Elac Miracord 50 – mit AT91
Der Miracord 50 ist Elacs günstigster Plattenspieler und lockt mit wertiger Optik (Foto: H. Biermann)

Elac Miracord 50: der Plug-n-Play-Plattenspieler

Elac macht seine Reihe komplett: Nach Miracord 90 und Miracord 70 kommt nun – am günstigen Ende sozusagen – der Elac Miracord 50 für knapp 500 Euro. Ein wirklich guter Plattenspieler zu einem solchen Preis kommt in diesen Zeiten einem Wunder gleich.

Denn auf dem Weg bis zu Ihrer Haustür gibt es ein Heer von Fressfeinden, die am Preis nagen. Da ist natürlich der Hersteller, der seinen Teil abhaben will. Dann der Vertrieb des Landes, zuletzt der Händler, der den Plattenspieler an Ihre Tür liefert. Jeder braucht seinen Anteil, um seine Bemühungen bezahlt zu bekommen.

Elac Miracord 50 mit Deckel
Wirkt für 500 Euro recht wertig: der Elac Miracord 50 (Foto: Elac)

Das gleiche Spiel gilt auch für Größen wie Apple. Das neue iPhone beispielsweise wird für einen Bruchteil seiner Endsumme in China gefertigt und für über tausend Euro an den Endkunden gebracht. So funktioniert der globale Markt.

Gibt es einen Ausstieg? Nicht wirklich. So muss notgedrungen auch Elac denken und lässt den Elac Miracord in China produzieren. Das ist nicht ehrenrührig, sondern bereits klassisch. Es kommt darauf an, wie es umgesetzt wird. Chinesische Produkte entsprechen schon längst hohen Standards. Aber: Elac hat mit dem Miracord 90 und dem Miracord 70 zwei Top-Plattenspieler für 1.200 und 2.500 Euro vorgelegt. Deutlich darunter, das zeigt auch der Elac Miracord 50, wird es schwer. Oder umgekehrt: unter dem 50er ist kein weiterer Plattenspieler der Kieler vorstellbar.

Elac Miracord 50 neben Miracord 70 und Miracord 90
Die ganze Familie im LowBeats Hörraum: Miracord 50, Miracord 70, Miracord 90 (Foto: H. Biermann)

Wer sich nun wundert und an die günstigen (und wirklich guten) Elac-, Dual- und PPE-Plattenspieler der 70er Jahre erinnert, dem sei gesagt: Damals waren auch die Stückzahlen sehr viel größer. Die Fertigungsstrukturen sind heute ja bis ins Letzte optimiert. Die sehr viel geringeren Stückzahlen lassen die Preise so hochschnellen.

Konzept und Aufbau des Elac Miracord 50

Jetzt einmal Tacheles – vor was stehen wir, wo hat Elac den Rotstift angesetzt? Schon das Gewicht sagt viel über den Elac Miracord 50 aus. Es liegt bei insgesamt 5,5 Kilogramm. Das ist rasant wenig im Vergleich zum großen Miracord 90, der immerhin 17,1 Kilogramm auf die Waage bringt. Der kleine Bruder ist also – obwohl er ebenfalls nach Masse-Laufwerk aussieht – ein Leichtgewicht. Die Zarge und die Basiskonstruktion kann man mit drei Fingern tragen, den Plattenteller mit nur zwei Fingern. Optisch wirkt es erwachsen, doch faktisch basiert alles auf einer strengen Abmagerungskur.

Elac Miracord 50 – Unterseite
Der Elac Miracord 50 von unten. Die Bodenplatten besteht aus dünnem Pressspan. die Füße sind sehr weich und halten kleinere Stöße ab (Foto: H. Biermann)

Aber: Alles ist durchdacht, gut gemacht und präzise. Beim Auspacken habe ich erst einmal nach dem Subteller und dem Antriebsriemen gesucht. Doch die Erwartungshaltung hat mir hier einen Streich gespielt; der Miracord 50 kommt ohne Subteller aus. Man legt den Plattenteller direkt auf die Achse und entdeckt dann, dass der Antriebsriemen bereits in der Rundung eines integrierten Subtellers verborgen liegt. Dieser wiederum wird dann über eine Mulde im Teller erfasst und über den Motorpulley gelegt. Der Teller selbst suggeriert ein stattliches Gewicht, was aber eher eine smarte Kulissenschieberei ist.

Elac Miracord 50 – Plattenteller von unten
Der Subteller ist Teil des Tellers. Eine von unten aufgeklebte Gummimatte soll Resonanzen reduzieren (Foto: H. Biermann)

Tatsächlich besteht der Teller des Elac Miracord 50 aus Aluminiumguss und ist recht dünn geraten. Man braucht kein Stethoskop, um zu erahnen, dass dieser Teller mitschwingt – ein einfaches Pochen mit dem Fingerknöchel reicht. Um die Vibrationen zu dämpfen, hat Elac die vergleichsweise schwere Kunststoffmatte beigefügt.

Der optische Eindruck bringt vieles wieder ins Lot: Die Bodenplatte kommt in Hochglanz daher, die Seitenansicht des Tellers verspricht Massivität. Wirklich ein Hingucker. Nur dass alle Pracht eben eher Kulisse ist – aber auch das muss man können. Wo die Kieler Strategen hingegen opulent denken: Es gibt einen Phonoverstärker an Bord. Ausgelegt auf MM-Tonabnehmer. Der Elac Miracord 50 lässt sich somit direkt an einem Vollverstärker betreiben. Was die Zielgruppe dramatisch erhöht.

Elac Miracord 50 – von hinten
Das Anschlussfeld des Miracord 50: In der Mitte der Umschalter für die Phonovorstufe (EQ) und ganz rechts der On/Off-Schalter (Foto: Elac)

Passgenau an der Spitze waltet dazu ein MM-System von Audio-Technica, mit dem Kürzel AT91. Das war mir bislang noch nicht über den Weg gelaufen. Das größere AT95, das auch im Miracord 70 Tonarm sitzt, ist ja das mit Abstand meist gebaute Tonabnehmersystem der Welt – über 5 Millionen Stück haben die Japaner davon schon produziert. Doch das AT91 unterbietet die (eigentlich unerhört günstige) Kostenstruktur des AT95 noch einmal – 23 Euro ruft Amazon aktuell für den kleinen, gelben Kerl auf. Bei sich geradezu überschlagenden Kundenmeinungen: viereinhalb Sterne vergeben die Amazon-Nutzer. Im LowBeats-Raster würde ich genauso viele Sternchen vergeben.

Elac Miracord 50 – AT91
Das Audio Technica AT91 ist passgenau im Headshell des Miracord 50 vormontiert (Foto: H. Biermann)

Das AT91 hängt an einem Arm, der mir bislang unbekannt war. Hier hat der namenlose chinesische Hersteller seine Duftmarke abgegeben. Das Armrohr besteht aus Aluminium, das Lager aus Edelstahl. Das Lager hat reichlich Spiel – aber so ist das halt in dieser Preisklasse. Den fertig montierten Tonabnehmer legt Elac in einer aufschraubbaren Headshell bei.

Elac Miracord 50 – Tonar mit abschraubbarem Headshell
Der Tonarm des Elac Miracord 50 ist recht leicht und hat ein aufschraubbares Headshell (Foto: H. Biermann)

Der Elac Miracord 50 ist ein Plug-n-Play-Plattenspieler, aber vor dem ersten Ton müssen dennoch zwei, drei Handgriffe getan werden. Als erstes muss das Gegengewicht aufgeschraubt werden. Elac hat hier eine Markierung angebracht, über die das Auflagegewicht ganz einfach auf 1,9 Gramm justiert werden kann.

Dann sollte das Antiscating vorgegeben werden. Hier liegt ab Werk die Einstellung auf Null. Also sanft auf rund 2 Gramm in die Höhe schrauben. Was ich mir allerdings gewünscht hätte: Dem Elac Miracord 50 liegt keine Schablone für die Spuranpassung des Tonabnehmers bei. Hier vertraut man offenbar der vorgefertigten Justage. Wir haben nachgehört und nachgemessen – minimal mussten wir den AT91 in eine bessere Spur bringen. Kein Drama. Nicht so schön hingegen: Beim Niedersenken der Nadel war deutlich ein Laufgeräusch des Motors zu hören. Der Störabstand könnte und sollte besser sein.

Dennoch: Die Gesamtinstallation ist in wenigen Minuten vollbracht; das lässt die Praxisnote nach oben schnellen. Natürlich ist noch eine Staubschutzhaube im Zubehör. Die ist auch nötig: die sehr glänzende Oberfläche zieht den Staub fast magisch an…

Der Hörtest

Ravel: Pierre Boulez dirigiert die New Yorker
Ravel: Pierre Boulez dirigiert die New Yorker Philharmoniker, erschienen bei CBS

Als erste Platte ließ ich einen Ravel-Mix rotieren. Pierre Boulez dirigiert die New Yorker Philharmoniker, CBS hat das Ganze Anfang der 80er Jahre perfekt in die Rillen gepresst. Der berühmte „Bolero“ beginnt im Ultra-Piano – hier irritierte ein Knarzen. Ich ging auf die Suche, ob die Nebengeräusche vom Plattenteller oder vom Tonarm stammten. Und wurde nicht fündig.

Vermutlich liegt es an beiden: Das Störgeräusch schaukelt sich zwischen den Komponenten hoch. Nicht ideal. Offiziell gibt ELAC einen Störabstand von 67 Dezibel an. Kein Weltrekord, aber annehmbar. Was tun? Erst einmal die Platte umdrehen und Ravels großer symphonischer Dichtung „La Valse“ lauschen. Hier gelang dem Elac Miracord 50 alles besser. Da stimmte der Drive, die Analyse des Aufnahmeraumes.

Auch die Nebengeräusche hielten sich in Grenzen. Was vor allem daran lag, dass die Rille besser ausgesteuert war – keinerlei Störgeräusche verwischten den Höreindruck. Das Finale entfachte ein Furioso – der Bass stieg mächtig in den Keller hinab, dazu die Pracht der Blechbläser. Hier ertappte ich mich erstmals bei dem Gedanken: Wirklich erstaunlich viel Plattenspieler fürs Geld.

Womit wir bei einem weiteren Benefit des günstigen Elac sind: Nehme ich nun den internen MM-Vorverstärker oder entscheide ich mich für eine externe Phonostufe? Sagen wir es so: Die interne Stufe bedient recht stabil alle gewöhnlichen Vollverstärker, eine wirklich gute Phonostufe dieser Klasse, wie beispielsweise die Cambridge Solo für 180 Euro, schafft das aber noch eine Spur besser.

Je länger ich forschte und hörte, desto klarer zeichnete sich ab, dass hier der Tonabnehmer die Grenzen des Elac Miracord 50 vorgibt. Kurzerhand haben wir auf das höhere, aber immer noch rasant günstige System Audio-Technica 95 aufgestockt. Genau das gleiche System sitzt ja auch an der Spitze des Mittelklasse-Modells Miracord 70. Der Unterschied fiel deutlich aus. Die Abbildung legte zu: räumlich wie dynamisch spielte hier ein anderer Vinylbeschleuniger. Ich vermute, dass Elac nur aus katalogpolitischen Gründen am Miracord 50 ein AT91 verschraubt hat; am Preis kann es ja kaum liegen.

Wer also schlau und sensibel ist, ordert gleich ein AT95 hinzu und erlebt einen Boost an Informationen. Bei PhonoPhono in Berlin ist es online bereits für unter 35 Euro zu haben. Ein klarer Kauftipp mit mindestens fünf Sternen…

Brönner & Ilg: Nightfall
Brönner & Ilg: Nightfall (Cover: Amazon)

Aber wir bleiben noch ein wenig bei der Ur-Version des Elac Miracord 50. Diesmal wechselte ich auf gepflegten Jazz. Die maximal vorstellbar kleinste Besetzung – eine Trompete plus ein Kontrabass. Till Brönner und Dieter Ilg haben sich im Konzertsaal eines Hotels am Alpenrand getroffen – heraus gekommen ist das Album Nightfall. Hier spielen die beiden mit Themen der ganz großen Komponisten, von Bach über die Beatles bis zu Leonard Cohen. Was ein guter Plattenspieler als Erstes stemmen muss: Atmosphäre. Hier darf nichts die Ruhe trüben, den harmonischen Fluss.

Genau hier zeigte der Miracord 50 seine Meriten. Das strömte souverän dahin, vor allem war von Störgeräuschen nichts mehr zu hören. Vielleicht liegt es an der Pressung. Nightfall ist in feinsten 180 Gramm erschienen. Erstaunlich, wie sich die Präsenz der Trompete aus der Stereo-Achse löste, knorrig und präzise dazu der Bass. Hier spielte ein Vinyllaufwerk erfreulich gut und deutlich über dem, was sein Preis und seine Bauart vermuten ließen.

Die härtesten Gegenspieler in dieser Preisklasse heißen Pro-Ject Debut Carbon und Rega Planar 2. Beide haben den Vorzug, mit einem besseren Tonabnehmersystem ausgestattet zu sein als der Elac. Das hört man. Beide klingen dynamischer und zupackender.

Der Elac wiederum punktet mit der eingebauten Phonostufe. Die spart Geld, das man womöglich in einen etwas besseren Abtaster investieren könnte…

Fazit

Wer nur über kleines Geld verfügt, darf sich keine Hoffnungen auf wirklich audiophilen vinylen Klang machen? Doch. Mehr als man denkt. Zwar stellt auch der Elac Miracord 50 die Welt hier nicht auf den Kopf. Doch selbst in einem sehr starken Umfeld ist der Preis des kleinen Elac angemessen: das Vinyl-Lebensgefühl vermittelt er überraschend gut. Vor allem ist er ratzfatz eingerichtet und kann problemlos auch an Verstärker ohne spezielle Phonostufe angeschlossen werden: das ist wirklich praxisnah.

Das begrenzende Element ist sicherlich der Tonabnehmer – mit dem Aufstocken kann noch einiges aus dem Miracord 50 herausgeholt werden. Das Laufwerk und der Arm sind besser als der Wandler mit Nadel. Irritiert waren wir hingegen von Störeinflüssen bei bestimmten Pressungen – hier rotiert halt keine bedämpfte Masse wie beim Miracord 70 oder 90.

Der Aufbau des Miracord 50 ist klassengerecht: Sein Gesamtgewicht liegt knapp über fünf Kilogramm, alles ist leicht, aber von der Verarbeitung her noch ok; im Rack wirkt dieser Plattenspieler deutlich wertiger, als das Preisschild vermuten ließe. Sagen wir es einmal so: Würde mich ein guter Freund mit kleinem Portemonnaie und wenig Neigung zum Analog-Basteln nach der besten Alternative fragen, der Elac Miracord 50 landete im engsten Favoritenkreis.

Gegenspieler:
Test Rega Planar 2-2016 – Neuauflage des Klassikers

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Elac Miracord 50
2018/10
Test-Ergebnis: 3,9
GUT – SEHR GUT
Bewertung
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Angenehm vollwertiger Klang
Mit MM-Abtaster AT91E vormontiert ab Werk
Eingebauter MM-Phono-Vorverstärker
Störgeräusche des Motors, Chassis aus Pressspan

Vertrieb:
Elac Electroacustic GmbH
Fraunhoferstraße 16
24118 Kiel
www.elac.de

Preis (Hersteller-Empfehlung)
Elac Miracord 50: 500 Euro

Autor: Andreas Günther

Andreas Günther
Der begeisterte Operngänger und Vinyl-Hörer ist so etwas wie die Allzweckwaffe von LowBeats. Er widmet sich allen Gerätearten, recherchiert aber fast noch lieber im Bereich hochwertiger Musikaufnahmen.