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Ein 300B-Röhrenverstärker für nicht einmal 2.500 Euro: der Fezz Audio Mira Ceti (Foto: H. Biermann)

Test 300B-Röhrenverstärker Fezz Audio Mira Ceti

Je weiter die Digitalisierung der Welt voranschreitet, umso deutlicher wird, dass es auch eine Gegenbewegung gibt. Zum Beispiel im HiFi: Statt Digitalverstärker mit hoher Effizienz und hoher Leistung zu kaufen, gibt es eine Gruppe von Musikhörern, die schwachbrüstige Röhrenverstärker vorzieht. Warum? Weil es so oft besser klingt. Selbst Verstärkerentwickler-Legende Nelson Pass (siehe AMA-Interview), der ausschließlich mit Transistoren arbeitet, rühmt die Vorzüge der Röhren und attestiert ihnen beste Eigenschaften. Und – je nach eingesetzter Röhre – durchaus gegensätzliche Klangcharaktere. Und damit wären wir beim Fezz Audio Mira Ceti.

Fezz Audio Mira Ceti Totale Rot
Ein knuddeliges Stück Verstärkertechnik: der Mira Ceti hat die Abmessungen 34,0 x 215 x 36,0 cm (B x H x T). Das Gehäuse besteht aus Pulver-beschichtetem Metall, das in vier Farben angeboten wird (Foto: Fezz Audio)

Der Vollverstärker bezieht seine bescheidenen Watt-Ausbeute von 8 Watt pro Kanal nämlich aus zwei 300B-Röhren. Diese Triode in einer Class-A- und Single-Ended- (zu Deutsch: Eintakt-) Konfiguration gilt für viele HiFi-Fans als das Maß der Dinge, ist aber – wie der Leistungsangabe zu entnehmen – kaum stärker als ein Kopfhörer-Verstärker. Und zudem haben Verstärker mit 300B-Bestückung meist den unschönen Nachteil, das Bankkonto schwer in Mitleidenschaft zu nehmen.

Aber nicht bei Fezz Audio. Die kleine polnische Manufaktur aus Księżyno (das liegt ziemlich genau dort, wo sich in Polen Fuchs und Hase gute Nacht sagen) schafft es, Röhrenverstärker zu chinesischen Preisen anzubieten, die aber irgendwie sehr viel mehr Seele haben als so manches Produkt aus Fernost. Mag sein, dass es daran liegt, dass Fezz Audio ein Familienunternehmen ist. Vater Lachowski gründete die Manufaktur 1992, in der die Brüder Tomasz und Maciej ihre audiophile Ader entdeckten und 2015 als Unterfirma Fezz Audio gründeten.

Der Übertrager, der aus der Kälte kommt

Und die beiden kennen sich bestens aus. Es gibt bei ihnen die etwas klassischeren Modelle mit EL 34 oder KT88-Bestückung, aber es gibt halt auch den Fezz Audio Mira Ceti mit 300B. Und die Brüder Lachowski wissen nur zu gut, dass ein Single Ended (Eintakt-) Verstärker extrem hohe Anforderungen an den Ausgangsübertrager stellt – und haben deshalb enorme Anstrengungen unternommen, diese Bauteile für den Mira Ceti zu perfektionieren. Schauen wir sie uns also etwas genauer an.

Der Kern des Ausgangsübertragers besteht aus Stahlstreifen. Diese werden kryogenisch behandelt, also unter 150 Grad minus gekühlt und kalt geformt. Man kennt dieses Prinzip beispielsweise von Tannoy; die Schotten unterwerfen ihre Frequenzweichenbauteile derselben Prozedur. Es geht im Enddefekt darum, den Elektronenfluss durch Ausrichtung der Moleküle positiv zu beeinflussen. Das ist zwar teuer, funktioniert meiner Erfahrung nach aber sehr gut. Fezz Audio nutzt dieses Verfahren für ihre Ausgangsübertrager.

Ebenfalls ungewöhnlich: Normalerweise werden bei Röhrenverstärkern Ausgangsübertrager als viereckiger Schnittbandkern-Übertrager verwendet. Die Brüder Lachowski favorisieren dagegen runde Torodialübertrager, die man in fast allen hochwertigen Transistor-Verstärkern findet. Denn die Überlegenheit bezüglich Streufeld und niedrigerer Eigenimpedanz zu einfachen Transformatoren ist bekannt. Aber wie mit dem Torodialübertrager die nötige Breitbandigkeit erreichen?

Gar nicht einfach und trotzdem gemacht, aber man braucht das Wissen und die Möglichkeiten, es umzusetzen. Der Ausgangstransformator des Fezz Audio Mira Ceti ist mit einem speziellen Luftspalt ausgestattet (Firmen-Jargon: Air Gap Toroidal Core Technology (AGTC), dessen Kern in einem Elektro-Erosionsverfahren mit Hochspannung geschnitten wird. Das Ergebnis ist ein Übertrager mit einem definierten Luftspalt und damit einer steuerbaren innere Isolation. Das verändert das Sättigungs- und Leistungsverhalten des Transformators sowie dessen Frequenzverhalten positiv. Damit kann auch ein Torodialübertrager verwendet werden und dessen Vorteile genutzt werden. Und damit ist, wie Maciej Lachowski das Vorgehen begründet, „die innere Balance des Ausgangstransformators optimiert und muss nicht durch Gegenkopplung oder Anzapfungen linearisiert werden. Genau darum geht es uns: Wir wollen keine Kompensation, sondern einen von sich aus optimalen Ausgangstransformator!“

Die Röhrenbestückung des Fezz Audio Mira Ceti

Die Leistungsröhren sind – wie schon beschrieben – zwei 300B, in diesem Fall vom New Yorker Musikspezialisten Electro Harmonix. Die 300B ist ein Klassiker, der 1933 von Western Electric eigens für den Audio-Einsatz (in erster Linie Kinos) entwickelt wurde. Dabei handelt es sich um eine Niederfrequenz Leistungsröhre, die auch mit angenehm niedrigen Spannungen arbeitet.

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Die 300B in ihrer klassischen Form. Fezz Audio verwendet hier die Modelle von Electro Harmonix (Foto: H. Biermann)

Die Linearität dieser Triode und ihr gutmütiges, harmonisches Verzerrungsverhalten mit überwiegend geradzahligen harmonischen Verzerrungen (wie K2) weckten schon sehr bald die Aufmerksamkeit der Audiophilen weltweit. Die 300B wird heute von etlichen Herstellern angeboten und dient auch als Ausgangsbasis für leistungsgesteigerte Röhren wie die 300BXLS von Emission Labs oder die 62B von Ayon. Gut zu wissen: All diese modernen Röhren haben die gleichen Nenndaten wie die klassische 300B und sind sogar Sockel-kompatibel.

Als Vorstufen-Röhren verwenden die Lachowski-Brüder die ebenfalls bestens beleumdete 6SN7. Die kleine Doppeltriode gilt als besonders rauscharm und kommt wie die 300B vom US-Anbieter Electro Harmonix, der die Röhren im russischen Saratov bauen lässt.

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Die Vorstufenröhren des Mira Ceti sind vom Typ 6SN7 und stammen ebenfalls von Electro Harmonix (Foto: H. Biermann)

Der Aufbau des Fezz Audio Mira Ceti

Als klassischer Single Ended Verstärker kennt der Mira Ceti – anders als die leistungsstärkeren Push/Pull-Röhren- oder Transistorverstärker – keine Übernahmeverzerrungen. Das macht ja auch den Ton von Class-A-Transistor-Amps so rein. Und noch so ein Punkt für besten Klang: Aufgrund der Linearität der 300B, heißt es bei Fezz Audio, kann auf eine Gegenkopplung nahezu verzichtet werden. Sehr gut.

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Der Aufbau ist auch im Inneren ordentlich gemacht. Unten links sieht man das Motor-Poti für die Lautstärke (Foto: H. Biermann)

Zudem haben die Gebrüder Lachowski ein internes Auto Bias entwickelt, das auch bei plötzlichen Leistungssprüngen stabil arbeitet und dadurch für den Anwender einfach in der Anwendung ist. Das ewige Nachregeln, wie man es von vielen Röhren-Konstruktionen kennt, fällt weg. Und auch das Wechseln von Röhren wird damit zum Kinderspiel. Frank Urban, Chef des hiesigen Fezz Audio Vertriebs Audium, sagt dazu: „Wir haben so wenige Mira Ceti im Service; das ist vorbildlich.“

Fezz Audio Mira Ceti Trafo
Ein kräftiger Trafo ist das Herz des Mira Ceti (Foto: H. Biermann)

Aber genauso wirkt er auch, der kleine Mira Ceti: Mechanisch ist hier alles solide gemacht. Schon die Verpackung wirft ein Schlaglicht darauf, mit wie viel Sorgfalt man sich bei Fezz Audio der Verstärker annimmt. Alles ist liebevoll und stoßfest verstaut, beigelegte Handschuhe sorgen für Tapser-freien Einbau der Röhren.

Das Metall-Chassis des Fezz Audio Mira Ceti ist stabil aufgebaut, pulverbeschichtet und dank des Trafos und der beiden Ausgangsübertrager mit 14,0 Kilo recht schwer.

Fezz Audio Mira Ceti Siegel
Zwei geklebte Siegel sollen das Öffnen des Mira Ceti von unbedarfter Hand verhindern (Foto: H. Biermann)

Schraubt man den Mira Ceti auf (dabei muss man allerdings das geklebte Siegel zerreißen und es erlischt die Garantie), bleibt der Eindruck der gleiche: sauberer Aufbau, gute Bauteile. Kondensatoren beispielsweise bezieht Fezz Audio vom polnischen Zulieferer Miflex, der sich auch schon einen guten Namen gemacht hat. Erstes Fazit: Hier bekommt man jede Menge Material fürs Geld. Und man bekommt es in vier Farb-Varianten:

Fezz_Audio_Silver_Luna_Prestige-Farben
Fast alle Fezz Audio Verstärker (so auch den Mira Ceti) gibt es in den vier hier gezeigten Farben: Bordeaux, Rot, Schwarz und Weiß. Die Abdeckungen sind in Chrom, Schwarz oder wie im Falle der Weißen in einem gedeckten Blau gehalten. Beim Verstärker-Modell hier im Bild handelt es sich übrigens um den Silver Luna Prestige (Foto: Fezz Audio)

Der polnische 300B-Verstärker in der Praxis

Ein Verstärker, dessen Röhren viel Abwärme nach oben abgeben (weshalb er in einem unteren Teil des HiFi-Racks nichts verloren hat), der gerade einmal 8 Watt pro Kanal abgibt und auch mit Anschlussvielfalt (3 x Cinch) geizt: wie soll da eine höhere Praxisnote herauskommen? Fast unmöglich. Da spielt es auch keine Rolle, dass Fezz Audio eine Fernbedienung beilegt (die eh nur das Verändern des Pegels ermöglicht) oder ein additives Bluetooth-Modul anbietet. Wer sich auf einen klassisch aufgebauten 300B-Verstärker einlässt, hat sich von vornherein auf allerlei Einschränkungen einzustellen. Aber auch auf jede Menge Spaß und Musikalität.

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