Luxman E-250 Front
Der Phonoverstärker E-250 ist die günstige Komponente von Luxman. Und dennoch in gewissen Bereichen eine der faszinierendsten... (Foto: Luxman

Test Phonostufe Luxman E-250: Samt und Seide

Selten bekommt man Vinyl vornehmer und feiner zu hören: Der Luxman E-250 ist das preiswerteste Gerät der Edelmarke – und ein fantastischer Phono-Vorverstärker.

Luxman und Analog, das passt zusammen wie Bier und Brezel, Stopfleber und Sauternes, Fondue und Fendant oder Kaffee und Kuchen. Schließlich hatte die japanische Uraltmarke – gegründet vor fast 100 Jahren – schon High End im Programm, als es das Wort in dieser Bedeutung noch gar nicht gab. Auch schon, als die Welt noch Mono hörte. Und sogar bereits, als es noch gar keine Vinylplatten gab, sondern bestenfalls rein mechanisch abzutastende Wachswalzen und Schellackscheiben. Dass es dann in den 1980er, 1990er Jahren etwas stiller um Luxman wurde, lag nicht an dem Fokus auf maximaler Qualität, der die Firma zuvor groß gemacht hatte – sondern eher am Gegenteil: der Schnapsidee des damaligen Eigentümers Alpine, mit Luxman auch erschwingliches Massen-HiFi zu machen und in irgendwelchen Elektronikmärkten gegen Giganten wie Yamaha anzutreten. Auch wenn dabei sogar noch ein paar ordentliche Geräte herauskamen – es ging natürlich schief. Und einmal wieder spielten die shoppingfreudigen Chang-Brüder und ihr Elektronikkonzern IAG die rettenden Prinzen.

Nach der Übernahme durch IAG drehte Luxman den Dekadenzregler wieder dahin, wo er auf einer Skala von 1 bis 10 hinmuss: auf 11. Das heutige Produkt-Lineup ist umfangreich und teuer: Es gibt zum Beispiel allein sieben Vollformat-Vollverstärker, und keiner davon kostet unter 5000 Euro. Da fällt der E-250 schon allein durch seinen Preis auf – als günstigster Posten in der Luxman-Preisliste, abgesehen von Zubehör wie einer Haube für den Plattenspieler PD-151 (990 Euro) oder einem 1,3-Meter-Satz Cinchkabel (998 €).

Luxman E-250 Front
Verwaistes Format: Mit 36,4 Zentimetern Breite liegt der E-250 irgendwo zwischen Midi und Fullsize. Das gibt es sonst nirgends im Luxman-Programm, aber der Phono-Pre soll auch nicht zwingend in einem Stapel mit anderen Geräten stehen (Foto: B. Rietschel)

Das Besondere am Luxman E-250

Beim Auspacken des E-250 fühlt man sich trotzdem wie ein König: Der Phono-Preamp ist ein unaufdringliches, aber wunderschönes Gerät – nichts, was man verschämt irgendwo unterm Laufwerk parkt, sondern ein HiFi-Kleinod, das man gerne sehen, anfassen und bedienen möchte, und das seinen eigenen Stellflächen-Thron verdient.

Das Gehäuse hat einen konventionellen, gefalteten Blechdeckel, nicht die dickwandige Holz- oder Aluminiumarchitektur der anderen Modelle. Sein Format lässt den E-250 im Markenumfeld zudem etwas einsam wirken: 36 cm Breite, nicht ganz Vollformat, aber auch nicht Midi, hat sonst kein Luxman-Produkt – außer dem direkten Vorgänger des E-250, der E-200, der in den Jahren 2008 bis 2012 erhältlich war. Wie dieser trägt der 250er eine wunderschöne, weißsilbern mattierte Frontplatte. Auch technisch gibt es Gemeinsamkeiten – im direkten Vergleich ist der Neue dennoch klar das attraktivere Gerät. Wenn man bedenkt, dass der E-200 2012 schon 1900 Euro kostete und seitdem zehn Jahre vergangen sind, fühlt sich der Preis für den 250er schon fast wie ein Sonderangebot an.

Intern wie extern hat sich am E-250 einiges weiterentwickelt – und zwar überwiegend zum Guten. Die einzige Änderung, die ich nicht als Fortschritt empfinde, ist die Substitution des alten R-Core Trafos von Kitamura Kiden durch einen konventionellen Umspanner mit EI-Kern. Die R-Cores – früher häufig anzutreffen in gehobenen Sony-Geräten – arbeiten besonders streu- und vibrationsarm, was in einer Phonostufe natürlich ideal ist. Andererseits ließ auch das Testgerät weder mechanisch noch elektronisch irgendeine Form von Brumm vernehmen, die Einsparung an dieser Stelle bleibt also folgenlos.

Luxman E-250 Trafo
Außen hui, innen „huier“: Die Alufront ist keine billige Kulisse, sondern ein massives, präzise gearbeitetes Profil. Auch die daran befestigten Schalter-Baugruppen sind auffallend stabil ausgeführt und montiert (Foto: B. Rietschel)

Sehr gut hörbar ist dagegen eine andere Neuerung: Der E-250 ist nun an seinem MM-Eingang umfassend auf den verwendeten Tonabnehmer anpassbar. Das ist umso erfreulicher als die Abschlussimpedanz beim Alten nicht nur unveränderlich, sondern für viele Systeme auch ungünstig hoch war. Statt fixer 350 Picofarad offeriert der E-250 angeschlossenen MMs nun wahlweise 0, 100, 220 oder 320 pF. Gerade die kleinen Werte bedeuten mit vielen modernen Magnetsystemen den entscheidenden Schritt zwischen engem, angestrengtem und ausgewogenem, breitbandigem Klang. Für System-Sonderfälle, die gar nicht so selten sind, kann man zudem den Abschlusswiderstand von den normierten 47kΩ auf 34, 56 oder 100kΩ verändern, was im Zusammenspiel mit den genannten Kapazitätswerten Idealbedingungen für wirklich jeden High-Output-Tonabnehmer des Universums verheißt.

Luxman E-250 DIP-Schalter
Für die detaillierte MM-Abschlusseinstellung müssen Nutzer oder Nutzerin sich zwar hinters Gerät bequemen, finden dort aber nahezu unbegrenzte Möglichkeiten vor. Dazu gehören von der Norm abweichende Widerstandswerte sowie die seltene Möglichkeit, den Eingang ganz ohne HF-Block-Kondensator (0 pF) laufen zu lassen. Damit lassen sich auch exotische Zwischenwerte unter 100pF realisieren, indem man passende Kondensatoren z.B. im Stecker parallelschaltet (Foto: B. Rietschel)

Die MM-Verstärkung arbeitet zweistufig: Eingangsseitig sorgen zunächst je Kanal vier parallelgeschaltete JFETs für rauscharmen Gain. Die Halbleiter besitzen für Phonoeinsatz ideale Eigenschaften, müssen aber penibel selektiert werden. Was die Farbkleckse auf den Transistorgehäusen erklärt: Im Testgerät sind sie alle blau, auf Bildern habe ich an gleicher Stelle aber auch schon rot und weiß markierte JFETs gesehen – entscheidend ist nicht die Farbe an sich, sondern dass jeweils gleichfarbige Viererteams zusammenspielen. Auf die JFETs folgt ein Stereo-OP-Amp, dessen genaue Identität unter einem aufgeklebten Kupferplättchen verborgen bleibt. Die RIAA-Entzerrung erfolgt halb aktiv (in der Gegenkopplung des OP-Amps) und halb passiv.

MC-Signale erhalten ihren entscheidenden ersten Spannungs-Boost in zwei wunderschönen, gekapselten Übertragern mit Supermalloy-Kernen, die Luxman selbst wickelt und auch in den größeren Modellen einsetzt. Die Übertrager – letztlich kleine, hoch spezialisierte Trafos – arbeiten rein passiv und verstärken komplett ohne eigenen Rausch-Beitrag. Per Kippschalter und Relais hat man die Wahl zwischen zwei unterschiedlichen Übertragereingängen: „MC Low“ macht die Primärwicklung sehr niederohmig und erhöht den Übertragungsfaktor – der ideale Anschluss für leise MC-Systeme wie das Ortofon SPU oder das Linn Klyde. „High“ verstärkt ein paar dB weniger, schließt den Tonabnehmer dafür hochohmiger ab, was MCs mit moderat zweistelliger Spulenimpedanz entgegenkommt. Unser Thorens TAS-1600 zum Beispiel fühlte sich in dieser Position hörbar am wohlsten. Natürlich gibt es auch Grenzfälle, etwa leise Systeme mit relativ hochohmigen Spulen. Ich ziehe einen (guten) Übertragereingang mit nur zwei Optionen dennoch meist einem beliebig fein einstellbaren aktiv verstärkten Input vor – zu diesem Ergebnis bringen mich zumindest meine persönlichen, empirischen Beobachtungen der letzten Jahre.

Luxman E-250 innen
Drei Gain-Stufen, drei Bauweisen: Die liegenden Metallzylinder rechts im Bild sind µ-Metall-gekapselte MC-Übertrager. Von rechts geht das Signal über die gelb-blau-grauen Kabel an deren zwei unterschiedliche Primärwicklungen, links kommt es (rot-schwarz) gestärkt wieder hinaus. In der Bildmitte die beiden JFET-Vierergruppen mit blauen Selektionsmarken, dann schließlich mittig ein anonym bleibender OP-Amp-Käfer mit Kupferdach (Foto: B. Rietschel)

Hat man sich zwischen MC low und MC high entschieden – das lässt sich durch simples Hin- und Herschalten auf der Frontplatte ja leicht selbst eruieren –, gibt es noch eine Reihe von Optionen, die beide Systemarten betreffen: Einen Subsonic-Filter, der gute Dienste gegen flatternde Lautsprechermembranen leistet, an breitbandigen Ketten jedoch nicht komplett unhörbar bleibt. Und einen Monoschalter, für den es mannigfaltige sinnvolle Verwendungen gibt: Klar, alte Monoplatten hören sich damit geräuschärmer und sauberer an (weil sich ein Teil der Störgeräusche selbst auslöscht).

Aber auch bei der Systemjustage und allgemeinen Fehlersuche ist es immer wieder hilfreich, beide Kanäle einfach mal zu summieren. Noch ein weiterer Schalter lockt an der Frontplatte des Luxman-Phonoteils: „Articulator“ ist der vornehme Name einer Funktion, die beide Kanäle schlicht kurzschließt. Verfügbar und sinnvoll ist er nur im MC-Betrieb – und auch da nicht immer: Manche MCs magnetisieren sich mit ihren starken Permanentmagneten im Lauf der Zeit selbst. Da werden also Teile des Generators oder des Spulenträgers geringfügig magnetisch, was der Funktion des Systems natürlich zuwiderläuft und schlimmstenfalls ein leichtes Nachdunkeln des Klangs bewirkt. Lässt man eine halbe Minute Musik mit aktiviertem Articulator laufen, hört man zwar (fast) keinen Ton, aber dafür sollen die kurzgeschlossenen Signal-Wechselströme die MC-Armatur wieder entmagnetisiseren. Das geht am besten mit einem Musikstück, das am Schluss ausgeblendet wird – man kann aber auch darüber streiten, ob es überhaupt viel nutzt.

Bei unseren durchweg recht neuen Testsystemen war kaum etwas zu hören, aber ich habe früher zum Teil deutlichere Effekte beobachtet. Nice to have ist das Feature auf jeden Fall, zumal seine Funktion unmittelbar vor der ersten aktiven Stufe greift und damit auch die Übertrager miteinschließt.

Luxman E-250 innen
Aus der Vogelperspektive wird das sorgfältige Platinenlayout des E-250 deutlich. Geschwungene Leiterbahnen, aufwändig (mit diskreten Reglern) stabilisierte Versorgungsspannungen und akribische Massenführung spielen hier zusammen und ermöglichen einen absolut geräusch- und problemfreien Betrieb (Foto: Luxman

Praxis

Der Umgang mit dem Luxman macht richtig Spaß. Dank zweier getrennter Eingangspaare kann man zwei Spieler (oder ein Doppelarm-Laufwerk) daran betreiben und zwischen den beiden dann mit dem „Input“-Kippschalter hin- und herwechseln. Je nach montierten Systemen ist dann vielleicht noch ein weiterer Schalter umzulegen – von MM nach MC oder umgekehrt, weil diese Einstellung auf beide Eingänge wirkt. Das ist aber erstens immer noch viel angenehmer als bei jedem Spielerwechsel hinterm Gerät umzustöpseln, und zweitens fühlen sich die kleinen Metall-Knebelschalter so gut an, dass man vom Herumknipsen sowieso gar nicht genug bekommt.

Luxman E-250 Rear
Anschlussseitig auf das Nötigste reduziert: 2 Paar RCA rein, 1 x RCA raus (Foto: Luxman)

Die Verarbeitung des E-250 ist von unaufdringlicher Perfektion – und leicht zu unterschätzen. Beim kompakten Gehäuse geht‘s schon los: Ohne den Deckel abzuschrauben, kommt man nicht darauf, dass er wie auch das ganze restliche Chassis nicht aus Alu- sondern aus Stahlblech besteht. Was besser schirmt als Alu und auch mechanisch eine ganz andere Festigkeit bietet: Am E-250 verwindet sich nichts. Nur aufmerksamen Beobachtern fällt zudem der extrem sauber gearbeitete Geräteboden auf. Wer schaut sich sein HiFi schon von unten an? Hier lohnt es sich: Was sonst meist einer Kraterlandschaft mit Falzen, Ritzen, Kanten und hervorstehenden Gewinden gleicht, ist hier spiegelglatt und makellos, mit absolut bündig eingesetzten Einpressbefestigern für alles, was im Inneren Halt braucht. Auch wie dann dort der Netzschalter oder die Hochkant-Platinen für Eingänge (am Heck) und Bedienschalter (an der Front) fixiert sind: sehr präzise, sehr stabil, sehr professionell.

Die Hauptplatine ist längs in zwei längliche Spielfelder aufgeteilt: hinten führt der Signalweg von rechts nach links, flankiert von Relais, die die ganzen Einstell-Optionen vor Ort umsetzen. Die vordere Hälfte dicht bevölkert von einem Luxus-Netzteil mit diskret aufgebauten Spannungsreglern für die Phonoentzerrung. Auch die Bauteilequalität kann sich sehen lassen: Präzisionswiderstände, maßgeschneiderte Elkos mit Luxman-Schriftzug und exotische Folienkondensatoren bevölkern die konventionell bestückte Platine. Schön auch, was unter den Bauteilen durchscheint: ein kunstvolles Leiterbahn-Layout mit breiten, weich geschwungenen Kupferspuren, das auch hier viel Liebe und Sorgfalt verrät.

Luxman E-250 Netzteil
Im Netzteil des E-250 sorgen extraschnelle Schottky-Dioden und großzügig verteilte Siebkapazität für stabile, saubere Spannungen. An vielen besonders sensiblen Stellen finden sich silberne Elko-Sonderanfertigungen mit „Luxman“-Branding. (Foto: B. Rietschel)

Hörtest

Im Hörraum galt es zunächst mal etwas weiter aufzudrehen als mit manch anderem Phono-Preamp. Der Luxman hat keine besonders hohe Verstärkung: 36dB mit MM, 63dB mit MC Low. Da legen ein Canor PH 1.10 oder eine Pro-Ject Phonobox RS 2 bei MC bis zu 10dB Gain drauf. In besonders ungünstigen Konstellationen kann das sinnvoll sein: Das sehr leise Linn Klyde etwa liefert so wenig Ausgangsspannung, dass man jedes dB Verstärkung braucht, um unempfindlichere Amps wirklich voll auszusteuern. Das gilt besonders in Kombination mit hochohmigen Lautsprechern (die für eine gegebene Leistung mehr Spannung angeboten bekommen wollen, dafür aber weniger Strom ziehen) und ungewöhnlich dynamisches (im Mittel also leises) Mastering. Eine konkrete Kombination aus dem Hörraum: Der dank passiver Vorstufe relativ unempfindliche Pass INT-25 an der eher wirkungsgradarmen 8Ω-Box Harbeth Super HL5 Plus XD mit der hochdynamischen Live-Platte „Who By Fire“ von First Aid Kit. Da lief der Pass problemlos am Anschlag, ohne sein Leistungslimit (oder auch das der Boxen) zu erreichen.

Luxman E-250 mit Linn LP12
Der Luxman E-250 bietet zwei Plattenspielern Anschluss und feinste Vorverstärkung, ohne allzu viel kostbaren Stellplatz zu beanspruchen. Rechts im Bild der hauptsächlich im Test benutzte Spieler: ein Linn LP12 mit Kore-Subchassis, Lingo-Netzteil und zwei wechselbaren Ekos-1-Tonarmen. Als Tonabnehmer spielt hier das überragende Thorens-MC TAS 1600 (Foto: B. Rietschel)

Für authentisches Konzertfeeling am Höplatz reichte es aber dennoch. Und dazu trägt der Luxman ganz erheblich bei: Egal, ob das Klyde oder das noch sauberer abtastende Thorens TAS-1600 vornedran arbeitete (welches mit mehr als der doppelten Ausgangsspannung dann auch das Pegelproblem löste), der Klang hatte eine nahezu ideale Balance zwischen packender Direktheit und sahniger Milde. Letzteres ist extrem hilfreich, wenn die schwedischen Schwestern von First Aid Kit mit Gastsängerinnen und maximaler Motivation ihre geliebten Cohen-Werke anstimmen. Weil man sich auf die volle emotionale Wucht der Stücke einlassen kann, ohne durch übertrieben schrille Töne und zischende Sibilanten aus dem Flow gerissen zu werden.

Was nicht heißt, dass ein weich-abgedunkelter Sound hier das Patentrezept ist. Die Stimmen können und müssen an den entsprechenden Stellen (noch mehr beim vorausgehenden, durch Chor und Orchester unterstützten „You Want It Darker“) laut und unmittelbar, ruhig ein bißchen überwältigend klingen. Das Live-Feeling ist eine direkte Konsequenz dieser Dynamik. Der Luxman liefert sie. Und löst dabei wunderbar fein auf, trifft den metallisch-schwebenden Ton des Vibraphons genauso präzise wie das seidige Gleiten von Fingern auf Nylonsaiten. Da bekommen unscheinbare Details fast Eventcharakter und tragen dennoch ganz selbstlos zu einem maximal natürlichen, körperhaft glaubwürdigen Gesamt-Ton bei.

Die britische Pop-Sängerin Sol Seppy hat in 20 Jahren lediglich zwei Alben und ein paar kleinere, oft nur digital erhältliche Musikhappen veröffentlicht. „I.A.A.Y.A Part One“ erschien 2020 als Doppel-LP (Gated Recordings – GTD.LP1) und ist auf minimalistisch-meditative Weise überwältigend schön. Neben Seppys Stimme kommen nur wenige Instrumente zum Einsatz. Auch Stille spielt eine große Rolle – hinter und zwischen den neun Stücken. Zum Glück ist die Pressung exzellent.

Sol-Seppy Cover
Bezaubernde Musik ungewöhnlich gut aufgenommen: Sol Peppy „I.A.A.Y.A Part One“ (Foto: B. Rietschel)

Oder „Who By Fire“, das 72-minütige Live-Tribut des Indiepop-Duos First Aid Kit an deren Songwriteridol Leonard Cohen. Dazu traten auf die Bühne des Stockholmer Kungliga Dramatiska Teatern die FAK-Schwestern Klara und Johanna Söderberg, Vibraphon, Bass, Drums, ein Orchester sowie zahlreiche Gastsänger und-Sprecher. Die ohnehin grandiosen Cohen-Songs und -Gedichte zünden dabei atemberaubend intensiv, Aufnahme und Mastering sind hochdynamisch. Problematisch ist die Pressung: Kaum eines der blauen Vinyl-Doppelalben ist wirklich knisterfrei. Was hier besonders auffällt, weil man wegen der hohen Dynamik recht weit aufdrehen muss – die Platte erscheint also über weite Strecken sehr „leise“. Angesichts der geballten Schönheit auf jeden Fall einen Versuch wert, möglichst aber mit Reklamations-Option.

Doch der Luxman spielt auch diese Aufnahme so dezent, stimmig und zugleich kompetent, dass man ihm ohne direkten Zugriff auf noch bessere Preamps jederzeit ewige Treue schwören würde. Es gibt an seinem Klang einfach nichts, was unmittelbarer Verbesserung bedürfte. Zumal der Vorverstärker im Test nicht nur extrem rauscharm, sondern auch perfekt brummfrei arbeitete. Selbst im Umfeld anderer Vorstufen mit MC-Übertragern – die es also bauartbedingt ähnlich leicht haben, einen guten Rauschabstand zu erzielen – ist der Luxman auffallend geräuscharm. Ein ungefähr gleich teurer Line Magnetic LP33 etwa rauscht schon etwas deutlicher, wenn auch immer noch auf exzellent niedrigem Niveau. Klanglich führt der Vergleich zu einem Unentschieden: Der Röhren-Preamp klingt einen Tick druckvoller und dynamischer im Bass, der Transistor-Luxman obenrum sauberer und nuancierter, ohne aber zu nüchtern zu wirken. Das wäre im Ernstfall also eine schwierige Entscheidung – was zugleich bedeutet, dass der E-250 in seiner Preisklasse sehr gut dasteht.

Es gibt natürlich auch noch teurere Vorverstärker wie den Canor PH 1.10 (dessen Preis jüngst auf 6000 Euro geklettert ist) oder den gerade erst eingetroffenen VTL TP-2.5i für über 7000 Euro. Diese wuchtigen Konstruktionen haben durchaus klangliche Vorteile – zum Beispiel viel mehr Dynamik und eine weitere, freiere Platzierung der Musik im Raum. Besonders krass ist das beim VTL, der vinyltypische Kompromisse – das etwas kompaktere Stereo, die leicht gebremsten Impulse – einfach zu ignorieren scheint. Aber das ist etwas für eine andere, noch zu schreibende Geschichte.

Fazit Luxman E-250

Der Vergleich zeigt, dass für obszön viel Geld auch der Luxman einen Meister findet. Ziemlich sicher sogar im eigenen Luxman-Haus, wo ja auch noch ein – yes! – röhrenbestückter Full-Size-Phonobruder zum doppelten Preis des E-250 lauert. Angebote von der anderen Seite der Preisskala braucht man dagegen gar nicht anzuschließen. Oder andersherum: Mit einem 1000-Euro-Preamp so an den Luxman heranzukommen, dass man ihn dann später im Alltag nicht vermisst, dürfte schwierig werden.

Luxman E-250
2022/04
Test-Ergebnis: 4,6
ÜBERRAGEND
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Superbe Auflösung, hohe Musikalität
Flexible Anpassung an quasi jeden Tonabnehmer
Hohe Praxistauglichkeit
Exzellente Verarbeitung

 

Vertrieb:
IAD GmbH
Johann-Georg-Halske-Strasse 11
41352 Korschenbroich
www.audiolust.de

Preis (Hersteller-Empfehlung):
Luxman E-250: 2.290 Euro

Die technischen Daten

Luxman E-250
Technisches Konzept:Phonoverstärker für MM + MC
Eingangsimpedanz MM:4 kO / 47 kO / 56 kO / 100 kO
Eingangekapazität MC:0 pF / 100 pF / 220 pF / 320 pF)
Ausgänge:1 x Phono RCA
Eingänge:2 x Phono RCA
Besonderheiten:Tonabnehmer-Entmagnetisierer eingebaut
Abmessungen (B x H x T):36,4 x 8,1 x 27,4 cm
Gewicht:
4,3 Kilo
Alle technischen Daten
Mit- und Gegenspieler:

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Test Canor PH 2.10: Top-Phono-Vorverstärker mit Röhren-Boost
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Test Monitor-Lautsprecher Harbeth Super HL5 Plus XD

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Autor: Bernhard Rietschel

Bernhard Rietschel ist gelebte HiFi-Kompetenz. Sein Urteil zu allen Geräten ist geprägt von enormer Kenntnis, doch beim Analogen macht ihm erst recht niemand etwas vor: mehr Analog-Laufwerke, Tonarme und Tonabnehmer hat keiner gehört.