DAC 1 Reference von vorn
Der DAC 1 Reference von LAB 12 sieht aus, wie er klingt: ein bewusst auf "analog" getrimmetr Top-Wandler für 2.900 Euro (Foto: LAB 12)

Test LAB12 DAC1 Reference: D/A-Wandler mit analogem Wesen

Die Macher von LAB12 haben eine klare audiophile Marschrichtung: Bei ihnen soll alles möglichst natürlich und „analog“ klingen. Dafür haben sie besonders kluge Netzfilter wie den Gordian oder geniale Röhren-Phonostufen wie die Melto2 (immerhin LowBeats Referenz) entwickelt. Und nun einen ambitionierten DAC, der weder Oversampling noch hohe Übertragungsraten kennt. Dafür aber ist der LAB12 DAC1 Reference mit einer Röhrenausgangsstufe bestückt. Das ganze hat etwas Gestriges und gleichwohl sehr Charmantes. Und so klingt der DAC1 Reference auch…

Haben Sie schon einmal den Namen Stratos Vichos gehört? Genau jetzt werden Sie sich wahrscheinlich bei Klischees ertappen. Ja, der Mann ist Grieche, aber er ist weder Restaurantbetreiber noch futuristischer Filmregisseur. Stratos Vichos ist ein neuer Meister im hifidelen Zirkel. Und erstaunlich jung noch dazu. Beim Wort „Genie“ sind wir verhalten, doch alles bei Stratos Vichos würde es rechtfertigen. Eines seiner jüngsten Kinder ist ein Wandler, der digitale Daten in die Welt des Analogen bringt: der LAB12 DAC1 Reference ist gefährlich, hochpotent, aber auch ein bisschen altmodisch. Und deshalb lieben wir ihn.

Der äußere Auftritt ist elegant bis mächtig. Die klassischen 43 Zentimeter gibt es in der Breite. Dazu aber noch den Edel-Geruch von zwei VU-Metern. Wir sehen, wie die Musik streamt und zuckt. Aber wichtig: dies ist ein reiner D/A-Wandler, kein Streamer. Er versteht nur eine Sprache: PCM. So endete meine erstes Rendezvous mit dem LAB12 DAC1 Reference etwas ernüchternd: Ich hatte bei Qobuz das neue Remastering von Paul McCartney gekauft und schickte es sofort per Notebook zum DAC1 – und hörte nichts. Weil der griechische DAC Daten oberhalb 24 Bit/ 192 KHz nicht versteht. Oder nicht verstehen will. Stratos Vichos denkt kompromisslos: Ihm ist das Streben nach immer höherer Auflösung suspekt.

LAB12 DAC1 Reference Anzeige-Instrument
Das charakteristische Anzeige-Instrument gibt Auskunft über die Ausgangsspannung (Foto: H. Biermann)

Nehmen wir uns an dieser Stelle einmal Zeit, etwas zu sinnieren. LAB12 – da dreht doch unsere Assoziationsmaschine ihre Kreise. Wer seine Company so nennt, weckt Assoziationen zu dem Plattenspieler-Klassiker LP 12 von Linn – und will womöglich selbst schnell ein Klassiker werden. Die bisherigen LAB12 Modelle legen den Verdacht nahe. Da wären zum einen der mächtige Netzfilter namens Gordian (der nach seinem Test die Redaktion nicht mehr verließ) und die ebenfalls ziemlich wuchtige Phonostufe Melto2, die sogar den LowBeats Referenz-Titel innehält.

Das Konzept des LAB12 DAC1 Reference

Auch der DAC1 macht bereits äußerlich auf Klassiker. Freunde von old school werden die beiden VU-Meter links und rechts lieben. Nicht wirklich groß, eher im Format eines Manschettenknopfs. Macht aber was her. Wir sehen, wie die Signale durch das Wasserrad gepumpt werden. Dazu die Anzeige des möglichen Streamings.

LAB12 DAC1 Reference Betriebs-Modi
Komplette Übersicht: Vier Eingänge und sechs Sample-Frequenzen. Dazu ist noch eine Info auf die Aluminium-Front gedruckt: Nein, Oversampling (das Hochrechnen von Daten) gibt es hier nicht (Foto: H. Biermann)

Kleine LEDs zeigen an, welcher PCM-Fluss anliegt, bis maximal 24 Bit und 192 Kilohertz hinauf. Eine eher alte Größenordnung, nicht sonderlich wirkmächtig, aber so tickt der griechische Mastermind nun einmal. Das technische Herz wiederum ist ein Achter-Pack von Philips-Wandlern. Viele Profis würden sagen: Philips ist doch old fashioned. Wer in der Jetztzeit mitspielt, wird vielleicht Burr-Brown wählen, sicher sogar Chips von ESS Sabre. Was die Subfrage aufwirft: Woher bekommt man überhaupt noch die alten Philips DACs? Lab12 schweigt sich aus.

Wandlerchips Philips TDA1543
Die Wandlerchips Philips TDA1543 entziehen sich jedem Oversampling. Das ist ungewöhnlich. Man hört also nur den originalen Codec und nicht die womöglich aufgeplusterte Rechenkunst des Chips (Foto: H. Biermann)

Acht Stück also. Acht Philips-TDA1543-Multibit-Chips, vier pro Kanal. Die Kaskadierung ist keine Erfindung von Stratos Vichos. Das ist vielleicht ungewöhnlich, aber es gibt in den einschlägigen Foren hochgehandelte Wandler, die bestens beleumundet sind und mit teils noch sehr viel mehr Wandlerbausteinen arbeiten (bis 10 und mehr pro Kanal). Das Konzept, sagt Vichos, „liefert viel Strom, einen sehr guten Fremdspannungsabstand und die Signalverarbeitung wird sauberer.“

Interessant und möglichst „analog“ ist auch der Filter hinter den Wandlerstufen. Den nämlich setzt Vichos mit den beiden Röhren der Ausgangsstufe um. Man könnte sagen, der Grieche schlägt damit zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen spart er sich damit die üblichen (Alaising-) Digitalfilter, zum anderen verpasst er seinem D/A-Wandler durch die Röhren-Ausgangstufe einen natürlichen Röhrenklang.

Röhren-Ausgangsstufe mit Harmonix 6922 Doppel-Trioden
Hier steckt die Erklärung des sehr analogen Klangs: die beiden Harmonix Doppel-Trioden vom Typ 6922 in der Ausgangsstufe sind Digitalfilter und Klang-Tuning in einem (Foto: H.Biermann)

Weiter. Links ein mächtiger, eigentlich zu großer Ringkerntrafo. Er versorgt nicht weniger als sechs eigenständige Netzteile beziehungsweise Stromkreise: Da soll sich nichts in die Quere kommen.

LAB12 DAC1 Reference innen
Am Trafo hängen sechs Netzteile, um die unterschiedlichen Bereiche so weit wie möglich ungestört von einander betreiben zu können (Foto: H. Biermann)

Am Ende noch der Blick auf die Anschlüsse. Auch hier ist alles unaufgeregt und ehrlich. Wir kommen doppelt optisch und einfach per Cinch hinein. Dann ein USB-Port. Hinaus geht es für Cinch-Kabel und – optional – XLR-Stecker. Damit kann man leben. Was schade ist: Ein Kopfhörer-Ausgang fehlt. Der hätte meine audiophile Daseinsform bereichert…

LAB12 DAC1 Reference Eingänge
Die Eingänge der Reihe nach: 1 x USB2, 2 x SPDIF koaxial RCA, 1 x optisch Toslink (Foto: H. Biermann)

Der DAC1 im Hörtest

Wir sind im Beethoven-Jahr. Also bemühen wir eine Legende. Wilhelm Backhaus spielt die gesammelten Klaviersonaten. Die Aufnahmen sind an der Grenze zwischen Stereo und Mono entstanden – späte Fünfziger-, frühe Sechzigerjahre. Die Neuauflage der Decca ( Wilhelm Backhaus The Complete Decca Recordings) klingt grandios. Unvorstellbar sogar. Wir schauen und hören durch einen Zeittunnel. Doch nichts klingt antiquiert oder gar historisch.

DAC1 Reference im LowBeats Hörraum
Die Abhör-Kette im kleinen LowBeats Hörraum: Vorstufe SPL Director Mk2, Endstufe SPL Performer m1000, Lautsprecher Dynaudio Contour 20i, Digitalzuspieler Cambridge Audio CXC und CXN, als DACs der LAB12 DAC1 Reference und der Merason DAC-1, Netzfilter NuPrime AC-4 und jede Menge Raumakustik… (Foto: H. Biermann)

Backhaus bringt die schönste Pointiertheit an die Lautsprechermembranen. Wie das klingt, würde man auf eine Neuaufnahme tippen. Herrlich diese Präsenz. Ich kenne die ersten Decca-Pressungen auf Vinyl. Sie haben Charme, erreichen aber nicht eine solche Gegenwart wie das aktuelle Mastering. Mein alter Yamaha-CD-Player-Bolide spielt die Scheiben mit Tiefsinn und fast analoger Logik ab. Eigentlich brauche ich nicht mehr. Kann der LAB12 das Bild dieser Aufnahmen verändern? Schwierig. Der erste Eindruck ist kritisch. Mit dem Griechen verliert man ein wenig an dynamischer Präsenz, die Härte und Konkretheit des Anschlags weicht. Dafür schmuggeln sich die beiden Röhren in die Aufmerksamkeit. Das ist nicht weichgespült, aber doch deutlich reicher in der Gesamtfarbe des Flügels. Wer es erlebt, trifft schnell zwei Entscheidungen: Das neue Backhaus-Remastering will ich haben, für den DAC1 lege ich die ersten Euros aufs Sparbuch.

Nehmen wir einen direkten Konkurrenten zur Hand. Im gleichen Vertrieb (CM-Audio) gibt es auch den Merason DAC-1, aktuell die DAC-Referenz bei LowBeats. Gegen den großen Griechen tritt also ein ebenso großer und fast gleichteurer Schweizer an. Der Merason spielt aufgeräumter, strukturierter, bei Impulsen klarer und schneller. Die harten Spitzen von Klavieranschlägen oder peitschenartige Snare-Beats wirkten mit dem LAB12 etwas gekappt, feundlicher, gemütlicher. Aber er hat mehr Charme, spielt süffiger, reicher in den Klangfarben.

DAC1 Reference vs Merason DAC-1
DAC-Meister unter sich: der gemütlich-warm klingende LAB12 DAC1 Reference (oben) und darunter der derzeitige LowBeats Referenzwandler Merason DAC-1 (Foto: H. Biermann)

Helfen wir der Entscheidung auf die Sprünge. Wieder ein Klassiker, aber deutlich jünger. Paul McCartney wird bald 80 Jahre alt. Bitte jetzt alle verbeugen. Ein Genie über zwei Jahrhunderte zieht sein Fazit. Aktuell hat er sein Album Flaming Pie neu abmischen und auflegen lassen. „Calico Skies“ ist der Superhit. Eigentlich eine Ballade, die Stimme sitzt in der Mitte. Links und rechts davon treiben zwei Gitarren den Song an. Der Merason animiert zum fröhlichen Mitsingen, der Fuß wippt. Der DAC1 Reference indes vermittelte die Atmosphäre noch etwas besser und lud zum wunderbaren Laidback-Hörabend im großen Ohrensessel ein. Mein Favorit wäre hier der Merason. Aber ich kenne viele Musikfreunde, die genau den Klang des LAB12 suchen. Weil er halt so prächtig und so „analog“ klingt.

Fazit

Man wird nicht so recht schlau aus diesem 43-Zentimeter-Breitling. Dass Stratos Vichos die ganz hohe Kunst des High End beherrscht, hat er schon vielfach bewiesen. Der Aufwand, den er hier betreibt, ist gewaltig und würde bei anderen Herstellern mit deutlich höheren Preisen bezahlt sein wollen. Dieser D/A-Wandler könnte alles, gibt sich aber bescheiden, zurückhaltend, fast altmodisch. Im klassischen HighEnd-Fuhrpark würde er wahrscheinlich extrem konventionell mit einem CD-Player/Laufwerk verbunden. Kein Muskelspiel.

Ich habe keine Zweifel daran, dass die klangliche Performance genau so gewollt ist. Der LAB12 DAC1 Reference folgt nicht dem gängigen Klangideal von noch und noch mehr Auflösung. Stattdessen ist er als Gegenentwurf zu verstehen: Für alle, denen Klangfarbenreichtum und Natürlichkeit noch wichtiger sind. Kein Be-, sondern ein Entschleuniger.

LAB12 DAC1 Reference
2020/08
Test-Ergebnis: 4,1
SEHR GUT
Bewertung
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Tendenziell satt-süffiger, harmonischer Klang
Sehr rauscharm, gute Verarbeitung
Puristischer Wandler-Ansatz, kein Kopfhörerausgang

Vertrieb:
CM-Audio – Flöter Technology Service
Adlerstraße 46
41066 Mönchengladbach
Tel: 02161 6782 45 1
www.cm-audio.net

Preis (Hersteller-Empfehlung)
LAB12 DAC1 Reference: 2.920 Euro

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Mit- und Gegenspieler:

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Autor: Andreas Günther

Andreas Günther
Der begeisterte Operngänger und Vinyl-Hörer ist so etwas wie die Allzweckwaffe von LowBeats. Er widmet sich allen Gerätearten, recherchiert aber fast noch lieber im Bereich hochwertiger Musikaufnahmen.