Focal Sib Evo Dolby Atmos 5.1.2 im Team
Focals schnuckeliges Mehrkanalset namens Focal Sib Evo Dolby Atmos 5.1.2 ist jetzt für deutlich unter 1.000 Euro zu haben. Ein echter Kauftipp (Foto: Focal)

Kauftipp der Woche: Focal Sib Evo Dolby Atmos 5.1.2

Das Thema „bezahlbarer 3D-Heimkinoklang im Wohnzimmer“ ist immer noch nicht zufriedenstellend gelöst. Viele AV-Freunde nutzen dafür moderne Soundbars, die mehr oder minder die gesamte Wohnzimmer-Anlage ersetzen. Aber da kommt halt alles aus einer Box. Die diskrete (also aus Einzellautsprechern bestehende) Wiedergabeform ist klanglich beeindruckender, weil man die Klangbühne mit den Einzellautsprechern viel weiter aufziehen kann. Als beste Lösung bis 1.500 Euro galt immer das Focal Sib Evo Dolby Atmos 5.1.2 Set – siehe auch den LowBeats Test vom Oktober 2017. Es ist optisch unauffällig, aber – typisch Focal – enorm klangstark und hat die 3D-Abstrahlung für immersives Audio clever eingebaut. Wir fanden das Sextett bei den Frankfurter Hifiprofis für günstige 899 Euro. Ergo: ein klassischer Kauftipp.

Die Idee hinter Focal Sib Evo Dolby Atmos 5.1.2…

…ist genauso simpel an wohnraumfreundlich: Mit einem möglichst unauffälligen Lautsprecherset einen möglichst großen und beeindruckenden Heimkino-Sound schaffen. Das Set besteht aus einem vergleichsweise kleinen, kubusförmigen Subwoofer und fünf Satelliten-Speakern. Aber braucht man für Dolby Atmos nicht mindestens sieben Kanäle? Stimmt. Und im Grunde beinhaltet das Set auch sieben Mittelhochton-Lautsprecher – die Dolby-Atmos-Effektspeaker sind halt Huckepack in den größeren Main-Speakern (Sib Evo Dolby Atmos) untergebracht und strahlen von deren Oberseite an die Decke. So entstehen virtuelle Deckenlautsprecher, die das Klangbild in der Höhe deutlich vergrößern.

Wer genau wissen will, was da eingebaut ist und wie es funktioniert, der sei an den ausführlichen  LowBeats Test verwiesen. Aber diese 2-in-1-Funktion erklärt, warum die Main-Speaker doch um einiges größer sind als die Effektspeaker und der Center.

Focal Sib Evo DA
Der Focal Sib Evo Atmos ist um einiges größer als der Bruder ohne Atmos – kein Wunder: es ist ja auch noch ein zusätzlicher Lautsprecher integriert (Foto: Focal)

Bestückt sind alle fünf Satelliten-Lautsprecher (auch der Center!) mit derselben 2-Wege-Kombination aus 19 mm Hochtonkalotte plus 13 cm Tiefmitteltöner. Das bildet das Fundament für ein wirklich harmonisches Zusammenspiel; nicht selten sind ja gerade die Center komplett anders bestückt und fallen dementsprechend klanglich aus dem Rahmen.

Focal Sib Evo DA 5.1.2: die Frontlautsprecher
Hinter dem Abdeckgitter kommt die Zweiwegekombination mit 19 Millimeter Gewekalotte für den Hochton und ein 13 cm Tiefmitteltöner mit Polypropylän-Membran zum Vorschein. Gleich unter der dem Tiefmitteltöner sind die beiden Bassreflexports, die Teil der Kunststoff-Schallwand sind (Foto: H. Biermann)

Mit Ausnahme des Subwoofers, dessen hübsch lackiertes Gehäuse aus MDF besteht, sind die formschönen Gehäuse der Satelliten aus Kunststoff. Das hat viele Vorteile. Es sieht gut aus, man kann quasi jede gewünschte Form damit umsetzen und es ist nicht so schwer wie Holz. Das ermöglicht, die guten Stücke sogar an eine Rigips-Wand zu setzen; die leichtgewichtigen Focal Sib dürften auch dünnere Wände nicht überstrapazieren.

Für alle, die die Main-Speaker frei aufstellen wollen, gibt es im Focal-Programm recht hübsche (wenn auch nicht unendlich stabile) Ständer. Diese nehmen die Form des Satelliten Sib Evo auf und hieven ihn elegant auf die richtige Höhe. Zudem laufen die Kabel ordnungsgemäß im Ständer und schlackern nicht irgendwo herum. Kostenpunkt: 199 Euro pro Paar.

Doch normalerweise wird man die beigelegten Sockel nutzen. Auch die sehen ganz gut aus und bieten zudem die Möglichkeit, den Abstrahlwinkel von Sib Evo und Sib Evo Dolby Atmos ein wenig an den Raum oder an den eigenen Geschmack anzupassen.

Focal Sib Evo DA 5.1.2 – der Fuß
Alle Focal Sib Evo ruhen auf einem festen Sockel aus schwerem Gummi. Über eine Stellschraube kann  man den Abstrahlwinkel nach vorn verändern (Foto: H. Biermann)

Diese Abstrahl-Einstellung ist vor allem für die Dolby-Atmos-Wiedergabe wichtig. Denn je nach Deckenhöhe – besonders in den üblicherweise niedrigen Kellerräumen – muss man vielleicht ein wenig nachjustieren.

Was braucht man noch? Ein Dolby-Atmos-fähigen AV-Receiver und viele Meter Kabel. Das Verlegen der Kabel quer durch den Raum ist ja immer etwas nervig. Aber kabellose Lösung für die Effektspeaker (bei denen die kabellose Funk-Ansteuerung am meisten Sinn macht) sind auch heute noch sehr viel teurer.

Praxis & Klang

Die Aufstellung ist relativ simpel. Es gelten die üblichen Aufstellungsregeln für Mehrkanalsysteme: Alle Satelliten-Lautsprecher im gleichen Abstand zum Hörer. Oder man regelt das über die weitreichenden Einstellungs-Möglichkeiten des AV-Receivers. Was den Klang angeht, muss man erst einmal nicht viel anpassen. Hier zeigt sich die hohe System-Harmonie des Sets – es klingt wirklich wie aus einem Guss. Das gilt theoretisch auch für den Übergang zwischen Satelliten und Subwoofer. Doch gerade in akustische problematischen Wohnumgebungen empfehle ich hier etwas mehr Sorgfalt – es lohnt sich.

Der 21 cm Tieftöner des Subwoofer zeigt in etwa, wo pegelmäßig die Reise endet. Sein maximaler Schalldruck reicht für kleine bis mittlere Wohnzimmer und für kleine bis gehobene Wohnzimmer-Pegel. Das ganz große Filmklang-Erlebnis mit Mega-Schalldrücken und Zwerchfell-erschütternden Bass-Salven bleibt natürlich aus – dafür bräuchte man gerade im Bassbereich Subwoofer in Kühlschrank-Größe. Aber wer kann so etwas zu Hause tatsächlich hören ohne, dass die Nachbarn Sturm klingeln? Eben.

Focal Sib Evo Dolby Atmos im Wohnzummer-Einsatz
Der wahrscheinlich häufigste Einsatz: Der Subwoofer steht irgendwo am Boden, die Satelliten-Speaker auf dem Sideboard in der Nähe des TV und die Effektspeaker (nicht im Bild) links und rechts an der Wand vom Hörer (Foto: Focal)

Und für die Lautstärke-Kategorien ein oder zwei Stufen darunter ist das Focal Sib Evo Dolby Atmos 5.1.2 wie gemalt. Vor allem bei niedrigen Pegeln schafft das smarte Sextett einen so natürlichen und ausdrucksstarken Klang, dass es sich auch vor deutlich teureren Systemen nicht verstecken muss. Stimmen klingen präsent und sehr echt, vorbeifahrende Fahrzeuge oder vorbeifliegende Hubschrauber verändern nur die Position, nicht aber den Geräuscheklang – ein Ergebnis der hohen Systemharmonie.

Und dann kommt natürlich noch die Dolby-Atmos-Fähigkeit zum Tragen. Werden die Dolby-Atmos-Zusatzspeaker in den Sib Evo DA ebenfalls angesteuert (und gibt es das zugespielte Programm-Material her), dann erklimmt dieses Set tatsächlich die dritte Dimension: die Raumhöhe. Das Geräusch der rotierenden Hubschrauber-Blätter kommt dann wirklich von oben, Stürme rauschen in den Baumwipfeln über den Köpfen. Das ist schon deshalb so beeindruckend, weil man einen solchen Effekt von fünf so kleinen Lautsprechern nie erwarten würde.

Was mir an dem Focal Sib Evo Dolby Atmos 5.1.2 Set aber auch immer faszinierte, war seine Fähigkeit, auch mit anspruchsvoller Musik richtig gut zu klingen. Es gibt ja jede Menge Heimkino-Systeme, die speziell für Filmton mit all seinen Effekten und der hohen Dynamik entwickelt wurden. Mit moderner Filmmusik können diese Systeme fraglos beeindrucken, doch mit Klassik oder schöner Singersong-Writer-Musik treten schnell die tonalen Schwächen zu Tage.

Anders das Focal-Sextett. Bei einer exzellent aufgenommenen Bluray-Disc wie David Gilmour Live At Pompeii hört man sofort, dass Focal aus dem HiFi kommt: Die Bassdrum hat Kraft, die E-Gitarre funkelt bei „Shine On You Crasy Diamond“ regelrecht. Aber auch ganz „normale“ 2-Kanal-Musik per CD, Stream oder Bluetooth klingt mit dem Focal Sib Evo Dolby Atmos 5.1.2 Set wunderbar ausgewogen.

Cover Art David Gilmour Live At Pompeii
David Gilmour Live At Pompeii (Cover: Amazon)

Fazit Focal Sib Evo Dolby Atmos 5.1.2

Das Sextett von Focal ist eines der ganz wenigen Angebote in dieser Smart-Klasse, das ich uneingeschränkt auch für die Musikwiedergabe empfehlen kann. Es klingt ausgesprochen fein, farbig und durchaus dynamisch. Der letzte Punkt ist natürlich für Filmtonwiedergabe essentiell. Und auch hier verblüfft das Focal Sib Evo Dolby Atmos 5.1.2 Set mit seinem erfreulich knackigen und natürlichen Auftritt – vor allem, wenn der Heimkino-Freund Blurays mit Dolby Atmos-Aufnahmen abspielt. Dann zieht das kleine Set einen Raum auf, den man ihm beileibe nicht zutrauen wollte.

Der Preis des Focal-Sechsers wurde von den Frankfurter Hifiprofis jetzt von 1.199 auf 899 Euro gesenkt – also auf 25% unter dem Originalpreis. Das ist jetzt kein wahrer Kassensturz – und trotzdem ist es ein superbes Angebot. Weil das Focal Sib Evo Dolby Atmos 5.1.2 Set in diesem Bereich so gut wie keine Konkurrenz hat: In Bezug auf die Ausstattung gibt es heute vielleicht noch smartere Mitbewerber, klanglich liegt das kleine Focal-Set immer noch weit vorn.

Kauftipp der Woche:
Focal Sib Evo Dolby Atmos 5.1.2
2021/04
Test-Ergebnis: 4,6
ÜBERRAGEND
Bewertung
Klang-Potenzial
Wert-Beständigkeit
Preis/Leistung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Sehr feiner, ausgewogener Klang
Dolby Atmos auf smarteste Weise
Hohe klangliche Systemharmonischie
Viel Klang für wenig Geld

Angebot:
Hifi-Profis Frankfurt
Große Friedberger Str. 23-27
60313 Frankfurt am Main
Telefon: 069 920041-0
www.hifi-profis.de

Aktionspreis (zeitlich begrenzt):
Focal Sib Evo Dolby Atmos 5.1.2: 899 Euro (Set)

Die technischen Daten

Focal Sib Evo Dolby Atmos 5.1.2
Konzept:kabelgebundenes Surround-Set mit integrierten 3D-Strahlern
Bestückung:2 x Main mit DA-Zusatz-Speakern, 2 x Rear, 1 x Center, 1 x Aktiv-Subwoofer
Besonderheit:3D-fähig. Braucht zur optimalen Ansteuerung einen Dolby Atmos Receiver
empf. max. Raumgröße:25 Quadratmeter
empf. Verstärkerleistung:>20 Watt 4 Ohm pro Kanal
Aufstellungs-Empfehlung:an der Wand / auf dem Sideboard
Farbe:Schwarz
Abmessungen (H x B x T):
Sib Evo DA: 29, 5 x 19,5 x 19,0 cm;  Sib Evo: 25,2 x 16,2 x 16,2 cm; Cup Evo: 30,5 x 28,2 x 29,9 cm
Gewicht:
3,25 kg, 1,8 kg, 8,0 Kg
Alle technischen Daten
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Autor: Holger Biermann

Holger Biermann
Chefredakteur mit Faible für feinste Lautsprecher- und Verstärkertechnik, guten Wein und Reisen: aus seiner Feder stammen auch die meisten Messe- und Händler-Reports.