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Musical Fidelity M6sCD Gehäuse
Ein CD-Player wie eine Trutzburg: der Musical Fidelity M6scd ist ein herrlich dynamisch klingender CD-Player für 2.600 Euro (Foto: H. Biermann)

Test CD-Player Musical Fidelity M6scd

Es gibt andere namhafte britische Firmen, die haben dem CD-Player schon längst abgeschworen. Doch davon ist Musical Fidelity weit entfernt. Firmenchef Anthony Michaelson mag CD-Player. Das merkt man an der Art und Weise, wie er über sie spricht. Drei davon hat er noch in seinem Programm – unter anderem den großen NuVista-Player. Doch der eigentliche CD-Player-Star seines Programms, so lässt der Firmenlenker und oberste Entwickler durchblicken, ist der Musical Fidelity M6scd. Den hatte LowBeats jetzt im Test.

Schon der äußere Auftritt erfreut. Da kommt nicht wie immer häufiger eine windige Kiste mit klappernder Lade ins Haus. Der Musical Fidelity M6scd bringt stolze 11,2 Kilogramm auf die Waage. Und diese wuchtigen Seitenwangen vermitteln eher das Gefühl, es hier mit einem Verstärker zu tun zu haben.

Vielleicht der größte Unterschied zu vielen Mitbewerbern seiner Klasse: Die CD-Lade wird an massiven Führungsstangen aus Vollmetall ausgefahren. Etwas unpraktisch allerdings: Die Bedienelemente wie Play, Skip & Co sitzen unter der Lade und sind – wenn die Lade denn ausgefahren ist – nicht gut zugänglich.

Musical Fidelity M6sCD Lade2
Wenn die Lade herausgefahren ist, sind die entsprechenden Bedienelemente schwer zugänglich (Foto: H. Biermann)

Das Display des Musical Fidelity M6scd empfand ich auch in größerer Distanz noch als gut lesbar. Per Laufschrift gibt es Informationen über die abgespielte CD.

Musical Fidelity M6sCD Display
Schlecht zu fotografieren, aber gut lesbar: das Display des M6scd bietet per Laufschrift eine Menge Information( Foto: H. Biermann)

Stattlich auch das Aufgebot an digitalen Anschlüssen. Ich kann doppelt per Cinch-Kabel hinein, ebenso doppelt per optischen Eingang, dazu gibt es noch einen USB-Port im Typ-B-Format.

Der Musical Fidelity M6scd könnte also in der M6-Architektur nicht nur als „einfacher“ CD-Player, sondern auch als umfassende Digitalquelle agieren.

Musical Fidelity M6sCD back
Nicht nur die fünf zusätzlichen Digitaleingänge (plus zwei Digitalausgänge) erfreuen: der M6scd hat im Ausgang neben solide vergoldeten Cinch- auch XLR-Buchsen (Foto: Musical Fidelity)

Die Idee ist gut, weil sich nur wenige Musikfreunde für ihre weiteren Digitalquellen einen zusätzlichen D/A-Wandler kaufen wollen. Wir haben ihn ausprobiert und per USB und Lichtleiter den internen DAC gefordert.

Das Ergebnis war überzeugend: Der Klang hat die gleiche Kraft und Lebendigkeit, die den M6scd insgesamt auszeichnet. Da wir aber die gesamte M6-Kette von Musical Fidelity zum Test hatten, durfte der Quercheck zum M6sdac nicht fehlen.

Der externe DAC machte den Raum noch etwas weiter auf, wirkte insgesamt etwas leichtfüßiger. Fraglos besser, aber kein Grund für den Besitzer des Musical Fidelity M6scd, nervös zu werden.

Denn die Potenz des integrierten Wandlers ist gut. Da hat sich Musical Fidelity nicht lumpen lassen und einen der potentesten Vertreter seiner Art verbaut. Hier waltet ein 32 Bit Delta-Sigma Wandler mit achtfachem Oversampling.

Oder in anderen Zahlen ausgedrückt: ein wie auch immer gearteter PCM-Stream wird erhöht – der USB-Eingang beispielsweise verwaltet Daten bis zu 24 Bit und 96 Kilohertz. Die CD-Ausbeute selbst wird auf 32 Bit und 192 Kilohertz herauf gerechnet.

In diesen Momenten überkommt mich immer ein wenig die Trauer: Die CD ist längst hinweg geschieden, kein ernsthafter Tonmeister mag sich mehr mit ihrem traurigen Basiscode von 16 Bit und 44,1 Kilohertz beschäftigen.

Was die Folgefrage stellt: Warum baut man überhaupt noch CD-Player? Nur um eine veraltete Technologie zu bedienen? Die Super Audio CD und noch mehr die neuesten Streaming-Technologien haben die CD meilenweit überholt.

Ganz hart formuliert: ein CD-Player ist ein Relikt. Auf dem Flohmarkt gibt man in der Regel weniger Geld für einen gebrauchten CD-Player aus als für einen gut erhaltenen Plattenspieler. Der indirekte Vorwurf an Mr. Michaelson: Warum legen Sie nicht endlich einen Player auf, der auch SACDs auslesen kann? Nicht nur meine Sehnsucht wäre groß…

Musical Fidelity M6scd im Hörtest

Cover Art: Rossini Ouvertüren mit Claudio Abbado
Rossini Ouvertüren – gespielt vom Chamber Orchestra of Europe unter Claudio Abbado (Cover: Amazon)

Vergessen wir das, lauschen wir lieber in die Tiefe des M6scd, den wir überwiegend an einer Kette bestehend aus Vollverstärker Musical Fidelity M6si  plus Standbox Triangle Esprit Australe EZ hörten.

Diese Kette hatte uns auf den Norddeutschen HiFi Tagen 2018 und auf der HIGH END 2018 über die Maßen fasziniert und sie begeistere auch im LowBeats Hörraum mit ihrem feinsinnig dynamischen, authentischen Auftritt.

Sofort fiel die hohe Analyse-Fähigkeit auf – dieser Player will alles wissen, was der PCM-Code hergibt. Als erste Testmusik griffen wir zu den berühmten Rossini Ouvertüren – gespielt vom Chamber Orchestra of Europe unter Claudio Abbado (Deutsche Grammophon).

Das ist ein Spiel von feinstem Pianissimo mit plötzlichem, eruptivem Forte. Was für den CD-Player heißt: Er muss im Leisen Fundament bereiten und darf bei der maximalen Lautstärke nicht ins Schreien geraten.

Das war zwar wunderbar, wie der Musical Fidelity M6scd die Feinheiten zwischen den Orchestergruppen staffelte, aber auf dem Höhepunkt der Lautstärke merkten wir die Grenzen der Auflösung einer CD. Das Klangbild wurde plötzlich karg und kantig.

Als Testkonkurrenz zogen wir den Primare CD35 hinzu. Der machtes es an dieser Stelle etwas besser, ließ sich nicht aus der smarten Ruhe bringen, belegte die Aufnahme mit einem feinen Samt. Aber ebenso fiel auf, dass seine dynamischen Möglichkeiten begrenzt waren. Der Musical Fidelity M6scd legte deutlich mehr Drive in die Musik.

Covert Art "Sgt Peppers" von den Beatles
Eines der originellsten Alben der Musikgeschichte neu remastered: Sgt. Pepper’s von den Beatles. (Cover Amazon)

Hier kann selbst ein erfahrener Tester in die Falle tappen. Der Primare schien der bessere CD-Player zu sein. Doch er gewann diese Aura durch geschicktes Abspecken. Er trieb die Feinauflösung nicht bis an den Rand der technischen Möglichkeiten.

Umgekehrt: Der Musical Fidelity kitzelte jedes noch so kleine Quäntchen an Information aus der Silberscheibe. Er zeigte sich als Analytiker, ultra-präzise und auf jedes Detail versessen. Aus dem Sektor Pop kam eine alte, neue Lieblingsscheibe in die Lade: Das aktuelle Remaster von Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band.

Wenn Sie mich fragen: Nie klangen die Beatles besser. Das Team an der Abbey Road hat das Klangbild wunderbar aufgefrischt und dazu noch sinnig abgemischt. Der M6scd legte sich voll in diese Steilflanke.

Da zeigte sich eine punktgenaue Fülligkeit der Einzelinstrumente. Das hatte Volumen und Druck. Großartig und unterschätzt ist hier ein Song von George Harrison – „Within You Without You“. Da springen einem die Sitarsaiten entgegen. Wenn der CD-Player dieses Fest an Impulsen auflösen kann. Der Musical Fidelity konnte es. Wirklich ein Meister der großen Informationsdichte.

Musical Fidelity M6sCD vs Primare
Einer der M6scd-Kontrahenten im LowBeats Hörraum: der elegante Primare CD35 (Foto: H. Biermann)

Fazit Musical Fidelity M6scd

Die Verarbeitung weckt höchstes Vertrauen. Was dann noch getoppt wird von den klanglichen Vorzügen. Der M6scd war darauf getrimmt, jede noch so feine Information aus der Silberschicht zu beamen.

Klasse, wie uns dynamische Impulse erreichten. Super, wie genau der M6scd den Raum ausleuchtete. Er zeigte sich dabei nicht als Vertreter der samtenen Spielweise, eher war er der Analyse zugeneigt. Dies aber mit Verve und hoher Perfektion.

Gelobt werden muss neben der guten Verarbeitung die erfreulich umfassende Ausstattung mit digitalen Ein- und Ausgängen. Vor allem dieses beiden Punkte machen den Musical Fidelity zu einem wirklich überzeugenden Angebot.

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Mit- und Gegenspieler:
Test Triangle Esprit Australe EZ – Standbox mit 2 x Hochtonhorn
Test Primare CD35 – der schönste aller CD-Player

Zu bekommen ist der M6scd unter anderem bei HiFi Regler

Musical Fidelity M6scd
2018/06
Test-Ergebnis: 4,2
Sehr gut
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Dynamischer wie feinsinniger Klang
Exzellente Verarbeitung
Fünf zusätzliche Digitaleingänge
Wichtige Bedienelemente nicht immer gut zugänglich

Vertrieb:
Reichmann AudioSysteme
Graneggstraße 4
78078 Niedereschach
www.reichmann-audiosysteme.de

Preis (Hersteller-Empfehlung)
Musical Fidelity M6scd: 2.600 Euro