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Test Denon AH-D7200: der perfekte Over-Ear?

Als Motor der Premium-Kopfhörer schwingen die hauseigenen „FreeEdge“-Membranen, die ihre Wandlungsfähigkeit laut Denon zwischen 5 und 55.000 Hz ausspielen sollen.

Dank der ausgefeilt steifen und gleichzeitig leichten Nanofaser-Materialien sollen die fünf Zentimeter durchmessenden Treiber sehr präzise und verzerrungsarm arbeiten. Was zu beweisen war…

Der Treiber des DEnon ASH-D7200
Hinter dem Schutzgitter werkelt die breitbandige, 50 Millimeter große Nanofaser-Membran (Foto: C. Dick)

Zudem betteten die Denon-Ingenieure die FreeEdger weich ein, um ihnen einen verbiegungslosen Bewegungsspielraum zu ermöglichen. Um das Gewicht der Schwingspule im Zaum zu halten, verlegten sie kupferbeschichtete Aluminiumdrähte.

Und als eindeutiges Indiz für schnellen Antritt steht der Name „Tesla“ – nicht das coole E-Auto aus Kalifornien, sondern kräftige Neodym-Magneten, im Falle des AH-D7200 mit über 1 Tesla Power. Überdies sind die Treibereinheiten in Harzlagern platziert, was Vibrationen und Verzerrungen eliminieren soll. Der Aufbau des Denon AH-D7200 im Ganzen:

Die Einzelbausteine des Denon AH-D7200
Die Einzelbausteine des Denon AH-D7200. Gut zu sehen ist die Bedämpfung der geschlossenen Ohrmuschel mit weißem Akustik-Flies – ganz rechts (Animation: Denon)

Der Denon AH-D7200 im Klangvergleich

Zuerst einmal lief sich der Kopfhörer-Verstärker warm. Der Lehman Audio Linear SE ist einer der besten seiner Art: unbestechlich ehrlich und dynamisch-offen. Genau der Richtige, um alles aus den Kontrahenten herauszukitzeln. Dann: einspielen. Der Denon AH-D7000 und der Sennheiser HD 800 S sind bei mir quasi dauerhaft im Einsatz. Also mussten sich der HiFiman und der neue Denon eine Nacht warmlaufen. Nur so ist es fair.

Cover Art Lizz Wright Grace
Eine der schönsten Stimmen im Jazz: Lizz Wright, hier mit Grace (Cover: Amazon)

Waren bereits die Ahnen AH-D7000 und AH-D7100 leichte Stimmen-Charmeure und Freunde von sonorer Körperhaftigkeit, zeigt auch der AH-D7200 grundsätzlich diese Charaktereigenschaften.

Ein durchaus schönes Erbe, denn damit lassen sich mit dem Walnuss-Dynamiker wunderbare musikalische Freundschaften schließen, wenn es um lustvolle Sessions geht, in denen Celli strahlen, Rock-Drums das Trommelfell massieren und der Kontrabass im Jazzkeller farbenfroh federt.

Konkret beeindruckten die Bassgewalten, wie sie Songs auf den frischen audiophilen Alben Grace der Jazz-/Soul-Sängerin Lizz Wright (Universal) oder Bassball II des Ex-Kraan-Bassisten Hellmut Hattler (Bassball Recordings / Brokensilence) unterfüttern. Hier zeigte der AH-D7200 doch noch etwas mehr Definition und Abbildungsschärfe im Vergleich zum schon überragenden Urahn AH-D7000.

Wie er den Vorgänger überhaupt in die Schranken weist. Mit der feineren Impulswiedergabe und dem letztendlich noch natürlicheren Ton ist er tatsächlich der bessere Kopfhörer und trägt den Denon-internen Titel „Reference Headphone“ völlig zu Recht.

Cover Art Helmut Halltler Baseball II
Hier ist immer viel Bass garantiert: Kraan-Gründer Hellmut Hattler auf Bassball II: (Cover: Amazon)

Grundsätzlich muss man sagen, dass der AH-D7200 für einen geschlossenen Kopfhörer insgesamt beeindruckend raumgreifend und transparent spielt. Er klingt vom Timbre her eher warm mit einer Bassbetonung im unteren/mittleren Bassbereich und punktet mit etwas ausgewogeneren, freieren Stimmdarbietungen – ohne Schärfe und mit schönem Farbbouquet.

„Blaulicht und Zwielicht“ der Deutsch-Chansoniers von Element of Crime zeigte dies mit dem nöligen Sven Regener recht schön. Aber auch Piano-Forte-Anschläge der französischen Pianistin Hélène Grimaud (Bach, Deutsche Grammophon) oder der herrliche Alternative-Rock von Valparaisos „Broken Homeland“ (mit Howe Gelb von Giant Sand; Zamora / Pias) klang herrlich packend und authentisch.

Mit seiner angenehm natürlichen Art lädt der Denon AH-D7200 ein, Stunden mit ihn zu hören. Und weil er so angenehm auf dem Kopf sitzt, nahm ich diese Einladung gern an…

Freilich tönte ein Magnetostat vom Schlage eines HiFiman Edition X über sämtliche Frequenzlagen ebenfalls unerhört ausgewogen. Die Musik floss noch etwas mehr wie aus einem Guss. Gut – dafür schlägt der US-Chinese auch mit deutlich über 1.000 Euro zu Buche.

Wie ja auch der auf Studio-Akkuratesse getrimmte Sennheiser HD 800 S, der nicht ganz die feine Auflösung, dafür aber mehr Genauigkeit und mehr Durchzug in den Mitten bot.

Sennheiser HD 800 S table top
Fraglos etwas besser, aber auch fast doppelt so teuer wie der Denon AH-D7200: der Sennheiser HD 800 S für 1.600 Euro inklusive symmetrischem Kabel (Foto: J. Schröder)

Im Vergleich spielte der auf höchste Präzision abgestimmte Sennheiser HD 800 S etwas schlanker auf, dafür mit mehr Sinn für die räumliche Plastizität. Der Hannoveraner klingt etwas präziser, neutraler, vergleichsweise räumlich und plastisch, hat aber halt nicht dieses Bass-Pfund des neuen Denon.

HiFiman und Sennheiser sind sicherlich unterm Strich die besseren Kopfhörer, auch, weil sie dank „offener“ Bauweise akustisch Vorteile haben. Doch der genussvollere und auch für Reisen besser geeignete (weil geschlossene) Hörer ist fraglos der Denon AH-D7200.

Fazit Denon AH-D7200

Form und Klang verbinden sich beim Denon AH-D7200 auf ästhetisch-musikalische Weise: Das noble Design mit Walnuss-Appeal unterstreicht die beschwingte Performance des japanischen Premium-Kopfhörers, mit der er sich klanglich auf Augenhöhe mit den besten seiner Klasse positioniert.

Eine highendige Nuss-Schnitte eben. Wer eine lebendige, lustvolle, dynamische, gleichzeitig dennoch sehr farbechte und schön aufgelöste Performance schätzt, wird genau mit ihm glücklich werden.

Übrigens auch als Reisebegleiter während Outdoor-Sessions: Dank seines guten Wirkungsgrads (Impedanz 25 Ohm) liefert er selbst an Smartphone & Co eine prima Performance ab.  Am besten ist natürlich, wenn hier noch ein patenter, mobiler Kopfhörerverstärker wie der Apogee Groove mitreisen dürfte…

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Denon AH-D7200
2017/03
Test-Ergebnis: 4,5
Überragend
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.


Dynamisches, leicht warmes Klangbild
Exzellente Verarbeitungsqualität
Hoher Wirkungsgrad, portabel geeignet
Bassbereich bisweilen etwas kräftig

Vertrieb:
Denon Deutschland
Division of D&M Germany GmbH
An der Kleinbahn 18
41334 Nettetal
www.denon.de

Preis (Hersteller-Empfehlung)
Denon AH-D7200: 799 Euro