Alle 6 neuen Sumiko Tonabnehmer im Vergleich

Das Sumiko Starling

Das MC-Tonabnehmer-System Sumiko Starling hat einen offenen Systemkörper (Foto: P.Schüller)

Das Starling fliegt mit 2.260 Euro Listenpreis nochmal deutlich höher und bietet die schon vom Songbird bekannte offene Konstruktion: Oben, Richtung Headshell, ein präzise gefräster Alurumpf, aus dem unten der solide darin montierte MC-Generator herausschaut.

Der Rumpf ist schwarz eloxiert, nicht blau wie beim Songbird, und da die Modellnamen nur auf der meist vom Headshell verdecken Oberseite aufgedruckt sind, ist die Farbe im eingebauten Zustand auch das offensichtlichste Unterscheidungsmerkmal der Systeme.

Sumiko Starling Seite
Filigrane Handarbeit offen gelegt: das Sumiko Starling (Foto: P. Schüller)

Man muss schon auf unter Plattencover-Länge herangehen, um die technischen Differenzen zu erkennen. So trägt der kreuzförmige Eisen-Spulenträger des Starling deutlich dünnere Drahtwickel.

Mit bloßem Auge zählen kann man die Windungen nicht, aber da Ausgangsspannung und Innenwiderstand des Systems jeweils ein Fünftel der Werte beim Songbird betragen, dürfte dieses Verhältnis auch für die Wicklungszahl bei diesem Sumiko Tonabnehmer gelten.

Der hohle Aluschaft, an dem das Spulenpaket befestigt ist, dient beim Starling auch nicht zugleich als Nadelträger, sondern geht kurz nach dem Durchtritt durch die vordere Polplatte in ein 0,3mm dünnes Stäbchen aus massivem Bor über.

Das ist – man ahnt es schon – leichter und steifer als das Alu-Äquivalent, erschwert aber die Befestigung des eigentlichen Diamanten etwas: Hohle Aluträger kann man am Ende abflachen und lochen, den Abtaststift dann einpressen, sodass er bereits durch die Spannung des elastischen Metalls fest sitzt und nur noch ein winziges Tröpfchen Kleber zur Sicherung benötigt.

Bor ist dafür zu hart und spröde. Es wird daher am vorderen Ende entweder plan abgeschliffen oder mit einer offenen V-Kerbe versehen, der Diamant dann vorne angeklebt. Das kann dem Nutzer eigentlich egal sein, liefert aber keine ganz so schönen Makroaufnahmen des teuren, feinst polierten MicroRidge-Diamanten, weil dessen Schaft größtenteils im Kleber verschwindet.

Sumiko Starling Nadel
Diamant mit MicroRidge-Schliff: das Sumiko Starling (Foto: P. Schüller)

Wichtiger ist natürlich, dass der Diamant seine Arbeit tut, und dafür ist der MicroRidge-Schliff bestens qualifiziert: Die Schleifer des japanischen Spezialisten Namiki geben dem Stein zunächst eine stark elliptische Form, aus der sie dann einen umlaufenden Kontakt-Grat herausarbeiten, der es zur Rillenflanke hin auf lediglich 3-4µm Verrundungsradius bringt.

Viel feiner geht‘s nicht, und intuitiv macht man sich angesichts eines so scharfen Stichels Sorgen um seine Platten. Diese Angst ist aber unbegründet, da die Kontaktfläche des MR-Schliffs durch ihre lange vertikale Ausdehnung nicht nur gleich, sondern sogar doppelt so groß ist wie die eines klassischen sphärischen Schliffs – zur feinen Abtastung kommt also bei korrekter Justage ein besonders schonender Umgang mit dem Vinyl und eine deutlich erhöhte Lebensdauer.

Um das klangliche Potential des Starling auszunutzen, ist allerdings eine deutlich präzisere Montage nötig als bei normalen elliptischen oder konischen Nadeln. Wegen der langen vertikalen Ausdehnung der Kontaktflächen sorgen zum Beispiel bereits kleine Azimuthfehler – also ein von vorne betrachtet verkantetes Eintauchen der Nadel in die Rille – für deutlich hörbare Asymmetrien und Verzerrungen.

Auch der durch die Tonarmhöhe beeinflussbare vertikale Abtastwinkel (VTA) macht sich deutlicher bemerkbar. Man darf sich die Justage des Starling dennoch nicht als endlosen Frickel-Albtraum vorstellen.

Das Herumgeschraube im Ungefähren, das mit billigeren, ungenaueren Systemen so nerven kann, weicht bei diesem Sumiko Tonabnehmer einer wohltuenden Eindeutigkeit: Man hört sofort, wenn was nicht stimmt. Man erfährt aber auch sofort, was nicht stimmt. Und weiß sofort, wenn alles passt.

Die Messergebnisse des Sumiko Starling

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Sumiko Tonabnehmer-Messungen Starling
Sumiko Starling-Frequenzgang und Übersprechen (Messung: P. Schüller)
Sumiko Tonabnehmer-Messungen Starling
Sumiko Starling: Harmonische Verzerrungen (Messung: P. Schüller)
Sumiko Tonabnehmer-Messungen Starling
Sumiko Starling: Impuls-Verzerrungen (Messung: P. Schüller)
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Von den Messwerten her ist der Sumiko Tonabnehmer Starling einsame Spitze. Der Frequenzverlauf ist im Hörbereich sehr ausgewogen, was sich auch im dynamischen Frequenzgang bestätigt. Die markante Resonanzspitze bei rund 25 Kilohertz ist weniger bedeutsam – der Hörbereich wird davon kaum tangiert. Weil der Anstieg erst oberhalb 10 kHz einsetzt, dürfte dies zu einem sehr „offenen“ Klangeindruck führen.

Dazu trägt auch die extrem hohe Kanaltrennung mit Übersprechdämpfungswerten von über 40dB (!) bei. Das Übersprechverhalten verläuft zudem ungewöhnlich kanalgleich, was auf eine hohe Fertigungsqualität schließen lässt.

Die Abtastfähigkeit liegt bei guten 90 Mikrometern und auch die Abtastverzerrungen sind die niedrigsten, bislang bei LowBeats gemessenen Werte. Mit 1,1 Millivolt Ausgangsspannung gehört dieser Sumiko Tonabnehmer aber schon zu den lauteren MCs: der angeschlossene MC-Phonoverstärker sollte also genügend Übersteuerungsreserve mitbringen (>10mV).

Die relativ hohe Tiefenresonanz im Rega-Arm deutet auf eine geringere Nadelnachgiebigkeit (Compliance) hin. Soll die Tiefenresonanz im günstigen Bereich zwischen 10 und 8 Hertz liegen, wären Tonarme mit einer effektiven Masse zwischen 12 und 25 Gramm optimal. Auch schwerere Tonarme sind also willkommen.

So klingt das Sumiko Starling

Wenn alles passt, kombiniert dieser Sumiko Tonabnehmer den opulenten Abbildungsmaßstab, der uns schon beim Songbird so gefallen hat, mit souveräner Abtastgenauigkeit und einer riesigen Farbpalette.

Die große Sauberkeit verleiht vor allem Stimmen einen enormen Realitäts-Boost, und davon profitiert der zahnlos nuschelnde RL Burnside (auf I Wish I Was In Heaven Sitting Down, Fat Possum Records) genauso wie Muddy Waters, bei dessen hochdynamischen Einsätzen auf „My Home Is In The Delta“ (Album Folk Singer, MFSL) jedes Mal kurz das Bier im Glas aufschäumte.

Man kann natürlich für sich entscheiden, auch ohne diese feine Differenzierung prima auskommen zu können. Und sich an dem strukturierten, kräftig aufgetragenen Klang des Songbird ein Leben lang erfreuen. Neben dem Starling wirkt es aber trotzdem leicht abgedunkelt, sepiagetönt und skizzenhaft – dies nur als Warnung an alle, die glauben, gegen die Verlockungen richtig teurer Analogtechnik immun zu sein.

Denn das Starling erzeugt Betriebskosten. Wenn wir von 1.000 Stunden bis zum nächsten Tausch ausgehen, kommt man auf 1,50 Euro pro Stunde oder 5-6 Euro pro Hörabend. Gemessen am Gebotenen eigentlich völlig OK.

Zumal das Starling unter den MCs seiner Preisklasse eine attraktive und nicht oft gespielte Rolle einnimmt: Hochgenau, aber nie zu detailverliebt, samtig schimmernd im Ton, aber zugleich struktur- und timingstark, führt es Gegensätze zusammen, holt den blumigen Klang, den viele von uns an alten Sumikos so schätzten, in die Gegenwart, ohne ihm ein Blütenblättchen zu krümmen.

Wer ein betont „musikalisches“, dabei aber dennoch unverfärbtes und technisch unbestechliches MC sucht, sollte das Starling auf seine Liste setzen – und das ziemlich weit oben.

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Autor: Bernhard Rietschel

Bernhard Rietschel ist gelebte HiFi-Kompetenz. Sein Urteil zu allen Geräten ist geprägt von enormer Kenntnis, doch beim Analogen macht ihm erst recht niemand etwas vor: mehr Analog-Laufwerke, Tonarme und Tonabnehmer hat keiner gehört.