Home / Test / Lautsprecher / Aktivboxen / Test: digitaler Aktivmonitor JBL LSR708P – Das Pegelwunder
JBL LSR708P (Foto: R. Vogt)
JBL LSR708P (Foto: R. Vogt)

Test: digitaler Aktivmonitor JBL LSR708P – Das Pegelwunder

Es ist kein Geheimnis, dass ich vom Konzept des Aktivlautsprechers an sich überzeugt bin und daher auch im Kino mit Vorliebe aktive Monitore einsetze. Jetzt haben die US-Beschallungs- und Studioprofis des großen Harman Konzerns mal wieder eine spannende Variante auf den Markt gebracht: die aktive Kompaktbox JBL LSR708P. Es gibt noch eine kleinere Version namens JBL LSR705P sowie die jeweiligen Passiv-Versionen. Diese allerdings, das muss man wissen, sind komplett ohne Frequenzweiche. Die muss mal also extern dazurechnen.

JBL LSR708P (Foto: R. Vogt)
Etwa so groß wie drei gestapelte Schuhkartons: JBL LSR708P (Foto: R. Vogt)

Optisch könnte man sagen: „schön geht anders“. Aber das Design stand bei der Entwicklung dieses Monitors sicher ganz hinten auf der Agenda. Die JBL LSR708P sind Arbeitsgeräte, echte Mulis. Produktmanager Carsten Peter erzählt mit verschmitztem Tonfall die Legende hinter der Entwicklung der JBL LSR708P so: Ein US-Fernsehsender baute neue Ü-Wagen für Dolby Atmos Produktionen. Sie hätten dafür gerne ein fettes JBL Synthesis THX-System eingebaut, doch das passte rein physisch nicht in das kompakte mobile Studio. Also gaben sie JBL den Auftrag, Synthesis in klein zu bauen. Aber so, dass es trotz des beengten Raums im Ü-Wagen über die Potenz und Fähigkeiten der großen Synthesis-Setups verfügt. Gesagt, getan. Synthesis JBLs Entwickler lieferten: die JBL LSR708P.

JBL LSR708P (Foto: R. Vogt)
Rückseite mit digitalen und analogen Eingängen (XLR) plus Menübedienung (Foto: R. Vogt)

Die von LowBeats getestete große Version LSR708P hat bei 11 Kilo Gewicht gerade einmal die Dimensionen von 43,8 x 24,8 x 29,2 cm (H x B x T). Um es vorweg zu nehmen: Mein Messsystem kann bis 108,5dB messen. Das reichte bei weitem nicht, den Grenzschalldruck dieses Lautsprechers zu dokumentieren. Offiziell sind es glaubwürdige 114 Dezibel in 1 Meter. Das sind Größenordnungen, für die es bislang ein Horn oder einen ausgewachsenen, wirklich großen Lautsprecher brauchte.

„Also schnell gemacht und auf laut getrimmt. Klingt bestimmt schrecklich“, denkt nun der eine oder andere. Doch weit gefehlt. Schauen wir uns das Konstrukt mal genauer an.

JBL LSR708P (Foto: R. Vogt)
Hochtöner mit einer Synthese aus Horn und Waveguide (Foto: R. Vogt)

Die Hochton-Einheit mit komplex geformtem Trichter ist eine phasenkorrigierte Synthese aus Horn und Waveguide. Der Hochtöner hinter dem kleinen Metallgitter entspricht dem Druckkammer-Treiber aus der edlen Synthesis-Serie, genau wie das Waveguide. Alles ist aus sprichwörtlich einem Guss, zur Vermeidung von Kantenreflexionen.

Hinter dem nicht abnehmbaren Gitter sitzt der namensgebende 8-Zoll-Konus (20cm) mit extrem weiter, linearer Auslenkung. Darunter tritt der Bass-Reflex-Tunnel aus, der selbst bei extremen Luftströmen keine wahrnehmbaren Störgeräusche von sich gab.

JBL LSR708P (Foto: R. Vogt)
Oben wie unten robuste Verschraubungen für Halterungen (Foto: R. Vogt)

Das Gehäuse ist mattglänzend lackiert, bietet eingelassene, vertrauenerweckende und robust wirkende Tragegriffe. Der Deckel wie auch der Boden bieten mit vier versenkten Imbus-Schrauben maximalen Sitz für professionelle Halterungen. Wie schon gesagt: Einen Design-Preis wird die LSR708P damit nicht gewinnen. Einen für praxisgerechte Ausstattung hingegen schon.

JBL LSR708P (Foto: R. Vogt)
Für wandnahe Anbringung: senkrechte, versenkte Eingangsbuchsen (Foto: R. Vogt)

Dieser praktischen Herangehensweise dürften auch die vertikal versenkten Eingangsbuchsen zu verdanken sein. Damit ist es möglich, den Lautsprecher gegebenenfalls direkt an die Wand zu stellen, nur für die Kabeldurchmesser muss noch Platz sein. Und es benötigt etwas Luftaustausch für die zwei 250 Watt Class-D-Endstufen plus DSP-Bord, die mittels überraschend kleiner Lüftungskanäle auf (niedriger) Temperatur gehalten werden. Dank hohen Wirkungsgrades der Verstärker konnte ich selbst bei Dauerfeuer aus den Lautsprechern kaum einen Temperaturanstieg erfühlen.

JBL LSR708P (Foto: R. Vogt)
Handliche Menü-Bedienung mit Display und Jobdial (Foto: R. Vogt)

Die Frequenzweiche und Entzerrung sowie weitere Features realisierte JBL digital und gibt auf die wirklich gigantische Funktionsvielfalt via Jogdial und vierzeiligem Display Zugriff. Hier stehen eine parametrische Raumeinmessung mit acht weiträumig und fein dosierbaren Filtern zur Verfügung, dazu kommen in Presets abzulegende Shelf- und vier weitere Filter, die sich auch kombinieren lassen. Ein Hochpass mit fünf Frequenzen als Bassmanagement und weitere Feinheiten wie Delays und Pegel-Feinjustage komplettieren die Einstellmöglichkeiten. Das alles arbeitet mit 24Bit bei 192 Kilohertz und daher schön feinauflösend.

Ich habe die Menüs mal in einem Video zusammengefasst:

Auch Audiophile müssen übrigens bei solcherlei digitalen Frequenzweichen keine Angst haben. Dadurch, dass Eingang, Ausgang und die Signalverarbeitung – vorausgesetzt, dass alles gut gemacht ist – auf demselben Takt laufen, ist der relative Jitter in solch einer Kette Null. Wer dazu mehr wissen möchte, Kollege Schröder hat das mal genauer analysiert.

Die Filter der LSR708P jedenfalls lassen sich sehr genau dosieren und vielfältig kombinieren. Und: dank der mächtigen Pegelreserven kommt es auch bei Verstärkungen nicht so schnell zu Überforderungen der Box. Das wirkt alles sehr durchdacht, ist allerdings wohl eher etwas für fachkundige Anwender mit Mess-Equipment als für geschmackliche Anpassungen nach Gusto.

Hier ein paar Messungen dazu:

Vorwärts Zurück
JBL LSR708P: Factory-Presets (Messung: LowBeats)
JBL LSR708P: verschiedene Factory-Presets (Messung: LowBeats)
JBL LSR708P: verschiedene Shelf-Filter (Messung: LowBeats)
JBL LSR708P: verschiedene Shelf-Filter (Messung: LowBeats)
JBL LSR708P: Sehr weit und fein einstellbarer Q-Faktor für EQs (Messung: LowBeats)
JBL LSR708P: Sehr weit und fein einstellbarer Q-Faktor für alle EQs (Messung: LowBeats)
JBL LSR708P: Raummoden-Kompensation mit steilfankigem Parametrischem EQ (Messung: LowBeats)
JBL LSR708P: Raummoden-Kompensation mit steilflankigem parametrischem EQ (Messung: LowBeats)
JBL LSR708P: Hochpassfilterfür Bassmanagement (Messung: LowBeats)
JBL LSR708P: Hochpassfilter für Bassmanagement (Messung: LowBeats)
Vorwärts Zurück

Klang & Pegelorgie mit der BL LSR708P

Sicher, die Autorität einer Genelec 1238a mit signifikant mehr Membranfläche oder einem der großen Synthesis-Brüder konnte die JBL LSR708P im LowBeats-Testkino nicht ganz entwickeln. Aber sehr weit war sie auch nicht davon weg – erst recht, wenn man sich wieder die kompakten Maße vor Augen hält. Mann-oh-Mann, schon einfach freistehend auf Stative gestellt, ungefiltert, zeigt die Wiedergabe der JBL LSR708P einen „Schnack“ und derart explosive Dynamik in allen Tonlagen, dass es einem schlicht die Sprache verschlägt.

JBL LSR708P: Erstaunlich homogener Phasenverlauf (untere Kurve) (Messung: LowBeats)
JBL LSR708P: Erstaunlich homogener Phasenverlauf (untere Kurve) (Messung: LowBeats)

Und die Amis spielten eben nicht einfach laut, sondern explosiv dynamisch, stets auf den Punkt. Ein Blick auf den Phasenverlauf erklärt auch, warum das so knackig wirkte, denn der verläuft ab 100 Hertz erstaunlich gerade, was das präzise, zeitgleiche Abbilden aller Frequenzen belegt. Eine solche Attacke bei Drums oder Klavier kennt man sonst nur von sehr viel aufwendigeren Konstruktionen.

JBL LSR708P (Foto: R. Vogt)
Zwei Kontroll-Leuchten zur Statusanzeige (Foto: R. Vogt)

Gibt es denn keine schwerwiegendere Kritik? Nun, sagen wir mal so: Liebhaber zarter Violin-Quartette werden sich nicht mit diesem Lautsprecher anfreunden. Dazu ist der Charakter etwas zu geradeaus, klingen die Druckkammer-Hochtöner etwas zu gnadenlos. Schönfärben ist deren Sache nicht. Wer also eher auf den Seidenglanz einer Dynaudio-Kalotte steht, liegt hier falsch. Dieser Hochtöner klingt feinauflösend, nicht zart. Er kann dafür aber eine Energie entwickeln, die konventionelle Gewebekalotten und selbst die meisten Metallkalotten kaum zu entfesseln vermögen, wenn etwa der Drummer mal richtig in die Crashbecken drischt. Dabei wird der Sound allerdings nie beißend oder aggressiv. Geschmacksache.

Mehr Kritik habe ich an der extrem kompakten Raumabbildung. Gerade Aufnahmen mit sehr tiefem Raum wirken mit der JBL LSR708P etwas zu trocken. Wer mit den Filtern umgehen kann, nimmt sich die Blauert’schen Bänder vor und kann da noch ein wenig Plastizität gewinnen. Die Abbildung ist direkt, nah und trocken.

Der schlichten Spielfreude und greifbaren Dynamik tut das wenig Abbruch. Selbst große Klangkörper wie Keith Jarretts Steinway bilden sich plastisch, fast greifbar und relativ nah ab. Impulsive Instrumente wie ein dicht aufgenommenes Vibrafon à la Milt Jackson bilden sich erstaunlich realistisch ab. Wer Big Bands mag, wird die JBL lieben. Das gilt eben auch für die Filmwiedergabe. Raum bildet man in Surround ohnehin diskret ab, es kommt auf eine gute Balance aus Fein- und Grobdynamik an, Das kann die LSR-7-Serie wie kaum eine andere in dieser kompakten Baugröße.

JBL LSR708P: Homogener Frequenzabfall unter steigendem Winkel (Messung: LowBeats)
JBL LSR708P: Homogener Frequenzabfall unter steigendem Winkel (Messung: LowBeats)

Absolut vorbildlich sind auch das Abstrahlverhalten und damit die Raumanregung. Die ist nämlich zur Seite hin nur mit einem völlig proportionalen Höhenabfall gesegnet – und das ohne jedwede Einbrüche. So ergibt sich eine verfärbungsarme Wiedergabe am Hörplatz, wenn nicht der Raum selbst etwas falsch macht. Selbst außerhalb der Hörachse bleibt die Bühne stabil und breit. Vorbildlich.

Fazit JBL LSR708P: kleine Box, großer Spaß

Gerade in einem Kino-Setup dürfte die JBL LSR708P, auch gemeinsam mit der kleinen Schwester LSR705P, eine geniale Besatzung darstellen. Farbe und Musik erzeugen im Film die Emotion. Und da heißt es einen Lautsprecher zu verwenden, der bei beliebiger Szene die akustische Übersicht nicht verliert, dabei musikalisch bleibt und trotzdem die Wucht einer Action-Szene ungebremst verarbeitet. Das kann die JBL perfekt, bietet eben diese Dynamik im Gr0ßen wie im Kleinen und grooved dabei schön. Die kompakte Bauweise, dass man sie auch direkt an die Wand positionieren kann und dass es Verschraubungen für robuste Halterungen gibt, erweist sich als äußerst hilfreich. Auch die große Zahl Filter und weiterer Anpassungen für den Profi sind einzigartig. Selbst Stereofreunde, die es gerne kompakt und LAUT haben, liegen hier goldrichtig. Selten habe ich derart große, dynamisch packende Klangbilder aus solch einer kompakten Box gehört. Die Losung lautet: Wer eher samtweiche akustische Streicheleinheiten sucht: Finger weg. Sie lieben dagegen Big Band, Hardrock oder Movies? Zugreifen!

Weitere Aktivmonitore:
Test: Miller & Kreisel MPS2510P – THX Aktivmonitor
Test Genelec 8331 A – der unbestechliche Nahfeld-Monitor
Test Ascendo D7 Active: Koax-Standbox mit Raum-EQ
Test Aktiv-Kompaktbox Nubert nuPro X-4000
Test Bohne Audio BB-10: Aktivbox mit Live-Charakter
Test: Aktiver Standlautsprecher Manger MSMs1

JBL LSR708P
2019/02
Test-Ergebnis: 4,3
Sehr gut
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Ungemein pegelfest und impulstreu
Neutraler, ausgewogener Klang
Viele EQ- und Filtermöglichkeiten
Raumabbildung mit wenig Tiefe

Vertrieb:
Audio Pro Heilbronn Elektroakustik GmbH
Pfaffenstraße 25
74078 Heilbronn
www.audiopro.de

Paarpreis (Hersteller-Empfehlung)
JBL LSR708P: 5.120 Euro