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Optisch und klanglich herausragend gut: die KEF R11 ist das beste Lautsprecher-Angebot bis 5.000 Euro pro Paar (Foto: KEF)

Test Standbox KEF R11 – ganz nah an der Reference

Gut Ding will Weile haben, sagt der Volksmund – und hat meist Recht damit. Anlässlich eines Besuchs bei Hegel in Norwegen kam ich in den Genuss, nicht nur den Hegel Top-Verstärker H590 zu hören, sondern auch die neue KEF R11. Ich war sehr angetan und orderte umgehend ein Pärchen dieser schlanken Spitzen-Box. Aber da war ich wohl etwas vorschnell, denn es gab anfangs Probleme mit verbogenen Frontblenden. Die bestehen aus 13 einzelnen Lagen und werden in einem neuartigen Herstellungsprozess produziert. Da musste noch feinjustiert werden und die Auslieferung  größerer Stückzahlen verschob sich ins Frühjahr 2019. Und dabei waren seit Einführung der Vorgänger-R-Serie schon über sieben Jahre vergangen…

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KEF hat eine wunderbar urbane Formsprache entwickelt: klare Linien, tolle Oberflächen, keine sichtbaren Schrauben auf der Schallwand. Die hier vorgestellte R11 kommt auf eine Höhe von 1,25 Metern – bei einer Breite von 20 cm und einer Tiefe von 38,5 cm (Foto: KEF)

Dass diese Nicklichkeiten bei der neuen R-Linie aber nun behoben sind, davon kann sich jeder ein Bild machen, der in den Genuss kommt, die R11 zu erleben. Ich untertreibe nicht: „Genuss“ ist der richtige Ausdruck. Allein die Verarbeitungsqualität: Wer seine Finger auf dem Lack der R11 spazieren lässt, fühlt keine noch so feine Erhebungen. Nirgendwo tun sich Spalten oder Kanten auf, an denen die Fingerkuppen hängenbleiben könnten. Und natürlich stört nirgendwo (Ausnahme am Anschlussfeld) eine Schraube die Ästhetik und das überragende Lack-Finish. Das findet man auch in deutlich teureren Lautsprechern nicht besser.

Was das Äußere angeht macht den Briten unter dem Dach der Hongkong-chinesischen Gold Peak Group keiner was vor. Die Design-Abteilung (nach wie vor im britischen Maidstone beheimatet) hat eine wunderbar „urbane“ Formsprache entwickelt (weitere Beispiele sind die Blade, die LS 50 oder die LSX), die einfach gut in die Zeit passt und mit der KEF anderen Herstellern immer eine Nasenlänge voraus zu sein scheint. Da werden selbst die Treiber integrale Bestandteile des optischen Auftritts.

Konzeption & Bestückung der KEF R11

Zum Beispiel die Tieftöner. Vier dieser Bässe mit Hybrid-Alu-Membran verteilen sich symmetrisch auf der Front. Aber sehen die aus wie klassische Bässe? Nein. Sondern wie elegante Applikationen.

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KEF R11 Tiefton-Membran
Man erkennt kaum, dass es ein Bass ist. Die Sicke ist vom Zierring verdeckt und bei der ungewöhnlichen Aluminium-Membran fehlt der üblichen Dustcap in der Mitte. Braucht es wohl nicht und sieht eindeutig eleganter aus… (Foto: H. Biermann)
KEF R11 Tieftöner Querschnitt
Einer der vier R11-Tieftöner im Querschnitt: ein klassisch aufgebauter, dynamischer Treiber mit einem Durchmesser von 16,6 cm. Er wurde für die neue R-Linie neu entwickelt und soll dank neuer Sicke angeblich unverzerrt einen doppelt so großen Hub wie sein Vorgänger machen. (Rendering: KEF)
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Von diesen neuen Tieftönern arbeiten vier in der KEF R11. Jeder von ihnen hat eine Fläche von etwa 120 Quadratzentimetern. Mal vier addiert sich das auf knapp 500 Quadratzentimeter – die Fläche eines 30 cm Tieftöners. Damit kann man schon einige Luft bewegen…

Die vier sind über die gesamt Höhe von 1,25 Meter verteilt. Zählt man noch die beiden Bassreflex-Ports auf der Rückseite hinzu, so werden die Tiefton-Resonanzen im Raum an sechs unterschiedlichen Punkten angeregt – was im Sinne einer homogenen Anregung der Raummoden (im Vergleich zur intensiven Anregung durch nur einen Bass) durchaus von Vorteil sein kann.

KEF R11 bauteile
Alle neuen Elemente der aktuellen R-Serie sind hier aufgehängt. Das sieht beeindruckend aus, sagt aber natürlich nichts über den Klang (Foto: KEF)

Gemessen an der R-Linie von 2011 erscheint die neue Serie gar nicht so spektakulär neu – und doch werden angeblich 1.043 neue Teile für die R-Linie 2018 verwendet. KEF Slogan: „Das Einzige, was bleibt, ist der Name“. OK: Das ist Marketing. Denn natürlich blieb die Konzeption der R-Serie in etwa die Gleiche. Allerdings hatte die R-Serie aus dem Jahre 2011 kein so großes Flaggschiff-Modell wie die R11 – in so fern bemühe ich hier (wie auch später) den Vergleich mit der fast gleich großen und ähnlich bestückten Reference 5.

Das Gehäuse der Reference 5 muss dem Kenner Respekt abnötigen: in der komplett versteiften, über 60 Kilo schweren Säule wackelt nichts. Und doch hat sich auch bei KEF die Erkenntnis durchgesetzt, dass eine starre Verbindung der großen, oft schwingenden Gehäuseflächen – wie es fast alle Hersteller weltweit machen und wie auch bei der Reference 5 umgesetzt wurde – akustisch nicht förderlich ist. Stattdessen haben die Versteifungselemente der R11 nur an wenigen Punkten über elastischen Dämpfer Kontakt zu den Wänden. Das verhindert, dass die Schwingungen einer der Gehäusewände auf die anderen übertragen wird.

Gehäuse-Vergleich KEF R11 vs KEF Reference 5
Die Reference 5 (rechts) überragt mit ihrer Bauhhöe von 1,35 Metern die R11 um gut 10 cm. Die Bestückung ist sehr ähnlich, aber das Reference-Gehäuse ist sehr viel aufweniger gemacht und versteift. Immerhin wiegt die Reference 5 über 60 Kilo, die R11 kommt nicht einmal auf 40 Kilo. Aber womöglich wurde der Neuling einfach schlauer konstruiert… (Quelle: KEF)

Das besondere Element der R11 aber ist – wie auch bei allen KEF Lautsprechern – der koaxiale Mittelhochtöner namens Uni-Q. Seit 1988 arbeiten und forschen die Briten schon zu diesem Thema und haben sicherlich gegenüber den meisten andern Koax-Anbietern einigen Vorsprung. Der hier eingebaute Uni-Q der 12. Generation hat jegliche Nasalität und Schärfe abgelegt. Er bietet alle Vorzüge einer Punktschallquelle und klingt absolut offen, frei und natürlich.

Dafür aber musste der Uni-Q noch einmal ins Forschungslabor. Denn bei allen Vorzügen, die gut gemachte Koax-Treiber mitbringen (Punktschallquelle, zeitrichtige Wiedergabe), so haben sie doch prinzipbedingt auch Schwächen.

KEF R11 Uni-Q
Einer der besten Koax-Treiber im HiFi. Die gut 10 cm große Alu-Membran des Mitteltöners ist durch Erhebungen zusätzlich versteift. Der Schall des Hochtöners, eine 25 mm Alu-Kalotte, wird mit einer trickreichen Schallverteilerlinse geschickt gelenkt. Der große, gewölbte Ring um den Uni-Q ist weit mehr als schöne Zier – er reduziert Kantenbeugungseffekte (Foto: H. Biermann)

Eine Achillesverse ist der Übergang zwischen Konusmembran und Kalottenhochtöner. Bewegt sich die Membran, entsteht ein Spalt – je nach Pegel größer oder kleiner. Dieser Spalt erzeugt Resonanzen. Auch bei dem Uni-Q der 12. Generation entsteht dieser Spalt, aber er hat auch eine trickreiche Ableitung dieser Schallenergie.

KEF Uni-Q Fortschritt
In den Vorgänger-Uni-Qs sorgte der Übergang zwischen Hoch- und Mittelton für unschöne Resonanzen. Im neuen Uni-Q (rechts) werden diese Schallanteile abgeleitet und mit einer Bedämpfung im Luftkanal (im Magneten grün) deutlich reduziert (Zeichnung: KEF)

Die KEF R11 in der Praxis

Normalerweise führt der Einsatz von vier Tieftönern zu hässlichen Impedanz-Schwankungen und -Niederungen. Nicht so bei der R11: Einzig im Bereich der Bassreflex-Abstimmung (30 Hertz) und beim Übergang zwischen Mittel- und Hochtöner (2.800 Hertz) zeigen sich kleinere Überhöhungen. Ansonsten misst sich dieser Lautsprecher fast wie ein Mess-Widerstand. Super.

Absolut anspruchsloser Impedanzverlauf oberhalb der 4-Ohm-Marke. Keine nennenswerten induktiven (blau) oder kapazitiven (rot) Phasenverschiebungen (Messung: J. Schröder)

Das ist vor allem für die angeschlossenen Verstärker wichtig. Haben sie Kraft und Stabilität ohne Ende, ist die Impedanz fast egal. Bei schwächeren Verstärkern aber beeinträchtigt eine wellige und vielleicht auch noch niederohmige Impedanz die Wiedergabe immer negativ. In so fern ist die R11 nicht nur optisch, sondern auch elektrisch absolut mehrheitsfähig.

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