Test Siri-Speaker Apple HomePod: später, aber besser?

Und der HomePod versteht mich weitgehend auch. Nur einmal vorhin beim lauten Hören wertete er einen Befehl zum Leisedrehen als Suchaufforderung für irgend ein Reiseziel. Abgesehen davon bietet der smarte Lautsprecher bewährte Siri-Qualität, was frei Sprechen und lebendiges Feedback inklusive Grübel-Lauten wie „Hhmm?“ betrifft. Man kann eigentlich damit alles machen, was man mit Sprach-Assistenz auch am iPhone machen würde.

Also Termine diktieren oder Notizen erstellen. Der Versuch „Hey Siri, rufe Stefan Schickedanz zu Hause an“ führte dann allerdings zu folgender Antwort: „Leider kann ich auf Deinem Gerät HomePod nicht mit Anrufen weiterhelfen“. Mein BMW hätte mir diesen Wunsch erfüllt (meinen eigenen Festnetzanschluss habe ich natürlich nur zu Versuchszwecken gewählt), wenn das iPhone via Bluetooth mit ihm verbunden wäre.

Jetzt wäre entweder die Google-Suche nach weiteren Tutorials oder ein Anruf bei Apple nötig, womit der Nutzen von Smart Speakern wieder zweifelhaft erscheint. Aber nein, Steve Jobs schwärmte so gerne von neuen Produkten „it’s so easy“. Also frage ich Siri selbst, warum sie mir keine Telefonverbindung aufbauen kann. Sie weicht allerdings aus als sei sie eine aalglatte Politikerin in einer Talkshow: „Ich habe die Frage leider nicht verstanden.“

Apple HomePod – Siri ist aktiv
Wenn Siri aktiv ist, werden die virtuellen Lautstärke-Tasten ausgeblendet. Die Animation ahmt das Erscheinungsbild des digitalen Assistenten auf dem iPhone nach – mit einer netten Animation. (Foto: S. Schickedanz)

Da war sie wieder, meine schöne neue Welt und ich denke an meinen alten Herren. Über seinem Schreibtisch hing aus Windows-Zeiten bevor ich ihn zu Apple konvertierte ein Schild: „Computer helfen uns Probleme zu lösen, die wir ohne sie nicht hatten.“

Nächster Versuch: „Hey Siri, schreibe eine SMS an …“ Das klappt, wie ich es aus dem Auto gewohnt bin. Doch Siri zeigt ein Problem, das ich von früher noch kenne. Schon das erste kurze Luftholen im Diktat veranlasst die Assistentin zu der irrigen Annahme, dass die Mail schon fertig sei.

Diese Unart hat sie inzwischen im Auto abgelegt (wenn du bei BMW Connected Drive auch ohne Apple CarPlay etwas länger den Sprachbutton am Lenkrad drückst, sprichst Du mit Siri). Doch es zeigt mal wieder, was mich bei Lösungen, die sich zu sehr auf Spracherkennung verlassen, noch nicht überzeugt: Es funktioniert alles ziemlich gut. Aber würdest Du mit einer Airline fliegen, die meistens heil herunter kommt?

Mal ehrlich: Da bemühst du doch lieber Siri auf dem iPhone – laut statistischen Erhebungen haben wir alle inzwischen eh unsere Smartphones immer in Reichweite – und kannst gegebenenfalls die üblichen 20 Prozent Fehlerkennungen mit der Tastatur schnell ausmerzen – ganz abgesehen davon, dass sie einem bis zum Ende des Diktats zuhört. Immerhin siehst du deine Textnachricht auch nach Diktat über den HomePod anschließend auf dem iPhone und kannst den Dialog später noch nachvollziehen.

Nächster Versuch: „Hey Siri, trage einen Termin am ….“ Die Antwort enttäuscht: „Tut mir leid, aber ich kann nicht auf deinen Kalender zugreifen.“ Dabei hatte ich ihr alle Rechte für iCloud eingeräumt. Die Frage nach dem Warum führt auch wieder nur zur Wiederholung des bereits gesagten: „Tut mir leid, aber ich kann nicht auf deinen Kalender zugreifen.“

Prima. Und jetzt? Muss ich mich jetzt als frisch gebackener „Besitzer“ morgen ans Telefon klemmen und in der Pressestelle nachfragen oder ganz altmodisch auf dem Rechner googeln, wo das Problem liegt? Ich stelle mich hier gerne als gemeiner User ganz dumm und frage mich einmal mehr: Wo bitteschön liegt der echte Nutzen solcher smarten Produkte?

Inzwischen hat mein Kollege auf die Test-SMS geantwortet: Nur hat Siri im HomePod das offensichtlich nicht mitbekommen. Das iPhone direkt vor mir auf dem Schreibtisch meldet sich mit einem „Bing“ und ich lese die kurze Antwort mit einem Blick vom automatisch illuminierten Display ab. Aber halt, wir machen ja auf Star Trek, ablesen wäre viel zu banal: „Hey Siri, lese die neue Nachricht vor: Dann sagt sie mir tatsächlich, dass ich eine neue Nachricht habe und fragt, ob sie mir das vorlesen soll, was ich längst weiß.

Das waren einige Eindrücke zur Software und jeder sollte selbst entscheiden, ob er Spracherkennung im Lautsprecher braucht. Ansonsten könnte man das Thema sicher endlos weiter diskutieren, ohne das sich ein zusätzlicher Nutzen ergibt, womit der Zusatznutzen weiterer Beispiele ähnlich zweifelhaft wie das Objekt der Betrachtungen wäre.

Die Hardware des Apple HomePod ist State of the Art

Kommen wir also zur Hardware, dem in Space Grey oder Weiß erhältlichen HomePod selbst. Und hier dürfen alle Apple-Leute, die uns kurz nach der deutschen Markteinführung gleich zwei dieser prächtigen Lautsprecher zur Verfügung stellten, aufatmen. Bei der Software gibt es Licht und Schatten, auch wenn sie trotz einiger Kritikpunkte meine bevorzugte Sprachsteuerungs-Applikation für Lautsprecher ist.

Bei der Hardware gibt es keine zwei Meinungen: Das Teil ist richtig geil! Das fängt schon mit dem in meinen Augen besten Punkt der Sprachsteuerung an: Apple, die sich bekanntlich über technische Details gerne in Schweigen hüllen, muss hier bei den Mikrofonen richtig gute Arbeit geleistet haben. Apple vertraut auf ein Array aus sechs rundum angeordneten Mikrofonen – ein Aufwand, der sich in der Praxis auszahlt.

Apple HomePod Innenaufbau
Viel drin: Ein Array aus sechs Mikrofonen (unten), ein nach oben abstrahlender Breitbänder sowie das nach unten strahlende Bassreflexrohr mit Trompetenform (Foto: Apple)

So gut hat mir bisher noch kein Smart Speaker zugehört. Selbst als ich vom Schreibtisch aus einer Entfernung von mehreren Metern ohne direkten Blick auf den nächstgelegenen HomePod beim lauten Musikhören Befehle erteile, reagiert Siri nicht nur zuverlässig. Sie hat auch die Worte verstanden, die ich bereits direkt nach dem Schlüsselwort „Hey Siri“ gesprochen habe. Denn es dauert einen Moment, bevor sie die Lautstärke beim Zuhören herunterdreht.

Apple HomePod – Stereo-Paar einrichten
Die Einrichtung von Stereo-Paaren mit dem Apple HomePod läuft wie die Verwaltung der Hörzonen über die Apple Home App, die in Sachen Wiedergabe allerdings nur die Funktionen Start und Stop ermöglicht. Für alles Weitere ist die Apple Musik App zuständig. (Foto: S. Schickedanz)

Dass Siri lauscht, setzt Apple sehr schön mit einem Vintage-Sci-Fi-mäßigen pulsierenden Farbfeld auf der glatten Oberseite des Lautsprechers in Szene. Das ist schon eine andere Klasse, als flimmernde LED-Ringe. Allerdings geht die Design-Verliebtheit der Kult-Marke so weit, dass nur die beiden Zeichen der Lautstärkeregelung auf der spiegelglatten Oberseite zu sehen sind.

Weil ich nicht glauben konnte, dass es nicht mehr haptische Steuerungselemente gibt, fand ich experimentell  heraus, dass sich durch Tippen die Wiedergabe anhalten oder starten lässt. Daraufhin wende ich die winzige Bedienungsanleitung und finde noch die restlichen Touch-Gesten zum Titelsprung oder Aktivieren von Siri.

Das ist schick, aber nicht unbedingt intuitiv, wenn mal Besuch im Haus ist.Gar keine Probleme bereiten selbst den größten Laien die Anschlüsse der Apple HomePod. Das hat den einfachen Grund: Es gibt keine. Es gibt auch nicht mal eine Bluetooth-Schnittstelle. Das Teil verbindet sich bei der Installation ohne Passwort-Orgie mit der winzigen Smartphone-Tastatur mit dem WLAN, das war’s.

Vor allem für Apple-Afficionados gemacht

Bin zwar altmodisch in manchen Dingen, aber so, wie das in erster Line für iPhone-Eigner schlüssige Konzept gestrickt ist, geht das absolut in Ordnung. Als Apple damals am legendären transparenten iMac das bis dato obligatorische Diskettenlaufwerk wegließ, gab es auch bei vielen einen Aufschrei. Doch die Geschichte lehrt, dass Apple wie so oft als Avantgarde eine Entwicklung vorwegnahm.

Was den Trend zu omnidirektionalen Wireless-Lautsprechern betrifft, ist Apple reichlich spät dran. Bose brachte bereits letztes Jahr den SoundLink Revolve und die Amazon Echo. Doch auf lange Sicht zählt am meisten, was hinten raus kommt.

Und hier hat Apple einmal mehr ganze Arbeit geleistet. Klangqualität wird bei den Amerikanern nicht erst seit gestern groß geschrieben – zumindest in Bezug auf das jeweilige Konkurrenz-Umfeld.

Während die Bose und Amazon diffus klingen wie ein Lautsprecher in einer Waschküche, klingt der Apple HomePod zwar aus allen Richtungen gleich gut – was auch das Ziel der anderen omnidirektionalen Konzepte war. Aber er klingt eben aus jeder Richtung wie eine sehr gute HiFi-Box in dieser Preisklasse.

Möglich wird das, weil Apple nicht der Versuchung erliegt, die Hochtöner indirekt abstrahlen zu lassen, sondern nur den Tief-Mitteltöner. Die sieben kreisförmig im runden Gehäuse angeordneten Hochtöner liefern klare, unverwaschene Höhen für jede Hörpoisiton. Der langhubig ausgelegte Tief-Mitteltöner strahlt nach oben ab.

Das alles zu einem homogenen Klangfeld zusammenzufügen ist keine triviale Aufgabe. Aber mit dem implantierten A8-Prozessor-Chip aus dem iPhone haben die Amerikaner einen mächtigen Verbündeten für DSP-Aufgaben, um den Sound zu optimieren.

Adavantage, Apple: Der HomePod brilliert im Hörtest

Das Ergebnis aller Bemühungen ist schlicht famos. Der Apple HomePod klingt nicht nur in sich sehr stimmig. Er macht auch richtig an. Ob Hip Hop, Rock oder selbst Jazz spielt keine Rolle. Ob laut oder leise auch nicht.

Der Mittel-Hochtonbereich ist einfach auf dem Punkt. Stimmen, ganz gleich, welche Interpreten ich spiele, klangen sehr angenehm und ausgewogen. Das ist richtiges anspruchsvolles HiFi.

Der Bass ist ebenfalls sehr sauber und differenziert, ganz besonders, wenn man die geringen Abmessungen des Apple HomePod bedenkt. Aber er kann bei Songs von Drake oder anderen angesagten Chart-Stürmern selbst bei geringen Lautstärken schon mal ganz schön Dampf ablassen – mehr als meine ausgewachsenen Acoustic-Energy-Standboxen an einer kraftstrotzenden Vierkanal-Endstufe von Phonosophie in diesem Pegelbereich. Offensichtlich setzt Apple hier auf eine adaptive Loudness.

Aber andererseits liegt die Wahrheit in der Mitte. Elektronische Beats müssen nun mal fett rüber kommen. Ob Dir das abends im Hinblick auf die Nachbarn recht ist, steht auf einem anderen Blatt.

Der Equalizer der Musik App zeigte übrigens keine Wirkung, wenn ich den HomePod direkt vom iPhone ansteuerte und nicht einfach per Sprachbefehl Musik, die er wohl – sofern ich sie gekauft habe – einfach direkt aus dem Apple-Store streamt.

Apple HomePod – AirPlay2
AirPlay2 ermöglicht seit iOS 11.4 Multi-Room-Audio aus der Musik App von iPhone und iPad heraus. (Foto: S. Schickedanz)

Allerdings berichtete mir ein geschätzter Kollege, der den Apple HomePod im Büro eines anderen geschätzten Kollegen gehört hat, dass der Bass dort wohl grenzwertig fett war. Klar, Beton-Kammern. In meinem offen geschnittenen Home Office mit Dachschrägen und Bass-absorbierenden Rigipswänden kommt es zwar prall, aber gut.

Selbst explosive Bass-Impulse von echtem Schlagzeug wie bei der Live-Einspielung des Cindy-Lauper-Hits „Time After Time“ vom unvergessenen Miles Davis tönen knackig und trocken. Das und auch gerade der imposante Tiefgang des Apple HomePod wäre bei der geringen Gehäusegröße bei einem passiven Lautsprecher gar nicht zu schaffen.

Was mir besonders auffällt: Egal, wo ich auch die beiden Apple HomePods platziere, stellt sich immer ein gleiches Klangbild ein. Ob eine Wand oder gar eine Ecke in der Nähe war oder eine große Grenzfläche von einem Tisch darunter, spielt praktisch keine Rolle.

Den spärlichen Infos ist zu entnehmen, dass sich der Apple HomePod wohl über seine Mikrofone während des Betriebs unter Berücksichtigung der Grenzflächenreflexionen selbst auf die Umgebung einmisst, was meinen Höreindruck erklärt. Er weiß also von ganz allein, ob er mit dem Rücken zur Wand, auf einer großen Tischplatte oder ganz frei auf einem Stativ aufgestellt ist.

Sonos ist mit TruePlay schon sehr smart – die Amis nutzen das Mikrofon des iPhones zum Einmessen ihrer Speaker – doch ganz ohne großes Aufheben und grelle Messignale wie beim HomePod ist das natürlich mega-smart. Advantage, Apple!

Auch die Stereo-Wiedergabe überzeugt. Natürlich kann der Apple HomePod konzeptbedingt nicht ganz die messerscharfen Konturen um Schallquellen nachzeichnen wie sehr gute Direktstrahler. Aber er klingt um Welten besser fokussiert als übliche Rundumstrahler.

Für alle, die nicht im Stereo-Dreieck steif versauern möchten, ist das eine perfekte Lösung. Zwar stehen Solostimmen nicht unbedingt wie angenagelt in der Mitte der imaginären Hörbühne, dafür ändert sich tonal praktisch nichts, wenn du im Raum herumläufst. Bei manchen ultradirekten High-End-Boxen bricht das Klangbild schon zusammen, wenn Du nur vom Sofa aufstehst…

Fazit: Apple HomePod

Für alle, die wie ich einen großen Hörbereich beschallen möchten und gerne mal außerhalb der Stereo-Basis der Musik lauschen, gelang Apple mit dem HomePod wirklich ein großer Wurf.

Er folgt tonal der gleichen Tendenz wie die Sonos-Klangabstimmung, klingt aber viel differenzierter und luftiger als die etwas günstigere Sonos One und hat farbstärkere Mitten bei ähnlichem Bassfundament wie die größere und teurere Sonos Play:5.

Das ausgezeichnete Rundstrahlverhalten gibt es als Sahnehäubchen oben drauf. Dazu kommt das beste Einrichtungskonzept im Wettbewerb und eine tolles Assistenzsystem mit Siri, der Großmutter aller Sprachsteuerungen.

Was die extreme Fokussierung auf diesen VIP unter den Sprachdiensten betrifft, ist ja auch noch nicht das letzte Wort gesprochen. Die Hardware ist exzellent, die Software kann man jederzeit ändern.

Was mich betrifft, würde ich mir wie bei Sonos noch eine App für alles wünschen, die dann auch Klangeinstellungen bietet und mehr visuelle Interaktion aufweist.

Apple HomePod
2018/06
Test-Ergebnis: 4,7
Überragend
Klang
Praxis
Verabeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Tiefreichende, konturierte Basswiedergabe,zünftige Dynamikreserven, sehr stimmige Mittel-Hochtonwiedergabe
Konsistentes Klangerlebnis unabhängig von Aufstellung und Sitzposition
Nicht zu toppende Installation
Siri kriegt selbst bei sehr lauter Musik aus der Distanz so ziemlich jeden Befehl mit

Vertrieb:
Apple Retail Germany B.V. & Co. KG

Preis (Hersteller-Empfehlung)
Apple HomePod: 350 Euro

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Autor: Stefan Schickedanz

Stefan Schickedanz
Schneller testet keiner. Deutschlands einziger HiFi-Redakteur mit Rennfahrer-Genen betreut bei LowBeats den Bereich HiFi im Auto sowie die Themengebiete Mobile- und Smart-Audio.