Nubert nuPro XS-7500
Wirkt selbst im großen LowBeats Wohn-Hörraum noch ganz schön groß: Nuberts Königs-Soundbar namens nuPro XS-7500 (Preis: 1.470 Euro) setzt bei unverzerrtem Pegel und Bassfülle Massstäbe (Foto: S. Schickedanz)

Test Soundbar Nubert nuPro XS-7500: Hilti für die Ohren

Gestaltung ist eine Zier, doch weiter kommst Du ohne ihr, könnte man, in Anlehnung an ein altes Sprichwort, als Motto hinter dem Nubert nuPro XS-7500 vermuten. Der Soundbar der nuPro-X-Serie ist kein dezenter Design-Lautsprecher für die Schöner-Wohnen-Fraktion. Er ist ein wuchtiger Keil, eine Art Hilti für die Ohren. Ein professionell gemachtes Werkzeug, das nur ein Ziel verfolgt, für das Nubert von seinen Fans frenetisch gefeiert wird: Der Soundbar soll maximalen Klanggenuss aus einem vergleichsweise bescheidenen Budget von 1.470 Euro herausquetschen.

Rein von den Spezifikationen gesehen, sollte das Vorhaben gelingen: 32,5 Kilo Kampfgewicht und fast 1,3 Meter Breite sprechen eine deutliche Sprache. Mit seiner massigen Kastenform und den offenliegenden Treibern verkörpert er den Erzschurken der meisten Partner*innen von Akustikaffinen überzeugender als Oscar-Preisträger Christoph Waltz den Ernst Stavro Blofeld im James-Bond-Franchise – ab April wieder in „Keine Zeit zu sterben.“ Aber was wäre ein ausgemachter Schurke ohne Erpressermethoden? Das ultimative Druckmittel lässt sich griffig formulieren und entfaltet seine Wirkung auch bei Zeitgenossen mit rudimentärem Technik-Verständnis: Entweder Nubert oder ein Soundbar mit Subwoofer.

Nubert nuPro XS-7500: Kein Subwoofer, kein Stress

Der Verzicht auf ein externes Bassmodul dürfte denn auch unter Wohnaspekten das schlagkräftigste Argument für den in weißem oder schwarzem Schleiflack erhältlichen Quader sein. Nubert, der gerade sein 45. Jubiläum begeht, hat die Subwoofer in das Sounddeck integriert. Auf seiner Unterseite finden sich zwei 20,4 cm Tieftöner mit Polypropylen-Verbundmembranen. Dadurch konnte er die Schallwand mit ihren vier 12cm Tiefmitteltönern mit Polypropylenmembran und den beiden 2,5 cm Seidenkalotten-Hochtönern vergleichsweise zierlich gestalten.

Treiber des Nubert nuPro XS-7500
Der Nubert nuPro XS-7500 setzt auf doppelte Tiefmitteltöner mit 12 cm Durchmesser und 2,5 cm Seidenkalotten für jeden der zwei Kanäle (Foto: S. Schickedanz)

Doch der Verzicht auf einen separaten Subwoofer ist nicht das einzige Argument für den Nubert nuPro XS-7500. Sein klangförderndes Bassreflex-Gehäuse aus massiven MDF-Platten besitzt eine hohe Tragkraft von über 100 Kilogramm. Daher darf der Fernseher getrost etwas größer und schwerer ausfallen. Der Raum darf auch ruhig ausladende Dimensionen annehmen. Die den hohen Ansprüchen der nuPro-X-Aktivboxen-Serie entsprechenden Treiber werden von selbstentwickelten Endstufen mit 4 x 90 Watt und 2 x 110 Watt angetrieben. Die Gesamt-Musikleistung gibt Nubert glaubhaft mit 800 Watt an.

Subwoofer des Nubert nuPro XS-7500
Die beiden Down-Firing-Subwoofer des Nubert nuPro XS-7500 verwenden 20,4 cm Polypropylen-Membranen (Foto: S. Schickedanz)

Dank der Ansteuerung der Aktiv-Lautsprecher mit einem leistungsfähigen DSP konnte Nubert seinem Soundbar einige sehr nützliche Tricks beibringen. Wie die Top-Aktiv-Serie arbeitet der Nubert nuPro XS-7500 mit der nuPro-X App zusammen, die via Bluetooth Verbindung aufnimmt. Dieses kostenlos für iOS und Android erhältliche Tool ist nicht nur eine Alternative zur mitgelieferten Fernbedienung.

Nubert bevorzugt Apple

Es kommt mit einem coolen Feature, das man sonst eher von Sonos kennt. Neben Loudness-Funktion sowie manuellen Klangregelmöglichkeiten zur Raumanpassung, allem voran der variablen unteren Grenzfrequenz, gibt es eine Einmess-Automatik. Und wie bei älteren Lautsprechern des Trendsetters aus Amerika – Android-Nutzer müssen jetzt tapfer sein – setzt deren Nutzung ein iPhone voraus.

Der Grund dieser Restriktion der X-Room Calibration ist die unüberschaubare Flut unterschiedlicher Android-Smartphones. Um präzise über das Mikrofon des Smart-Devices mit einem Messsignal den Klang am Hörplatz ermitteln zu können, muss man dessen Mikrofoncharakteristik kennen und kompensieren. Die App zeigt den gemessenen Frequenzgang im Bass und die zum Vergleich abschaltbare Kompensation. Die Wirkung fiel im LowBeats Hörraum äußerst subtil, aber nachvollziebar aus.

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Nubert nuPro-X App
Die nuPro-X App wird über Bluetooth mit dem Nubert nuPro XS-7500 verbunden. Sie benutzt das Mikrofon von iDevices für Messungen des Bassfrequenzgangs im Raum (braun) und kann ihn kompensieren (grün) (Foto: S. Schickedanz)
nuPro-X App
In der nuPro-X App kann man auch Filter für einen externen Subwoofer am Ausgang des nuPro XS-7500 setzen. In den meisten Räumen sollte aber der üppige Bass des integrierten Subwoofers ausreichen (Foto: S. Schickedanz)
Lautstärkeregelung der nuPro-X App
Die Lautstärkeregelung der nuPro-X App verbreitet einen analogen Touch (Foto: S. Schickedanz)
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Auch wenn die Nubert App etwas hölzern gestaltet wirkt (was allerdings den nerdigen Ansatz des nuPro XS-7500 unterstreicht), macht das Unternehmen aus Schwäbisch Gmünd damit einen großen Sprung in Richtung urbane Anmutung. Allerdings hat Nubert hier noch Luft nach oben. Obgleich beispielsweise Canton seine Produkte wie den kürzlich getesteten Smart Soundbar 10 ebenfalls in ländlichen Gefilden, namentlich dem Hochtaunus, konzipiert, haben dort bereits HDMI-Anschlüsse Einzug gehalten.

Nubert vertraut beim nuPro XS-7500 weiterhin auf ein beigelegtes HDMI-USB-Dongle zum Anschluss eines Flat Screens mit Audiorückkanal (ARC). Dafür findet Nubert tatsächlich ein pragmatisches Argument: Sollte es eine neue Version des HDMI-Standards geben, lässt sich das Modul gegebenenfalls gegen einen aktualisierten Adapter tauschen. Ein Quantum Trost angesicht zahlreicher Mitbewerber, die mehrere HDMI-Anschlüsse mit OSD-Benutzerführung integrieren.

Digital-Eingänge satt

Immerhin verfügt der Soundbar über sechs Digitaleingänge: Zwei optische und zwei elektrische digitale S/PDIF-Anschlüsse sowie einen USB-Port, über den sich der Soundbar als externe Soundkarte an einem geeigneten Rechner verwenden lässt.

Über die Digital-Eingänge lassen sich HiRes-Aufnahmen bis zu 24 Bit und 192 Kilohertz wiedergeben. Der analoge Stereo-Cinch-Eingang verfügt über einen einstellbaren Gainfaktor. Die eingehenden Analog-Signale werden im XS-7500 umgehend digital gewandelt, was mit dem Konzept des Nubert Soundbars zusammenhängt und mit dessen durchgehender digitaler Signalverarbeitung über die DSP-Weiche bis in die Class-D-Endstufen.

Ein weiterer Weg, dem Nubert nuPro XS-7500 Ton zuzuspielen, stellt die Bluetooth-Schnittstelle mit AptX-Support dar. Zur Nutzung weiterer Wireless-Standards wie UPnP oder Airplay, empfiehlt Nubert die Verwendung eines WLAN-Adapters aus dem eigenen Zubehörprogramm.

Zum Systemausbau verfügt der nuPro XS-7500 über einen Subwoofer-Ausgang mit regelbarer Grenzfrequenz für einen optionalen Aktiv-Woofer sowie über einen Link-Out zum Anschluss weiterer nuPro-X-Lautsprecher. Zum Link-Betrieb eignet sich das mitgelieferte Koaxial-Digitalkabel oder eine verlustfreie Funkverbindung.

Nubert nuPro XS-7500 im Hörtest

Was den Hörtest betrifft, erwarteten wir mit Spannung Nuberts Neuerung. Am nuPro XS-7500 setzt der Direktversender erstmals bei einem Soundbar auf Raumklang-Effekte. Es gibt gleich vier Wide-Modi, die auf dem blau illuminierten DOT-Matrix-Frontdisplay andere Namen haben als in der App. Und die zeigten durchaus große Wirkung.

Während die bisherigen Bars der Marke gegenüber zwei einzelnen Lautsprechern nur tonal ausgewogenes Stereo mit verminderter Basisbreite boten, erzeugte der Nubert nuPro XS-7500 bereits auf Stufe 1 eine imposante Hörbühne. Die Klänge lösten sich vollständig vom Lautsprecher. Sie reichten seitlich ein gutes Stück über den Soundbar hinaus und der imaginäre Raum wirkte auch etwas höher. Sobald man den Effekt wieder deaktivierte, fiel der Raum sowohl bei Filmton als auch bei Musikwiedergabe in sich zusammen. Die gesamte Wiedergabe wirkte dann erst mal vergleichsweise stumpf und gepresst.

HDMI-Dongle von Nubert
Über ein von Nubert beigelegtes HDMI-Dongle für den USB-Anschluss lässt sich der XS-7500 an einen Flatscreen mit ARC anschließen (Foto: S. Schickedanz)

Weil Soundbars immer einen Kompromiss verkörpern, erwies sich auch für audiophile Ohren der Wide-Effekt als probates Mittel für mehr Atmosphäre und authentischeres Hörvergnügen. Allerdings ist es wie mit vielen berauschenden Substanzen: Zu viel davon macht einen Kater. Mit jeder weiteren Stufe weitete sich der Raum in einem Maße aus, in dem Präzision immer mehr einer diffusen Klangwolke wich.

Auch die tonale Ausgewogenheit blieb nicht unangetastet. Auf Stufe vier wirkten die Höhen regelrecht spitz, was die gesamte Darbietung reichlich harsch erscheinen ließ. Man sollte mit dem an sich sinnvollen Raumtool also nach dem Motto „weiniger ist mehr“ vorgehen. Sonst kann man damit im Handumdrehen den sehr kultivierten Klang des Nubert nuPro XS-7500 schneller verwürzen als der Koch die Suppe mit einer Überdosis Salz.

Dabei besaß der Klang des Nubert nuPro XS-7500 auch schon naturbelassen ein gehöriges Maß an Würze und Ausdruck. Der Soundbar folgt der extrem neutralen und präzisen Linie der nuPro-X-Reihe und produzierte einen derart wuchtigen Bass, dass selbst in unserem ausladenden Redaktions-Hörraum zu keiner Zeit der Wunsch nach einem externen Subwoofer aufkam – vor allem nicht bei Musik. Gut zu wissen für die jüngere Generation: Die Kerntugenden des Nubert nuPro XS-7500 blieben selbst bei Benutzung der Bluetooth-Schnittstelle zum Streamen vom iPhone in einem Maße erhalten, unter dem die Freude gerade an Pop- und Rock-Musik nicht übermäßig leiden musste.

Fernbedienung des NuPro XS-7500
Dem NuPro XS-7500 liegt für einfachen Zugriff auf häufig benötigte Funktionen eine Fernebdienung mit Metallgehäuse bei (Foto: S. Schickedanz)

Überhaupt bietet sich der Nubert nuPro XS-7500 als einteiliger und zugleich kostengünstiger Stereo-Anlagen-Ersatz an. Es gibt so schnell wohl keinen zweiten Soundbar, mit dem man derart nuanciert, ausgewogen und kraftvoll sogar klassische Musik mit wohl temperiertem Klavier und Streichen wie Rachmaninovs 1. Klavierkonzert (Vladimir Ashkenazy mit dem London Symphonie Orchester und André Previn) goutieren kann. Und auch Freunde elektronischer Beats dürften bei einem anderen einteiligen Soundbar kaum so viel Spaß am üppigen Bass haben wie mit dem XS-7500. Diese Zielgruppe dürfte auch die helle Freude an Attacke, Dynamikumfang und Maximalpegel verspüren.

Fazit Nubert nuPro XS-7500

„Satz mit X“ steht im Volksmund für einen kompletten Reinfall. Der Bar mit X begeistert dagegen auf der ganzen Linie. Der Nubert nuPro XS-7500 hebt nicht nur den im Verhältnis zum Preis extrem natürlichen und üppigen Klang der Nubert Produkte auf ein neues Level. Mit ihm startet Nubert nach jahrelanger Abstinenz ins Raum-Zeitalter. Gerade in der  Abbildung und Räumlichkeit verweist der große Soundbar alle Markenkollegen auf die Ränge.

Und mit Bluetooth-App und Einmessautomatik eröffnet der nuPro XS-7500 zumindest der Apple-Gemeinde eine neue Dimension von Klangpräzision auch in nicht ganz optimalen Räumen. Doch wie heute bei fast jedem Film das Ende auf eine mögliche Fortsetzung bei entsprechendem kommerziellen Erfolg ausgelegt wird, hat sich Nubert auch noch Raum für Verbesserungen gelassen. Das „next big thing“ aus Schwäbisch Gmünd dürften eines Tages womöglich HDMI-Anschlüsse sein, die den Soundbar zur Zentrale des gesamten AV-Systems und nicht nur zur musikalischen Begleitung des Flatscreens mit den Sekundärtugenden einer Stereo-Anlage machen.

Nubert nuPro XS-7500
2020/02
Test-Ergebnis: 4,6
ÜBERRAGEND
Bewertung
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Ausgewogener, äußerst nuancierter Klang mit satten Bässen
Bluetooth-App mit Einmessautomatik
Nuberts vierstufiger Raumklang wirkt auch bei Stereo-Musikaufnahmen
Einmessautomatik nicht für Android, nur ein HDMI-Ausgang mit ARC über Adapter

Vertrieb:
Nubert electronic GmbH
Goethestraße 69
73525 Schwäbisch Gmünd
www.nubert.de

Paarpreis (Hersteller-Empfehlung)
Nubert nuPro XS-7500: 1.470 Euro

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Autor: Stefan Schickedanz

Stefan Schickedanz
Schneller testet keiner. Deutschlands einziger HiFi-Redakteur mit Rennfahrer-Genen betreut bei LowBeats den Bereich HiFi im Auto sowie die Themengebiete Mobile- und Smart-Audio.