Yamaha L700A Desk
Mit dem Over-Ear-Kopfhörer YH-L700A bringt Yamaha 3D-Sound und Head Tracking für alle Bluetooth-Quellen. Ein Raumklangwunder für 550 Euro? (Foto: Yamaha)

Test BT-Kopfhörer Yamaha YH-L700A: günstiger und besser als Apple AirPods Max?

Mit dem Yamaha YH-L700A hat der japanische Hersteller jetzt einen Bluetooth Over-Ear-Kopfhörer im Angebot, der nicht nur Spitzenklang für unterwegs verspricht, sondern auch einige spannende DSP-Features bietet. Sowohl preislich als auch funktional legen die Japaner sich hier mit Apples AirPods Max an, der im LowBeats-Test absolut überzeugen konnte. Ob der YH-L700A eine ebenbürtige und zudem günstigere Alternative darstellt, haben wir gründlich getestet. Der Hörer hat einzigartige Vorteile – aber auch Schwachpunkte.

Musikalischer Wohlklang ist längst nicht mehr nur etwas für das stille Kämmerlein vor der heimischen HiFi-Anlage. Dank der Kopfhörer-Revolution in den vergangenen zehn Jahren sowie enorme Fortschritte bei der mobilen, digitalen Musikwiedergabe (und nicht zuletzt der drahtlosen Übertragungstechnik Bluetooth) kann heute jeder seine „HiFi-Anlage“ immer und überall dabeihaben. Klar, es ist immer noch ein Unterschied, Musik in ruhiger Umgebung über hochwertige Lautsprecher zu genießen oder in der rappelnden und rumpelnden U-Bahn über Kopfhörer. Nichtsdestotrotz sind Bluetooth-Kopfhörer, egal ob In-Ear oder Bügel, eine großartige Sache.

Yamaha L700A on Head
Yamaha YH-L700A: Hoch komplexe Technik, aber dezenter Look. (Foto: Yamaha)

Zusätzliche Technologien wie aktive Geräuschunterdrückung (ANC = Active Noise Cancelling) und DSP-basierte Klangprogramme mögen dabei aus Sicht von Klangpuristen eher kontraproduktiv sein. Aber sie helfen eindeutig, den Musikspaß in unruhigen oder gar lärmenden Umgebungen zu verbessern. Darum kommt heutzutage kaum ein aktiver Mobilkopfhörer ohne derartige Features aus.

Ein weiterer sehr wichtiger Punkt ist der Nutzungskomfort. Wer unterwegs keine Tasche oder Rucksack mitführt, wird meist zu In-Ears greifen. Bügelkopfhörer sind sperriger, dafür aber vor allem aus bestimmten klanglichen Aspekten oft die bessere Wahl. Dabei muss der Tragekomfort natürlich stimmen und die Bedienung sollte einfach, sicher und intuitiv sein. Sprich: Das Gesamtpaket muss stimmen.

Ehre wem Ehre gebührt: Apple hat in dieser Hinsicht mit den AirPods Max ein ganz ausgezeichnetes Produkt abgeliefert. Dabei sind einige seiner Features aber nur dem in ihm verbauten Spezialchip H1 und der engen Verzahnung mit dem Apple-eigenen Öko-System zu verdanken. Manche Features der AirPods Max funktionieren daher nur im Verbund mit Apple-Devices. Etwa das nahezu vollautomatische Bluetooth-Pairing durch Annäherung oder der Wechsel bzw. die automatische Tonumschaltung zwischen verschiedenen Geräten. Das kann sonst kein anderer Bluetooth-Kopfhörer derart elegant. Auch der Yamaha YH-L700A nicht.

Ein anderes Beispiel ist der 3D-Sound (im englischen von Apple „Spatial Audio“ genannt) und Dynamic Head Tracking sowie Adaptive EQ der AirPods Max und Pro (und neuerdings auch der AirPods Gen. 3). Apple hat hier exzellente Arbeit abgeliefert, doch viele dieser Techniken funktionieren nicht immer: 3D-Sound geht nur mit iDevices (iPhone 7 oder neuer) und nur mit iOS 14 oder neuer, nur mit dem Apple TV 4K (ab tvOS 15), nicht mit TV-Geräten. Zudem funktioniert der 3D-Sound derzeit nur mit den Streamingdiensten Apple TV+ und Disney+. Nicht zuletzt muss der Ton für Apples 3D-Sound speziell abgemischt werden. Das sind ziemlich viele Wenns und Abers. Und genau da kommt Yamaha mit dem YH-L700A ins Spiel.

Yamaha YH-L700A: 3D-Klang mit Head Tracking

Yamaha hat mit digitaler Signalverarbeitung und 3D-Sound Erfahrung wie kaum ein anderer. Schon Mitte der achtziger Jahre baute Yamaha mit dem CX-10000 den ersten voll digitalen und DSP-gesteuerten Vorverstärker mit digital-parametrischem Equalizer.

Yamaha CX-1000
Yamaha CX-10000: Der erste digitale Vorverstärker mit DSP aus Mitte der 80er Jahre (Foto: F. Borowski)

Über viele Jahre konnte Yamaha sein Knowhow auf dem Gebiet der Raumklang-Simulation außerdem mit seinen innovativen Soundprojektoren erweitern. Das sind Soundbars, die durch geschickte Ausnutzung von Raumreflexionen mit zahlreichen kleinen Einzelchassis und digitaler Technik einen beeindruckenden Rundum-Klang mit nur einem Lautsprecher ermöglichen.

Yamaha Sound Projector
Yamaha YSP-4100 Digital Sound Projector (Foto: Yamaha)

Also wer, wenn nicht Yamaha sollte sich daran wagen, den Kopfhörer von seinen klassischen Klangfesseln zu befreien und ihm echten Raumklang anzutrainieren?

Die Technik des Yamaha YH-L700A in der Übersicht:

  • Bluetooth 5.0 mit aptX Adaptive und AAC
  • Advanced ANC (abschaltbar durch ANC-Taste oder App)
  • Ambient Sound (Transparenzmodus)
  • Listening Care (adaptive Loudness, über App abschaltbar)
  • Listening Optimizer (Anpassung an den Sitz und die Ohrform, abschaltbar in der App)
  • 3D Sound Field (Raumklangsimulationen)
  • Head Tracking (über App an- und abschaltbar)
  • Telefonie und Sprachassistenz
  • Auto-Standby über App einstellbar
  • App „Headphone Controller“
  • englische Sprachansagen
  • echter Passivmodus
  • DSP-Features auch über analoges Signal nutzbar

Das Herzstück hierbei ist die 3D-Sound-Field-Technologie. Über eine Taste am Kopfhörer oder mit Hilfe der zugehörigen „Headphone Controller“-App kann der Nutzer zwischen folgenden Raumklangsimulationen umschalten:

  • Cinema
  • Drama
  • Music Video
  • Concert Hall
  • Outdoor Live
  • Audio Room
  • Background Music

Außerdem ist eine Head-Tracking-Funktion integriert, die das Klangzentrum in Abhängigkeit zu den Kopfbewegungen des Trägers verschiebt. Oder anders gesagt: Der Klang wird (mehr oder weniger) vor dem Hörer lokalisiert und bleibt immer da, wo beim Aufsetzen der Kopfhörer vorne gewesen ist.

Im großen Unterschied zu den Apple AirPods Max funktioniert dies beim Yamaha YH-L700A ohne speziell abgemischte Musik mit jeder beliebigen Stereoquelle. Die Frage ist nur, wie gut das klappt. Bevor ich zu der Klangauswertung komme, erst noch ein paar Details zum Kopfhörer.

Der L700A in der Praxis

Geliefert wird der rund 550 Euro teure Yamaha Kopfhörer in einem flachen, ovalen Case. Die Hörer-Gehäuse lassen sich in eine flache Position drehen und zur Platzeinsparung teilweise in den Bügel einklappen. So passt das Set bequem in den Rucksack. Mitgeliefert wird neben einem USB-C-Kabel zum Aufladen ein 3,5 mm Klinkenkabel für analoge Verbindung und – was fast schon eine Seltenheit ist – ein Flugzeugadapter.

Yamaha L700A im Case
Die Hörer lassen sich in eine flache Position drehen und teilweise in den Bügel klappen. Im Case ist auch Platz für Kabel und Adapter (Foto: Yamaha)

Der Kopfhörer besteht zum größten Teil aus mattschwarzem, sehr solidem und angenehm anzufassenden Kunststoff. Der gepolsterte Bügel und Teile der Hörergehäuse sind mit einem schwarzen Stoff verkleidet. Die Ohrpolster sind angenehm weich und mit Kunstleder verkleidet. Optisch hebt sich der L700A mit den eher rechteckig geformten Hörmuscheln wohltuend von der Masse ab und wirkt modern ohne irgendwelche Retro-Attitüden.

Wie für einen Mobilkopfhörer obligatorisch handelt es sich um eine geschlossene Konstruktion. Außengeräusche werden deutlich gedämpft und es dringt von der Musik so gut wie kein Ton nach außen. Die Drehgelenke der Hörer machen bei Bewegung leichte Quietschgeräusche. Zum Glück ist davon beim Tragen aber nichts zu vernehmen. Auch Knarzgeräusche im Gehäuse oder Bügel sind kein Thema. Die Konstruktion wirkt sehr solide, wenn auch nicht ganz so hochwertig wie beim AirPods Max.

Am rechten Gehäuse befinden sich neben einem USB-C-Port zum Laden mehrere Bedienelemente: Mit dem Daumen sind zwei Tasten erreichbar. Eine für On/Off und Pairing, sowie eine weitere zum Umschalten der DSP-Raumklangprogramme. An der Außenseite im unteren Bereich befindet sich eine kleine Lederfläche mit drei eingeprägten Markierungen. Darunter sitzen Tasten für die Lautstärke und Titel- bzw. Telefonie-Steuerung. Am linken Gehäuse ist eine 3,5 mm Klinkenbuchse verbaut und eine weitere Daumentaste angebracht, welche die ANC-Funktion steuert (Umschaltung ANC, Transparenzmodus und Off).

Die Tasten hätten für meinen Geschmack gerne etwas erhabener sein können. Nach kurzer Eingewöhnung weiß man zwar schnell, wo welche Taste zu erreichen ist, aber die Unterscheidbarkeit und der Druckpunkt könnten besser sein.

Vorwärts Zurück
Yamaha L700A rechts
Die Tasten am rechten Hörer für Power/Pairing und die 3D-Modi (Foto: F. Borowski)
Yamaha L700A links
Am linken Gehäuse ist die Taste für ANC bzw. Transparenzmodus (Foto: F. Borowski)
Yamaha L700A Steuertasten
Unter diesem mit Leder verkleideten Feld sitzen die Tasten zur Titelsteuerung (Foto: F. Borowski)
Vorwärts Zurück

Thema Kabelmodus

Viele Bluetooth-Over-Ears verfügen über eine Funktion für kabelgebundene Musikwiedergabe. Dabei gibt es zwei wesentliche Arten. So kann beispielsweise der AirPods Max zwar per speziellem Adapterkabel Lightning-auf-Klinke an eine 3,5-mm-Klinkenbuchse angeschlossen werden (also an einen analogen Ausgang), aber der Kopfhörer selbst arbeitet niemals analog oder passiv. Bei vielen anderen Kopfhörern ist es ähnlich. Ein weiteres Beispiel wären die B&W PX5 und PX7.  Analog eingespeiste Signale werden in diesen Kopfhörern digitalisiert, durch die eigene (DSP-) Elektronik gejagt und dann wieder analog gewandelt. Und das bedeutet auch: Ist der Akku leer, geben diese Kopfhörer keinen Ton mehr von sich.

Der Yamaha L700A besitzt hingegen einen echten Passivmodus. Oder genauer gesagt, er hat beide Spielarten drauf: Er kann analoge Signale sowohl rein passiv (ohne jeden DSP im Signalweg und ohne aktive Elektronik) als auch aktiv verarbeiten. So kann entweder ganz puristisch und bei komplett leer gesaugtem Akku Musik genossen werden, oder die analogen Signale können im (eingeschalteten) L700A digitalisiert und mit Raumklang und ANC aufgepeppt werden – ein dickes Plus!

Yamaha L700A Gewicht
Mit 341 g (Werksangabe 330 g) ist der L700A angenehm tragbar. Wir haben selbstredend nachgewogen… (Foto: F. Borowski)

Die App des Yamaha L700A

Der L700A kann ganz ohne App genutzt werden. Das ist in der heutigen Zeit schon nicht mehr ganz selbstverständlich. Dennoch bietet Yamaha eine natürlich kostenlose App für iOS und Android an, mit der einige zusätzliche Funktionen zugänglich werden. Dazu gehört neben einer Akkustandanzeige in Prozent die Möglichkeit, „Listening Care“ und „Listening Optimizer“ an- und auszuschalten, Firmware-Updates einzuspielen und einen Standby-Timer einzustellen.

Vorwärts Zurück
Yamaha L700A App 01
Die App Yamaha „Headphone Controller“. Hier einige selbsterklärende Screenshots vom iPhone.
Yamaha L700A App 02
Yamaha L700A App 04
Yamaha L700A App 05
Yamaha L700A App 06
Yamaha L700A App 07
Yamaha L700A App 08
(Alle Screenshots: F. Borowski)
Vorwärts Zurück

Klangtest: Viel Licht und ein bisschen Schatten

Beginnen wir mit dem Passivmodus. In diesem komplett analogen und von allen DSP-Klangverbiegern befreitem Modus zeigt sich, dass Yamaha grundsätzlich einen ausgezeichnet abgestimmten Kopfhörer entwickelt hat. Der Yamaha YH-L700A klingt an einem guten DAC/Kopfhörerverstärker sehr ausgewogen, straff und farbstark und kommt ganz ohne überbetonte Bässe aus. Dabei bietet er eine Präzision und Ehrlichkeit, die ihn auch für Studiohörer qualifiziert. Beste Voraussetzungen also, um darauf aufbauend mit Hilfe der DSP-Technik faszinierende (Raum-) Klangwelten zu generieren.

Während der L700A im Passivmodus Musik spielt, kann er über die Powertaste eingeschaltet und damit seine digitale Signalverarbeitung hinzugeschaltet werden. Das Klangbild ändert sich dadurch je nach aktiviertem 3D-Modus deutlich in eine gänzlich andere Richtung.

Im Modus „Audio Room“ stellt sich noch am ehesten ein vertrautes Gefühl ein. Relativ direkte Wiedergabe und wenig künstlicher Hallanteil. „Background“ ist (wie der Name schon sagt) für Hintergrundbeschallung gedacht, addiert offenbar ein wenig mehr Bass für eine Art Loudness-Korrektur, wirkt aber auch bei höheren Pegeln sehr überzeugend und nicht übertrieben fett.

Im Cinema-Modus scheint es eine Art künstliche Raumresonanz zu geben, wodurch vor allem der Bass etwas unkontrollierter wirkt. „Drama“ setzt bei der Bassbetonung noch etwas drauf und lässt die Mitten und Höhen „farbiger“ erscheinen. „Music Video“ erzeugt ordentlich Nachhall. Den kann man buchstäblich ausschwingen hören, wenn die Musik abrupt unterbrochen wird. Bei „Concert Hall“ wird der Hall-Effekt noch extremer eingesetzt, was tatsächlich zu einer sehr realistischen Bühnenatmosphäre führt. „Outdoor Live“ kommt nahezu ohne Nachhall aus, lässt es aber auch ordentlich rocken.

Yamaha L700A Desk
Am Desktop oder mit mobilen DACs kann der L700A auch kabelgebunden genutzt werden. (Foto: Yamaha)

Alle Klangmodi komplett und ausführlich mit unterschiedlichem Musik- und Filmmaterial in allen ihren Eigenheiten zu beschreiben würde den Rahmen hier deutlich sprengen. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass jeder einzelne der verfügbaren 3D-Modi einen ziemlich realistischen Effekt erzeugt. Mit der passenden Musik oder Filmton steht dem Nutzer damit eine große Spielwiese offen. Was aber in gewisser Weise auch ein Nachteil ist, denn man ist bei fast jedem Musikstück erst mal wieder am Durchschalten, um den passendsten Modus zu finden. Zumindest in der App hätte ich mir dafür eine direkte Auswahl aus einer Liste gewünscht, anstatt die Modi einen nach dem anderen durchschalten zu müssen. Übrigens: Durch langes Drücken der 3D-Taste können die 3D-Modi und Head Tracking auch ganz ausgeschaltet werden.

Head Tracking – Cool but useless?

Eine weitere Erlebnisebene kommt durch das Head Tracking hinzu, welches mir aber nicht in allen Aspekten gefiel. Grundsätzlich ist auch dieser Effekt sehr beeindruckend und kommt der vergleichbaren Funktion der Apple AirPods recht nahe. Allerdings mit einigen Unterschieden. Bei Apple funktioniert Head Tracking nur dank des H1-Chip und in Verbindung mit kompatiblen Quellen. Kopfhörer und Quelle kommunizieren hier untereinander und „verraten“ sich gegenseitig ihre relative Position und Richtung zueinander.

Beispiel AirPods mit iPad bei einem Spielfilm: Der Ton scheint hier stets aus der Richtung zu kommen, in der sich das iPad befindet. Dreht man den Kopf, bleibt der Ton stabil da, wo das iPad liegt. Im L700A dagegen ermitteln empfindliche Bewegungssensoren im Kopfhörer die Kopfbewegung links/rechts, auf und ab. Wo das Zentrum ist, wird beim ersten Aufsetzen / Einschalten bestimmt.

Beispiel: Die L700A sind mit einem Bluetooth-fähigen TV verbunden. Ist beim Aktivieren der Kopfhörer der Blick zum Fernseher gerichtet, kommt der Ton aus dieser Richtung.

Yamaha L700A und Case
Das Case ist zwar nicht winzig, passt aber in jeden Rucksack. (Foto: Yamaha)

Wird der Kopf sehr viel hin und her bewegt, etwa outdoor oder bei der Arbeit, kann der Effekt auch lästig werden. Am ehesten eignet es sich definitiv für Filmgenuss. Ich konnte auch gewisse störende Effekte ausmachen. So ändert sich manchmal die links/rechts-Orientierung etwas, wenn der Kopf nur nach vorne geneigt wird, was natürlich nicht passieren sollte. 

Unter dem Strich ist das Head Tracking im L700A ein toller Mehrwert vor allem für Filmfreunde mit einem passenden Fernseher, der den Ton per Bluetooth ausgeben kann. Ansonsten würde ich es die meiste Zeit ausgeschaltet lassen.

Listening Care, Listening Optimizer und ANC

Wie in der Übersicht oben beschrieben, handelt es sich hierbei um Funktionen, die Ähnlichkeit mit einer adaptiven Loudnesschaltung (Listening Care) haben, beziehungsweise dazu dienen, den Klang an den Sitz der Kopfhörer und die „Ohrakustik“ anzupassen.

Die erstgenannte Funktion wirkt in Abhängigkeit zur eingestellten Lautstärke. Effektiv bemerkbar macht sich das im Wesentlichen bei der Basswiedergabe, die mit eingeschaltetem Listening Care deutlich zunimmt. Zu viel für meinen Geschmack, und der Bass wird dadurch auch zu brummig.

Den Modus „Listening Optimizer“ verstehe ich noch nicht so ganz. Die Bedienungsanleitung sagt. „Diese Funktion analysiert das Audio in Echtzeit und passt den Klang automatisch an den Sitz des Geräts an Ihren Ohren und Ihrer Ohrform an.“ Also ähnlich der Funktion Adaptive EQ in den AirPods. Optimalen Klang und Tragekomfort gibt es nur bei korrektem Sitz der Kopfhörer, welcher nicht schwer herzustellen ist. Einfach aufsetzen, die Ohrpolster über die Ohrmuscheln und die richtige Länge des Kopfbügels einstellen. Das ist alles. Einen unkorrekten Sitz, etwa wenn ein Hörer nur halb auf dem Ohr sitzt, kann diese Funktion natürlich nicht klanglich kompensieren. Klangliche Auswirkungen hat die Funktion bei mir nur in geringem Maße. Und die wirkt am ehesten auch nur wie eine leichte Bassanhebung. Listening Care und Optimizer blieben bei mir daher nach längeren Versuchen am Ende stets ausgeschaltet.

Yamaha L700A Chair
Ungebunden dank Bluetooth: Der Yamaha YH-L700A (Foto: Yamaha)

Und dann das: Die aktive Geräuschunterdrückung (heißt hier „Advanced ANC“) führt beim Einschalten zu einer deutlichen Veränderung des gesamten Klangbilds. Alles klingt plötzlich fetter und irgendwie so wie mit dem Kopf in einem Pappkarton. Was ist denn das? Sorry Yamaha: Auch wenn die eigentliche Geräuschunterdrückung sehr effektiv arbeitet, leidet die Klarheit des Klangs.

Bei aktiviertem Transparenzmodus nehmen die Außenmikrofone Umgebungsgeräusche auf und geben diese über die Schallwandler des Kopfhörers wieder. Diese Funktion kommt im Gegensatz zu ANC ohne Klangeinbußen daher und wirkt sogar natürlicher als bei den meisten anderen Konkurrenten mit dieser Funktion.

Fazit: Weite 3D-Klangwelten oder Stereogenuss pur

Die Funktionen für 3D-Klang und Head Tracking des Yamaha YH-L700A sind denen des Apple AirPods Max einfach zu ähnlich, als dass man einen direkten Vergleich hier ignorieren könnte. Das große Plus des Yamaha gegenüber dem Konkurrenten aus Cupertino ist, dass er diese Spezialfunktionen mit jeder Art von Musik- und Filmton und mit jeder beliebigen Bluetooth-Quelle ermöglicht, anstatt ganz spezielle Hard- und Software von Apple vorauszusetzen.

Aber sind die Funktionen im L700A auch genau so gut wie Apple gelungen? Ja und nein.

Die 3D-Klangprogramme sind allesamt recht gut gelungen und mit der passenden Musik oder Filmton eine echte Bereicherung. Man hat allerdings die Qual der Wahl. Das Head Tracking des L700A ist akustisch gesehen durchaus sehr gut gelungen und eignet sich insbesondere für TV-Genuss gut, aber funktional kann es mit dem Head Tracking der AirPods nicht mithalten.

Das ANC ist eine Enttäuschung, weil es sich deutlich negativ auf den Klang auswirkt. Hier sollte Yamaha wenn möglich per Firmware-Update nachbessern.

Zusammengefasst ist der Yamaha YH-L700A für diejenigen eine Alternative zu den AirPods Max, die sich nicht so tief in Apples Ökosystem begeben wollen. Er ist rund 70 Euro günstiger, kann seine 3D-Fähigkeiten mit allen Quellen ausspielen – egal, ob Apple, Android oder ein Fernseher mit Bluetooth-Sender. Und er hat einen echten Passivmodus! Das macht den Yamaha YH-L700A derzeit ziemlich einzigartig.

 

Yamaha YH-L700A
2021/10
Test-Ergebnis: 4,4
Sehr Gut
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
guter Klang, passiv oder aktiv
3D-Sound und Head Tracking mit allen BT-Quellen
Kabelmodus aktiv und passiv verfügbar
ANC mit negativem Klangeinfluss

Vertrieb:
Yamaha Music Europe GmbH
Siemensstrasse 22-34
25462 Rellingen
Yamaha

Preis (Hersteller-Empfehlung):
Yamaha YH-L700A: 549 Euro

Mit- und Gegenspieler:

Test Apple AirPods Max: BT Over Ear mit 3D-Klang & Headtracking

Mehr von Yamaha:

Test Yamaha RX-A2A: Erster Aventage-AV-Receiver im neuen Design
Vollverstärker Doppeltest: Yamaha A-S1200 und A-S2200
Neue AV-Receiver-Generation: Yamaha RX-V4A und Yamaha RX-V6A
Erster Test: Kompaktbox Yamaha NS-3000

 

Autor: Frank Borowski

LowBeats Experte für Schreibtisch-HiFi und High End kennt sich auch mit den Finessen der hochwertigen Streaming-Übertragung bestens aus. Zudem ist der passionierte Highender immer neugierig im Zubehörbereich unterwegs.