JBL 4306 Paar
Die JBL 4306 bietet ungewöhnlich viel Pegel und Dynamik fürs Geld. Nun ist die amerikanische Retro-Box auch noch drastisch im Preis reduziert (Foto: JBL)

Kauftipp der Woche: pegelstarke Kompaktbox JBL 4306

Die JBL 4306 ist der Inbegriff einer JBL: Der Aufbau ist eher bullig, die Verarbeitung rustikal, die Pegelreserven sind enorm und der Klang ist kernig. Einer der wenigen „Lautsprecher“, der dieser Bezeichnung gerecht wird und für Rock n Roll wie gemacht ist. Und der – schaut man sich mal im restlichen JBL-Programm um – mit einem Paarpreis von 2.400 Euro erfreulich moderat bepreist ist. Die Berliner Hifi-im-Hinterhöfler unterlaufen diesen Preis mit ihrer 4306-Aktion jetzt deutlich: Ihr aktueller Kurs liegt bei 1.498 Euro. Ein Hammerpreis, wenn man sieht, was man dafür bekommt…

JBL 4306 mit L-100
Neulich bei HiFi im Hinterhof: Die JBL 4306 neben der unlängst bei LowBeats getesteten, gut doppelt so großen JBL Classic L-100 (Foto: HiH)

Das Konzept der JBL 4306

Für alle, die JBL vielleicht nicht so gut kennen: Die Lautsprecher-Company, die James B. Lansing im Jahre 1946 gründete, ist die berühmteste Lautsprecherfirma der Welt. HiFi spielt dabei nur eine Nebenrolle: JBL ist besonders bei den Beschallern und bei den Profis im Studio geschätzt. Das kommt nicht von ungefähr: Seit Gründung der Firma ist die Treiber-Qualität der JBL-Speaker über jeden Zweifel erhaben: Was Besseres findet man nur mit größter Mühe.

Und diese Treiber-Qualität findet sich natürlich auch hier. Die 4306 ist eine 2-Wege-Box mit starken Anleihen aus dem Profi-Bereich. Auffällig ist hier vor allem das stattliche Hochtonhorn, das von einem 25 mm großen Druckkammertreiber befeuert wird. Der Umstand, dass dieser Hochtöner erst ab 3.000 Hertz spielt, ist ein Hinweis auf eine sehr hohe Belastbarkeit.

JBL 4306 Horn
Das Horn ist aus Kunststoff und in die Schallwand eingelassen (Foto: JBL)

Ebenfalls typisch für die JBL-Speaker ist die Möglichkeit zur Klang-Anpassung. In diesem Fall kann man das Hochtonhorn dezent im Pegel regeln. Der Einfluss auf den Klang allerdings ist nicht so hoch, weil der kernig-vordergründige Klangcharakter der 4306 in erster Linie durch die Mitten geprägt ist.

JBL 4306 BR-Rohre und Pegelregler
Der Hochtonregler zwischen den beiden Bassreflex-Rohren ermöglicht einen Pegelbereich von -2 bis + 2 dB. Allein schon das knarzende Geräusch des Reglers ist Kult. Die Sicke des Tieftöners ist mehrfach gefaltet. Dieser Kniff aus dem Beschallungsbereich ermöglich einen höheren linearen Hub (Foto: JBL)

Auffällig ist auch der Retro-Look mit blauer Schallwand und der blauen Abdeckung. Die Farb-Kombination sagt schon von weitem: Ich bin etwas Besonderes. Und hat Recht. Insbesondere der Bass ist ein Highlight. Hier kreuzen sich die großen JBL-Erfahrungen aus dem Studio- und dem Beschallungs-Bereich. Die leichte Papiermembran und der riesige Magnet sorgen für bestes Impulsverhalten und den speziellen JBL-Sound, die große Schwingspule für eine hohe Pegelfestigkeit. Kurz: Dieser Tieftöner ist breitbandig und hoch belastbar.

Das Gehäuse dazu ist passend. Es ist in keinster Weise verdächtig, irgendwelchen neumodischen Design-Trends nachzueifern. Es ist fast genau so breit wie tief und wirkt dadurch recht bullig – ein echter Monitor eben. Die Gehäusewände sind 22 mm stark und bieten damit die angemessen resonanzarme Behausung für den kräftigen Bass.

JBL 4306 von hinten
Auch auf der Rückseite zeigt die Box ihre Skurrilitäten: Ein abschraubbarer Einlass erlaubt den Zugang zur Weiche. Diese „Service-Schächte“ waren früher (ich rede hier von etwa 30 – 40 Jahren) durchaus Usus. Heute sind sie sehr selten… (Foto: JBL)

Furniert ist es – ganz amerikanisch – mit Nussbaum-Furnier. Auch das unterstützt diesen herrlichen Retro-Charme der 4306. Schaut man genauer hin, entdeckt man die ein oder andere Nachlässigkeit beim Gehäuse. Aber das ist wahrscheinlich eine sehr deutsche Sicht: Die Amerikaner stört es genau so wenig wie die Leute im Studio. Frei nach dem Motto: Es muss einfach gut tun; eine perfekte Verarbeitung ist überschätzt…

JBL 4306 Typenschild
Das Typenschild weist uns auf einige Besonderheiten hin. Zum Beispiel auf den hohen Wirkungsgrad. 89 Dezibel sind optimistisch, aber erfreulich hohe 87 Dezibel realistisch. Erfreulich ist auch die hohe Impedanz von 6 Ohm. Und: das gute Stück kommt aus China (Foto: H. Biermann)

Praxis & Klang

Bei LowBeats hatten wir die JBL 4306 nur zwei Wochen. Sie spielte zwar einwandfrei, zeigte aber massive Transportschäden. Da wollte der Vertrieb kein Risiko eingehen und ließ sie wieder abholen, bevor wir den Test durchziehen konnten. Doch in dieser kurzen Zeit hatten wir sehr viel Spaß – auch, weil man die 4306 durchaus mit kleineren Verstärkern wie dem Rotel A11 spielen kann. Ihre vergleichsweise hohe Impedanz von 6 Ohm und der hohe Wirkungsgrad jenseits der 87 Dezibel (1 Watt / 1 Meter) lädt sogar zu Experimenten mit wattarmen Röhren-Amps ein.

Doch dazu kann ich nicht raten. Der Clou an diesem Lautsprecher ist seine immense Pegelfestigkeit, die allerdings erst zum Zuge kommt, wenn der angeschlossenen Verstärker in der Lage ist, mehr als 200 Watt an die Klemmen zu schicken. Wir hatten bei LowBeats bislang zwei „klassische“ JBL-Lautsprecher: die L-100 und die DD Everest 67.000. Die L-100 ist die bislang lauteste Kompaktbox der bisherigen LowBeats Geschichte und mit der Everest hatten wir – in Kombination mit den Rotel Mono-Amos M8 feierten wir die unglaubliche 125-Dezibel-Experience. Beide Begebenheiten zeugen von der hohen Verzerrungsarmut der JBL-Treiber. Und die JBL 4306 fällt nicht weit von diesem Stamm…

Klanglich liegt die Amerikanerin auf der sehr präsenten Seite und klingt auch nicht mit jeder Art von Musik schön. Bass und Wärme sind ausreichend vorhanden, aber die Mitten sind recht präsent. Da kann man auch den Hochtonregler ganz dimmen; die Mitten bleiben kernig. Bei Klassik oder kerniger Saxophon-Musik dreht man schnell mal leiser – da klingt die JBL 4306 einfach zu präsent in den Mitten. Aber es gibt diese anderen Momente, da will man nur noch lauter drehen. AC/DC, Metallica, Motörhead, ZZ Top.: Wer mit dieser Art Musik etwas anfangen kann, liegt mit der JBL goldrichtig. Denn bei dieser Musik geht es ja nicht in erster Linie um eine geschmeidige Tonalität. Hier sind andere Fähigkeiten gefragt. Zum Beispiel diese: Die Bassschläge kommen nicht unendlich tief, aber satt und kraftvoll. Der Hochton steht dem in nichts nach: Die Schläge auf die HiHat kamen so energisch, als säße man direkt daneben – was übrigens auch daran liegt, dass der Hochtöner recht gut auflöst.

Das Größte ist, mit der 4306 ein Rock-Livekonzert zu hören. Man dreht lauter (weil es auf dem Konzert in der Regel laut ist) und die JBL geht einfach mit. Sie transformiert die Musik derart mühelos in livehaftige Pegelzustände, dass man sich nur wundern kann. So viel Druck, so viel Dynamik, so viel Erlebnis aus so kleinen Gehäusen…

Aber auch Jazz in jeder Darreichungsform ist mit diesem Lautsprecher ein großartiges Erlebnis. Ich habe mir mit der 4306 das gesamte Chick Corea Album Romantic Warrior angehört. Es ist der Wahnsinn, was die 4306 dem Zuhörer da an Impulsen um die Ohren haut, wie sie das brillante Zusammenspiel von Piano und Schlagzeug gnadenlos präzise und klar in den Raum drückt. Man kann gar nicht anders, als a.) die Scheibe bis zum Ende durchzuhören und b.) immer lauter zu drehen. Die JBL verzerrt einfach erst bei Pegeln, bei denen die Nachbarn längst auf den Plan gerufen sind. Es ist wie gesagt, tonal nicht immer schön. Aber bei der richtigen Musik immer mitreißend.

Coverbild Return To Forever - Romantic Warrior
Große Dynamik, irrwitzige Impulse, fantastisch flirrende Gitarrensaiten: Der Romantic Warrior von Chick Coreas Return To Forever ist Jazzrock at its best (Cover: amazon)

Fazit JBL 4306

In den 90er Jahren kam ein pfiffiger JBL-Marketing-Mensch auf den Slogan „loud & clear“. Dieser Slogan umschreibt die Besonderheiten der JBL-Lautsprecher so kurz, so knapp und so richtig, dass man sich fragen muss, warum man nicht schon früher darauf kam – vor allem aber, warum der Slogan nicht mehr verwendet wird.

Die JBL 4306 jedenfalls ist unglaublich „loud & clear“. Zugegeben: Wer den ganzen Tag Streich-Quartette oder Chöre hört, wird mit diesem Lautsprecher nicht glücklich. Man könnte es noch präziser formulieren: Klassik klingt über die JBL 4306 krätzig und aufdringlich. Freunde von Rock, Pop und Blues aber, vor allem jene, die den Lautstärkeregler gern auch mal über die 12-Uhr-Markierung drehen, werden diese kompromisslose Kompaktbox lieben. Der Punch, die Verzerrungsfreiheit und nicht zuletzt das monitorhafte Retro-Design sind eine Show. Ich kenne keine zweite HiFi-Box, die für 1.500 Euro auch nur annähernd diesen Spaßfaktor und diese Pegelfestigkeit mitbringt.

Und noch ein Punkt spricht für die rustikale Amerikanerin: Sie ist elektrisch so anspruchslos, dass auch kleine Verstärker sie ordentlich auf Trab bringen können. Es ist kein klassischer HiFi-Lautsprecher, den HiFi im Hinterhof hier zum Kauftipp-Kurs anbietet. Aber einer, der mit Tugenden von früher gewaltig beeindrucken kann.

 

Kauftipp der Woche:
JBL 4306
2021/03
Test-Ergebnis: 4,6
ÜBERRAGEND
Bewertung
Klang-Potenzial
Wert-Beständigkeit
Preis/Leistung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Kernig-breitbandiger Klang.
Immens pegelfest, hoher Wirkungsgrad
Unkritische Impedanz auf 6-Ohm-Niveau
Hochton regelbar

Angebot:
HiFi im Hinterhof
Großbeerenstraße 65/66
10963 Berlin-Kreuzberg
030 253 753 0
www.hifi-im-hinterhof.de

Aktionspreis (zeitlich begrenzt):
JBL 4306: 1.498 Euro (Paar)

Die technischen Daten der JBL 4306

JBL 4306
Konzept:2-Wege Bassreflex
Bestückung:2 x 20 cm TT, 1 Hochtonhorn mit 25 mm Treiber
Besonderheit:Hochton regelbar (+/- 2 dB)
empf. max. Raumgröße:40 Quadratmeter
empf. Verstärkerleistung:>20 Watt 4 Ohm pro Kanal
Aufstellungs-Empfehlung:frei, mit mindestens 50 cm zur Rückwand
Farben:Walnuss Furnier mit blauer Front baffle + blauer Abdeckung
Abmessungen (H x B x T):
46,0 x 27,8 x 30,0 cm
Gewicht:
12,0 Kilo
Alle technischen Daten
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Autor: Holger Biermann

Chefredakteur mit Faible für feinste Lautsprecher- und Verstärkertechnik, guten Wein und Reisen: aus seiner Feder stammen auch die meisten Messe- und Händler-Reports.