Test Streaming-Amp Advance Paris MyConnect 150

Praxis und Bedienung

Für lokal angeschlossene Quellen, den integrierten CD-Player sowie für Digital- oder FM-Radio ist die zugehörige App nicht erforderlich. Man kann mit ihr auch keine DAB- oder FM-Sender verwalten. Die App dient nur für Streaming-Features inklusive Webradio.

Nach dem ersten Aufruf der Quelle „DAB/FM“ über die Fernbedienung oder am Gerät (in der App wird „Line In“ angezeigt) scannt der Advance in wenigen Augenblicken das digitale Radioangebot über Antenne und dudelt los. Die Sender lassen sich einfach über die Fernbedienung umschalten und abspeichern. Die Speicher-Presets sind in verschiedene Blöcke für unterschiedliche Quellen unterteilt. So lassen sich auch Webradiostationen auf einer Taste abspeichern. Aber leider geht das nicht in gemischter Form (z. B. Taste 1: Webradio XY, Taste 2: DAB-Radio XY etc.).

Die Quelle „FM-Radio“ wird übrigens durch nochmaliges Drücken der Taste „DAB/FM“ aufgerufen. Auch einige andere Tasten der Fernbedienung sind doppelt belegt. Beispielsweise „USB-Audio“. Einmal Drücken schaltet auf den USB-B-Eingang für Musik vom Mac/PC, nochmaliges Drücken der Taste wählt den USB-A-Eingang, an dem eine Festplatte oder ein USB-Speicherstick angeschlossen werden kann. Alle Quellen lassen sich auch über den Dreh-/Drücksteller am Gerät und ein entsprechendes Quellenmenü auswählen.

So ist es äußerst erfreulich, dass auch ganz ohne App einfach und schnell Musik gestartet werden kann. Sowohl direkt am Gerät, als auch mit der Fernbedienung. So mag ich das. Geräte, die ausschließlich per App gesteuert werden können, sind weitaus unpraktischer, da man für jede Kleinigkeit erst mal das iDevice zur Hand nehmen, es aktivieren und ggf. entsperren, in die App wechseln und eventuell erst den richtigen Screen aufrufen muss.

Avance Paris MyConnect 150 VU-Meter
VU-Meter mit blau schimmerndem Zifferblatt und weißer Randbeleuchtung (Foto: F. Borowski)

Besser noch: Der MyConnect 150 startet nach dem Einschalten (und der Aufwärmphase) oder nach einem Quellenwechsel automatisch die zuletzt gespielte Quelle. Beispiel: Sie hören eine Webradio- oder DAB-Radiostation, oder eine Qobuz-Playlist. Später schalten Sie das Gerät aus (ohne vorher Pause/Stopp zu drücken). Wird der MyConnect 150 am nächsten Tag wieder eingeschaltet, startet automatisch die Wiedergabe der zuletzt gehörten Station.

Im Falle einer Playlist wird die Wiedergabe am Beginn des zuletzt gespielten Tracks fortgesetzt. Das ist auch der Fall, wenn man nur die Quelle wechselt. Also beispielsweise von Radio auf TV und später wieder zurück zu Radio. Es mag nur eine Kleinigkeit sein, ist aber ein für die Praxis nicht zu unterschätzender Komfort! Viele Streamer vergessen in solchen Situationen komplett, was und an welcher Stelle zuletzt gehört wurde. Das ist insbesondere in langen Playlists sehr lästig. Nicht so beim MyConnect 150. Ein Griff zur Fernbedienung reicht.

Nichtsdestotrotz ist selbstverständlich auch hier die Steuerung per App möglich. Diese findet den MyConnect 150 automatisch, sobald er per LAN oder WLAN mit dem Heimnetzwerk verbunden ist. Die Anwendung erlaubt unter anderem das Durchstöbern des WWW nach Internet-Radiostationen, das Einloggen und Browsen in Musikdiensten wie Qobuz und Tidal, das Verteilen der Musik im Heimnetz an weitere Player (Multiroom) und einiges mehr. Nicht benötigte Musikdienste lassen sich ausblenden. Das verbessert die Übersicht im Hauptmenü.

Die App macht insgesamt einen ordentlichen Eindruck und ist – nach kurzer Eingewöhnung – sehr übersichtlich. Hier ein paar Screenshots:

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Avance Paris MyConnect 150 App1
Firmware-Updates können über die App eingespielt werden (iPad-Screenshot F. Borowski)
App2
Geräteliste: Die App kann mehrere Advance-Geräte für Multiroom verwalten (iPad-Screenshot F. Borowski)
App3
Diverse Einstellungen (iPad-Screenshot F. Borowski)
App4
Webradio und Streamingdienste lassen sich im ersten Screen auswählen. Nicht benötigte Dienste können ausgeblendet werden (iPad-Screenshot F. Borowski)
App5
Der Wiedergabebildschirm zeigt eine etwas seltsam proportionierte, sich sehr langsam drehende LP-Grafik mit Coverbild (sofern vorhanden) als Label (iPad-Screenshot F. Borowski)
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Unter „Meine Musik“ sind lokale Quellen, wie die auf dem iPad oder einem angeschlossenen USB-Stick gespeicherte Musik verfügbar.

Bei Wiedergabe von einem lokal angeschlossenen Massenspeicher (Festplatte, USB-Stick) gibt es ein paar Einschränkungen. Meine 1 TB große SSD mit USB-Adapter und über 900 GB an Musikdaten von MP3 bis HiRes, die ich schon an diversen anderen Geräten benutzt habe, wurde vom Advance trotz der erforderlichen FAT32-Formatierung nicht erkannt. Nur ein kleinerer 64 GB USB-Stick mit ausschließlich MP3-Files funktionierte. Aber die darauf in verschiedenen Ordnern gespeicherte Musik wird in der App lediglich alphabetisch und ohne Ordnersortierung dargestellt. Zudem auch noch mit eingeschränkten Metadaten. Es wird lediglich der Dateiname angezeigt.

Im Gegensatz zu Geräten wie von Auralic, welche den USB-Datenspeicher scannen und eine eigene Library des Inhalts mit allen Metadaten (inkl. Covergrafiken) anlegen, behandelt der Advance USB-Medien nur als externes Laufwerk, auf dessen Daten man wie mit einer Art Dateibrowser zugreifen kann. Kurz gesagt eignet sich das USB-Speicher-Feature damit höchstens, um mal eine Playlist für eine Party anzustöpseln und durchdudeln zu lassen. Für mehr aber kaum.

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App7
„Meine Musik“ bietet Zugriff auf lokal gespeicherte Musikdaten (iPad-Screenshot F. Borowski)
App8
Musikdaten auf USB-Speichern werden nur in alphabetischer Reihenfolge als Dateien angezeigt (iPad-Screenshot F. Borowski)
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Für die Wiedergabe von Musik, die auf einem Mac oder PC gespeichert ist, gibt es mehrere Möglichkeiten. Bluetooth ist, wie erwähnt, standardmäßig nicht integriert, aber drahtlose Wiedergabe ist per AirPlay über Macs oder PCs mit iTunes möglich. Die direkteste (und verzögerungsfreieste) Verbindung ist per USB-Kabel. Nutzt man eine spezielle Player-Software, wie etwa das unter HiFi-Fans sehr populäre Audirvana, ist neben USB auch UPnP-Wiedergabe über das Netzwerk eine Möglichkeit.

Hier gibt es jedoch einen kleinen Kritikpunkt: Einige Steuerbefehle, wie Titelsprung, funktionieren nicht. Audirvana springt dann zwar zum nächsten Titel, aber die Wiedergabe startet nicht. Ein ähnliches Verhalten habe ich auch schon mit anderen UPnP-Playern an Audirvana erlebt, aber ich denke, die Ursache liegt dennoch beim Advance und dessen UPnP-Behandlung.

Übrigens: Die Taste „Audio Player“ auf der Fernbedienung ist der universelle Eingang für alle netzwerkbasierten Streaming-Optionen. Dieser Eingang muss gewählt sein, wenn Webradio, ein Streamingdienst, Musik vom iPad oder Smartphone oder aus dem lokalen Netzwerk via UPnP wiedergegeben werden soll.

Unter dem Strich verdient der MyConnect 150 für sein Bedienkonzept großes Lob. Einen derart umfangreichen Funktionsumfang so zu organisieren, dass es übersichtlich bleibt und schnell erlernbar ist, gelingt nicht jedem Hersteller so gut.

Der Advance Paris MyConnect 150 im Hörtest

Ein paar Tage Einspielzeit gönne ich jedem Testgerät. Egal, ob es zuvor schon mal benutzt wurde oder frisch aus dem versiegelten Karton kommt wie der MyConnect. Bei Komponenten mit Röhren und Class-A/B-Technik ist das umso wichtiger. Doch schon vom ersten Ton an offenbarte der schwarze Bolide seinen Grundcharakter: Ein warmer, lebendiger Klang mit mächtig druckvollem Bass, dem es lediglich noch ein wenig an Kontur fehlte.

Eine erhöhte Basspräzision und vor allem mehr natürlicher Schmelz sind der Dank für etwas Geduld mit dem Neugerät. Ansonsten bleibt der Ersteindruck weitgehend unverändert. Es mag sich wie ein Klischee anhören, aber im Gegensatz zu manchen Amps dieser Preiskategorie mit Schaltendstufen (Class-D) wirkt die Darbietung des Advance weniger steril und scheint mehr zu atmen. Etwas, das durchaus den Röhren im Vorstufenzweig zugeschrieben werden könnte. Jedenfalls finde ich erst mal kein Haar in der Suppe.

An der Rückseite findet sich ein Schalter „High Bias“. Die Beschreibung in der Anleitung dazu ist etwas dünn: „Der Klang ist vergleichbar mit dem eines Class-A-Verstärkers in den ersten Watt.“ – steht dort zu lesen. Kurz gesagt wird der Leistungsverstärker bei Schalterstellung „ON“ durch erhöhten Ruhestrom in einem weiteren Bereich in Class-A betrieben. Das erhöht die Leistungsaufnahme und die Temperatur, sorgt bei geringen bis mittleren Lautstärken aber noch mal für einen kleinen Schub an Luftigkeit und Authentizität. Für den Rest des Testzeitraums blieb der Schalter auf „ON“.

Kurz nachgemessen: In High-Bias-Schalterstellung „OFF“ zieht der MyConnect 150 im Leerlauf – und nach vollständigem Aufwärmen – rund 64 Watt aus dem Stromnetz. Mit aktiviertem High Bias sind es hingegen etwa 20-25 Watt mehr. Im Standby verbraucht der Amp nur (EU-konforme) 0,3 W. Über einen Schalter an der Rückseite kann der MyConnect 150 auch komplett vom Stromnetz getrennt werden.

Mit der Zeit und einigen Quervergleichen, sowohl mit dem T+A PA 2500 R Vollverstärker als auch mit meiner digitalen Referenz-Kombi von Exogal, schälen sich die speziellen Eigenarten des Advance deutlicher heraus. Zunächst wäre da die Kraft des Franzosen hervorzuheben. „Hubraum“ beschreibt es wohl am ehesten. Der MyConnect hat keine Mühe, meinen 2,5-Wege Standlautsprechern Børresen 02 unverzerrt selbst höchste Pegel zu entlocken, wirkt dabei stets unaufgeregt und souverän, aber im Vergleich zu den deutlich teureren Vergleichssystemen auch etwas behäbiger. Er ist eher der Kraftvolle und souveräne Gleiter statt ein sprintstarker Kurvenräuber.

Die räumliche Darbietung geht eher in die Breite als in die Tiefe. Dabei bleibt das Geschehen stets gut durchhörbar, jedoch insbesondere im Vergleich zur Exogal-Kombi bei weitem nicht so fokussiert und holographisch. Das Geschehen zwischen den Boxen wirkt diffuser und einzelne Geschehnisse dadurch weniger greifbar. Auf das Preisschild bezogen wäre allerdings jede ernsthaft gemeinte Kritik in dieser Richtung Erbsenzählerei. Der Advance macht einen ausgezeichneten Job. Wer mehr audiophile Feingeistigkeit, präzisere Details, mehr Schnelligkeit und Plastizität will, muss deutlich tiefer in die Tasche greifen.

Noch erfreulicher wird das Ergebnis, wenn der eingebauten Kopfhörerverstärker in die Rechnung einbezogen wird. Der begeistert nämlich mit einem so dynamisch-lebendigen Klangbild, wie ich es bisher nur bei wenigen HiFi-Vollverstärkern mit Kopfhöreranschluss gehört habe. Selbst mit dem 600 Ohm beyerdynamic T 1 zaubert der Advance ein musikalisch stimmiges Gesamtbild zwischen die Ohren, wie ich es sonst nur von einigen dezidierten Kopfhörerverstärkern in der Preisklasse um 500 Euro erlebt habe. Respekt!

Fazit: Eine Großpackung Musikspaß

Der Advance Paris MyConnect 150 Streaming-App entpuppt sich als echter Glücksgriff – mit nur kleinen Schönheitsmakeln. Im Vergleich zu anderen Lösungen dieser Art, die ich bislang kennenlernen durfte, erfreut vor allem die einfache und direkte Bedienung des französischen Amps. Er vereint zahlreiche digitale und analoge Quellenoptionen in einem zwar recht voluminösen, aber auch optisch beeindruckendem Gehäuse mit klassischem Look.

Dank kräftigem Class-A/B-Endverstärker versteht sich der Advance Paris MyConnect 150 mit einer Vielzahl passiver Lautsprecher (plus Subwoofer, wenn gewünscht) und klingt zudem so groß und erwachsen, wie er aussieht.

Bei einem Gerät von derartiger Komplexität ist es nahezu unvermeidlich, dass es ein paar „Wenn“ und „Aber“ gibt. Gewisse Punkte, wie fehlendes HDMI oder keine Roon-Unterstützung könnten ein Dealbreaker sein, wenn man genau das benötigt. Davon abgesehen dürfte es schwer werden, in dieser Preisklasse einen so umfangreich ausgestatteten und rundum glücklich machenden Streaming-Amp zu finden.

Advance Paris
MyConnect 150
2020/03
Test-Ergebnis: 4,5
Überragend
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Kraftvoll-satter, detailreicher und weiträumiger Klang
Riesiger und dabei gut bedienbarer Funktionsumfang
Ausgezeichneter Kopfhörerverstärker integriert
Ausgesprochen günstig

Vertrieb:
Quadral GmbH & Co. KG
Am Herrenhäuser Bahnhof 26
30419 Hannover
www.advance-paris.de

Preis (Hersteller-Empfehlung):
Advance Paris MyConnect 150: 2.000 Euro

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Autor: Frank Borowski

LowBeats Experte für Schreibtisch-HiFi und High End kennt sich auch mit den Finessen der hochwertigen Streaming-Übertragung bestens aus. Zudem ist der passionierte Highender immer neugierig im Zubehörbereich unterwegs.