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AVM R 5.3 und R 2.3 Test Aufmacherbild
Erleuchte uns: AVM hat mit dem R 5.3 und dem R 2.3 fantastische Plattenspieler mit indirekter Beleuchtung entworfen. Die Preise liegen bei 5.490 und 3.390 Euro (Foto: H. Biermann)

Test Plattenspieler AVM R 5.3 und AVM R 2.3

Wer in den letzten Jahren auf der HIGH END in München bei AVM vorbeikam, konnte mit etwas Glück die erwartbaren Elektronik-Komponenten aus Malsch an AVM-eigenen Lautsprechern hören. Will da einer zum Vollsortimenter werden? Offenkundig. Denn die für ihre herausragenden Verstärker und All-In-One-Maschinen bekannten Badener stellten schon auf den Norddeutschen HiFi Tagen im Februar 2018 die Prototypen zweier Plattenspieler vor: AVM R 5.3 und R 2.3. Beide sind nun verfügbar. Und beide waren bei LowBeats im Test.

AVM R 5.3 und AVM R 30
AVM Firmenchef Udo Besser auf den Norddeutschen HiFi Tagen vor R 2.3 (vorn) und R 5.3 (Foto: H. Biermann)

Wer kauft heutzutage einen Plattenspieler? Die Marktforschung möchte uns gern belehren und sagt: Es sind junge Neueinsteiger, die eine Vinylscheibe als cool empfinden. Gefolgt von einer zweiten Zielgruppe: ältere Männer, die ihre Schallplattensammlung wieder aus dem Keller ins Wohnzimmer holen. Was in beiden Fällen so überhaupt nicht zur Sprache kommt: Der Betrug, der uns Anfang der 80er Jahre ereilt hat.

Damals hielt Herbert von Karajan seine erste CD der Weltöffentlichkeit entgegen und sprach: „Alles andere ist Gaslicht“. Das glaubten viele, ich auch. Dummerweise. Denn heute wissen wir: Eine gute Pressung, über einen guten Plattenspieler abgetastet, klingt oft besser als CD.

Man braucht nur in der Zeit zurückzugehen und sich vorzustellen, welche Potenz damals, Mitte der 80er Jahre ein PC hatte. Keiner benutzt diese Technik mehr, das ist Elektroschrott. Ebenso veraltet ist die CD – ihre 16 Bit und 44,1 Kilohertz sind ein Relikt. Kein Tonstudio der Welt vertraut diesem Codec mehr eine Neuaufnahme seiner wertvollen Künstler an.

Heißt: Es gibt auch viele Musik-Liebhaber, die erkannt haben, dass sie sich mit schwarzen Scheiben die bessere Klangqualität ins Haus holen. Auf der Gegenseite stehen die Geldhaber – es soll sie geben, Menschen, die sich einen Plattenspieler als reine Design-Ikone ins Wohnzimmer stellen – mitunter noch nicht einmal angeschlossen an den Verstärker.

Fazit bis hierher: den einen, einzigen Plattenspieler-Käufer gibt es nicht. Was es für Hersteller auch schwer macht, die Zielgruppe zu treffen. Schön muss der Plattenspieler sein, edel und natürlich gut klingend. Das gewisse Etwas ist gefragt, kombiniert mit einer Archaik.

Die Technik von AVM R 5.3 und 2.3

In diesem Terrain jagt nun AVM nach Kunden. Zwei Plattenspieler bieten die Elektronik-Spezialisten aus Malsch an: den kleinen R 2.3 und den größeren R 5.3 – passend zu den AVM Komponenten-Linien 2 und 5. Der Chef des Hauses, Udo Besser, hat eine schöne Legende um diese Plattenspieler gestrickt. Die geht so: Sein Sohn wurde 18 – was nach einem besonderen Geschenk verlangte. Besser setzte sich an den Zeichentisch und entwarf einen Plattenspieler, der nicht nur ein überraschendes Geschenk abgab, sondern auch als Blaupause für die hauseigene Plattenspieler-Entwicklung genutzt wurde.

Die LowBeats Redakteure kennen AVM schon über ein Vierteljahrhundert – als Verstärkerspezialisten. Nun also Plattenspieler? Natürlich waren wir ebenso begeistert wie interessiert – und wollten beide haben: den R2.3 und den R 5.3. Udo Besser brachte beide Modelle in der Redaktion vorbei, um bei der Gelegenheit auch gleich Rede und Antwort stehen zu können. Zum Beispiel auf die Frage nach dem Herstellungsweg. Denn es wäre ja dumm, würde ein Elektronik-Profi wie AVM plötzlich die Pferde wechseln und seine Fertigung auf Vinyl justieren. Für einen Betrieb würde das ein unkalkulierbares Risiko bedeuten. Man braucht eine neue Fertigungstrasse, neue Werkzeuge und, und, und…

Also überantworte Besser alle praktischen Dinge dem European Audio Team (EAT) – einer kleinen Röhren- und Analog-Company, die wiederum als Tochterunternehmen mit dem größten Hersteller für Marken-Plattenspieler weltweit, nämlich Pro-Ject, verbandelt ist.

So kann man bei AVM seinen Weg gehen und anspruchsvolle Vorhaben zu noch moderaten Preisen realisieren: der R 2.3 kostet 3.390 Euro, das Topmodell R 5.3 liegt bei 5.490 Euro. Für die meisten Menschen sind das happige Preise. Aber nach dem Auspacken, Anfassen, Einrichten kommt genau dieser Eindruck auf: Der Gegenwert stimmt – hier drehen zwei superbe Plattenspieler ihre Runden, die keineswegs irgendwelche Klone bereits bestehender Konstruktionen, sondern höchst orginäre Laufwerke mit intelligenten Detaillösungen sind.

AVM R 5.3 Chassis-Bauhöhe
Hier sieht man den Bauhöhenunterschied der beiden: links R 2.3 mit 37 mm Chassishöhe, rechts R 5.3 mit 60 mm Chassishöhe. Über die drei Knöpfe auf der Oberseite werden die Geschwindigkeiten eingestellt (Foto: H. Biermann)

Was dem AVM R 5.3 und dem R 2.3 gemein ist: Ihre Chassis wurden umfassend bedämpft. Sie bestehen aus einer hochverdichteten, holzbasierten Faserplatte (HDF) mit einer Bauhöhe von entweder 37 Millimeter (R 2.3) oder 60 Millimeter (AVM R 5.3). Doch vom Holz sieht man hier nichts: Alles steckt unter der schönen Verkleidung aus gebürstetem Aluminium – wahlweise in Hell-Natur oder Schwarz.

Wer möchte, kann die 5.3er Version auch in Chrom ordern. Das harmoniert beispielsweise wunderbar mit Elementen von Burmester. Kostet aber 2.000 Euro mehr. Auch dies ist kein Vergehen, sondern die klare Analyse des Marktes. Die AVM-Strategen agieren geschickt: Die Chrom-Version passt in viele High-Class-Racks, der Aufpreis ist faktisch wie ästhetisch gerechtfertigt.

Prinzipiell sind beide Plattenspieler unter der Kategorie Masselaufwerk zu verorten. Dazu gehört ordentlich Gewicht: 12 Kilogramm beim R 2.3 und 17 Kilogramm beim AVM R 5.3. Da beim Masselaufwerk die Entkopplung vom Untergrund nicht über ein Subchassis erfolgen kann, kommt den Füßen eine wesentliche Funktion zu. Die der AVM Plattenspieler sorgen mit Luftpolstern für eine exzellente Entkopplung und somit für störungsfreie Spielweise.

AVM R 5.3 Füsse
Den Schock-Absorber-Füßen fällt bei beiden R-Modellen eine wichtige Rolle zu. Über eine Luftferung mit vergleichsweise langem Federweg (Foto: H. Biermann)

Ein Blick in die Tiefe des Antriebs: Im Rücken liegt der Anschluss für ein externes Netzteil, das 15 Volt bereitstellt. Mag sein, dass moderne Netzteile in ihren kleinen Kunststoffgehäusen enormes leisten, aber gerade am AVM R 5.3 wirkt mir das Seriennetzteil echt zu popelig. Vielleicht lässt sich ja hier noch ein Nachrüstsatz mit einem verstärkten Modell anbieten… Die Umdrehungszahl wird beim AVM R 5.3 wie auch beim R 2.3 on top auf der Zarge per Tippschalter vorgegeben – die Fraktion der Schellack-Fans ist ausgeschlossen: 78 Umdrehungen bietet AVM bewusst nicht an.

Der Motor liegt maximal entfernt vom Tonabnehmer, um Brummeinflüsse so weit wie möglich auszuschließen. Als feine Zugabe spannt AVM eine Acryl-Haube über beide Plattenspieler (wer die Spielregeln kennt: im Betrieb klingen Plattenspieler ohne Haube so gut wie immer besser…).

AVM R 5.3 Deckel
Vor allem, wenn der Plattenspieler im Schallfeld der Lautsprecher steht, gilt: beim Musikhören muss der Deckel runter, sonst mutiert er zum Schwingungsaufnehmer. Nicht so gut… (Foto: S. Schickedanz)

Die Unterschiede zwischen AVM R 5.3 und R 2.5

Beim R 2.3 folgt alles den klassischen Spielregeln: Das Antriebs-Pully wird durch den Motor angetrieben. Von dort geht die Kraft über einen Riemen auf den Subteller, auf dem der eigentliche Plattenteller liegt. Beim R 5.3 ist das Verfahren ähnlich, jedoch wird der Riemen als „Elipso Centric Belt Drive“ um den Subteller gelegt und auf der Gegenseite des Motors von einem passiven Pulley umgelenkt. Die Kraft wird also symmetrisch an den Seiten des Subtellers übertragen; es gibt also keine einseitige Zugkraft wie beim R 2.3 (und so gut wie allen anderen Plattenspielern mit Riemenantrieb), die dann ja auch die Plattenspielerachse in ihrem Lager einseitig belastet.

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AVM R 2.3 Antrieb
Der klassische Antrieb des R 2.3: Pully treibt über den Riemen den Subteller an (Foto: H. Biermann)
AVM R 5.3 symmetrischer Antrieb
Noch besser: Der Riemen wird über eine Umlenkrolle auf der anderen Seite des Subtellers geführt. MIt dem „Elipso Centric Belt Drive“ gelingt eine symmetrische Kraftübertragung auf den Subteller beziehungsweise die Achse (Foto: H. Biermann)
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Unterschiede gibt es auch beim Tonarm. Der R 2.3 kommt mit einem stringenten, geraden Neun-Zöller mit kardanischem Lager daher. Der Arm ist neu und AVM proklamiert, viel Hirnschmalz dazu beigetragen zu haben.

AVM R 2.3 kardanisches Lager
Die geradlinige Variante: Im „kleinen“ R 2.3 vertraut AVM einem Neun-Zoll-Tonarm. Das Antiscating wird über eine einfache, doch gute Seil/Gewicht-Konstruktion geregelt (Foto: H. Biermann)

Der größere AVM R 5.3. wurde standesgemäß mit einem Zehn-Zöller ausgestattet. Zudem wird in der Premiumversion das Antiscating über eine elegante Umlenkrolle geregelt. Ohne Frage ist dies der bessere Tonarm – auf den EAT/Pro-Ject trotz eigener Fertigung nicht zugreifen darf; das Know-how ist AVM vorbehalten.

AVM R 5.3 Tonarmhalterung
Nett: kleine Magneten in der Tonarmhalterung sorgen für einen festen Sitz in der Ruheposition (Foto: H. Biermann)

Ebenfalls Feinkost beim Zehn-Zöller: am Ende der Gewichtsjustage liegt ein Schneckengewinde, über das das Gegengewicht per Schraubbewegung angepasst wird. Bei besonders schweren Tonabnehmern wird ein Zusatzgewicht (Teil des Zubehörs) mit eingeschoben.

AVM R 5.3 Antiskating
Die Edel-Variante: Im R 5.3 spielt ein Zehn-Toll-Tonarm auf. Das Antiscating-Gewicht wird clever über eine Umlenkrolle gelegt (Foto: H. Biermann)

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