KEF LS 60 Ambiente
Es wäre nicht KEF, könnte man auch das neue Technologie-Flaggschiff nicht mühelos im schönen Wohnraum integrieren. Die LS60 kostet 6.600 Euro (Foto: KEF)

Standbox KEF LS60: die kultige LS 50 wird erwachsen

Eines der Highlights des noch jungen HiFi-Jahres 2022 steht bereits fest: Es ist die neue KEF LS60, eine WLAN-Strandbox, die das Zeug hat, den Kult-Charakter der LS50 fortzuschreiben. Ende März hatte der hiesige KEF-Vertrieb (GP Acoustics) zu einer exklusiven Vorführung in Berlin geladen. Wir waren natürlich dabei und konnten so schon einmal erste Klangeindrücke sammeln…

Vor zehn Jahren landete KEF anlässlich des 50. Geburtstags mit der LS50 einen echten Knüller. Zehn Jahre später legen die Briten zum Geburtstag wieder einen außergewöhnlichen Lautsprecher auf: eine superschlanke Standbox, die wie eine Quintessenz der letzten, teils revolutionären Technologie-Entwicklungen wirkt.

Das Konzept KEF LS60

KEF LS 60 Farben
Sehr schlank: die neue LS60 ist gerade einmal 13 Zentimeter breit (Foto: KEF)

Wer bei dem Namen LS60 einfach nur eine LS50 als Standbox mit etwas mehr Bass vermutet, liegt falsch. Technisch/akustisch ist die LS60 das Beste aus zwei KEF-Welten: aus der LS50- sowie aus der Blade-Welt. Das heißt, wir finden hier einen Mittelhochton-Koax (den kleinen Uni-Q der 12. Generation) und das trickreiche Bass-Array der Blade-Modelle. Zur Erinnerung: Durch die symmetrische Anordnung der vier Bässe auf den Seitenwänden entsteht eine perfekt kugelförmige Bass-Abstrahlung während der Uni-Q für die mittleren und hohen Frequenzen das Ideal der Punktschallquelle umsetzt.

KEF LS 60 Vorn / hinten
Auch das Anschluss-Board ist KEF-mäßig stylisch geformt (Foto: KEF)

Natürlich ist der Uni-Q der KEF LS60 – wie auch die neueste Version der KEF LS50 – siehe Test) mit dem META-Material ausgestattet, das klangschädliche Reflektionen der nach hinten abgestrahlten Energie im Hochtonbereich wirkungsvoll unterdrückt.

Aber auch das Bass-Array ist ein technischer Leckerbissen: Es besteht nämlich aus zwei Uni-Core-Treibersystemen. KEF-Fans werden dieses System, bei dem zwei Bässe so eng aneinandergekoppelt sind, dass sie zwar zwei Schwingspulen und zwei Membranen haben, aber denselben Antrieb nutzen, kennen: Es wird bereits im KC62-Subwoofer eingesetzt, wo es aufgrund der Bauart sehr erfolgreich Gehäuse-Vibrationen vermeidet.

KEF KC62 Aufriss
Der Uni Core im Querschnitt: ein Antrieb, zwei Schwingspulen (Grafik: KEF)

Ungewöhnlich schlicht indes ist das Gehäuse beziehungsweise sein Design. Denn weder die knuffige Form der LS50 noch der elegante Schwung der Blade-Modelle findet sich hier wieder. Stattdessen kerzengerades Slimline-Design mit hübsch gerundeten Kanten und ein immer noch zierlicher Fuß, der das Umfallen vermeiden soll. Wie immer bei KEF ist die Gehäusequalität makellos und die Farbpalette größer als bei den meisten Mitbewerbern.

Die technischen Daten

KEF LS60
Konzept:aktive 3-Wege Bassreflex-Standbox mit Koax
Tieftöner:4 x 13,5 cm Ø Aluminium-Membran
Mittel/Hochtöner:1 x 10,0 cm Uni-Q Koax (Hochtöner Meta-belüftet)
Leistung der Endstufen:TT: 500 Watt; MT: 100 Watt; HT: 100 Watt
Wireless-Streaming-Funktionen:AirPlay 2, Google Chromecast, Roon Ready, UPnP kompatibel, Bluetooth 4.2
Streaming-Dienste:Spotify via Spotify Connect, Tidal via Tidal Connect, Amazon Music, Qobuz, Deezer,
QQ Music via QPlay, Internet Radio, Podcast
Abmessungen ohne (H x B x T):
und mit Sockel
104,2 x 13,0 x 32,1 cm
109,0 x 21,2 x 39,4 cm
Gewicht:31,2 Kilo
Alle technischen Daten

Diese Eigenschaften machen die KEF LS60 zum ganz großen Wurf. Denn natürlich sind die vielen „smarten“ Vorteile der LS50 Wireless II ebenfalls eingebaut: Die Standbox funktioniert kabellos, quasi jeder Streaming-Dienst ist vorbereitet und die Einstellungs-Möglichkeiten für Raumakustik oder für den eigenen Geschmack sind erfreulich hoch.

Klangeindruck:

Wie angedeutet war ich auf der ersten Präsentation in Berlin, wo die LS60 einen Raum beschallte, der locker 150 Quadratmeter hatte. Das machte ihr nichts aus. Musikfreunde, die sich schon mit KEF auseinandergesetzt haben, kennen diese und die plastische Abbildung sehr genau, mit der alle KEF-Modelle mit Uni-Q den Zuhörer verzaubern.

KEF LS60 Entwickler
Dr. Sebastian Degraeve war federführend bei der Entwicklung der superschlanken „Mini-Blade“ namens LS60 und erklärte in Berlin die technischen Besonderheiten (Foto: H. Biermann)

Bei der neuen LS60 allerdings kommt etwas Neues hinzu: Ein gleichermaßen satter wie federnd-präziser Bass, der – so schien es – unglaublich tief in den Frequenzkeller steigen kann. KEF-Botschafter Johan Coorg, der auch dieses Mal durchs musikalische Programm führte, ist ein Freund elektronischer Musik mit eruptivem Bass. Man merkte schnell, dass diese Standbox sehr viel mächtiger klingt, als man es ihrer Silhouette oder ihrer Bassbestückung zutrauen würde.

Johan Coorg
Johan Coorg ist der junggebliebene Marken-Botschafter von KEF, obwohl er derzeit wohl die meisten KEF-Dienstjahre auf dem Buckel hat – nämlich gut 30 (Foto: H. Biermann)

Und wenn der Bass wirklich gut ist, dann profitieren auch die Mitten. Trotz der Raumgröße und trotz des gut 30-köpfigen Auditoriums klang die LS60 sehr fein, sehr offen, sehr entspannt. Natürlich muss man für ein finales Urteil den Test abwarten. Aber diese smarte „Mini-Blade“ hat das Zeug zu Großem…

Der Paarpreis der LS60 wird bei 6.600 Euro liegen. Auf der HIGH END 2022 ist die LS60 leider nicht zu hören, ihre Markteinführung wird auf Ende Juni taxiert. Weitere Informationen unter www.kef.de

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Autor: Holger Biermann

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Chefredakteur mit Faible für feinste Lautsprecher- und Verstärkertechnik, guten Wein und Reisen: aus seiner Feder stammen auch die meisten Messe- und Händler-Reports.