KEF LS50 META Farben
KEF hat seine Kult-Lautsprecher LS50 und LS50 Wireless mit Meta-Material auf neuesten Stand gebracht (Foto: KEF)

KEF LS50 META und KEF LS50 Wireless II: überlegene Resonanzableitung

KEF hat mit den passiven LS50 META und den aktiven Streaming-Lautsprechern LS50 Wireless II bedeutsame Weiterentwicklung von zwei der wohl einflussreichsten Boxenmodelle der letzten Jahre vorgestellt. Besonderheit: Meta-Material soll dem Klang auf die Sprünge helfen.

Nicht, dass sie die Welt der Musikwiedergabe aus den Angeln heben werden, doch die neuen Passivlautsprecher KEF LS50 META und LS50 Wireless II bieten einige höchst interessante Verbesserungen und technische Detaillösungen. Darunter den Einsatz einer „Meta-Material-Absorptionstechnologie“, mit welcher der Hersteller vor allem den Klang im Hochtonbereich deutlich verbessern will. Doch der Reihe nach…

Mit den passiven Kompaktboxen LS50 gelang KEF 2011 ein echter Coup. Die zum 50. Firmenjubiläum entwickelten, mit einem KEF-typischen Koaxialtreiber und ungewöhnlich soliden Holzgehäusen ausgestatteten Speaker haben sich unter Klangfans in Windeseile zu einem Geheimtipp entwickelt und sind im Laufe der Jahre zu regelrechten Ikonen ihrer Art aufgestiegen. Bis heute nahezu unverändert gebaut, sind die LS50 nach wie vor vielen anderen Konstruktionen in ihrer Preisklasse deutlich überlegen, wenn es um Präzision, Musikalität und räumliche Abbildungsleistung geht.

KEF LS50
Die Ur-LS50 wurden 2012 im Rahmen des 50. Firmenjubiläums vorgestellt (Foto: KEF)

Im Jahr 2016 hat KEF das erfolgreiche Konzept der LS50 mit einer aktiven Version ins Digital- und Streaming-Zeitalter geholt. Die LS50 Wireless haben in ihrer Klasse ebenfalls einen Maßstab gesetzt, an dem viele andere Wireless- und Streaming-Speaker gemessen wurden.

Die jetzt neu vorgestellten Modelle KEF LS50 META (passiv) und LS50 Wireless II ähneln ihren Vorgängern auf den ersten Blick wie ein Ei dem anderen. Bezogen auf die Funktionalität gibt es selbst bei den LS50 Wireless II auch gar nicht so viel neues zu berichten. Die Möglichkeiten wie kabelgebundene Quellen anzuschließen oder Musik drahtlos zuzuspielen, wurden lediglich verfeinert. Im Inneren verborgen gibt es aber eine Neuerung, die es so noch nie in einem Lautsprecher gegeben hat.

Metamaterial – Wikipedia sagt dazu:
„Ein Metamaterial ist eine künstlich hergestellte Struktur, deren Durchlässigkeit für elektrische und magnetische Felder […] von der in der Natur üblichen abweicht. Das wird erreicht durch speziell angefertigte, meist periodische, mikroskopisch feine Strukturen (Zellen, Einzelelemente) aus elektrischen oder magnetisch wirksamen Materialien in ihrem Inneren.“

KEF hat dieses Prinzip nun auf akustische Besonderheiten angewendet. Eine spezielle Labyrinth-artige Struktur soll als „akustisches Schwarzes Loch“ fungieren, um unerwünschte rückwärtige Schallanteile speziell des Hochtöners zu eliminieren und so innere Reflexionen auszumerzen, die den Klang verschlechtern. Solche von hinten auf die Hochtonmembran treffenden Schallanteile sorgen vor allem für eine gewisse Härte im Klangbild.

Viele Hersteller versuchen, mit unterschiedlichen Mitteln ähnliches zu erreichen. Manche verbauen hinter dem Hochtöner ovale Resonanzkammern, andere nutzen das Prinzip des umgekehrten Horns, um diese Schallanteile zu eliminieren. Ein typischer Vertreter der letztgenannten Bauweise ist B&W. Anhand der 800-Serie wird das auch äußerlich deutlich:

B&W 800 Seite
Schon legendär: die Röhren der B&W 800er Serie, in denen sich der Schall von Mittel- und Hochtöner totlaufen soll (Foto: B&W)

Diese und andere Konstruktionen können die rückwärtigen Schallanteile aber nicht vollständig auslöschen. KEF nennt hier für herkömmliche Lösungen eine Wirkung von ca. 60%. Außerdem erfordern solche Lösungen eine gewisse Länge, um ausreichend wirksam zu sein.

Mit der „Metamaterial-Absorptionstechnologie“ (kurz MAT) hat KEF nun einen anderen Ansatz vorgestellt. Dabei kommt eine relativ flache, runde Scheibe zum Einsatz, auf deren nach innen gerichteter Seite eine Art Labyrinth eingefräst ist. Die darauf zu sehenden mathematisch errechneten Gänge des Labyrinths haben alle unterschiedliche Längen und Abzweigungen, deren Zweck es ist, unterschiedliche Frequenzbereiche bestmöglich zu absorbieren.

KEF Meta-Material

MAT: Die genau berechnete Labyrinth-Struktur soll rückseitig abgestrahlte Schallanteile absorbieren (Foto: KEF)

Die Wirkung ist aufgrund der Wellenlängen im hörbaren Bereich und wegen der begrenzten Baugröße jedoch hauptsächlich auf den Hochtöner beschränkt. Der Hersteller sagt, dass Frequenzen ab etwa 600 Hertz aufwärts nahezu perfekt (99%) absorbiert werden – bei nur 11 mm Bautiefe des Labyrinths. Das ist mal ’ne Ansage.

Das Metamaterial-Bauteil ist Bestandteil des KEF Uni-Q-Treibers der 12. Generation und wird mit Sicherheit auch in den meisten anderen zukünftigen KEF-Lautsprechern eingesetzt werden. Wie sich das in der Praxis klanglich auswirkt, bleibt abzuwarten. Natürlich dürfen dadurch von den Lautsprechern keine Wunderdinge erwartet werden, aber ich erhoffe mir zumindest – im Rahmen der technischen Versprechungen – eine deutlich feinere Hochtonwiedergabe. Der Hersteller verspricht geringere Verfärbung, weniger Verzerrung und einen Klang, der transparenter und naturgetreuer ist als bisher möglich.

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Optisch hat sich nichts geändert. Warum auch: die KEF LS50 sind Design-Ikonen (Foto: KEF)

Beide Lautsprecher-Neuvorstellungen sind mit so einem MAT-Treiber ausgestattet, wobei nur die passiven LS50 META dies im Namen nach außen tragen. Die aktiven heißen schlicht LS50 Wireless II. Die LS50 Meta ist bei der Markteinführung in den vier Farben Carbon Black, Mineral White, Titangrau und Royal Blue Special Edition erhältlich, die alle ein seidenmattes Finish bieten. Die LS50 Wireless II gibt es wahlweise in Carbon Black, Titanium Grey, Mineral White sowie in einer Crimson Red Sonderedition. Passend dazu hat KEF neue Lautsprecherfüße im Angebot, die farblich passend geordert werden können: Die S2 Stands.

Während die LS50 META als Passivlautsprecher über den MAT-Treiber hinaus nicht viele dramatische Änderungen erfahren haben, wurden bei der aktiven Variante die Funktionen und Streaming-Möglichkeiten ausgebaut bzw. optimiert.

KEF LS50 Wireless II Details
(Foto: KEF)

Für Online-Streaming unterstützt die LS50 Wireless II Spotify (über Spotify Connect), Tidal, Amazon Music, Qobuz und Deezer. Auch Webradio wird über die komplett neue KEF Connect-App unterstützt. Anschlussmöglichkeiten: AirPlay 2 und Google Chromecast verbinden kompatible Apple- oder Android-Geräte. Auch Roon-fähig sind die Wireless II. Bluetooth ist ebenfalls an Bord. Über die HDMI-, analogen, optischen und koaxialen Eingänge gibt es auch kabelgebundene Anschlüsse für Fernseher, Plattenspieler, CD-Player und Spielkonsole. Die LS50 Wireless II verfügt über zwei Subwoofer-Ausgänge, einen an jedem Lautsprecher.

Zur Signalverstärkung wird jeder Hochtöner von einem neuen 100-W-Class-A/B-Verstärker befeuert. 280-W-Class-D-Verstärker treiben die Mittel-/Tieftöner an.

Eine Information sind wir noch schuldig geblieben: Was kostet der Spaß?  Die KEF LS50 META liegt bei 1.199 Euro/Paar und die LS50 Wireless II bei 2.499 Euro/Paar. Und wie man die Designer von KEF kennt, liefern sie auch die passenden Ständer dazu: die S2 Stands kosten 450 Euro/Paar.

Weitere Informationen zu den neuen LS50 unter www.kef.com

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Autor: Frank Borowski

Frank Borowski
LowBeats Experte für Schreibtisch-HiFi und High End kennt sich auch mit den Finessen der hochwertigen Streaming-Übertragung bestens aus. Zudem ist der passionierte Highender immer neugierig im Zubehörbereich unterwegs.