicht mehr.“

Zum 01.April 2020 hat Roland Spiegler nach nunmehr 40 Jahren die Geschäftsleitung an Bernd Jung übergeben – Anlass genug für LowBeats, mit Roland Spiegler über sein Wirken bei Nubert Electronic ein Interview zu führen. Nach einem Monat im – wie er selbst sagt – „Unruhestand“ warf Spiegler für uns einen langen Blick zurück.

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Nur vordergründig in zweiter Reihe: Roland Spiegler (rechts) lenkte das Unternehmen als heimlicher Geschäftsführer über 40 Jahre. Eine derartige Beständigkeit in Management-Positionen findet man heutzutage nur noch selten (Foto: Nubert Forum)

Das Interview: 13 Fragen an Roland Spiegler

LB: Herr Spiegler, was hat Sie zu Nubert geführt?
RS: Der Zufall. Während meines Bauingenieur-Studiums verdiente ich mir etwas mit der Vermittlung von HiFi-Anlagen für einen Tübinger Händler dazu, war aber ständig selbst auf der Suche nach den perfekten Boxen. Während eines Praktikums lernte ich einen Architekten kennen, der Lautsprecher von Günther Nubert hatte. Kurz darauf vertrieb ich seine Produkte im Bekanntenkreis. Immer wieder meinte ich, „wir sollten mehr aus Deinen Boxen machen“. Mitte 1979 hängte ich dann meinen Job an den Nagel und machte bei der jungen Firma Nubert Electronic mein Hobby zum Beruf.

LB: Genialer Tüftler trifft zuverlässigen, bodenständigen Macher – Nubert-Erfolgsrezept oder Klischee?
RS: Es war halt eine Fügung. Der Nachtmensch Günther Nubert brauchte jemand, der sich tagsüber um alles Organisatorische in so einem Laden kümmerte – das hatte ich schon während meiner Schulzeit als Ferienjobber bei einem Schreibwarenhändler gelernt. Und dann kam ganz viel „learning by doing“…

LB: Hätten Sie je gedacht, dass die Marke Nubert mal derart erfolgreich sein würde?
RS: Nein. Wir waren mit unseren HiFi-Studios, den eigenen Geheimtipp-Boxen und später den Nubert Fachmärkten bis Anfang der Neunziger Jahre sehr beschäftigt, aber mäßig erfolgreich. Dann kamen die preisaggressiven Märkte und machten uns das Leben schwer. Es kam aber auch die Entscheidung, uns auf die Kernkompetenz Lautsprecherbau zu besinnen, bei Jürgen Schröder, damals bei der Zeitschrift stereoplay, vorstellig zu werden und den bislang regionalen Direktvertrieb auf bundesweiten Versand umzustellen. Das war die beste Idee ever.

LB: Welcher war der schönste Moment in Ihrer Nubert-Laufbahn?
RS: Es gab etliche schöne Momente – Neueröffnungen nach großen Umbauten, diverse nuDays oder die Übergabe des Schildes „Nubertstraße“ bei der Feier zum 40-jährigen Firmenjubiläum. Ein schöner Abschluss war jetzt, als viele Branchenvertreter bei der Verleihung der Lebenswerk-Ehrung klatschten und mir dadurch klar wurde, dass mein Ziel, etwas aus Günther Nuberts Boxen zu machen, erreicht war.

LB: …und welcher der schwerste?
RS: Die folgenden Tage nach dem Brand 2011 und dem katastrophalen Flutwasserschaden 2016 waren schon heftig. Aber gemeinsam mit dem nuTeam haben wir auch diese Herausforderungen gemeistert.

LB: Was war Ihr persönlich größtes Projekt bei Nubert?
RS: Der Umzug 1986 vom kleinen Hinterhofdomizil in die 2000 qm große, ehemalige Uhrenfabrik mit umfangreichem Umbau war ein großes Bauprojekt, bei dem mir meine Ausbildung hilfreich war. Beim Neubau des Entwicklungs- und Vertriebszentrums war schon unser Herr Leis in der Bauleitung federführend.

LB: Welches war Ihr größter Flop?
RS: Wir hatten keine Flops. Quatsch. Natürlich gab es auch Projekte, die nicht den erhofften Erfolg brachten. Aber die habe ich vergessen…

LB: Mal angenommen, Sie stünden noch einmal vor der Entscheidung: Würden Sie es noch einmal machen?
RS: Ja. Ich hatte zwar einen guten Job als Bauingenieur, aber ich spürte schon damals, dass der Baucontainer und schlammige Baugruben nicht meine Welt waren. Meine Eltern hielten mich damals sicher für verrückt. Aber es hat ja geklappt.

LB: Gab/gibt es ein Nubert-Produkt, welches Ihnen besonders am Herzen lag/liegt?
RS: Es gab viele spannende Boxen-Projekte, die ich initiierte oder begleitete. nuForm zum Beispiel. Das war unsere erste Design-Boxenserie. Am meisten Energie hatte ich aber in die nuLook-Linie mit den Wechselfronten investiert. Leider war sie aber wirtschaftlich nicht der Supererfolg.

LB: Was hat sich in der Lautsprecher-Branche in 40 Jahren am meisten verändert?
RS: Der Wandel von der Passiv- zur Aktiv-Technologie. Zum Glück starteten wir früh und können heute stolz auf unsere erfolgreiche nuPro-X-Linie sein. Mit sprachgesteuerten Abhör-Quäkern kann ich mich nicht anfreunden. Gut, dass ich in Sachen Produktentwicklung das Ruder nun in andere Hände geben konnte.

LB: Sie können es am ehesten beurteilen: Hat Nubert eine spezielle Kundschaft? Was unterscheidet sie?
RS: Ich kenne unsere Kundschaft nicht von der Hotline, sondern eher vom Dialog im nuForum und von diversen nuDays. Dabei habe ich in den vielen Jahren immer ausgesprochen freundliche, begeisterungsfähige Musikliebhaber*innen kennengelernt, die das, was wir entwickeln und bauen, wertschätzen. Ein Blick ins Nubert Gästebuch erklärt alles Weitere…

LB: Kann man nach 40 Jahren Nubert einfach aufhören?
RS: Tja, das weiß ich noch nicht. Ich habe mir noch ein Hintertürchen offengehalten und stehe dem nuTeam als Berater zur Verfügung. Froh bin ich aber, dass ich die Last der Verantwortung abgeben konnte. Es heißt schon zurecht „Leidender Angestellter“…

LB: Nach all den Jahren – sind Sie noch immer HiFi-begeistert?
RS: Mein Faible für Stereo und HiFi wurde bei einer Funkausstellung in den Sechzigerjahren gezündet. Ein UHER Tonbandgerät war damals mein Traum. Ständig mit diesen faszinierenden Geräten und toll klingenden Lautsprechern umgeben zu sein, alles ausprobieren zu dürfen, das ist bis heute reizvoll. Ein High-End-Freak war ich nie – ich höre die Auswirkung von Klangschälchen nicht und kann auch den Klangunterschied von Kohlekraftwerk- und Öko-Strom nicht heraushören. Tut mir echt leid…

LB: Vielen Dank für das interessante Gespräch, Herr Spiegler!

Jürgen Schröder, Roland Spiegler
LowBeats Tonmeister Jürgen Schröder (rechts) hatte in der nuHistorie eine Art Katalysator-Wirkung: Er veröffentlichte 1996 den ersten Nubert Test in der Fachpresse (stereoplay) und führte natürlich – aus alter Verbundenheit – das Interview mit Roland Spiegler (links) (Foto: H. Biermann)

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