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Test Siri-Speaker Apple HomePod: später, aber besser?

Dass Siri lauscht, setzt Apple sehr schön mit einem Vintage-Sci-Fi-mäßigen pulsierenden Farbfeld auf der glatten Oberseite des Lautsprechers in Szene. Das ist schon eine andere Klasse, als flimmernde LED-Ringe. Allerdings geht die Design-Verliebtheit der Kult-Marke so weit, dass nur die beiden Zeichen der Lautstärkeregelung auf der spiegelglatten Oberseite zu sehen sind.

Weil ich nicht glauben konnte, dass es nicht mehr haptische Steuerungselemente gibt, fand ich experimentell  heraus, dass sich durch Tippen die Wiedergabe anhalten oder starten lässt. Daraufhin wende ich die winzige Bedienungsanleitung und finde noch die restlichen Touch-Gesten zum Titelsprung oder Aktivieren von Siri.

Das ist schick, aber nicht unbedingt intuitiv, wenn mal Besuch im Haus ist.Gar keine Probleme bereiten selbst den größten Laien die Anschlüsse der Apple HomePod. Das hat den einfachen Grund: Es gibt keine. Es gibt auch nicht mal eine Bluetooth-Schnittstelle. Das Teil verbindet sich bei der Installation ohne Passwort-Orgie mit der winzigen Smartphone-Tastatur mit dem WLAN, das war’s.

Vor allem für Apple-Afficionados gemacht

Bin zwar altmodisch in manchen Dingen, aber so, wie das in erster Line für iPhone-Eigner schlüssige Konzept gestrickt ist, geht das absolut in Ordnung. Als Apple damals am legendären transparenten iMac das bis dato obligatorische Diskettenlaufwerk wegließ, gab es auch bei vielen einen Aufschrei. Doch die Geschichte lehrt, dass Apple wie so oft als Avantgarde eine Entwicklung vorwegnahm.

Was den Trend zu omnidirektionalen Wireless-Lautsprechern betrifft, ist Apple reichlich spät dran. Bose brachte bereits letztes Jahr den SoundLink Revolve und die Amazon Echo. Doch auf lange Sicht zählt am meisten, was hinten raus kommt.

Und hier hat Apple einmal mehr ganze Arbeit geleistet. Klangqualität wird bei den Amerikanern nicht erst seit gestern groß geschrieben – zumindest in Bezug auf das jeweilige Konkurrenz-Umfeld.

Während die Bose und Amazon diffus klingen wie ein Lautsprecher in einer Waschküche, klingt der Apple HomePod zwar aus allen Richtungen gleich gut – was auch das Ziel der anderen omnidirektionalen Konzepte war. Aber er klingt eben aus jeder Richtung wie eine sehr gute HiFi-Box in dieser Preisklasse.

Möglich wird das, weil Apple nicht der Versuchung erliegt, die Hochtöner indirekt abstrahlen zu lassen, sondern nur den Tief-Mitteltöner. Die sieben kreisförmig im runden Gehäuse angeordneten Hochtöner liefern klare, unverwaschene Höhen für jede Hörpoisiton. Der langhubig ausgelegte Tief-Mitteltöner strahlt nach oben ab.

Das alles zu einem homogenen Klangfeld zusammenzufügen ist keine triviale Aufgabe. Aber mit dem implantierten A8-Prozessor-Chip aus dem iPhone haben die Amerikaner einen mächtigen Verbündeten für DSP-Aufgaben, um den Sound zu optimieren.

Adavantage, Apple: Der HomePod brilliert im Hörtest

Das Ergebnis aller Bemühungen ist schlicht famos. Der Apple HomePod klingt nicht nur in sich sehr stimmig. Er macht auch richtig an. Ob Hip Hop, Rock oder selbst Jazz spielt keine Rolle. Ob laut oder leise auch nicht.

Der Mittel-Hochtonbereich ist einfach auf dem Punkt. Stimmen, ganz gleich, welche Interpreten ich spiele, klangen sehr angenehm und ausgewogen. Das ist richtiges anspruchsvolles HiFi.

Der Bass ist ebenfalls sehr sauber und differenziert, ganz besonders, wenn man die geringen Abmessungen des Apple HomePod bedenkt. Aber er kann bei Songs von Drake oder anderen angesagten Chart-Stürmern selbst bei geringen Lautstärken schon mal ganz schön Dampf ablassen – mehr als meine ausgewachsenen Acoustic-Energy-Standboxen an einer kraftstrotzenden Vierkanal-Endstufe von Phonosophie in diesem Pegelbereich. Offensichtlich setzt Apple hier auf eine adaptive Loudness.

Aber andererseits liegt die Wahrheit in der Mitte. Elektronische Beats müssen nun mal fett rüber kommen. Ob Dir das abends im Hinblick auf die Nachbarn recht ist, steht auf einem anderen Blatt.

Der Equalizer der Musik App zeigte übrigens keine Wirkung, wenn ich den HomePod direkt vom iPhone ansteuerte und nicht einfach per Sprachbefehl Musik, die er wohl – sofern ich sie gekauft habe – einfach direkt aus dem Apple-Store streamt.

Apple HomePod – AirPlay2
AirPlay2 ermöglicht seit iOS 11.4 Multi-Room-Audio aus der Musik App von iPhone und iPad heraus. (Foto: S. Schickedanz)

Allerdings berichtete mir ein geschätzter Kollege, der den Apple HomePod im Büro eines anderen geschätzten Kollegen gehört hat, dass der Bass dort wohl grenzwertig fett war. Klar, Beton-Kammern. In meinem offen geschnittenen Home Office mit Dachschrägen und Bass-absorbierenden Rigipswänden kommt es zwar prall, aber gut.

Selbst explosive Bass-Impulse von echtem Schlagzeug wie bei der Live-Einspielung des Cindy-Lauper-Hits „Time After Time“ vom unvergessenen Miles Davis tönen knackig und trocken. Das und auch gerade der imposante Tiefgang des Apple HomePod wäre bei der geringen Gehäusegröße bei einem passiven Lautsprecher gar nicht zu schaffen.

Was mir besonders auffällt: Egal, wo ich auch die beiden Apple HomePods platziere, stellt sich immer ein gleiches Klangbild ein. Ob eine Wand oder gar eine Ecke in der Nähe war oder eine große Grenzfläche von einem Tisch darunter, spielt praktisch keine Rolle.

Den spärlichen Infos ist zu entnehmen, dass sich der Apple HomePod wohl über seine Mikrofone während des Betriebs unter Berücksichtigung der Grenzflächenreflexionen selbst auf die Umgebung einmisst, was meinen Höreindruck erklärt. Er weiß also von ganz allein, ob er mit dem Rücken zur Wand, auf einer großen Tischplatte oder ganz frei auf einem Stativ aufgestellt ist.

Sonos ist mit TruePlay schon sehr smart – die Amis nutzen das Mikrofon des iPhones zum Einmessen ihrer Speaker – doch ganz ohne großes Aufheben und grelle Messignale wie beim HomePod ist das natürlich mega-smart. Advantage, Apple!

Auch die Stereo-Wiedergabe überzeugt. Natürlich kann der Apple HomePod konzeptbedingt nicht ganz die messerscharfen Konturen um Schallquellen nachzeichnen wie sehr gute Direktstrahler. Aber er klingt um Welten besser fokussiert als übliche Rundumstrahler.

Für alle, die nicht im Stereo-Dreieck steif versauern möchten, ist das eine perfekte Lösung. Zwar stehen Solostimmen nicht unbedingt wie angenagelt in der Mitte der imaginären Hörbühne, dafür ändert sich tonal praktisch nichts, wenn du im Raum herumläufst. Bei manchen ultradirekten High-End-Boxen bricht das Klangbild schon zusammen, wenn Du nur vom Sofa aufstehst…

Fazit: Apple HomePod

Für alle, die wie ich einen großen Hörbereich beschallen möchten und gerne mal außerhalb der Stereo-Basis der Musik lauschen, gelang Apple mit dem HomePod wirklich ein großer Wurf.

Er folgt tonal der gleichen Tendenz wie die Sonos-Klangabstimmung, klingt aber viel differenzierter und luftiger als die etwas günstigere Sonos One und hat farbstärkere Mitten bei ähnlichem Bassfundament wie die größere und teurere Sonos Play:5.

Das ausgezeichnete Rundstrahlverhalten gibt es als Sahnehäubchen oben drauf. Dazu kommt das beste Einrichtungskonzept im Wettbewerb und eine tolles Assistenzsystem mit Siri, der Großmutter aller Sprachsteuerungen.

Was die extreme Fokussierung auf diesen VIP unter den Sprachdiensten betrifft, ist ja auch noch nicht das letzte Wort gesprochen. Die Hardware ist exzellent, die Software kann man jederzeit ändern.

Was mich betrifft, würde ich mir wie bei Sonos noch eine App für alles wünschen, die dann auch Klangeinstellungen bietet und mehr visuelle Interaktion aufweist.

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Apple HomePod
2018/06
Test-Ergebnis: 4,7
Überragend
Klang
Praxis
Verabeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Tiefreichende, konturierte Basswiedergabe,zünftige Dynamikreserven, sehr stimmige Mittel-Hochtonwiedergabe
Konsistentes Klangerlebnis unabhängig von Aufstellung und Sitzposition
Nicht zu toppende Installation
Siri kriegt selbst bei sehr lauter Musik aus der Distanz so ziemlich jeden Befehl mit

Vertrieb:
Apple Retail Germany B.V. & Co. KG

Preis (Hersteller-Empfehlung)
Apple HomePod: 350 Euro