Alle 6 neuen Sumiko Tonabnehmer im Vergleich

Das Sumiko Oyster Amethyst

Das MM-Tonabnehmer-System Sumiko Oyster Amethyst mit schwarzem Nadeleinschub (Foto: Sumiko)

Der Preissprung zum Sumiko Amethyst ist nach den näher beieinanderliegenden kleineren Modellen der Sumiko Tonabnehmer Familie überraschend groß. Gut möglich, dass ursprünglich ein etwas kleinerer Abstand geplant war – der dann von dem Auftrag, schlicht ein bestmögliches MM zu bauen, gesprengt wurde.

Das Amethyst führt einen unterm Mikroskop hochglänzend-filigranen Diamantstab mit einem nicht näher spezifizierten LineContact-Schliff am Alu-Nadelträger, was nicht nur präzise, verzerrungsarme Abtastung verheißt, sondern auch optimale Plattenschonung und eine im Vergleich zu elliptischen Standardnadeln deutlich verlängerte Lebenserwartung.

Sumiko Oyster Amethyst Nadel
Das Amethyst ist der einzige Sumiko Tonabnehmer der Oyster Serie mit etwas aufwändigerem Diamanten: er hat einen LineContact-Schliff (Foto: P. Schüller)

Aber nicht nur die beweglichen, sondern auch die ruhenden Teile des Amethyst unterscheiden sich deutlich von den anderen Austern-Modellen. Weshalb man diese auch nicht durch Kauf einer Amethyst-Ersatznadel in das Topmodell verwandeln kann – mechanisch passt alles, aber klanglich wäre das eine halbe Sache.

Der Systemkörper sieht äußerlich zwar gleich aus, enthält aber einen anderen Generatoraufbau mit deutlich kleineren Spulen – erkennbar sowohl an deren deutlich geringerem Widerstand als auch an der abermals geschrumpften Ausgangsspannung von nur noch 2,7 Millivolt.

Die Messergebnisse des Sumiko Oyster Amethyst

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Sumiko Tonabnehmer-Messungen Amethyst
Sumiko Oyster Amethyst: Frequenzgang und Übersprechen (Messung: P. Schüller)
Sumiko Tonabnehmer-Messungen Amethyst
Sumiko Oyster Amethyst: Doppelton IM-Verzerrungen (Messung: P. Schüller)
Sumiko Tonabnehmer-Messungen Amethyst
Sumiko Oyster Amethyst: Harmonische Verzerrungen (Messung: P. Schüller)
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Das Amethyst weist gegenüber „normalen“ MM-Vertretern eine um die Hälfte reduzierte elektrische Impedanz auf. Das macht es höheren Verstärker-Eingangskapazitäten gegenüber unempfindlicher. Ein normgerechter Eingangswiderstand von 47 Kiloohm ist aber Pflicht – auch der etwas geringeren Ausgangsspannung wegen.

Der Frequenzgang verläuft sehr ausgewogen mit einer kleinen Zurückhaltung im Präsenz-/Brillanzbereich. Dieses Verhalten zeigt sich noch stärker ausgeprägt bei der dynamischen Messung mittels Rechteck-Testsignal.

Die Abtastfähigkeit ist mit 120 Mikrometer schlichtweg überragend – es tastet auch die höchsten Amplituden unserer Messschallplatten sauber ab; aber auch die übrigen Abtastverzerrungen halten sich in guten Grenzen.

Die Tiefenresonanz des Amethyst liegt für Tonarme mit einer effektiven Masse zwischen 8 und 17 Gramm im optimalen Bereich.

So klingt das Sumiko Oyster Amethyst

Voreilige Vergleichstester lassen sich vom Amethyst schon mal eine geringere Lebendigkeit suggerieren, denn das System ist neben anderen MMs merklich leiser.

Erzeugt man mit einem Dreh am Lautstärkeregler – für Testzwecke am besten dB-genau mit Unterstützung einer Messplatte – ein ebenes Spielfeld, stellt sich genau der gegenteilige Eindruck ein: Das System erweitert den Übertragungsbereich, indem es einerseits besonders geräuscharm durch die Rille gleitet – und damit einen klaren Blick in unerforschte Vinyl-Tiefen gewährt – und andererseits auch schroffe Dynamik-Gebirge bis ins kleinste Nebental erkundet.

Es öffnet damit einen weiteren, weniger einschränkenden Rahmen für die Musik, als das die meisten anderen MMs vermögen.

Natürlich haben AT und Ortofon auch hier Konkurrenten im Stall, etwa das 2M Black von Ortofon für 600 Euro oder das VM-760SLC von Audio-Technica für 650 Euro.

Das Ortofon hatten wir zum Vergleich griffbereit – es klingt enorm verbindlich, saftig und bassstark und würde Rockhörern vielleicht besser gefallen als das vornehm zurückhaltende, weiträumig-elegante Klangfresken malende Sumiko, das ein Favorit bei Klassikhörern werden könnte.

Was natürlich nicht bedeutet, dass das Amethyst irgendeinen Musikstil mit weniger als 100-prozentiger Autorität reproduzieren würde. Es tut dies nur auf besonders unspektakuläre Weise – was vermutlich genau das ist, was Bill Rudolph von seinem Spitzen-MM verlangt.

Das Edel-MM Amethyst spielt kritische Passagen bereits sauberer ab als seine beiden MC-Kollegen aus der BluePoint-Serie, das BluePoint No. 2 und das BluePoint Special Evo III. Das ist nicht ungewöhnlich – geht es nur um eine mechanisch möglichst verzerrungsfreie Abtastung schwieriger Scheiben, kommt man mit MMs bei gleichem Budget meist weiter als mit Moving Coils, da machen Sumiko Tonabnehmer keine Ausnahme.

Das liegt daran, dass Moving Coil systeminhärent schwieriger zu bauen sind, ein gegebenes Budget also weniger finanziellen Spielraum für den Abtastdiamanten lässt. Folglich fällt dieser bei preislich vergleichbaren Tonabnehmern im MC-Fall häufig etwas einfacher aus.

Aber es gibt andere Bereiche, in denen das Bauprinzip mit den bewegten Spulen klar vorne liegt: MCs klingen einfach breitbandiger und intensiver, die Musik hat einen weiteren Farbraum und mehr Strahlkraft.

Als optische Analogie passt der Unterschied zwischen einem ausgedruckten Farbbild und einem projizierten Dia gut. Selbst die beiden alten BluePoint-Modelle, die als High-Output-MCs einen kompromissbehafteten Sonderfall darstellen und quasi mit leicht gedimmter Projektorlampe arbeiten, transportieren bereits einen großen Teil dieser MC-Stärken in den Hör-Alltag.

Sumiko Tonabnehmer

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Autor: Bernhard Rietschel

Bernhard Rietschel ist gelebte HiFi-Kompetenz. Sein Urteil zu allen Geräten ist geprägt von enormer Kenntnis, doch beim Analogen macht ihm erst recht niemand etwas vor: mehr Analog-Laufwerke, Tonarme und Tonabnehmer hat keiner gehört.