Revox Studioart S100 Audiobar Test Aufmacherbildcreen aufgehängt
Der Revox Audioart S100 Audiobar lässt sich unter dem Flatscreen aufhängen oder auf einer Unterlage aufstellen. (Foto: Revox)

Test Revox Studioart S100+A100: Wireless Soundbar mit Effekt-Boxen

Wenn man schon nicht der Erste ist, muss man einer der Besten sein: Unter diesem Motto brachte die Traditionsmarke Revox Anfang des Jahres ihren ersten Soundbar, den Revox Studioart S100 Audiobar, auf den Markt. LowBeats testete den – natürlich – kabellos zu betreibenden Edel-Klangbalken in Kombination mit den kleinen Wireless-Speakern Studioart A100.

Die Marke Revox existiert schon seit über 70 Jahren. Zu Anfang stand sie für Studiotechnik und war berühmt für ihre Bandmaschinen und später auch Kassettendecks. Als diese Technologien zusehends von Computern abgelöst wurden, konzentrierte sich der Schweizer Hersteller im Heimbereich auf das Thema Multiroom. Doch damit konnte Revox nicht ganz an die früheren Erfolge anknüpfen, vor allem nicht, was die öffentliche Wahrnehmung betraf. So wurde es die letzten Jahre ein wenig still um die Nobelmarke. Was Revox mit dem neuen Studioart S100 Audiobar an den Start bringt, hat das Zeug, den Dornröschenschlaf mit einem Paukenschlag zu beenden. Der aktive 3.1-Lautsprecher verbindet die klassischen Markenwerte wie zeitloses, hochwertig wirkendes Design, Klanganspruch und Multiroom-Tauglichkeit mit einem ausgeklügelten Bedien-Konzept.

So macht der einen Meter breite Soundbar schon beim Auspacken einen überzeugenden Eindruck: optisch, haptisch, aber auch konzeptionell. So wurde dem Revox Studioart S100 auch die Rolle des Teamplayers mit in die Wiege gelegt: Er ist sich zwar durchaus selbst genug, kann aber auch durch weitere Wireless-Lautsprecher aus der Studioart Serie erweitert werden: Mit dem optionalen Bass-Modul Studioart B100 und den diskreten Surround-Boxen Studioart A100 bildet der Soundbar das Herzstück eines leistungsfähigen 5.1-Surround-Systems. So kann der A100 als Teilzeitjob als Rear-Speaker im Surround-System arbeiten – eine äußert praktische Auslegung. Dank seines integrierten Lithium-Ionen-Akkus kann er für bis zu 8 Stunden völlig drahtlos musizieren. Und er eignet sich sogar zum Mono-Betrieb auf der Terrasse, wo man ihn dank Bluetooth und AirPlay als Mobil-Lautsprecher einsetzen kann. Selbst ein Analog-Eingang ist vorhanden.

Fernbedienung des Revox Studioart Surround-Systems
Die Fernbedienung des Revox Studioart Surround-Systems bietet eine Alternative zur Bedienung via App und nutzt praktische On-Screen-Menüs (Foto: Revox)

Das durchdachte Revox-Konzept birgt diverse Vorteile. Zum einen kann der Nutzer das System passend nach seinen Ansprüchen und seinen räumlichen Verhältnissen ausbauen. Andererseits sind weniger Betuchte nicht gezwungen, sich das ganze Set auf einmal zu kaufen, sondern können Stück für Stück nachrüsten. Obendrein stehen die Rear-Speaker nach einem Kino-Abend nicht nutzlos herum, sondern können als Bluetooth-Boxen Zusatznutzen generieren.

Der Revox Studioart S100 findet immer Anschluss

Auch im Hinblick auf Konnektivität gibt sich der Revox Studioart S100 Audiobar zukunftssicher. Dafür sorgen allem voran drei HDMI-Eingänge und ein HDMI-Ausgang mit Audio-Rückkanal (ARC). Die vier Anschlüsse (HDMI 2.0) unterstützen 4K-Passthrough. Und das ist längst nicht alles. Neben je einem koaxialen und einem optischen Digital-Eingang gibt es auch einen analogen Audio-Eingang mit Cinch-Buchsen. Doch der Studioart S100 ist nicht nur schwer auf Draht, er lässt sich auch drahtlos mit Bluetooth oder AirPlay ansteuern. Zum Verbindungsaufbau mit dem heimischen Netzwerk und dem Internet stehen WLAN oder Ethernet zur Auswahl.

So lassen sich Multiroom-Audio-Systeme aufbauen, die sich für Hi-Res-Streaming mit 24 Bit/192 kHz eignen. Für den Kontakt zwischen Soundbar, Subwoofer und Satelliten eines möglichen 5.1-Systems sorgt die mit extrem kurzen Latenzzeiten reagierende Funkverbindung KleerNet. Damit lassen sich störende Laufzeitunterschiede zwischen den einzelnen Kanälen vermeiden.

Touchfeld des Revox Studioart S100 Audiobars
Das Touchfeld des Revox Studioart S100 Audiobars ist schön umgesetzt, könnte aber einen Näherungssensor gebrauchen, um die Tastenbeleuchtung rechtzeitig zu aktivieren (Foto: Revox)

Bei LowBeats trat der Revox Studioart S100 gemeinsam mit den diskreten Surround-Lautsprechern Revox Studioart A100 an, zu denen er über KleerNet Kontakt hielt. Deshalb brauchte jeder der 10 x 22,2 x 10 cm großen Wireless-Speaker nur eine Verbindung mit dem Stromnetz – und das auch nur, um den Akku zu laden. Während die aktiven 2-Wege-Boxen für die Surround-Effekte zuständig sind, die mit solchen diskreten Lösungen immer überzeugender, sprich, räumlicher als mit virtuellem Surround-Sound ausfallen, tummeln sich alle drei Front-Kanäle im Soundbar, dessen Gewicht bei über 16 Kilo liegt. Wie man es von Bose kennt, liegt die Hauptlast im linken, im rechten und im Center-Kanal auf Breitband-Lautsprechern. Die drei 7-cm-Konus-Treiber werden im Bass von vier 8,4-cm-Tieftönern unterstützt.

Dieses Großaufgebot von Chassis hätte abgesehen vom Konzept, für das sich Revox entschieden hat, ohnehin keinen Platz mehr für Hochtöner in der 11,8 cm hohen und 1 m breiten Schallwand gelassen. Die beiden trichterförmigen Bassreflexöffnungen brachten die Entwickler auf den Gehäuseseiten unter. Immerhin fand sich trotz des Gedränges unter dem Frontgitter ein Platz für ein DOT-Matrix-Display. Allerdings ist diese für das Benutzer-Feedback nützliche Anzeige so kurz geraten, dass praktisch jedes Wort wie bei den obligatorischen Verspätung-Anzeigen der Deutschen Bahn als Spruchband durchlaufen muss. Über dieses kleine Manko kann man allerdings wohlwollend hinwegsehen. Schließlich verfügt der Revox Studioart S100 über äußerst hilfreiche Screen-Menüs, die er via HDMI auf den angeschlossenen Monitor ausgibt. Und dann wäre ja da noch die Studioart App für iOS und Android. Mit ihr lassen sich nicht nur Songs von einer DLNA-kompatiblen NAS abspielen. Der Soundbar unterstützt auch zahlreiche Online-Streaming-Dienste wie Spotify, Deezer, Tidal oder iRadio.

Flexible Bedienung

Neben Fernbedienung mit OSD und App-Steuerung ermöglicht der Revox Studioart S100 Audiobar auch die Touchbedienung direkt auf der gläsernen Oberfläche des S100. Dort finden sich Lautstärkeregelung, Wiedergabesteuerung sowie Tasten zum direkten Abruf der liebsten Radiostationen des Benutzers. Mangels Näherungssensor findet sich das Tastenfeld allerdings selten auf Anhieb, weil die Beleuchtung erst nach dem ersten Treffer angeht. Die Logo-Beleuchtung lässt sich dagegen im Set-up-Menü aktivieren.

Es gibt eine Reihe von Einstell-Optionen. Man kann die Loudness deaktivieren oder zwischen Stereo- und Dreikanal-Betrieb mit Center wechseln. Darüber hinaus gibt es eine zuschaltbare Basisbreitenerweiterung „X-Wide“. Dazu kommt eine maßgeschneiderte Entzerrung für freie oder wandnahe Aufstellung beziehungsweise Wandaufhängung, die der Nutzer nur auswählen muss.

Explosionszeichnung Revox Audiobar
Die Explosionszeichnung des Revox Studioart S100 Audiobars lässt die 3-kanalige Auslegung erkennen. Die Beibänder des linken und rechten Kanals sitzen weit außen für eine breite Abbildung. Das Full-Range-Chassis des Centers wird von zwei Tief-Tönern flankiert. Die Bassreflexöffnungen münden seitlich ins Freie. (Foto: Revox)

Von der gewählten Einstellung unabhängig klang der Studioart S100 Audiobar sehr körperhaft und satt. Das Timbre erinnerte etwas an Bose-Produkte, wirkte allerdings ein Stück weit bombastischer. Die dynamischen Fähigkeiten des S100 liegen über dem, was man bei Soundbars üblicherweise geboten bekommt. Auch der Bass besaß mehr Substanz und Nachdruck als die meisten Einteiler ohne externes Bassmodul. Allerdings war es mit aktivierter Loudness bisweilen etwas zu viel des Guten. Dann überdeckte bei manchen Actionfilmen das Geboller der tieffrequenten Spezialeffekte bisweilen die ansonsten sehr überzeugende, ausgewogene Dialogwiedergabe. Doch wie auch beim X-Wide-Effekt hat hier der Nutzer die Zügel in der Hand. Je nach Aufnahme konnte die Basisbreiten-Erweiterung durchaus gefallen.

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Revox Studioart A100 Wireless Speaker
Mit zwei drahtlosen Revox Studioart A100 lässt sich der Soundbar zum echten 5.1-Surround-System ausbauen. Dank integriertem Akku kann hier für einen Filmabend wirklich ganz auf Drähte verzichtet werden (Foto: Revox)
Touchfeld des Revox Studioart A100 Wireless Speakers
Der Revox Studioart A100 Wireless Speaker besitzt wie der Soundbar S100 ein Touchfeld auf der Oberseite (Foto: Revox)
Explosionszeichnung Revox A100 Wireless Speaker
Die Explosionszeichnung des Revox Studioart A100 Wireless Speakers zeigt, dass es sich um eine Konstruktion mit Breitband-Treiber handelt (Foto: Revox)
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Den größten räumlichen Nutzen brachten jedoch – wenig überraschend – die beiden Surround-Lautsprecher Revox Studioart A100 schräg hinter dem Hörplatz. Auch wenn der Soundbar mit seinen akustischen Tricksereien etwas weiträumiger wirkte, ließ die Wiedergabe ohne die Rears doch reichlich an Tiefe vermissen. Wer mitten im Geschehen baden will, kommt also früher oder später an den Boxen für echte 5.0-Wiedergabe nicht vorbei; gerade bei einer der vielen neuen Mehrkanal-Einspielungen – etwa dem Remaster von Herbert Grönemeyers Mensch – ist das Erleben mit einer gut gemachten (diskreten) 5-Kanal-Anlage erheblich packender. Die Tieftonwiedergabe dagegen wirkte so tief und vor allem wuchtig, dass man einen Subwoofer in normalen Wohnzimmern kaum vermissen dürfte. Schon gar nicht, wenn man in einem Mehrfamilienhaus lebt.

Herbert Grönemeyer MENSCH (Studio- & Heimkinoedition) Blu-ray in Remastered in Atmos + SACD (Bild: R. Vogt)
Herbert Grönemeyer Mensch (Studio- & Heimkinoedition) Blu-ray in Remastered in Atmos + SACD (Bild: R. Vogt)

Dabei erwies sich das Timing bis in die untersten Tonlagen durchaus als für knackige, ansprechende Musikwiedergabe geeignet.

Wer mit dem Revox Studioart S100 in erster Linie nach einem kompakten Ersatz für die Stereo-Anlage sucht, ist mit dem Soundbar alleine schon bestens bedient. Auch via Bluetooth oder AirPlay ließen sich damit schwungvoll und mit ordentlicher Neutralität und Differenziertheit Songs genießen. So lange nicht Partys mit Hip Hop auf dem Programm stehen, dürfte der Revox-Bar jeden Spaß mitmachen.

Fazit Revox Studioart S100 Audiobar

Mit dem Studioart S100 meldet sich Revox eindrucksvoll zurück. Alles wirkt (bis auf Kleinigkeiten wie den fehlenden Näherungssensor für die Beleuchtung der Touch-Felder) sehr durchdacht und benutzerfreundlich. Bedienung am Gerät, via Fernbedienung mit OSD-Unterstützung oder mit der Studioart App ist ein Entgegenkommen an den Besitzer, das sich heute einige Hersteller sparen. Das gilt auch für die großzügige Anschlussvielfalt.

Revox Studioart S100 Audiobar
2020/09
Test-Ergebnis: 4,7
überragend
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Satte Basswiedergabe, angenehme Stimmen, verständliche Dialoge, zünftige Dynamik
Weiträumige, vom Soundbar gelöste Abbildung, mit den optionalen Rears auch rund um den Hörplatz
Vier HDMI-Anschlüsse, Bluetooth und AirPlay
OSD-Anzeige via HDMI zur Unterstützung der Fernbedienung

Vertrieb:
Revox Deutschland GmbH
Villingen-Schwenningen
Am Krebsgraben 15
www.revox.com

Preis (Hersteller-Empfehlung)
Revox Studioart S100 Audiobar: 1.500 Euro
Revox Studioart A100: 960 Euro (Paar)

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Autor: Stefan Schickedanz

Stefan Schickedanz
Schneller testet keiner. Deutschlands einziger HiFi-Redakteur mit Rennfahrer-Genen betreut bei LowBeats den Bereich HiFi im Auto sowie die Themengebiete Mobile- und Smart-Audio.