Erster Test: Kompaktbox Monitor Audio Bronze 100

TMT-Arretierung hinten
Die Sechskant-Schraube oberhalb des Anschluss-Terminals hält den Tiefmitteltöner fest. Darunter das Bi-Wiring Terminal mit Blechbrücken (Foto: Monitor Audio)

Warum allerdings bei der Monitor Audio Bronze 100 (wie bei so vielen anderen Boxen der Einsteigerklasse) ein Bi-Wiring-Terminal eingesetzt wird, bleibt ein Rätsel. Ich habe im November letzten Jahres eine (nicht repräsentative) Umfrage unter Kabelanbietern gemacht. Ergebnis: Bi-Wiring-Kabel verkaufen sie recht selten – und in der Einsteiger-Preisklasse schon gar nicht. Also liebe Hersteller: Lasst es doch bitte bleiben. Denn die vergoldeten Blechbrücken zwischen den Anschluss-Paaren klingen echt lausig…

Messlabor & Praxis

Dass die Verwendung der bereits bewährten Treiber aus Generation 5 nicht die schlechteste Idee war, zeigen die LowBeats Messungen: Monitor Audio bietet auch im Einsteigerbereich exzellente Ergebnisse. Bei üblicher Wohnzimmer-Lautstärke (wir nehmen dafür einen Wert von 94 dB in ein Meter Abstand, grüne Messung) offenbart die Bronze 100 so gut wie keine Verzerrungen.

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IM-Spektrum Monitor Audio Bronze at 94dB/1m
IM-Spektrum Monitor Audio Bronze at 94dB/1m (Messung: J. Schröder)
IM-Spektrum Monitor Audio Bronze at 101dB/1m
IM-Spektrum Monitor Audio Bronze at 101dB/1m (Messung: J. Schröder)
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Und selbst beim deutlich höheren Pegel von 101 dB bleiben die Verzerrungen des Tiefmitteltöners (der Hochtöner verzerrt bei diesem Pegel gar nicht!) im moderaten Bereich. Monitor Audio selbst gibt den verzerrungsmäßig noch vertretbaren Maximalpegel der Bronze 100 mit achtbaren 110 dB an. Das LowBeats Messlabor kam auf exakt den gleichen Wert. Respekt. Denn gerade in dieer Preisklasse ist bei diesen technischen Daten der Hersteller das Glas eher halbvoll denn halbleer…

Ein weiterer Beleg für die Kompetenz der Briten im Einsteigerbereich ist das völlig problemlose Verhalten der Monitor Audio Bronze 100 bezüglich Impedanz und Phase.

Impedance and Phase Monitor Audio Bronze 100
Impedanz & Phase der Monitor Audio Bronze 100: Absolut unkritisches Verhalten über den gesamten Frequenzbereich (Messung: J. Schröder)

Die Impedanz ist vergleichsweise linear und verläuft immer oberhalb 4 Ohm. Die kleineren Phasen-Versätze sind ebenfalls nicht auffällig. Zudem ist der Wirkungsgrad der Bronze 100 recht ordentlich. Kurz: Mit diesem technischen Verhalten kommen auch kleinere Verstärker oder AV-Receiver bestens zurecht.

Diesen kenntnisreichen Blick auf die Verstärker der Einsteigerklasse würde ich mir auch von anderen Herstellern öfter wünschen. Denn in den unteren Preisklassen sind hohe Leistung und große Stabilität der Netzteile so gut wie nie zu finden. So aber konnte auch wir bei den Tests in die unteren Etagen des Referenzregals greifen.

Früher hätte man einer solch gut gemachten Einsteigerbox einen NAD 3020 zur Seite gestellt. Heute nimmt man dafür einen Verstärker aus der Cambridge Audio Einsteigerserie AX – nämlich den AX35, der sowohl preislich (350 Euro), aber auch klanglich wie die Faust aufs Auge passt. Der günstige Cambridge klingt nicht nur bezaubernd, er hievt die Bronze 100 auch auf ein erstaunlich hohes Pegelniveau. Eine dicke Kombi-Empfehlung!

CA AX35
Passen sogar optisch gut zusammen: Monitor Audio Bronze 100 mit Cambridge Audio AX35 (Foto: H. Biermann)

Die Bronze 100 ist eine basskräftige Kompaktbox mit nach hinten angeordnetem Bassreflexrohr. Beide Punkte sprechen gegen eine Aufstellung direkt an der Wand. Dass sich aber der geneigte Kunde bei dem niedrigen Preis von 455 Euro pro Paar noch ein Pärchen Ständer für das womöglich gleiche Geld leistet, darf bezweifelt werden. Trotzdem muss ich hier auf eine möglichst freie Aufstellung plädieren: Also: Wenn schon auf dem Sideboard, dann bitte nicht komplett eingebaut und nicht direkt an der Rückwand. Sonst wird es im Bass recht dick…

Der Hörtest

Hört man die Bronze 100 an einem Top-Verstärker wie dem Neukomm CPA 155S, dann ist das erst einmal verblüffend gut. Sie klingt offen, spielfreudig und vor allem die Kontrolle ihres kräftigen Bassbereichs tut der kompakten Monitor Audio gut.

Doch die Britin entfaltet an echten Top-Verstärkern – so komisch das klingt – nicht ihr volles Potenzial. Wie oben schon angedeutet, harmoniert die Monitor Audio dagegen mit kleineren Verstärkern fantastisch. Glücklicherweise haben wir immer etliche Amps unterhalb 1.000 Euro in der Redaktion. Und mit ihnen bekommt man das volle Bouquet: eine sonore Stimmwiedergabe, satte, nicht immer ganz präzise Bässe und eine schöne, leichte Detail-Auflösung.

Beispiel Monty Alexanders „Hurricane Come And Gone“. Montys Flügel erfordert viel Tiefton-Souveränität, um den Hurrikan körperlich aufziehen zu lassen. Die leuchtenden Töne des Triangels erfordern viel Auflösungsvermögen und Feinsinn, um präzise auszuklingen und so plastisch im Raum zu stehen. Anderes Beispiel: Lady Gaga Chromatica: Ein pompöses Album mit treibenden, satten Beats und der beeindruckenden Stimme von Lady Gaga.

Lady_Gaga_Chromatica_Cover
(Cover: Amazon)

Das alles bringt die Bronze 100 auf eine höchst überzeugende Art. Sie spielt dynamisch, kraftvoll und ungemein Tiefton-kräftig.

Im Januar letzten Jahres hatten wir die ebenfalls sehr überzeugende nuBox 383 von Nubert im Test. Das ist ein wahrer Bass-Gigant in dieser Klasse. So satt, so tief spiele die Bronze 100 nicht. Aber sie klingt halt ein kleines bisschen leichtfüßiger, präziser. Im Dezember letzten Jahres konnte die Magnat Signature 503 in unseren Hörräumen überzeugen, weil sie so ungemein kernig und spielfreudig auftrat und ebenfalls so gut mit „kleiner“ Verstärker-Elektronik harmoniert. Sie klingt allerdings recht schlank. Die Monitor Audio liegt in gewisser Weise zwischen diesen beiden. Sie hat, das habe ich mit verschiedenen Besuchern ausprobiert, eine allgemeine Akzeptanz.

Dabei ist dieser Lautsprecher nicht ohne Makel, doch er überspielt diese Schwächen elegant. Da ist vor allem diese dezente Zurückhaltung in den oberen Mitten – genau dort, wo oftmals hohe Frauenstimmen oder Streicher das Ohr schnell ermüden.

Ziemlich sicher ist diese Zurückhaltung gewollt. Denn wenn man mit einem günstigen Verstärker wie dem Cambridge AX35 richtig aufdreht, ist es genau dieser Bereich, der den Hörer schnell wieder leise drehen lässt. Und hier ist sie wieder: Die hohe Kenntnis um die Begebenheiten der Einsteigerklasse. Weil die Monitor Audio Bronze 100 so gezielt darauf eingeht, ist sie fraglos eines der besten und universellsten Angebote, das man in der stark umkämpften Einsteigerklasse bekommen kann.

Fazit Monitor Audio Bronze 100

So etwas nennt man die ideale Einsteigerbox. Die Bronze 100 harmoniert technisch auch mit schwächlichen Einsteiger-Verstärkern oder -Receivern und klingt gerade in Zusammenspiel mit solch günstigen Amps richtig gut. Hinzu kommt eine makellose Verarbeitung: Viel besser kann man es nicht machen.

Wir hatten in diesem Preisbereich unter 500 Euro schon einige herausragend gute Kompaktboxen: die vollmundige Dali Oberon 3, die sehr quirlige Magnat Signature 503, die bassstarke Nubert nuBox 383. Die Bronze 100 ist – zumindest an den Verstärkern dieser Preisklasse – sicher die beste dieser Gruppe.

 

Monitor Audio Bronze 100
2020/06
Test-Ergebnis: 4,7
ÜBERRAGEND
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Kernig kräftiger Klang, satter Tiefbass
Erstaunlich hohe Pegelreserven
Technisch anspruchslos, lineare 4-Ohm-Impedanz
Harmoniert bestens mit Einsteiger-Verstärkern

Vertrieb:
Pannes Vertriebs KG
Berliner Straße 3
23795 Bad Segeberg
www.derbesteklang.de

Paarpreis (Hersteller-Empfehlung)
Monitor Audio Bronze 100: 455 Euro

[/bewertungen]

Mit- und Gegenspieler:

Cambridge Audio AX Familientest: A25, A35, C35
Test Magnat Signature 503: die HiRes Einsteigerbox
Test Kompaktbox Nubert nuBox 383: viel Bass, wenig Geld

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Autor: Holger Biermann

Holger Biermann
Chefredakteur mit Faible für feinste Lautsprecher- und Verstärkertechnik, guten Wein und Reisen: aus seiner Feder stammen auch die meisten Messe- und Händler-Reports.