Test des neuen "kleinen" JVC DLA-NP5 mit 4K bis 120Hz, beeindruckender HDR-Wiedergabe und erstaunlich heller Lampe. 6.999 Euro (Foto: R. Vogt)
Test des neuen "kleinen" JVC DLA-NP5 mit 4K bis 120Hz, beeindruckender HDR-Wiedergabe und erstaunlich heller Lampe. 6.999 Euro (Foto: R. Vogt)

Test JVC DLA-NP5: 4K/120Hz HDR-Projektor mit Lampe

Mit dem Erscheinen des JVC DLA-NP5 vervollständigt JVCKenwood nun seine komplett überarbeitete NZ-Serie. Das vierte und kleinste Modell hat dabei durchaus eine Besonderheit: Denn während die „NZ“-Geschwister einen Laser/Phosphor-Hybrid als Lichtquelle verwenden – so gesehen schon bei dem bereits getesteten JVC DLA-NZ9 – kommt im jetzt vorgestellten DLA-NP5 die konventionelle, bewährte Lampentechnik der Vorgänger zum Einsatz. Das aber tat seinem extrem überzeugenden Auftritt im LowBeats Heimkino keinen Abbruch. Wir hatten übrigens das erste Serienmodell weltweit im Test: Die Seriennummer unseres Testgeräts lautete 0001. Das haben wir auch nicht alles Tage…

JVC DLA-NP5 baut auf N-Serie-Chassis auf, Lightengine und Processing komplett neu (Foto: R. Vogt)
JVCs DLA-NP5 baut auf dem N-Serie-Chassis auf, Lightengine und Processing sind komplett neu (Foto: R. Vogt)

Die Besonderheiten des JVC DLA-NP5

Im Gehäuse stecken ansonsten alle wichtigen Neuerungen der aktuellen Projektor-Generation. Da ist zum einen das Signal-Processing mit der vollen Bandbreite für HDMI 2.1 bis 48GHz. Zum anderen finden wir hier ausreichend Rechenpower für die Echtzeit-Bildanalyse und -Tone-Mapping für die beste HDR-Wiedergabe auf der Leinwand.

Damit das alles auch übertragen wird, verwendet JVC die gleiche Lightengine und dieselben Panels, die auch die höheren Frequenzen verarbeiten können. Hier finden wir auch den Grund, weshalb auch der DLA-NP5 bis 4K echte 120 Bilder pro Sekunde zeigen kann. Einzig 8K lässt sich der Serien-Benjamin nicht entlocken, denn am eShift haben die Ingenieure den Rotstift angesetzt. Doch angesichts mangelnder Quellen hierfür, ist das derzeit kaum als Kompromiss zu werten.

JVC DLA-NP5: gegenüber Vorgänger nur noch Glaslinsen im Einsatz (Foto: R. Vogt)
Im JVC DLA-NP5 kommen ausschließlich Glaslinsen zum Einsatz (Foto: R. Vogt)

Gleich geblieben ist das Objektiv; die Parameter für Zoom und Shift sind jedenfalls unverändert. Allerdings verwendet JVC gegenüber der Vorgängerserie nun komplett Glaselemente. Was es bringt, kann ich nicht sagen. Die Verbesserungen im Inneren der Lightengine allerdings sind erheblich und kristallklar auf der Leinwand zu erkennen. Das betrifft alles, was mit den gefürchteten Reflexionen innerhalb des Lichtwegs zu tun hat.

D-ILA Panels gehören zur Familie der LCoS (Liquid Crystal on Silicon) Systeme und arbeiten reflektiv. Das Licht kreuzt also seinen eigenen Weg und muss abhängig von der Strahlrichtung unterschiedlich gelenkt werden. Das kostete stets erheblich In-Bild-Kontrast und ist bei JVCs neuen Modellen praktisch kein Thema mehr: Das Bild wird knackiger und plastischer.

2x gleichwertige HDMI 2.1 Eingänge, herausnehmbares Filter (Foto: R. Vogt)
Auf der Rückseite befinden sich unter anderem zwei gleichwertige HDMI-2.1 Eingänge und der herausnehmbare Filter (Foto: R. Vogt)

Von hinten gleicht der DLA-NP5 seinem Vorgänger DLA-N5 (ohne „P“) wie ein Ei dem anderen – zumindest auf den ersten Blick. Die Kühlluft-Einlässe sind im Gegensatz zu den aufgeblasenen Backen der Modelle mit Lasern gleichgeblieben, inklusive dem zentralen Gitter mit herausnehmbarem Filter. Übrigens: Es lohnt sich, den Filter alle paar hundert Stunden zu reinigen. Der Sender zur Steuerung der 3D-Brillen – ja, der DLA-NP5 beherrscht noch die Stereoskope Wiedergabe! – findet ebenso Anschluss wie ein Zugang für das Trigger-Signal. Und gesteuert wird per RS-232 oder LAN-Buchse. Der USB-Anschluss dient primär Firmware-Updates.

Keine Extragewinde für Halterungen, man nutzt die Verschraubungen der Füße (Foto: R. Vogt)
Keine Extragewinde für Halterungen: Die Füße sind vollständig herausschraubbar. Das Gewinde im Gehäuse dient dann der Aufnahme etwaiger Halterungen (Foto: R. Vogt)

Die Unterseite hat keinerlei zusätzliche Buchsen für Halterungen. Für eine feste Montage dreht man die vier verstellbaren Füße heraus und verwendet deren Gewinde. Aber Obacht: Die Halterung sollte robust sein – die 20 Kilo des JVC DLA-NP5 sind kein Pappenstiel – und sich trotzdem exakt und dauerhaft verstellen lassen.

Die Fernbedienung mit dezent beleuchteten Tasten, Testgerät Seriennummer 0001! (Foto: R. Vogt)
Die Fernbedienung mit dezent beleuchteten Tasten. Und Achtung – Tusch: Wir hatten das Testgerät mit der Seriennummer 0001 (Foto: R. Vogt)

Ebenfalls ein alter Bekannter der N-Serie ist die 2018 eingeführte Fernbedienung. Die ist handlich, funktional-aufgeräumt und dezent beleuchtet. Was auch vier Jahre nach der Einführung immer noch ärgerlich ist: Die Tasten unterscheiden sich haptisch kaum; man muss deshalb immer wieder hinsehen was man gerade drückt. Andererseits lässt sich bei allen JVC-Projektoren so viel vorbestimmen und automatisieren, dass man im Alltag de facto nur den Ein- und den Ausschalter sowie – bei Verwendung einer Cinemasope-Leinwand – noch die „Setting Memory“ Taste für die Formatumschaltung per Lensmemory (Installations-Modus) braucht. Damit kommt man bestens aus.

Kino Optimizer: nutzt nun auch das Leinwandformat zur Berechnung der Helligkeit (Foto: R. Vogt)
Kino Optimierung: Diese nutzt nun auch das Leinwandformat zur Berechnung der Helligkeit (Foto: R. Vogt)

Zurück zum Installations-Modus und damit zur aktuellen Firmware V1.20 der NZ-Serie. Hier haben die Ingenieure wohl auf Anwender-Kritik reagiert. Jedenfalls haben sie einen Weg gefunden, die ständig neuen Berechnungen (die das Format-Umschalten verzögerten) zu beschleunigen beziehungsweise zu umgehen. Dazu merkt sich der Installations-Modus auch die Einstellungen der „Kino Optimierung“ und legt sie nach einmaliger Berechnung ab. Und damit die Berechnung für verschiedene Einstellungen passt, wird nun auch das Bildschirmformat berücksichtigt. Zur Demonstration habe ich ein kleines Video gedreht:

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Ebenfalls weiterentwickelt sind die Algorithmen des Scalers, der sich um maximal scharfe Bilder kümmert. Zur Erinnerung: JVC-Projektoren haben keinen klassischen Schärferegler. Stattdessen gibt es drei Grundeinstellungen, die verschiedene Detailbetonungen bewirken und sich dazu noch mit einem Regler namens Schärfeanhebung dosieren lassen. Diese Animation zeigt die verschiedenen Wirkungen in der jeweiligen Grundeinstellung.

Digitale Schärferegelung in drei Stufen plus Regler (Foto: R. Vogt)
Digitale Schärferegelung in drei Stufen plus Regler (Foto: R. Vogt)

Dabei sieht „Hochauflösend 2“ aus wie komplett unbearbeitet aus der Skalierung per linearer Interpolation. Ich entschied mich nach vielen Versuchen für „Hochauflösend 1. Diese Filterstufe bewirkt eine dezente Detailbetonung und bringt so ein wenig mehr Knackigkeit ins Bild – ohne dabei Doppelkonturen zu provozieren.

Vorwärts Zurück
JVC DLA-NP5 (Foto: R. Vogt)
JVC DLA-NP5: Colorchecker für SDR (ITU BT.709) mit fast perfekten Werten (Foto: R. Vogt)
Colorchecker: HDR10 (BT.2020, P3) sah selten farblich so ehrlich aus (Foto: R. Vogt)
Colorchecker: HDR10 (BT.2020, P3) sah selten farblich so ehrlich aus (Foto: R. Vogt)
Vorwärts Zurück

Messtechnisch schlägt sich der JVC DLA-NP5 erwartungsgemäß sehr gut. Auf D65 (6504K) kalibriert, kamen 1.260 Lumen in geringer und 1.930 Lumen in hoher Lampenstufe aus dem Testmuster. Das ist die Größenordnung, die bisher der DLA-N7 lieferte – also das größere Modell. Der Kontrast lag mit 22522:1 erstaunlich hoch und auch von den gefürchteten aufgehellten Ecken zeigte unser Testmuster praktisch nichts. Dank Lampe und trotz fehlendem Cinemafilter erreichte der NP5 nativ knapp 91% des DCI-Farbraums.

In Sachen Farbe kann man beim Serien-Einstieg präzise Farben erwarten – und bekommt sie auch. Die Colorchecker-Messungen zeigen praxisnah wie exakt komplexe Filmbilder wiedergegeben werden. Denn die Farbmuster entsprechen in Luminanz (Helligkeit), Sättigung und Farbton korrekt belichteten Bildern und nicht irgendwelchen technischen Messreihen. Dabei gelten Abweichungen (Delta-E) unter 3 als tiefgrüner Bereich und Werte unter 1 als mit dem Auge nicht vom Original unterscheidbar. Hier zeigt JVC weder bei SDR noch HDR mit erweitertem Farbraum irgendwelche Schwächen.

Praxis: JVC DLA-NP5 versus DLA-N7 Referenz

Vorwärts Zurück
JVC DLA-NP5 unter LowBeats Referenz JVC DLA-N7 (Foto: R. Vogt)
Der JVC DLA-NP5 unter der amtierenden LowBeats Referenz JVC DLA-N7 (Foto: R. Vogt)
JVC DLA-NP5 gleiche Gehäuseform und Lampentechnik wie Vorgänger N-Serie (oben) (Foto: R. Vogt)
JVC DLA-NP5 gleiche Gehäuseform und Lampentechnik wie Vorgänger N-Serie (oben) (Foto: R. Vogt)
Vorwärts Zurück

Im LowBeats Testkino hängt schon seit geraumer Zeit der JVC DLA-N7. Er ist gleichermaßen Arbeitsgerät und Maßstab. In der Regel läuft der neue JVC mit abgeschaltetem Farbmanagement (ja, das geht bei JVC!) und lässt sich vom madVR Envy Extreme zuarbeiten. Der madVR kam im Test der Fairness halber nicht zum Einsatz. Unter der Referenz wurde der DLA-NP5 aufgebaut, sodass sich flott umstecken ließ und beide aus ähnlicher Position projizieren konnten. Rein äußerlich lassen sich die zwei Kontrahenten praktisch nicht unterscheiden. Der Neue wiegt ein wenig mehr. Und es gibt ihn wahlweise auch in einer weißen Ausführung.

JVC DLA-NP5 Infomenü zeigt die wichtigsten Parameter des Eingangssignals (Foto: R. Vogt)
JVC DLA-NP5: Das Info-Menü zeigt die wichtigsten Parameter des Eingangssignals (Foto: R. Vogt)

Erste Tests mit dem Testbildgenerator Murideo SEVEN 8K offenbarten, wie ähnlich sich die beiden D-ILA Projektoren sind. Schnell ließ sich mit dem Generator belegen, dass der Neue wirklich 48GBit/s Bandbreite beherrscht – und zwar mit UHD- und 4K-Auflösung bei gleichzeitig 120 Bilder pro Sekunde und voller Farbbandbreite wie im Info-Menü zu sehen. Auch der in Farbe kompromittierte Modus mit 40gBit/s – zugespielt von Grafikkarten und/oder Gamekonsolen – stellt kein Problem dar. Zum Vergleich: Der „alte“ DLA-N7 macht bei 18GBit/s Schluss und damit bei 4K mit 60Hz. Handhabung und Haptik der zwei JVCs gleichen sich aber ansonsten in jeder Hinsicht. Auch was die Objektivparameter angeht: Wenn also jemand einen JVC der N-Serie gegen ein neueres Modell tauscht, passt auch alles wieder.

Wie schon im Labor festgestellt, unterschieden sich die beiden auch auf der Leinwand praktisch nicht. Da scheint der DLA-NP5 das Niveau des größeren Vorgängers locker zu erreichen und damit seinen direkten Vorgänger JVC DLA-N5 dezent abzuhängen. Schwarz und Helligkeit der zwei Probanden gaben sich praktisch nichts – weder in hoher noch geringer Lampenstufe. Fast schon im Gegenteil, allerdings hat die Lampe meines N7 bereits über 700 Arbeitsstunden hinter sich.

Jedoch gewinnt der DLA-NP5 ganz eindeutig in den Punkten Plastizität und Tiefenwirkung – was eindeutig auf die Verbesserungen beim In-Bild-Kontrast zurückzuführen ist. Am drastischsten merkt man das bei Bildern mit wenigen, sehr hellen Anteilen und größeren dunklen Flächen. So hat ein typischer Nachspann beim DLA-N7 mit weißer Schrift auf Schwarz einen dezenten Halo um die Lettern; beim DLA-NP5 ist davon nichts zu sehen.

Bemerkbar macht sich das vor allem bei HDR-Wiedergabe. Der Neue liefert mit seinem potenteren Prozessor und abermals verbessertem Frame Adapt HDR sowie Kino Optimiererein knackigeres, farbstärkeres Bild. Dabei gibt es dunklere Schatten, die trotzdem mehr Durchzeichnung ohne Übersteuerungseffekte bieten.

Fazit JVC DLA-NP5: mehr als nur ein Nachfolger

Da haben die JVC Entwickler wirklich an den richtigen Stellen gearbeitet. Gegenüber dem Vorgänger DLA-N5 hat der JVC DLA-NP5 an allen wichtigen Stellen (und in fast allen Kritikpunkten) signifikant gewonnen: eine höhere Bandbreite (HDMI 2.1 mit 48GBit/s), einen besseren Kontrast (und damit mehr Schärfe und Plastizität im Film), ein verbessertes Schwarz und die höhere Lichtausbeute bis fast 2.000 Lumen. Selbst die HDR-Wiedergabe konnte nochmals zulegen. Gestiegen sind nur das Gewicht und der Preis

Machen wir es kurz: Wer nicht heute schon 8K-Auflösung benötigt, kann hier getrost zugreifen. Sogar die 120Hz für die Gamer stecken schon drin. Und gegen die ausgereifte Lampentechnik ist auch nichts einzuwenden. Die Botschaft des NP5 lautet: Es muss nicht unbedingt ein Laser sein. Gefordert sind ehrliche, klare Bilder, technisch für alle Quellen gewappnet. So macht Heimkino Spaß. Film ab!

JVC DLA-NP5
2022/02
Test-Ergebnis: 4,6
ÜBERRAGEND
Bewertungen
Bild
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Knackig scharf und kontrastreich
Sehr ehrliche Farbreproduktion
Konkurrenzlos brillante HDR-Projektion
Haptik der Fernbedienung, hohes Gewicht

Vertrieb:
JVCKENWOOD Deutschland GmbH
Konrad-Adenauer-Allee 1-11
61118 Bad Vilbel
www.jvc.de

Preis (Hersteller-Empfehlung):
JVC DLA-NP5: 6.999 Euro
Schwarz oder Weiß erhältlich

Mehr Projektoren von JVC:

Test: JVC DLA-NZ9 – fantastisches HDR und echtes 8K und 120Hz
Test Highend-Projektor JVC DLA-N7: der beste 4K-Beamer unter 10.000 Euro
Exklusiv-Vorabtest: JVC DLA-N5 – Die 4K-Einsteiger-Referenz

Verwandte Beiträge:

Test: Panamorph Paladin DCR J1/S1/S2 – Cinemascope für JVC und Sony 4K-Projektoren
Projektor-Modellpflege: Sony VPL-VW890ES und VPL-VW290ES im Test
Test: madVR Envy Extreme – potenter Videoprozessor für HDR und Formatskalierung
Test Stewart Filmscreen Phantom HALR: die Mega-Kontrast-Leinwand

Autor: Raphael Vogt

Technischer Direktor bei LowBeats und einer der bekanntesten Heimkino-Experten der Republik. Sein besonderes Steckenpferd ist die perfekte Kalibrierung von Beamern.