JBL Link 20
Der JBL Link 20 erfordert zu Nutzung via WLAN die Google Home App mit Sprachsteuerung (Foto: S. Schickedanz)

Test JBL Link 20 mit Google Assistant: Big Brother inside

Als wir in der Schule 1984 von George Orwell im Englischunterricht durchnahmen, war das ein schlimmer Alptraum aus einer fernen Zeit. Diese Zukunft war gestern. Während der visionäre Schriftsteller 1948 (für den Titel drehte er die beiden Endziffern einfach um) noch viel Phantasie brauchte, um sich die totale Überwachung durch den „Big Brother“ auszumalen, sind wir heute schon zwei Schritte weiter. Stichwort Datenspur. Doch das ist einigen offensichtlich nicht genug. Google Assistant markiert den nächsten Schritt in eine ungewisse Zukunft. Doch ich hätte bis gestern nie geglaubt, dass es nötig sein könnte, dem Suchmaschinenbetreiber aus dem Silicon Valley quasi unbeschränkten Zugriff auf die Daten meines Smartphones zu gewähren, um einen kleinen Wireless-Lautsprecher zu testen. Dieser Meilenstein kommt ausgerechnet von einem der talentiertesten Hersteller für Bluetooth-Boxen: Der neue JBL Link 20 vertraut ganz auf Google Assistant.

Ohne den Google Sprach-Assistenten ist der Link 20 nur eine in Bezug auf die Bass-Performance etwas groß geratene Bluetooth-Box. Dieses smarte Add-On soll einem nämlich nicht nur die Steuerung seines Multiroom-Systems erleichtern und Fragen wie die nach dem Wetterbericht durch Anzapfen von Big Data über den Internetzugang beantworten. Der Link 20 ließ sich ohne die bedingungslose Kapitulation vor dem von mir in vielerlei Hinsicht durchaus geschätzten, allerdings ganz und gar nicht zu Unrecht als „Datenkraken“ bezeichneten Suchmaschinen-Konzern nämlich – ungeachtet aller Bemühungen – nicht mit WLAN und damit auch nicht mit hochauflösendem Chrome Cast oder im Multiroom-Betrieb verwenden.

Dabei hatte alles so vielversprechend angefangen. Gleich nach dem Einschalten erklärte mir eine freundliche Stimme in fließendem Deutsch, dass ich zur Nutzung des Lautsprechers die Google Home App herunterladen müsse. Soweit, so gut. Danach ging es in meiner Gunst mit dem JBL Link 20 erstmal Stück für Stück bergab. Zunächst sollte ich mich mit meinem Google Account in der App anmelden, was gewöhnlich im Web-Browser automatisch durch das gespeicherte Passwort passiert. Doch so weit kam ich gar nicht erst. Ich musste schon aus dem E-Mail-Postfach heraussuchen, mit welcher E-Mail-Adresse ich mich überhaupt bei Google angemeldet hatte. Mag auch sein, dass ich mich beim ersten Versuch vertippt habe auf der kleinen Tastatur meines iPhones. Aber auch nach weiteren Versuchen wurde ich nicht einmal als Benutzer erkannt, sonst hätte ich mir nämlich ein neues Passwort schicken lassen können. Ich fand dann noch eine zweite E-Mail-Adresse, die ich, der Korrespondenz nach zu urteilen, irgendwann für irgendwelche Google-Dienste zur Anmeldung genommen habe. Doch auch die wollte die App als Benutzernamen nicht akzeptieren.

JBL Link 20

Deshalb entschloss ich mich dazu, mich als neuer Benutzer zu registrieren. Während etwa Mitbewerber Sonos noch einen vergleichsweise moderaten Daten-Hunger bei der Registrierung an den Tag legt, will es Google schon genauer wissen. Als ich aufgefordert werde, mein genaues Geburtsdatum und mein Geschlecht anzugeben, bin ich bereits angesäuert, doch ohne diese Angaben kann ich nicht weitermachen. Wegen der aktuellen Genderdebatte und dem damit eingeführten dritten Geschlecht machte ich mir einen Spaß daraus, „Sonstige“ auszuwählen (als Geburtsdatum hatte ich schon den 1. April eingegeben). Doch damit wollte sich Google nicht zufriedengeben. Die Auswahl „Sonstige“ öffnete ein weiteres Auswahlmenü, wo ich nicht nur selbst mein Geschlecht definieren sollte, sondern auch noch die gewünschte Anrede. Das bescherte mir ein breites Grinsen im Gesicht und glich meinen Unmut zum Teil aus.

Die Amis sind wirklich mit allem vorne dran, die Programmierer haben ihre Hausaufgaben in Sachen politischer Korrektheit offensichtlich gemacht. Da ich mich jedoch gerade nicht im Kreativmodus befand, beschloss sich daraufhin, mich ganz profan wie im echten Leben dem männlichen Teil der Menschheit zuzuordnen. Der Schmunzel-Bonus war aber gleich wieder aufgebraucht, denn anschließend ging es erst richtig zur Sache. Nachdem ich aufgefordert wurde, Bluetooth zu aktivieren, was dem System die Erkennung des JBL Link 20 ermöglichte, konfrontierte mich die App mit einem immerhin in Deutsch gehaltenen Forderungskatalog zu den nötigen Zugriffsrechten.

Ich bin weder Jurist noch Programmierer, doch was mir da in knappen Worten an Begehrlichkeiten präsentiert wurde, kam für mich einer Blankovollmacht zum Zugriff auf alle Inhalte samt der Sensoren (!) meines Handys gleich. Auf dem vorangegangenen Screen gab es schon eine lapidare Erklärung über Datenschutz, die erkennen ließ, dass Google die Daten auch an Dritte weitergeben möchte – was uns allen aber im Hinblick auf die ganzen personalisierten Werbebanner eh klar ist. Doch das war für mich nur das Tüpfelchen auf dem „i“, um die Reißleine zu ziehen. Schließlich ist es ja nicht so, dass man die Daten durch Löschung der App, was ich gewöhnlich nach jedem Test schon allein aus Platzgründen mache, wieder zurückkriegt, wenn sie erst einmal irgendwo auf einem Server lagern.

Politisch korrekt, aber sonst ganz schön dreist

Mir ging das ganz eindeutig zu weit. Zwar musste ich die Google Home App in der letzten Zeit schon mehrfach benutzen, um Lautsprecher verschiedener Hersteller zu testen. Doch ohne die Sprachsteuerung machte sie bisher auf mich einen harmlosen Eindruck – zumindest was die Situation an der Datenfront betraf. Das einzige, vor dem ich bisher Angst hatte, waren die vielen Abstürze und die oft umständliche Bedienung. Doch diesmal ging es in meinen Augen ums Ganze und mir ist schon klar, dass meine Reaktion als rückständig oder verschroben gewertet werden kann. Für einen 200-Euro-Lautsprecher möchte ich jedenfalls nicht im Vorbeigehen das letzte bisschen Privatsphäre aufgeben. Dumm nur, dass die beteiligten Hersteller hier eine alles-oder-nichts-Strategie fahren, sprich: Wer Google nicht den Zugriff auf alle geforderten Daten gewährt, dem gewährt Google keinen Zugriff auf seinen mit harter Währung bezahlten Lautsprecher. Zwar erschien beim Abbruch der Einrichtung des Google Sprachassistenten ein Dialogfenster mit dem Hinweis, dass man den JBL Link 20 dann nur als integrierten Chrome-Cast-Lautsprecher verwenden könne, aber nicht einmal das gelang. Wie in einer Endlosschleife kam ich bei jedem Versuch, via Google Home auf den Lautsprecher zuzugreifen an den Punkt, wo der arglistige Assistent meine Datenfreigabe einforderte.

In den anderen Apps, die neben Google Home zur Chrome-Cast-Wiedergabe erforderlich sind, konnte ich den Lautsprecher nicht als Ziel der Klangausgabe anwählen. Der Versuch, die Hilfe-Funktion der Home App zu verwenden, nutzte Google zunächst, um mir gleich noch die Installation von seinem Internet-Browser Chrome nahezulegen. Doch ich konnte gnädiger Weise auch Safari, den Standardbrowser des iPhones verwenden – was immerhin als zweite Option angeboten wurde. Die Suche auf den anfangs in Englisch präsentierten Hilfeseiten von Google (man findet Deutsch irgendwo hinter Chinesisch und anderen Fremdsprachen) lief sich allerdings schnell tot. Unter den Hinweisen fand ich nichts, was mich weiterbrachte, unter Problembehebung auch nicht und die Suche nach dem Begriff „JBL Link 20“ lieferte null Treffer. Heißt es nicht immer, dass Sprachsteuerung die nächste große Sache sei, weil sie unser Leben sooooo easy machen würde? Für mich war’s das endgültig an diesem Punkt, ich hatte genug von solchen viralen Lockangeboten, die nebenbei noch meine Daten abgreifen wollen!

Mag sein, dass ich hoffnungslos altmodisch bin, aber ich finde das als Geschäftsgebaren unmöglich und würde mir sogar wünschen, dass sich der Verbraucherschutz mit solchem immer häufiger auftretenden und immer undurchschaubarerem Geschäftsgebaren beschäftigen möge. Als zahlender Kunde, dem der Mund nach einem neuen Produkt mit praktischen und einfachen Sprach-Features wässrig gemacht wird, würde ich auch eine klare Warnung oder zumindest einen Hinweis auf der Verpackung beziehungsweise im Online-Store erwarten, welche weiteren Bedingungen an das Produkt geknüpft sind. Immerhin fragen mich andere Anwendungen, die ich bisher mit Spracherkennung nutze, dann doch etwas differenzierter als der JBL Link 20 mit Google Home.

JBL Link 20
Die vier großen LEDs an der Oberseite der Lautsprecherfront zeigen durch weithin sichtbares rotes Leuchten an, dass das Mikrofon durch den Schalter auf der Rückseite deaktiviert wurde. Wird die Lautstärke am Gerät oder am gekoppelten Smartphone geregelt, zeigen sie in Weiß für einen kurzen Moment den Pegel an (Foto: S. Schickedanz)

Doch Google kennt da keine Gnade, setzt einem die Pistole auf die Brust. Wer nicht alles herausrückt, kann die komplette Sprachsteuerung samt jeglichem Zugriff auf den JBL Link 20 sowie der Einbindung in ein Netzwerk vergessen. Man sieht den Lautsprecher in der App, kann aber über WLAN rein gar nichts mit ihm anfangen, da er kein direktes Anspielen via AirPlay ermöglicht. Jedes Anklicken führt offenbar letztlich zum entscheidenden Dialog mit der Datenfreigabe. Und obwohl Bluetooth bereits für die Einrichtung des Lautsprechers aktiviert werden musste, stand anschließend nicht einmal das für die Wiedergabe zur Auswahl. Ich musste den JBL Link 20 noch mit dem iPhone 8 paaren, dann konnte ich ihn immerhin als reichlich große, kostspielige Alternative des JBL Flip 4 verwenden.

Fortfahren oder Farbe bekennen?

Gerade heute ist es meines Erachtens wichtig, als Journalist auch besonders in technischer Hinsicht Farbe zu bekennen. Sonst hat bald jeder von uns einen Roboter als Aufpasser neben sich sitzen und dann ist es nicht mehr lange hin, bis auch gleich eine Maschine unseren Job macht – ob im Büro oder Schlafzimmer. Ich möchte aber jetzt hier kein ganz großes Fass aufmachen und mich auch weiter auf den JBL Link 20 fokussieren. Immerhin hat Kollege Holger Biermann bei der JBL Presse-Vorführung in München den Google Assistenten schon im Einsatz erlebt und berichtete im Grunde nur Gutes über seine demonstrierte Vielseitigkeit. Vor allem von der Geschwindigkeit der Google Antworten auf nicht nur auf simple Wetter- oder Pizza-Bringdienst-Anfragen, sondern auch durchaus auf komplexe Fragestellungen (etwa: „Wer war US-Präsident, als die Lakers das letzte Mal die Meisterschaft gewannen?“) hat ihn beeindruckt. Nicht einmal drei Sekunden brauchte das System bei der Präsentation, um zu antworten. Auch der Klang in der von JBL gemieteten (und vernetzten) Wohnung war mit allen drei Systemen, Link 10, Link 20 und vor allem Link 300 überzeugend, weil sie bei normaler Zimmerlautstärke einen durchaus substanziellen Bass erzeugten.

Die Einschätzung von Holger Biermann befreit mich an dieser Stelle von einem Dilemma: Ich kann meine Prinzipien wahren und Sie bekommen trotzdem einen Einblick über die Stärken der Sprachsteuerung, womit wir alle Seiten wie von LowBeats gewohnt angemessen beleuchten können.

Was die Google App in Verbindung mit dem Google Cast kompatiblen Lautsprecher sonst so mit sich bringt, kennen wir außerdem schon vom JBL Playlist: Wer Songs von seinem Handy streamen will, braucht dafür die zusätzliche App MusixMatch, für Webradio ist zusätzlich TuneIn erforderlich. Beide Apps überfluten einen in ihren Gratisversionen mit Werbung und versuchen, einen bei jeder Gelegenheit zum kostenpflichtigen Upgrade zu becircen. Dabei ging TuneIn schon direkt nach dem ersten Aufruf in die Vollen und versuchte, mich mit einer formatfüllenden Werbung, die man leicht für den Startscreen halten kann, gleich zum Abschluss eines Probeabos zu verleiten.

JBL Link 20: Technik, Ausstattung

Mechanisch ist der Lautsprecher sehr ordentlich gemacht. Er ist wasserdicht nach IPX 7 und kleidet sich wie der beliebte JBL Flip 4 in ein robustes, grobes Gewebe. Allerdings verwendet der JBL Link 20 im Gegensatz zum kleinen Bruder lediglich zwei Breitband Lautsprecher und verzichtet auf die seitlichen Passiv-Radiatoren, welche die 5-Zentimeter-Chassis des Flip 4 im Bass unterstützen.

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JBL Link 20
Der JBL Link 20 ist deutlich größer als der Flip 4 und zum Betrieb im Stehen konzipiert (Foto: S. Schickedanz)
JBL Link 20
Auf der Rückseite des JBL Link 20 sitzen der Einschaltknopf und die Taste zur Aktivierung und Deaktivierung des Mikrofons (Foto: S. Schickedanz)
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Die Oberseite des JBL Link 20 ist dagegen mit einem gummiartigen Polymer-Material überzogen und beherbergt neben den bei Bluetooth-Boxen üblichen Tasten für Lautstärkeregelung und Play/Pause noch einen durch die bunten Farben von Google hervorgehobenen Button zur Aktivierung und Deaktivierung des Sprachassistenten. In meinem Fall bewirkte das Drücken des Buttons aber nur eine im Befehlston vorgetragene Anweisung, den Google Assistant zu aktivieren. Die Stimme meldet sich ebenfalls, wenn man das Mikrofon durch Druck auf den rückseitigen Knopf gerade an- oder ausgeschaltet hat. Wenn Google nicht lauscht, zeigen das vier rotglühende Leuchtdioden auf der Vorderseite an. Diesem Hinweis kann man auch von weitem nicht übersehen.

Das alles hat JBL sehr gut umgesetzt. Anders als üblich sind die Bedienungsorgane perfekt angeordnet und auch beim Dämmerlicht sichtbar durch ausreichend große weiße Symbole gekennzeichnet. Außerdem besitzen die nahtlos in die Oberseite integrierten Tasten einen klaren Druckpunkt und erzeugen auch ein klickendes Geräusch. Umso bedauerlicher, dass sich Google zwar als perfekte Wahl im Hinblick auf die Leistung seines Sprachassistenten erweist, aber mit seiner rigorosen Strategie das an sich ausgesprochen sympathische Produkt in einem gewissen Zwielicht erscheinen lässt.

So klingt der JBL Link 20

Im Hörtests machte der JBL Link 20 ganz schnell klar, dass er zwar klanglich das prestigeträchtige Konkurrenzprodukt Amazon Echo mit deren Spracherkennung Alexa ganz klar in den Schatten stellen kann, zumal er auch jenseits der Steckdose mit seinem 6000 mAh starken Lithium-Ionen-Akku für  bis zu rund zehn Stunden einsatzfähig bleibt. Doch die ausschließlich für zuhause geeignete Dose der Alexa kostet inzwischen nur noch 120 Euro, weil bereits die ebenfalls günstigere zweite Generation zu haben ist. Wer allerdings den smarten High-Tech-Lautsprecher von JBL im Klang mit seinem kleinen Bruder Flip 4 vergleicht, dürfte kaum einen wesentlichen Qualitätsunterschied feststellen. Zwar spielt der Link 20 ohne Zeichen von Anstrengung ordentlich laut und recht differenziert. Doch er kann seinen Volumenvorteil und die größeren Breitband-Lautsprecher gerade bei niedriger und geringer Lautstärke kaum ausspielen. Schließlich muss er im Bass ohne seitliche Radiatoren auskommen.

Außerdem kann er in den Mitten und Höhen nicht ganz so frei aufspielen wie der Flip 4, der etwas frischer, freier, aber auch mitunter etwas vordergründiger und kühler klingt. Zudem erzeugt der Link eine geringfügig größere Klangwolke. Wer es tonal grundsätzlich wärmer und im Bass eher konturiert, aber unspektakulär mag, ist mit dem Link 20 gut bedient, zumal er dank Google Cast via WLAN das Streamen mit 24 Bit/92 kHz aus der Cloud ermöglicht. Angesichts der bescheidenen Gesamtleistung verspricht dies allerdings keinen wesentlichen Klanggewinn. Der Link 20 unterstützt aber über Chrome Cast direkt Dienste wie Google Play Music, Spotify oder Pandora, während man dem kleinen Flip 4 solche kostenpflichtige Kost nur über Bluetooth mit reduzierter Auflösung vom Handy zuspielen kann.

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JBL Link 20 mit Google Home App
Na dann guten Appetit: Was Google hier während der Installation kurz und knapp abhandelt, lässt normale Menschen nur ahnen, welcher gewaltige Datenhunger dahintersteckt und welche Konsequenzen die Freigabe konkret bedeutet. Nebenbei verleibt sich Google gerne auch, wie in Punkt 3 zu sehen, nebenbei noch ein paar weitere Nutzer ein (Foto: S. Schickedanz)
JBL Link 20 mit Google Home App
Um den JBL Link 20 via WLAN im Heimnetzwerk zu verwenden, muss man dem Google Assistant in der Google Home App umfangreiche Rechte einräumen (Foto: S. Schickedanz)
Google Home App
Der Datenhunger von Google Assistant ist gewaltig. Kontakte, Kalender und sogar die Sensoren des Smartphones werden vom Suchmaschinen-Konzern aus USA ausgewertet. (Foto: S. Schickedanz)
Google Home App
Eine selektive Freigabe bestimmter, für den Nutzer entbehrlicher Daten ist nicht möglich. Wer vor diesem Hintergrund zur Wahrung der Privatsphäre nicht zustimmt, wird von der Google Home App beim JBL Link 20 komplett ausgesperrt. Entgegen der Ankündigung im Dialogfenster war es uns nicht möglich, den JBL Link 20 als Chrome-Cast-Lautsprecher zu verwenden. Was immer wir versuchten, kamen wir wieder an dem Punkt an, wo der Sprach-Assistent aktiviert werden musste und wir Google globalen Datenzugriff gewähren sollten. (Foto: S. Schickedanz)
Google Home App
Jedenfalls ist die Google Home App politisch korrekt bis zum Abwinken. Selbst dem neuesten Stand der Gender-Gleichberechtigung wird Rechnung getragen, wobei sich Google – ganz Datenkrake – es auch bei allen, die sich nicht den beiden bisherigen Geschlechtern zuordnen, ganz genau wissen will. Dieser Dialog steht übrigens ganz am Anfang, denn um die App mit dem Assistenten überhaupt nutzen zu können, muss man ein eigenes Google-Konto anlegen, falls man noch keines hat. Ein hoher Preis zum Betrieb eines 200-Euro-Lautsprechers (Foto: S. Schickedanz)
Google Home App
Wie man hier gut sehen kann, stand uns der JBL Link 20 nach Abbruch der Einrichtung wegen Datenschutz-Bedenken auch nicht wie versprochen als normaler Chrome-Cast Lautsprecher in den von der Google Home App ins Spiel gebrachten Drittanbieter-Apps – (hier TuneIn für Webradio) zur Verfügung (Foto: S. Schickedanz)
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Immerhin bringt der JBL Link 20 für seinen höheren Preis ein eigenes Netzteil mit, während dem Flip 4 nur ein USB-Ladekabel beiliegt. Dafür verfügt der JBL Flip 4 über einen analogen Mini-Klinken-Eingang, den sich der Smart-Speaker spart. Und während etwa die Lautsprecher der JBL-Charge-Serie (hier finden Sie den Test des Charge 2) während des Betriebs in der Lage sind, auch noch den Handy-Akku über ihre USB-A-Buchse aufzuladen, saugt der Link 20 bei vollem Leistungsumfang sogar noch Energie vom Handy. Wer ihn mit seiner wiederaufladbaren Batterie unterwegs mit vollem Leistungsumfang betreiben möchte, ist gezwungen, mit seinem Smartphone einen WLAN-Hotspot einzurichten, was gleich auf zwei Kanälen, nämlich Mobilfunknetz und Wi-Fi, Funkaktivitäten voraussetzt und richtig Akkuleistung frisst.

Das führt in meinen Augen einmal mehr zu einem teilweise fragwürdigen Ergebnis. Die Frage, ob man ein solches Produkt unbedingt haben muss oder schon aus Prinzip boykottieren sollte, kann nur jeder einzelne für sich selbst beantworten. Und wie der Nutzen auf lange Sicht sein wird, kann nur die Erfahrung lehren. Erst einmal sind auf jeden Fall solche Lautsprecher das nächste große Ding. Als solcher ist der JBL Link 20 sicher ein tolles Produkt – bis auf den einen, allerdings entscheidenden Knackpunkt für Nutzer, die sich Gedanken über ihre Datenspur machen. Mit der Preisgabe der kompletten Intimsphäre seines Handys – eines Gerätes, das inzwischen für fast alle Dinge im Leben genutzt wird, sich zudem fast immer in Reichweite des Besitzers befindet und mit unzähligen Sensoren ausgerüstet ist – zahlt man aber einen sehr hohen Preis. Zumal man dieselbe Klangqualität mit dem Flip 4 im Grunde auch für halb so viel Geld bekommt.

Fazit JBL Link 20 mit Google Assistant

Der Wireless-Lautsprecher forderte (mit der zum Test verfügbaren Software) bedingungslose Kapitulation vor dem Geschäftsmodel von Google, um den Sprach-Assistenten des High-Tech-Konzerns und die Netzwerk-Funktionen nutzen zu können. Ohne diese Features bleibt der JBL Link 20 nur ein reichlich kostspieliger Bluetooth-Lautsprecher. Während er die günstigere Amazon Echo mit ihrer Sprachsteuerung Alexa klanglich locker abhängt, tut er sich seinerseits vergleichsweise schwer, im Hörvergleich einen deutlich günstigeren JBL Flip 4 gebührend in die Schranken zu verweisen. Auch die Mobilität des JBL Link 20 ist eingeschränkt. Wer ihn unterwegs nicht nur als Bluetooth-Box verwenden möchte, muss gegebenenfalls mit seinem Handy einen WLAN-Hotspot für Google Assistant einrichten, was dann richtig Strom zieht.

Daher sollte man sich gut überlegen, ob man das zugegebenermaßen coole Gadget wirklich braucht oder ob man sich aufs Wesentliche beschränkt und sich für das gleiche Geld lieber einen klangstarken Mobile-Speaker wie den klangstarken B&O Beoplay A1 leistet. Wer seine Datenspur durch Ertränken des JBL Link 20 löschen will, sollte zwei Dinge bedenken: Die heiklen Daten sind nicht in der Box und dank IPX 7 kann der Lautsprecher bis zu 30 Minuten Eintauchen in bis zu einem Meter Wassertiefe überstehen.

Und das ist genau der Punkt: Wenn wir in der Technik mal so weit sind, dass Sprachverarbeitung bei einem Lautsprecher nicht mehr Off-Board, sprich in der Cloud erfolgen muss, sondern On-Board funktioniert wie beispielsweise Apples Fingerabdrucksensor, wo die Daten den Chip im iPhone nicht verlassen, dann wird Sprachsteuerung vielleicht wirklich mal die nächste große Sache. Immerhin habe ich diesen Text teilweise mit der Dragon-Spracherkennung diktiert. Und die funktioniert auf dem Laptop offline, also autark von irgendwelchen Cloud-Servern, die sonst in Echtzeit alles mitlesen könnten. Bin ja schließlich Neuem gegenüber immer aufgeschlossen – aber nur, wenn die Vorteile die Nachteile, vor allem aber den schnöden Reiz am Neuen eindeutig übersteigen.

JBL Link 20
2017/12
Test-Ergebnis: 3,5
Befriedigend
Bewertung
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Unaufdringlicher warmer Klang mit unaufdringlichem Bass
Praxisgerechte Tasten am Lautsprecher, deutliche Warnung, wenn Google mitlauscht
Ohne umfassende Datenfreigabe auf dem Handy weder Google Assistant noch Google Cast oder WLAN-Vernetzung
Etwas bedeckte Stimmenwiedergabe

Preis (Hersteller-Empfehlung) JBL Link 20: 200 Euro

Vertrieb:
Harman Deutschland GmbH
Parkring 3
85748 Garching b. München
www.harmankardon.de

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Autor: Stefan Schickedanz

Stefan Schickedanz
Schneller testet keiner. Deutschlands einziger HiFi-Redakteur mit Rennfahrer-Genen betreut bei LowBeats den Bereich HiFi im Auto sowie die Themengebiete Mobile- und Smart-Audio.