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Raphael Vogt im Gespräch mit Charlie Randall, High End 2017
Raphael Vogt im Gespräch mit Charlie Randall von McIntosh auf der High End 2017

Der mächtigste High-Ender? Charlie Randall im Interview

Während der High End 2017 bat LowBeats Charlie Randall zum Gespräch. Als Chef der McIntosh Group (ehemals Fine Sound Group mit den Marken: Sonus faber, Audio Research, Wadia, Sumiko und eben McIntosh) ist Charlie Randall der wohl einflussreichste Manager im High End weltweit und hat einiges zu sagen.

LowBeats Geschäftsführer Raphael Vogt befragte ihn zur Gegenwart und Zukunft hochwertiger Musikwiedergabe, zu Produkt-Tendenzen und Marktentwicklungen, zum aktuellen Retro-Trend und zu internationalen Eigenheiten.

Spannend. Aber Charlie Randall ist Profi-Kommunikator seit vielen Jahrzehnten, entsprechend komprimiert sind die Informationen in seinem eher flotten Redefluss. Zur Verständnis-Erleichterung haben wir deshalb unser Gespräch mit Charlie Randall im Anschluss ins Deutsche übersetzt.

Raphael Vogt (links) und Charlie Randall (zum Video im Bild klicken)

Raphael Vogt: Vielen Dank, dass Sie unser Gast sind. Charlie Randall, vielleicht fangen wir mit etwas Einfachem an und Sie erklären kurz, wer Sie sind?

Charlie Randall: Ok. Ursprünglich komme ich aus der Entwicklung, ich bin ein sehr technischer Typ. Bei McIntosh bin ich seit 1985, es sind inzwischen also über 30 Jahre. Ich fing an in der technischen Abteilung, wurde schließlich für zwei Jahre Vizepräsident der Entwicklungsabteilung und 2002 dann Geschäftsführer bei McIntosh. Anfang 2017 übernahm ich auch die Geschäftsführung bei der McIntosh Group.

Am Anfang hieß die Gruppe anders. Wie ist ihre Geschichte?

Anfangs hieß die Gruppe Fine Sounds, und Fine Sounds hatte einen Private-Equity-Sponsor aus Italien, der aus der Firma 2014 ausstieg. An dem Punkt, als sie sich entschieden, auszusteigen, haben wir die Firma zurück in die USA geholt mit einem neuen Equity-Sponsor, zu dieser Zeit haben wir die Gruppe in McIntosh Gruppe umbenannt.

Welche Marken und Firmen gehören dazu?

In der Gruppe haben wir verschiedene Marken, logischerweise McIntosh, Sonus faber, Wadia und Audio Research, dazu eine kleine Support Firma, die eigentlich der Vertrieb von Sonus faber in den Vereinigten Staaten war, aber durch Sonus faber oder durch die Vertriebsfirma mit dem Namen Sumiko bieten wir unsere eigenen Subwoofer und Tonabnehmer an. Wir vertreiben aber auch immer noch Pro-Ject Plattenspieler für den amerikanischen Markt, was wir seit zehn Jahren tun.

Ja, das ist eine ganz schöne Produkt-Bandbreite, das macht Charlie Randall also zum mehr oder weniger mächtigsten Mann der Welt in Bezug auf High End Audio, stimmt’s?

Das glauben wir auch gern. Ja klar (lacht).

Nein, unser Markenportfolio ist groß und überzeugend und auch unsere Geschichte ist ein Teil davon. Ein anderer Teil ist, dass wir technologisch immer auf dem neuesten Stand bleiben, immer nach neuen Materialien suchen, ob im Lautsprecher-Bereich für Sonus faber oder für McIntosh. Es geht darum, technologisch auf dem Laufenden zu bleiben. So zum Beispiel mit den neuesten Entwicklungen wie Streaming. Aber wir haben auch die klassischen Produkte – etwa Schallplattenspieler, die ja gerade wieder sehr populär sind. So spielen wir also auf allen Bühnen: von Transistor- bis hin zu Röhren-Technologie. Audio Research ist ja fraglos einer der exklusivsten und hochwertigsten Hersteller im Röhren-Bereich.

Sie sind aber auch in einer großen Bandbreite von Märkten unterwegs, denn Sie haben Installations-Produkte, traditionelles HiFi, Heimkino, wie geht das alles zusammen? Gibt es eine Form von Koordination zwischen den Marken?

Ja, ich denke, die Märkte sind ein bisschen unterschiedlich, wenn man in der ganzen Welt unterwegs ist. Wenn wir mal für eine Minute über Nordamerika sprechen, ist dort 50 % unseres Geschäfts Zweikanal und 50% Heimkino. Offensichtlich ist Nordamerika der größte Heimkino-Markt. Wenn wir nach Europa schauen, ist Heimkino schwächer: Auf dem europäischen Markt würde ich sagen, ist das Verhältnis 70 % zu 30 %.

Reden Sie gerade von der Marke McIntosh?

Nein. Für Sonus faber mit ihren Heimkino-Lautsprechern gilt das ebenfalls. Und der asiatisch-pazifische Raums ist praktisch ein 100% Zweikanal-Markt, mit der Ausnahme von Zentral-China. Audio Research ist prinzipiell eine Zweikanal-Firma, also bespielen sie nur den Zweikanal-Markt, aber auch Audio Research erlebt weltweit eine gute Marktdurchdringung.

Da bin ich sicher. Gibt es andere Marken, die Charlie Randall auf seiner „Einkaufsliste“ hat?

Die Sonus faber Guarneri Tradition auf dem dazugehörigen Ständer
Die Sonus faber Guarneri Tradition (Foto: Sonus faber)

Derzeit wollen wir uns auf unsere vorhandenen Marken fokussieren. Natürlich schauen wir immer die verschiedensten Szenarien an, aber da ist nichts, das dringenden Handlungsbedarf hätte, denn innerhalb der Gruppe haben wir eine ganz schön große Initiative mit unserer Lifestyle Kategorie. Der Hintergrund für diese Kategorie ist nicht, eine simplifizierte Version einer der Marken zu bauen, sondern eine echte Premium-Lösung in der Lifestyle Kategorie anzubieten. So wollen wir vor allem jüngere Kunden anzuziehen, die wir dann letzten Endes für das normale HiFi interessieren möchten – also jene Branche, mit der wir alle vertraut sind und aus der wir kommen.

Wie es scheint, arbeiten Ihre Marken sehr unabhängig voneinander, wenn es um ihre Produkte und die Technik geht. Gibt es eine Tendenz, dies mehr zu integrieren, z.B. einer macht einen guten DAC, den die andere Firma nutzen kann, oder die McIntosh Lautsprecher werden in Zukunft von Ihrer anderen Lautsprecherfirma hergestellt, oder werden das separate Inseln in der Gruppe bleiben?

Ich würde es so sagen: Innerhalb der Gruppe schauen wir uns selbstverständlich neue Technologien an. Womöglich gibt es Lautsprecher-Technologien, die sowohl für McIntosh als auch Sonus faber interessant sind. Eine solche Sicht ist um so wichtiger, wenn es um Technologien wie Streaming geht. Wenn man sich für eine Plattform entscheidet, muss man sicherstellen, dass die Produkte aller Marken zusammenarbeiten können – vor allem in Bezug auf die Lifestyle Kategorie. Sie kennen die großen Player, die es da draußen gibt wie Sonos. Wenn wir also über Multiroom Streaming sprechen, müssen wir sicherstellen, dass die McIntosh Produkte, die Sonus faber Produkte und – falls Audio Research beschließt, sich auch im Lifestyle zu involvieren – auch Audio Research Produkte miteinander harmonieren, damit der Kunde innerhalb der Gruppe frei wählen kann, was am besten zu ihm oder in seinen Raum passt.

Das macht eine Menge Sinn.

Was die Technik und Produkt-Entwicklung betrifft, bleiben die Firmen eigenständig. Wir arbeiten schon an den Technologien zusammen, aber wenn es um konkrete Produkt-Entwürfe geht, bleibt das jeder Marke selbst überlassen, weil wir nicht die DNA der Marken ändern wollen. So steht Audio Research für Röhrentechnik, sie nutzen ihre eigenen Schaltungen. Im Vergleich zu McIntosh ist es eine komplett andere Konstruktion. Beim Thema Streaming können wir natürlich alle profitieren, zum Beispiel wenn es um eine USB-Audio-Lösung geht. Dann kooperieren alle und sprechen über den besten Weg, damit wir die Erkenntnisse aus den Ressourcen teilen können. Wenn es aber um die Produkt-Umsetzung geht, ist das ausschließlich die Sache jeder einzelnen Marke, die die Technologie so einsetzt, wie es für sie passend ist.

Was glauben Sie, wo die verschiedenen Aspekte des High End Audio in der Zukunft hin driften? Wo werden wir Ihrer Meinung nach in 10 Jahren stehen in Sachen Markt und Produkte?

Nun, wenn man die Messe im MOC als Indikator sieht, würde ich sagen: in ziemlich gutem Zustand. Noch nie in meinem ganzen Leben habe ich derart viele Menschen auf dieser Messe erlebt. Es ist gut, diesen Enthusiasmus zu sehen und die derzeit auf dem Markt verfügbare Vielzahl an Produkten. Und dann ist natürlich wichtig, den Enthusiasmus der Kunden zu erhalten. Wer weiß denn schon, was die nächste Generation von Software für Video, Heimkino und weitere Anwendungen oder Musik sein wird. Wir haben ja schon große Veränderungen erlebt: in Bezug auf, was man heute vom Internet streamen kann, von verschiedenen Bandbreiten bis zu hochaufgelöster Musik. Und es wird sich immer weiter verbessern. Vieles ist offensichtlich schon heute besser als das, was man auf einer CD kaufen kann.

Ja, was sehr erstaunlich ist und in sehr kurzer Zeit kam. Was denken Sie also, wo der Markt sich hin entwickelt, mehr Analog, mehr Digital, mehr Retro, mehr Streaming? Im High End Markt, der Massenmarkt könnte etwas anders sein?

Ich glaube, der High End Markt wird sicher immer die traditionellen Produkte pflegen, sehr ähnlich zum Vinyl. Wenn Sie nur an den ernsthaft Audiophilen denken oder den Musik-Liebhaber – ich betrachte Sie als zwei verschiedene Typen. Natürlich liebt der Audiophile Musik, aber ihn interessiert auch das Produkt sehr. Aber wegen der Mobilität von HiFi, dem Streaming und all dem, kamen eine Menge Musik-Liebhaber hinzu,  weil sie Musik quasi überall haben können. HiFi-Fans sind immer auf der Suche nach etwas, das besser klingt. Ob es um einen 200-Dollar-Kopfhörer geht oder um eine 5.000-Dollar-Kopfhörer; sie erwarten etwas Erlebbares für ihr Geld, nicht wahr?

Und was den technischen Wandel betrifft, wird er vielfältig. Die Massen-Marken bleiben technisch auf dem Laufenden. Und das ist, wonach der junge Kunde sucht. Aber auch wegen der höheren Bandbreite beim Streaming, das eigentlich ein besseres Medium ist als was man auf CD bekommt. Aber der Kunde wird die CD nicht aufgeben, denn er hat viel Geld in sie investiert, bei wahrscheinlich 500 bis ca. 3000 CDs. Eigentlich ist die CD ja Software, man wird also immer einen guten Player brauchen, um sie abzuspielen. Das ist durchaus mit dem Wiederaufleben von Vinyl vergleichbar. Weil die Leute denken, sie würden mit einer LP mehr hören als bei einem gestreamten Stück oder einer CD. Was ja auch wahr ist.

Fortsetzung auf Seite 2