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Test B&W 805 D3: Maßstab der Kompaktklasse

Aber natürlich beschränken sich die Unterschiede beider Linien nicht auf die Unterschiede beim Konus-Material. De facto ließen die B&W-Entwickler bei der neuen 800er-Serie D3 keinen Stein auf dem anderen.

Die wesentlichen äußeren und konstruktiven Punkte hatten wir schon bei der Vorstellung der neuen Serie im September 2015 in einer Übersicht zusammengefasst.

Äußerlich gilt: Die neue 805 ist in etwa gleich groß wie die alte, wirkt aber kleiner und deutlich eleganter – nicht nur wegen der dezenteren Konusfarbe. Und es gibt die kleinste 800er jetzt auch in dezentem Weiß.

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Der Continuum-Tiefmitteltöner der B&W 805 D3
Kennzeichen C (Continuum): Das neue Konusmaterial der B&W 805 D3 hat eine ähnlich gewobene Struktur wie Kevlar, ist aber sehr viel weicher (Foto: H. Biermann)
Diamant-Hochtöner der B&W 805 D3
Kennzeichen D (Diamant-Kalotte): Der B&W-Hochtöner mit resonanzoptimiertem Röhrchen im Rücken. Das Gitter ist ebenfalls akustisch optimiert, aber im Gegensatz zur Vorgängerin nicht mehr abnehmbar (Foto: H. Biermann)
B&W 805 D§ versus B&W 805 D2
Kennzeichen E (Eleganz): Bei fast gleicher Größe wirkt die neue B&W 805 D3 (links) eleganter und kleiner als die ältere 805 D2 mit gelber Kevlar-Membran. Hier beide im Wettstreit der Generationen im LowBeats HiFi-Hörraum (Foto: H. Biermann)
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Diamant-Hochtöner: Extrem hohe Grenzfrequenz

Wenig geändert wurde am Hochtonbereich, dachte ich zumindest. Wie auch bei der Vorgängerin „schwebt“ der Hochtöner in einer Röhre über dem eigentlichen Gehäuse – lediglich an zwei bedämpften Halterungen befestigt.

Die B&W-Entwickler fanden für die Diamant-Kalotte, die sie seit 2005 einsetzen, keinen besseren Ersatz. Die Steifigkeit und der große Übertragungsbereich bis annähernd 70.000 Hertz dieser (künstlich bei der Diamant-Dynastie De Beer gezüchteten) Kalotten ist einzigartig.

Man sieht es auch am Markt: In den teuersten und bestbeleumdetsten Lautsprechern der Welt finden sich oft Diamantkalotten – meist Hochtöner von Accuton. Doch die sind fast unerschwinglich teuer.

Daher ist auch die neue B&W 805 trotz Preiserhöhung von 4.500 auf 6.000 Euro/Paar immer noch der günstigste Einstieg in die feine Welt des diamantenen Hochtonbereichs.

Doch trotz gleicher Kalotte ist es nicht mehr der gleiche Hochtöner. Für die 805 D3 wurde ein stärkerer Antrieb entwickelt, die Verzerrungen sanken und auch die angekoppelte, längliche Nautilus-Röhre, in der sich der rückwärtige Schall totlaufen soll, wurde optimiert; sie ist jetzt etwas voluminöser und aus Voll-Aluminium.

Das eindeutigste Indiz für die Veränderungen im Hochtonbereich aber zeigen die beiden Messungen in der Slideshow:

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B&W DM 805 D2 Frequency Response
Der Frequenzgang der B&W 805 D2 im LowBeats HiFi-Hörraum. Er verläuft recht ausgewogen (Diagramm: LowBeats)
LowBeats Frequengang-Messung der B&W 805 D3
Der Frequenzgang der B&W 805 D3 im LowBeats HiFi-Hörraum. Gut erkennbar gegenüber der D2 ist der sanfte Anstieg ab 3.000 Hertz von etwa 3 dB (Diagramm: LowBeats)
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Messung 1 zeigt den Frequenzverlauf der Vorgängerin 805 D2: Er verläuft recht ausgewogen.Messung 2 zeigt den Frequenzverlauf der 805 D3. Er steigt ab 2.500 Hertz um etwa 3 Dezibel an – das hört man schon. Hier zeigt sich die neue klangliche Ausrichtung am ehesten. Doch dazu später mehr im Hörtest.

Was man nicht sieht, aber dennoch erwähnt werden muss, ist die exzellente Qualität auch im Inneren. Die Slide-Show vermittelt vielleicht einen ganz guten Eindruck.

Beispielhaftes Detail: Der 17-Zentimeter Tiefmitteltöner wird mit acht Gewindeschrauben gehalten, das Gehäuse aus Birken-Mutiplex mit den vielfachen Verstrebungen des Matrix-Skeletts wirkungsvoll versteift. Hier rappelt nichts.

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Innenansicht mit Frequenzweiche der B&W 805 D3
Es geht recht beengt zu in der B&W 805 D3: Gleich hinter dem Continuum-Tiefmitteltöner sitzt die Frequenzweiche. Die Kabel sind ummantelt, damit sie nicht rascheln (Foto: H. Biermann)
Die Gehäuse-Matrix der B&W 805 D3
Wie bei allen B&W-Topmodellen wird auch das Gehäuse der 805 D3 durch ein stabiles Holzgerüst, der so genannten Matrix (in diesem Fall aus MDF), deutlich versteift. In den Leerräumen zwischen den Versteifungen sitzen normalerweise passgenaue Schaumstoffblöcke – siehe nächstes Bild (Foto: H. Biermann)
Befestigung des B&W 805 D3 Tiefmitteltöners
Der geschliffene Metallring wird durch acht Neodym-Magneten auf dem Korb des Continuum-Tiefmitteltöners gehalten. Der Treiber selbst wird mit acht Gewindeschrauben am Gehäuse gehalten. Der Akustikschaumstoff (rechts) ist genau auf das Gehäuse zugeschnitten (Foto: H. Biermann)
Membran des B&W-805-D3-Tiefmitteltöners
Der ausgebaute Tiefmitteltöner der B&W 805 D3. Gut zu sehen ist die gewobene Struktur der Continuum-Membran und die asymmetrischen, Resonanz-optimierten Stege des Gusskorbs (Foto: H. Biermann)
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Der Hörtest oder: Was kann Continuum besser als Kevlar?

Underworld Cover: "Dubnobassmythmyheadman
Eine der prägenden Scheiben der frühen Techno-Ära: Dubnobasswithmyheadman von Underworld (Cover: jpc)

Die B&W 805 D3 kam eingespielt zu uns und deshalb reichten ihr einige Stücke, um am Referenzverstärker Octave V80 SE (der ausführliche Test erscheint Anfang März) sofort auf Hochtouren zu kommen. Wir haben ja immer eine größere Zahl an Lautsprechern – natürlich auch Kompaktboxen – zum Testen im Hörraum stehen.

Dynaudio Excite X 18, KEF LS 50, Teufel Definion 3, die zugegebener Maßen preislich in weit unteren Ligen spielen. Aber dies war sofort hörbar: Die 805 D3 überflügelte sie um Längen.

Viel mehr Luft, viel mehr Information und auch im Bass entwickelte sie einen Drive und Punch, wie man ihn von anspruchsvollen, hochkultivierten Lautsprechern so nicht kennt.

Gerade dieser Punkt war für mich – wie schon angedeutet –  überraschend: Wie B&W es schafft, mit dieser weichen Continuum-Membran einen derart knackigen Tiefton zu zaubern.

Die 805 D3 ist sicherlich kein Bass-Wunder, doch gemessen an ihrer Größe leistet sie Erstaunliches. Das „Dirty Epic“, ein Titel der remasterten Underworld-CD Dubnobasswithmyheadman kam jedenfalls mit richtig viel Druck und klar nachvollziehbaren Basslinien. Da kamen die drei günstigeren Kompakten nicht mit.

Den Vergleich mit ihnen konnte ich mir also sparen. Hier musste ein ebenbürtiger Gegner her und das konnte letztlich nur die Vorgängerin B&W 805 D2 sein, die ich von zu Hause holte und die den Vorteil hatte, schon jahrelang täglich zu laufen.

Ich gebe zu, dass mir doch ein bisschen mulmig zu Mute war: Würde sich meine geschätzte 805 D2 auch unter guten Hörraum-Bedingungen so bravourös gegen die neue B&W 805 D3 behaupten können wie seinerzeit beim ersten Hören in Worthing bei B&W?

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