Avance Paris MyConnect 150 Röhren
Der Advance Paris MyConnect 150 ist eine All-in-One Maschine mit schier endloser Ausstattungsliste. Aber auch ein Streaming-Vollverstärker, der dank Röhrentechnik besonders musikalisch klingt. Und das alles gibt es für gerade einmal 2.000 Euro (Foto: F. Burowski)

Test Streaming-Amp Advance Paris MyConnect 150

Vollverstärker mit Streamingfunktion sind DER Trend in der aktuellen HiFi-Landschaft. Die vielseitigen Geräte sind ein sinnvoller Gegenentwurf zu All-In-One Aktivlautsprechern mit Streaming, denn sie bieten einen ähnlich großen Komfort und Ausstattungsumfang, lassen dem Nutzer aber die freie Wahl bei den Lautsprechern. So sind nicht alle Eier in einem Korb. Der neue Streaming-Amp MyConnect 150 von Advance Paris ist ein Paradebeispiel dieser Gattung. Er kombiniert beeindruckende Leistung und Vielseitigkeit zum extrem fairen Preis von 2.000 Euro. So viel ging in dieser Klasse noch nie…

Meinen ersten Kontakt mit dem MyConnect 150 hatte ich Anfang Februar auf den Norddeutschen HiFi-Tagen in den Räumen von Quadral. Der bekannte Hannoveraner Lautsprecherhersteller ist nämlich der exklusive Deutschlandvertrieb für die Komponenten von Advance Acoustic. Hierzu erst einmal eine kleine Markenkunde: Advance Acoustic ist der Name des Herstellers in Frankreich. Die HiFi-Komponenten, wie der hier getestete MyConnect 150, firmieren aber unter dem Namen Advance Paris. Das ist eine Markenbezeichnung für die Geräteserie, ähnlich wie Aurum bei Quadral eine eigene Markenlinie darstellt. Etwas verwirrend, aber einfach „Advance“ sollte uns zur Benennung reichen.

Avance Paris MyConnect 150 Front
Advance MyConnect 150: Ein mächtiger Streamingverstärker mit dicker Plexiglas-Front (Foto: F. Borowski)

Die Ausstattung des Advance Paris MyConnect 150

Jedenfalls stach mir der Advance MyConnect 150 gleich ins Auge. Ein tiefschwarzer, mächtiger Bolide von eher klassischer Anmutung. Schließlich prangen da an der Front zwei blau hinterleuchtete VU-Meter und durch ein kleines Fenster ist ein Pärchen warm glimmender Röhren zu erspähen. Doch schon auf den zweiten Blick wird klar, dass ich es hier keineswegs mit einem rein analogen Traditionalisten zu tun habe. Ein Matrix-Display und der große elektronische Dreh-/Drücksteller wecken Zweifel. Und dann ist da bei genauerem Hinsehen in der schwarzen Plexiglas-Front auch noch ein Ausschnitt zu erkennen, der offensichtlich eine CD-Schublade ist. Die Eject-Taste daneben und weitere Tasten zur Titelsteuerung bestätigen die Vermutung.

Doch erst ein Blick auf die Rückseite macht klar, was hier Sache ist: Massenhaft Anschlüsse für Antennen, analoge und digitale Eingänge (sieben Hochpegeleingänge plus Phono, sowie USB, Coax, Toslink), weitere USB-Buchsen, diverse Schalter und Terminals für drei Paar Passivlautsprecher. Wow!

Avance Paris MyConnect 150 Rear
Große Anschlussvielfalt und diverse Schalter für Anpassungen. Was fehlt, ist HDMI. Insgesamt können drei Lautsprecherpaare angeschlossen werden, wobei die Impedanz der Speaker dann aber nicht zu niedrig sein darf (Foto: F. Borowski)

Die Ausstattung des Advance MyConnect 150 ist aber selbst in der Klasse dieser Alleskönner rekordverdächtig. Das Datenblatt verrät zudem, dass der eingebaute Class-A/B Leistungsverstärker mit 190 W (RMS) pro Kanal (an 4 Ohm) nicht gerade untermotorisiert ist. Ein fetter 900 Watt Ringkerntrafo und das Gewicht von 14,5 Kilo unterstreichen den Eindruck.

Schauen wir doch lieber mal, was der MyConnect NICHT hat…

Hmmm, Bluetooth ist nicht eingebaut. Sehr ungewöhnlich in dieser Gerätekategorie. Aber er besitzt an der Rückseite eine spezielle Buchse, um einen optional erhältlichen Bluetooth-Stick (X-FTB01 für 99 Euro oder X-FTB02 mit HD-Bluetooth für 129 Euro) von Advance anzuschließen. MQA wird derzeit nicht unterstützt und er hat keinen HDMI-Eingang. Und sonst? Tatsächlich wird Roon derzeit nicht offiziell unterstützt. Das war’s aber auch schon.

Hier eine Übersicht der wichtigsten Merkmale:

⁃ 2 x 130 Watt/190Watt/250Watt (8/4/2 Ohm), Class-A/B
⁃ CD-Player, DAB+/FM-Tuner, Streaming
⁃ DAC: AKM AK4490 32 bit – 768 kHz / DSD256
⁃ zahlreiche digitale und analoge Eingänge (inkl. Phono)
⁃ USB-Anschlüsse für Massenspeicher, USB-Audio und Service
⁃ Amp-In, PRE-Out, REC-Out
⁃ Trigger und proprietärer Anschluss für Bluetooth-Dongle (X-FTB01 oder X-FTB02 für HD-Bluetooth)
⁃ 2 Subwoofer-Ausgänge mit anpassbarer Tiefpass-Weiche
⁃ Terminals für drei Paar Lautsprecher
⁃ 2 Kopfhörerausgänge (6,35 und 3,5 mm) mit getrennter Impedanz- und Gain-Anpassung
⁃ Röhren-Vorverstärker
⁃ Unterstützung für Spotify, Qobuz, Tidal, Napster, Deezer und weitere
⁃ Webradio: TuneIn, iHeart Radio, vTuner
⁃ Advance Playstream App für iOS und Android
⁃ Firmware-Updates über die App
⁃ Infrarot-Fernbedienung mit 43 Tasten
⁃ Maße: 17 x 43 x 37,1 cm

Irre! Wer da nicht die passende Musikquelle findet, hat ein größeres Problem. Die eigentliche Schlagzeile lautet aber, dass dieses prall gefüllte Paket für äußerst faire 2.000 Euro über die Ladentheke geht.

Irgendwo muss da doch stark gespart worden sein. An der Anzahl der Bauteile liegt es gewiss nicht, jedoch wird bei einem Blick unter die Motorhaube deutlich, dass die einzelnen Komponenten und Platinen eher einfacherer Machart sind. Hier wurden keine Bauteile bei Vollmond mundgeblasen und paarweise handselektiert. Und das Gehäuse wurde auch nicht aus einem massiven Block Alu gekratzt, sondern besteht aus einem herkömmlichen Stahlchassis mit Blechdeckel. Die Fernbedienung ist aus Kunststoff und ziemlich leicht.

Doch das soll absolut kein Vorwurf sein! Der Materialaufwand des MyConnect 150 ist im Vergleich zu vielen anderen HiFi-Komponenten dieser Preisklasse hoch. Ich kenne CD-Player für diesen Preis, in denen nicht mal ein Zehntel an Material und Bauteilen steckt.

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Avance Paris MyConnect 150 innen
Volle Hütte: Rechts unten sitzt der 900 VA Ringkerntrafo, links unten die Röhrenvorstufe, Mitte unten die CD-Lade, in der Mitte ein großer Kühlkörper mit Leistungstransistoren (keine aktiven Lüfter!) und oben die Ein- und Ausgangsschaltung mit Huckepack-Platinen für Netzwerk (schwarz) und DAB/FM-Tuner (grün) (Foto: Advance)
Avance Paris MyConnect 150
Einen Schönheitspreis für die saubersten und ordentlichsten Bauteile gewinnt der Advance nicht. Auf der Hauptplatine findet sich neben der Schaltung für die Digitaleingänge auch der DAC-Chip (gelber Pfeil). Tuner- und WLAN-Modul sind als Huckepack-Platinen montiert (Foto: F. Borowski)
Avance Paris MyConnect 150 Trafo
Der große 900 VA Ringkerntrafo (Foto: F. Borowski)
Avance Paris MyConnect 150
Die Schaltung der Röhrenvorstufe. Die Röhren selbst verbergen sich in einer eigenen Kammer hinter der aufrechten roten Platine, auf der kleine, orange-rot leuchtende LEDs sitzen, die für ein künstliches Röhrenglühen sorgen (Foto: F. Borowski)
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Installation: Einrichtung und Bedienung gehen leicht von der Hand

Okay, die knapp 15 Kilo müssen erst mal an ihren Einsatzort gewuchtet werden. In ein kleines Buchregal passt der MyConnect 150 nicht. Ein stabiles Rack oder Lowboard sollte schon vorhanden sein. Mit dem kräftigen Class-A/B-Verstärker und der Röhrenvorstufe produziert der französische Amp auch ganz ordentlich Abwärme und braucht daher etwas Luft zum Atmen. Zum Glück ist das Gerät aber komplett passiv gekühlt. Rauschende Lüfter sind nicht an Bord.

Die Inbetriebnahme ist in praktisch allen Bereichen perfekt einfach. Wie man analoge oder digitale Zuspieler an die passenden Buchsen anschließt, brauche ich hier nicht zu erklären. Die Verbindung mit dem hausinternen Netzwerk und Internet erfolgt wahlweise über WLAN oder LAN. Ich empfehle letzteres, sofern die Kabelverlegung machbar ist. Per LAN verbindet sich der MyConnect dank DHCP automatisch mit dem Router. So war es mir auch in kürzester Zeit möglich, die ersten Töne via Audirvana auf dem Mac an den MyConnect zu schicken, denn er taucht automatisch in der Liste der verfügbaren Geräte unter Ethernet auf. Bis hierhin ging auch noch alles ohne die zugehörige App vonstatten.

Avance Paris MyConnect 150 Fernbedienung
Die mitgelieferte IR-Fernbedienung bietet Tasten für nahezu alle Funktionen und ist angenehm zu bedienen. Der IR-Empfänger im Gerät ist sehr empfindlich und reagiert auch dann, wenn der Sender nicht direkt auf das Gerät zielt. Die Unterseite ist leider uneben und rutschig. Sie könnte ein paar kleine Gummifüße vertragen (Foto: F. Borowski)

Nach dem Einschalten müssen 30 Sekunden Geduld für die initiale Aufwärmphase der Röhren aufgebracht werden. Ein Countdown im Display zeigt an, wann die Ausgänge freigeschaltet werden. Während dieser Zeit ist das Gerät gesperrt, sodass nicht schon mal der Eingang gewählt werden kann.

Die Front des MyConnect 150 ist im Betrieb dezent, aber farblich etwas uneinheitlich illuminiert. Zunächst wären da die Pegelmeter, deren Zifferblätter blau schimmern, während das Fenster selbst weiß umrandet leuchtet. Diese weiße Beleuchtung scheint im Inneren des Gerätes voll auf den CD-Tray und schimmert an der Front etwas durch den Schlitz der Lade. Das hätte Advance gerne etwas besser abschirmen können. Manche High-Ender streichen ihren CD-Player innen sogar extra mit mattschwarzer Farbe an, um potentiell klangschädigendes Streulicht auf der CD bzw. dem Laser zu vermeiden. Die CD im Advance rotiert quasi unter Flutlicht. Immerhin lässt sich die VU-Beleuchtung und das mit weißen Pixeln leuchtende Matrix-Display in drei Stufen dimmen – aber nicht abschalten.

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Avance Paris MyConnect 150 CD-Slot
Die weiße Ambientebeleuchtung der VU-Meter strahlt im Inneren des Gerätes auf die (hier geöffnete) CD-Lade (Foto: F. Borowski)
Avance Paris MyConnect 150 Bedienelement
Bei geschlossener Lade fällt etwas Licht durch den Tray (Foto: F. Borowski)
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Die Standby-Taste und der große Drehregler haben im Betrieb eine ziemlich helle weiße LED-Umrandung, die nicht von der Dimmer-Funktion beeinflusst wird. Im Ruhezustand leuchtet die Standby-Taste rot. – Immerhin: Mit der aktuellsten Firmware ist im Menü „SYSTEM SETTING“ eine Option „STB LED Mode“ hinzugekommen, mit der sich die rote Standby-Beleuchtung abschalten lässt. Sehr schön.

Avance Paris MyConnect 150 Bedienelement
Der Dreh-/Drücksteller ist wie die Powertaste mit einem weißen LED-Ring eingefasst (Foto: F. Borowski)

Und dann ist da noch ein kleines Fenster, das den Blick auf die beiden Vorstufenröhren mit spiralförmigen Kühler-Hütchen freigibt und ein dezentes, warm glühendes Licht verstrahlt. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich das aber als sympathisches Fake. Die Röhren selbst glimmen nämlich viel zu schwach. Zum Aufpeppen sind deshalb orangefarbene LEDs hinter den Röhren angebracht (nicht dimm- oder abschaltbar). Eine kleine Schummelei, die ich auch schon bei anderen Röhrenvorstufen gesehen habe. Das künstliche Glimmen wirkt aber sehr realistisch und macht was her.

Avance Paris MyConnect 150 Röhren
Die Vorstufenröhren glühen nicht wirklich so intensiv. Für das schönes Glimmen sorgen LEDs hinter den Glaskolben (Foto: F. Borowski)

Und wie sich der Advance Paris MyConnect 150 bedienen lässt, vor allem aber wie er klingt, lesen Sie auf der nächsten Seite…

Seite 1    Advance Paris MyConnect 150: Konzept, Inbetriebnahme
Seite 2    Praxis, Hörtest, Fazit, Bewertung