Test: Exogal Comet und Ion PowerDAC

Ungewöhnlich, aber aus meiner Sicht eine wirklich gute Lösung ist die Positionierung des 6,35 mm Kopfhörerausgangs an der rechten Seite des Comet. Damit hat man beispielsweise im Desktop-Betrieb Stecker und Kopfhörerstrippe nicht im Weg und kann sie bei Bedarf nach hinten und unter dem Tisch entlangführen. Zugleich bleibt der Anschluss aber gut erreichbar, im Gegensatz zu einer Unterbringung an der Rückseite. Der Kopfhörerausgang ist in der Anleitung nicht näher spezifiziert, wurde aber, wie mir auf Nachfrage mitgeteilt wurde, eher für Kopfhörer mit niedrigeren Impedanzen und höherer Empfindlichkeit ausgelegt. Er leistet 275mW an 16Ω, 135mW an 32Ω, 80mW an 55Ω und 15mW an 300Ω.

Exogal Comet und Kante
Der seitlich am Comet untergebrachte 6,35 mm Kopfhöreranschluss ist immer gut zu erreichen. Im Desktop-Betrieb stört kein nach vorne herausragendes Kabel (Foto: F. Borowski)

Die Bedienung erfolgt wahlweise über die mitgelieferte und funktionale, aber nicht sonderlich attraktive Fernbedienung aus Kunststoff, oder über eine kostenlose App für iOS oder Android, die im Prinzip dasselbe wie der Handsender kann. Die Verbindung erfolgt über Bluetooth, wofür an der Rückseite des Comet eine kleine Stummelantenne angeschraubt wird. Fun Fact: Der kleine Handsender sieht aus wie eine Infrarotfernbedienung und hat an der Front auch eine kleine rote LED. Mich wunderte zunächst, wieso diese LED im sichtbaren Spektrum leuchtet und dass die Fernbedienung aus praktisch jedem Winkel zuverlässig Signale überträgt. Erst später fand ich heraus, dass auch der Handsender mittels Bluetooth funkt. Die LED an der Front ist nur ein Gimmick. Oh und bevor Sie fragen: nein, Musikwiedergabe über Bluetooth ist nicht vorgesehen.

Exogal Comet und Ion PowerDAC Fernbedienung
Die mitgelieferte Fernbedienung sieht aus wie Infrarot, ist aber ein Bluetooth-Sender. Die rot aufleuchtende LED ist nur Show (Foto: F. Borowski)

Etwas ungewohnt: Auf Lautstärkebefehle reagiert der Comet immer mit einer kurzen Verzögerung. Nicht dramatisch, aber spürbar. Der Grund dafür ist nicht in einer gewissen Trägheit der Steuerbefehlskette zu finden, sondern in der Art und Weise, wie die Signalverarbeitung daraufhin angepasst werden und erst erneut den Puffer durchlaufen muss.

Wirklich störend empfand ich nur, dass sich das Display bei mir an unterschiedlichen Standorten schlecht bis gar nicht ablesen ließ. Erst recht nicht bei schummriger Beleuchtung, da die Anzeige keine eigene Hintergrundbeleuchtung hat. Zum Umschalten der Ein/Ausgänge musste ich immer nah ans Gerät treten und ggf. mit dem Blickwinkel spielen, um etwas erkennen zu können. Die Probleme sind dem Hersteller aber bekannt und man macht bei Nachfragen keinen Hehl daraus, dass das E-Ink-Display in künftigen Exogal-Geräten wohl nicht mehr verwendet werden wird.

Mit der App auf dem Smartphone/Tablet sind sämtliche Anzeigen besser abzulesen und genau diese Form der Bedienung sieht Exogal als die primäre an. Aber erstens nutzt die App die Displayfläche vor allem auf dem iPad nicht besonders gut aus und zweitens hat man das iDevice vermutlich nicht ständig mit der Exogal-App im Vordergrund eingeschaltet. Ich zumindest nicht. Der „direkte“ Zugang über den Handsender ist meiner Meinung nach komfortabler. Denn wer will schon für jede kleine Lautstärkeänderung zum iDevice greifen, es entsperren, ggf. die App wechseln, darauf warten, dass die Bluetooth-Verbindung re-etabliert ist, um erst dann regeln zu können?

Exogal Comet und Ion PowerDAC
Bildschirmfoto der Exogal-App vom iPad. Die Steuerung spiegelt die Funktionen des Handsenders wieder. Bei Tablets könnte die Bildschirmgröße etwas besser ausgenutzt werden. (Foto: F. Borowski)

Ungewöhnlich ist, dass nach dem Einschalten der Komponenten aus dem Standby die Stummschaltung aktiviert ist und man die Ausgänge mit der Mute-Taste manuell freischalten muss. Auf Nachfrage erklärte mir Exogal CEO Jeff Haagenstad, dass internationale Regularien zum Schutz des Gehörs in einigen Ländern und Staaten (z.B. Kalifornien) dies erforderlich machten. Dieselben Vorschriften führen beispielsweise auch zu dem von Smartphones bekannten Verhalten, dass die Lautstärke bei 80% stoppt und sich erst durch erneuten Druck auf die LS-Taste weiter erhöhen lässt.

Der Klang von Exogal Comet & Ion PowerDAC: »außergalaktisch« trifft es gut!

Ich hab’s schon so oft heruntergebetet, dass ich mir das Motto wohl mal an gut sichtbarer Stelle tätowieren lassen sollte: „Am Ende zählt nur, was hinten rauskommt.“ Natürlich sind wir alle auch mehr oder weniger technikverliebt, wollen gerne wissen, wie und warum etwas so ist, wie es ist, und schätzen gewisse funktionale Spielereien. Das gehört zur Freude am Hobby HiFi letztlich dazu, oder? Trotzdem: Die Musik und deren Genuss darf man dabei nie aus den Ohren verlieren. Sonst fällt die Anschaffung von HiFi-Komponenten am Ende nur unter die Diagnose: G.A.S. (Gear Acquisition Syndrome).

Die Kombination aus Exogal Comet und Ion PowerDAC ist ein wunderbares Beispiel für einen Zurück-zum-Wesentlichen-Ansatz. Ohne großartiges Tunen und Tweaken spielt das Exogal-Duo nach ausreichender Aufwärm- und Einspielzeit einfach nur … MUSIK! Und das mit konsequenter Digitaltechnik. Ich möchte den ohnehin schon recht überstrapazierten und oft unvorsichtig genutzten Ausspruch „es klingt analog“ nur ungern hervorkramen, daher nenne ich das musikalische Erlebnis mit den Exogals mal ganz kreativ und mit voller Überzeugung »anti-digital«.

Exogal Comet und Ion PowerDAC Verbindung
Der Verkabelungsaufwand hält sich in Grenzen, steigt aber natürlich mit der Anzahl angeschlossener Quellen. (Foto: F. Borowski)

Was unmittelbar nach nur wenigen Takten begeistert, ist dieser herrliche Fluss mit perfektem Timing der Musik, den die Digitaltechnik über viele Jahre vermissen ließ und der auch nur von ganz wenigen herausragenden DACs heutiger Zeit erreicht wird. Dazu gesellt sich eine mühelose Dynamik, die man einem so kleinen Verstärker wie dem PowerDAC niemals zutrauen würde. Selbst an so günstigen Lautsprechern, wie den neulich bei LowBeats getesteten Q-Acoustics 3020i macht sich das bemerkbar. Kaum zu glauben, wie viel Musikspaß diese Mini-Kette vermittelt.

Als Quelle diente im Test hauptsächlich mein Mac mit Audirvana, der über den iFi Audio micro iUSB 3.0 am asynchronen USB-Audio-Eingang des Exogal Comet angeschlossen war. Zur Schallwandlung dienten neben den Q-Acoustics die KEF Reference 1 und die ELAC BS312. Also alles Lautsprecher, die einen ordentlichen, aber nicht wirklich hohen Wirkungsgrad haben und von potenten Amps profitieren. Der Ion PowerDAC hatte nicht die geringsten Mühen mit diesen Speakern. Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich in der Regel keine Metallica-Konzertpegel fahre. Ordentlich laut gerne mal, aber nicht übertrieben. Egal ob laut oder flüsterleise, die Exogal-Kombi machte mir mehr Freude als jede andere Kompaktanlage zuvor.

Das weiter oben erwähnte optionale High-Performance-Netzteil erreichte mich übrigens erst kurz vor Fertigstellung des Berichts. Bis dahin hatte ich mit dem recht simplen Serien-Netzteil des Comet gehört. Wie schon zu anderen Gelegenheiten mit Digitalkomponenten konnte ich auch in diesem Fall bei der Nachrüstung des aufwendigeren Netzteils einen deutlichen Zuwachs an Souveränität und auch Dynamik im Klangbild feststellen. Immer wieder erstaunlich, dass selbst ein Gleichstromnetzteil so deutlichen Einfluss auf den Klang haben kann. Die Zusatzkosten für das bessere Netzteil sind ein No-Brainer.

„High Performance“ Netzteil
Das optionale „High Performance“ Netzteil für den Exogal Comet bringt noch mal einen merklichen Klangschub (Foto: F. Borowski)

Aussicht: Comet und Ion sind erst der Anfang

Das Exogal-Angebot wird in Kürze um ein Streaming-Device namens Vortex in verschiedenen Ausstattungsvarianten (X-1 bis X-4) zwischen 1.500 und 3.000 Euro ergänzt. Dieser besitzt in der Top-Ausbaustufe (X-4) mehrere Ethernet-Anschlüsse für Online-Musikstreaming von Tidal oder Netzwerkwiedergabe z.B. von einer NAS, dazu USB-Audio für Wiedergabe vom Computer, USB-Ports für lokale Massenspeicher, mehrere Toslink- und elektrische Digitaleingänge – aber keinen Analogeingang. Außerdem soll das Topmodell einen aufwändigen Kopfhörerverstärker bekommen. Wer keinen Analogeingang benötigt, kann auf den Comet verzichten und den Vortex direkt an den Ion PowerDAC anschließen. Ich hoffe, dass der Vortex schon bald eintrifft, um den Test entsprechend ergänzen zu können.

Außerdem soll es künftig noch leistungsstärkere PowerDACs geben und es ist ein gemeinsames Netzteil im Gehäusedesign der anderen Komponenten im Gespräch.

Exogal Comet und Ion PowerDAC Vortex
Der nächste Schritt: Mit dem Vortex bietet Exogal eine passende Streaminglösung an, von der vier Ausstattungsvarianten angeboten werden. Testbericht ist geplant (Foto: Exogal)

Fazit Exogal Comet + Ion PowerDAC: gelungenes Downsizing ohne Klangkompromisse

Schon der Exogal Comet DAC allein macht in Verbindung mit einer guten Endstufe herkömmlicher Art Musik auf dem Niveau feinster DACs, wie zum Beispiel dem T+A DAC 8 DSD. Doch via Exonet an den Ion PowerDAC angeschlossen, wird das System zu einer ganz besonderen Einheit, die über sich hinauswächst. Mit den meisten Lautsprechern, sofern diese nicht allzu leistungshungrig sind, bietet es ein Klangerlebnis, das für den Preis und die Größe der Geräte seinesgleichen sucht.

Was auch immer das genaue Rezept für die „geheime Soße“ der Exogals ist, spielt keine Rolle mehr, sobald man sich in der Musik verliert und anfängt, seine analogen und digitalen Schätze neu zu entdecken. Da es am Comet keine Funktionen zur Klangmanipulation gibt, wird man auch nicht durch seinen Spieltrieb abgelenkt. Comet und Ion PowerDAC sind ein audiophiles Duo für die Konzentration aufs Wesentliche. Experimentierfreudige Naturen und passionierte Klangtuner sind mit Comet und Ion also vermutlich an der falschen Adresse. Allerdings wird der Funktionsumfang mit dem kommenden Streaming-Device Vortex erweitert werden! Das System an sich ist keineswegs nur für Puristen ausgelegt.

Genau diese Kombination aus durchweg überzeugendem Klang, Verzicht auf Featuritis und wohnraumfreundliche Abmessungen machen die Exogals zu einer echten Ausnahmeerscheinung in der HiFi-Welt. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich im Inneren der Beiden äußerst leistungsstarkes und zukunftssicheres High-Tech verbirgt. Überraschend finde ich vor allem, dass so ein kompaktes, Energie-effizientes Bündel ausgerechnet von US-Amerikanern kommt, die ja eigentlich eher für ihren Gigantismus gerade im Verstärkerbau bekannt sind. Hut ab dafür!

 

Exogal Comet
2018/09
Test-Ergebnis: 4,4
SEHR GUT
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Ansatzlose Klangentfaltung, hochdynamisch
Aufs Wesentliche reduzierter Funktionsumfang
Geringer Verkabelungsaufwand und erweiterungsfähig dank Exonet
Verarbeitung im Detail könnte besser sein (Display, Fernbedienung)

Vertrieb:

CW-Acoustics
Egerländer Str 4
97828 Marketeidenfeld
www.exogal.com

Preis (Hersteller-Empfehlung)
Exogal Ion PowerDAC: 2.700 Euro
mit High Performance Power Supply: 3.200 Euro

 


Wichtiges Update zum Test:
Test Exogal HyperDrive – Upgrade für Ion PowerDAC

Im Beitrag erwähnt:
Test KEF LS 50 Wireless: die geniale Aktivbox
Test ADDAC-Headphone-Preamp RME ADI-2 Pro
Test Kompaktboxen Q-Acoustics 3010i und 3020i
Test KEF Reference 1: Die überragende Kompaktbox

Weitere DAC-Vorstufen:
Exklusiv: Prozessor-Vorstufe DSPeaker Anti-Mode X4
AVM V30 – DAC Vorstufe mit Bluetooth und Phono
Test: DSPeaker Anti-Mode 2.0 Dual Core
Test: Nubert nuControl und nuPower D Vor-/Endverstärker-Kombi
Test Questyle CMA600i: DAC-Pre- und Headphone-Amp

Autor: Frank Borowski

Frank Borowski
LowBeats Experte für Schreibtisch-HiFi und High End kennt sich auch mit den Finessen der hochwertigen Streaming-Übertragung bestens aus. Zudem ist der passionierte Highender immer neugierig im Zubehörbereich unterwegs.