Canton GLE 30 Front
Kann Canton die erfolgreiche GLE-Geschichte fortschreiben? Wir hatten die GLE 30 für 540 Euro im Test (Foto: Canton)

Test Kompaktbox Canton GLE 30

20 Jahre GLE – das sind 20 Jahre der erfolgreichsten Lautsprecher-Reihe von Canton. Das liegt keineswegs allein daran, dass die GLE von jeher vergleichsweise günstig daherkommt. Nein: Es ist die seit 20 Jahren stets formidable Preis-/Klang-Relation, die immer wieder unzählige Kunden überzeugt. Bleibt die Frage: Verführt die erfolgreiche Serie in ihrer aktuellen Neuauflage im gleichen Maße? Wir hatten die Canton GLE 30 für einige Wochen im Test und können resümieren: fraglos ja.

Canton GLE 30 mit Abdeckung
Bild1: Die ovale, magnetisch gehaltene Frontabdeckung gibt der GLE 30 ein neues Gesicht (Foto: Canton)

Die Herangehensweise ist bei den meisten Entwicklern sehr ähnlich: Man bedient sich dem Knowhow und der Technik aus Projekten bei denen die Kosten eher nebensächlich sind, setzt hier und da den Rotstift an und fertig ist die Lowcost-Variante mit bester Preis/Klang-Relation. Die Schwierigkeit besteht eben darin, zu bewerten, wo man den Rotstift ansetzt, ohne zu viel Klang zu verlieren.

Am meisten lässt sich tatsächlich am Gehäuse beziehungsweise an dessen Oberfläche sparen. Aufwendig in Handarbeit gearbeitete Behausungen in edlem Lackgewand kosten nämlich richtig viel Geld. Fertigt man dagegen einfache, teilweise folierte Faltgehäuse in großen Stückzahlen am Band, so lässt sich deutlich sparen. Und wenn man die einfachen Gehäuse mit internen Versteifungen zudem geschickt stabilisiert, dann verhalten sie sich ähnlich ruhig wie die massiven handgefertigten Premium-Behausungen. Doch in Bezug auf die Gehäusequalität liegt Canton schon lange über dem, was die meisten Mitbewerber in den verschiedenen Preisklassen anbieten. Das gilt natürlich auch für die neue GLE.

Ebenfalls zur DNA der GLE-Serie gehört die kluge Abwägung zwischen Materialeinsatz und akustischer Güte. So muss es nicht zwingend eine aus dem Vollen gefräste Aluminium-Frontplatte für den Hochtöner sein oder ein Aludruckgusskorb für den Tieftöner – ein Kunststoffkorb tut es hier auch. Wenn vergoldet, dann reichen auch einfache Anschlussklemmen und es müssen keine Bi-Wiring-Terminals sein.

Canton GLE 30 Anschluss
An den Anschlussterminals wurde nicht gespart. Griffige, vergoldete Klemmen sorgen für guten Kontakt (Foto: Canton)

Canton GLE 30: das Konzept

„Technologietransfer“ ist das Stichwort, das hier fallen muss. Die klangentscheidenden Ingredienzien der neuen GLE 30 stammen nämlich weitestgehend aus der Chrono Sl und Vento-Reihe. Im Mittelpunkt für den guten Ton stehen hier die Titanium Tief-Mitteltonmembranen. Als Basis dienen bei Canton grundsätzlich Membranen aus Aluminium-Legierungen deren Oberflächen elektrochemisch behandelt werden.

Je nach Legierung, Art und Dauer der Oberflächenbehandlung lassen sich verschiedene Schichtdicken in Aluminiumhydroxid umwandeln und mithin akustisch – sowie optisch – unterschiedliche Eigenschaften erreichen. In jedem Fall bildet die Schicht eine extrem harte Oberfläche ähnlich der von Keramik. Dies kann genutzt werden, um in Verbindung mit einer ausgeklügelten Membranform einen „weitreichenden“ Kolbenschwinger zu realisieren, der an seinem oberen Übertragungsende nur wenig ausgeprägte Partialschwingungen bildet.

Canton GLE 30 Tiefmitteltöner
Einer wie viele: Bei Canton hat sich mittlerweile die Kombination aus vergleichsweise harter Membran mit Keramikbeschichtung plus (hubfreudiger) mehrfach gefalteter Sicke etabliert (Foto: Canton)

Die Canton eigene Sickenentwicklung – eine dreifach gewellte sogenannte „Wave-Sicke“ – hilft etwaige Membranresonanzen am Rand zu bedämpfen, soll aber auch für einen möglichst großen linearen Hub der Membran sorgen. Immerhin muss der 17,4 Zentimeter große Tief-Mitteltöner mit stabilem Polycarbonat-Korb im Bassreflexgehäuse der GLE 30 bis unter 50 Hertz kontrolliert agieren können.

Canton GLE 30 Innenansicht
Dank sauber entwickelter Chassis bedarf es keiner aufwendigen Frequenzweiche. Ein stabiler Polycarbonat-Korb gibt dem Magneten und der Titanium-Membran stabilen Halt (Foto: M. Jansen)

Die Signatur der Klangkünstler aus dem Taunus ist schließlich das „Voicing“, also die Abstimmung der tonalen Balance zwischen Tief- und Hochtöner. Ziel ist es im Übergangsbereich der beiden Treiber, bei etwa drei Kilohertz ein sauberes Übertragungsverhalten und vor allem eine „Constant Directivity“ zu erreichen.

Der bei den Cantönern bewährte 25 Millimeter große Hochtöner mit einer Alu-Mangan-Membran sitzt dafür in einer leicht trichterförmigen Frontplatte. Sie dient dazu das Abstrahlverhalten also die Schallbündelung an die des Tief-Mitteltöners im Übergangsbereich anzugleichen. Ein positiver Nebeneffekt: Durch die Wirkungsgraderhöhung des Hochtöners in diesem Bereich wird auch die Belastbarkeit erhöht.

Canton GLE 30 Bestückung
High-Tech Schwinger: Die bündig in die seidenmatt lackierte Front der GLE 30 eingelassenen Chassis lassen eine ungehinderte Schallausbreitung ohne Stolperstellen zu (Foto: Canton)

Die GLE 30 gibt es in schwarzem oder weißem Dekor foliert mit mattschwarzer respektive seidenmatt weiß lackierter Front. Die stylisch geformten, magnetisch fixierten ovalen Frontabdeckungen geben dem Lautsprecher ein neues Gesicht. Optional sind natürlich passende Lautsprecherständer bei Canton erhältlich.

Praxis

Die erste Hürde meisterte die Canton GLE 30 mit Bravour: Nämlich die Verträglichkeitsprüfung mit Verstärkern dieser Klasse. Bei einem Anschaffungspreis von etwas über 500 Euro wird kaum jemand highendige Boliden im vierstelligen Neupreisbereich daran laufen lassen. Und günstige Verstärker glänzen in der Regel nicht mit ultrastabilen Netzteilen.

Die LowBeats Messungen zeigen, dass die GLE 30 eine lupenreine 4-Ohm-Box ist und das Netzteil des angeschlossenen Verstärkers nicht ungebührlich belastet wird. Heißt: Auch Verstärker (oder Receiver) mit geringer Leistung werden mit der Canton gut klingen. Wir haben für den Test die übliche Phalanx günstiger Referenz-Amps (Cambridge Audio AX 25 + 35), IOTAVX SA-3, Rotel RA 11) aufmarschieren lassen und eigentlich klangen alle vier recht ordentlich. Doch der Rotel RA 11 klang mit der GLE 30 womöglich noch etwas besser…

LowBeats Messung GLE 30: Impedanz, Phase, EPDR
Die Impedanz (rote Kurve) rutsch nie unter 4 Ohm. Die Phase (blaue Kurve) zeigt ebenfalls einen recht moderaten Verlauf. Auch die aus diesem Verhältnis resultierende reelle Impedanz, der EPDR-Wert (graue Kurve), belastet die Verstärker nicht sonderlich stark (Messung: J. Schröder)

Die zweite Hürde waren die Pegel-Messungen. Und auch hier zeigten sich die Canton GLE 30 von der Schokoladenseite. Im Dauerbelastungsmodus kam sie mit moderaten Verzerrungswerten auf 96 Dezibel. Das ist deutlich mehr als die meisten Boxen dieser Klasse erzeugen können – siehe Slideshow:

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LowBeats Pegel-Messung GLE 30 @94 dB
(Messung: J. Schröder)
LowBeats Pegel-Messung GLE 30 @96 dB
(Messung: J. Schröder)
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Die vergleichsweise hohe Pegelfestigkeit prädestiniert die kleine Canton somit auch für etwas größere Räume – wir empfehlen die GLE 30 für Zimmer bis 22 Quadratmeter.

Neben den Messungen vom Kollegen Jürgen Schröder hat mich interessiert, wie sich dieser Lautsprecher in meinem Hörraum an meiner üblichen Hörposition verhält. Eine 1/3 Oktave geglättete Messung – entspricht etwa dem, was wir wahrnehmen – zeigt einen sehr ausgewogenen Verlauf. Hier bedarf es keiner Entzerrung wie sie etwa über Roon oder andere Raum-EQs bieten.

Ich habe die GLE 30 sowohl im kleinen Hörraum von Lowbeats als auch in meinem etwa 50 Quadratmeter großen Hörraum bewertet. Hierbei zeigten sich lediglich im Bass- und Grundtonbereich deutliche Unterschiede. Während bei Lowbeats diese Regionen aufgrund der wandnahen Aufstellung und auch wandnahen Sitzposition mehr in den Vordergrund rücken, spielte das Canton-Pärchen im großen Hörraum frei aufgestellt zwar konturierter und besser aufgelöst, aber weniger druckvoll in unteren Frequenzgefilden.

Es empfiehlt sich also pauschal in jedem Raum mit der Aufstellung und auch der Hörposition ein wenig zu spielen, um vor allem im Bass eine angemessene Wiedergabe zu erlangen.

Canton GLE 30 Messung
Für eine Messung im Hörraum respektive am Hörplatz gemessen, zeigt die GLE 30 eine sehr ausgewogene Mittel-Hochtonübertragung. Die leichte Welligkeit darunter ist der Aufstellung beziehungsweise dem Zusammenspiel mit dem Hörraum geschuldet. Die leicht abfallende Flanke im Bass zeichnet für den knackigen, präzisen Bass verantwortlich (Messung: M. Jansen)

Grundsätzlich sollten Lautsprecherständer verwendet werden, die die Hochtönerebene der GLE 30 etwa auf Ohrhöhe hieven. Damit ist gewährleistet, dass die erste Wellenfront, also der Direktschall, die korrekt addierten Schallanteile von Tief- und Hochtöner enthält.

Mit dem Grad der Einwinkelung auf den Hörplatz kann zudem in gewissen Grenzen die Abbildungsbreite sowie die Höhendosis „eingestellt“ werden. Eine starke Einwinkelung schmälert die Bühne, macht aber den Mittenfokus genauer und bringt eine Spur mehr Brillanz ins Musikgeschehen. Zeigen die Lautsprecher dagegen kaum in Richtung Zuhörer lassen sich gegenläufige Charaktere erreichen.

Canton GLE 30: der Hörtest

Was sofort auffällt: Die CLE 30 spielt wie aus einem Guss. Hoch- und Tiefmitteltöner ergeben ein überzeugendes Ganzes, das auch eine sehr homogene Räumlichkeit einschließt. Manche Lautsprecher kann man bei geschlossenen Augen sofort orten; bei ihnen ist die linke und rechte Box immer hörbar. Mit den neuen Cantönern entstand dagegen ein glaubhaftes 3D-Klangbild ohne direkte Zuordnung.

Zum Vergleich haben wir die kürzlich bei Lowbeats sehr überzeugend aufspielende Nubert NuBoxx B-40 herangezogen, die sich gegen stärkste Mitbewerber dieser Klasse durchsetzen konnte. Stimmenwiedergabe mit wenig Instrumentierung stand zuerst auf dem Prüfstand. Hier kann man sowohl tonale Defizite herausarbeiten als auch die glaubhafte Fokussierung der Sänger verifizieren. Mit Gregory Porters „No Love Dying“ sowie „The Beat Hotel“ von Allan Taylor legten wir los

Die erste Auffälligkeit im Vergleich zur Nubert war die leicht nach vorn gerückte Darstellung der Sänger mit einem sehr guten Fokus. Bei der NuBoxx B-30 wurden die Stimmen etwas distanzierter auf Boxenebene präsentiert. Bei manchen, hell timbrierten Aufnahmen waren S-Laute bei den Frauenstimmen über die Nubert etwas auffälliger, während die GLE 30 hier dezenter vorging. Die Cantöner klangen dabei immer wie aus einem Guss – ohne es dabei an Auflösungsvermögen vermissen zu lassen.

Mit Brad Mehlaus „Henri´s Lament“ lässt sich sehr schön die komplexe akustische Signatur eines Klaviers bewerten. Ohne Fehl und Tadel beherrschte die GLE dieses Instrument und ließ den hölzernen Korpus des Tasteninstruments warm erklingen. Die NuBoxx setzte den Tasten zuweilen kleine Glanzlichter auf.

Geht es um Bass und Pegelfestigkeit strömten die Beats von Boris Blanks „The Time Tunnel“ durch den Streamer. Hier gaben sich beide Probanden keine Blöße, wenngleich die Nubert bei diesen Pegeln vielleicht nicht ganz so knackig intonierte. Beide vertrugen die relativ wandnahe Aufstellung im kleinen Lowbeats Hörraum recht gut, obgleich sie hier schon mächtig Druck machten. Letztendlich behielt die nuBoxx-40 dank ihrer gewaltigen Pegelreserven beim Hochpegeldurchgang die Nase vorn. Die Canton dagegen klang über alles gesehen etwas offener und feiner.

Für alle, die sich das vorab mal online im Vergleich anhören wollen, haben wir die GLE 30 wie auch die Nubert und viele andere interessante Kompaktboxen im LowBeats Klang Orakel aufgenommen. Mit etwas Muße und einem guten Kopfhörer kommt man hier den unterschiedlichen Charakteren dieser außergewöhnlichen Kompakten schnell auf die Schliche. Unbedingt mal ausprobieren!

LowBeats Klang Orakel Canton GLE 30
Das LowBeats Klang Orakel ist mehrfach unterteilt. Hier kommt man zu den Kompaktboxen

Im LowBeats Klang Orakel finden sich etliche Kompaktboxen dieser Klasse. Einfach auf das Bild klicken und schon ist man drin. Wer schon länger das Klang Orakel nicht mehr genutzt hat, der sei auf eine Neuerung hingewiesen: Wir haben jetzt das Original in CD-Qualität jeweils ganz nach oben gestellt. Dieses „Original“ ist frei von Raumeindrücken und Ähnlichem – das muss man beachten. Trotzdem macht der Vergleich mit dem Original den Vergleich leichter: Die Box, die am nächsten am Original ist, ist theoretisch auch die beste. Ob sie einem auch am besten gefällt, ist eine andere Frage…

Fazit: Canton GLE 30

Die GLE 30 überzeugt durch ihre ungemein klare, offene Darbietung des musikalischen Geschehens. Vor allem aber spielt sie wie aus einem Guss. Hier arbeiten ohrenscheinlich nicht zwei einzelne Treiber ihre Spektren ab. Nein, die GLE 30 hat das große Ganze im Fokus. Addiert man noch die exzellente Gehäusequalität und ihr freundliches Verhalten zu den angeschlossenen Verstärkern, bleibt uns nur, ein überragendes Urteil zu vergeben. Sie ist eine DER herausragenden Kompaktboxen dieser seit jeher stets stark besetzten 500-Euro-Liga. Bravo!

Canton GLE 30
2021/09
Test-Ergebnis: 4,7
ÜBERRAGEND
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Homogener Klang mit enorm hoher Feinauflösung
Hohe Pegelfestigkeit auch in größeren Räumen
Gute Verträglichkeit auch mit „kleinen“ Verstärkern
Exzellente Verarbeitung

Vertrieb:
Canton Elektronik GmbH + Co. KG
Neugasse 21 – 23
61276 Weilrod
www.canton.de

Paarpreis (Hersteller-Empfehlung):
Canton GLE 30: 538 Euro

Die technischen Daten der Canton GLE 30

Canton GLE 30
Konzept:2-Wege Bassreflex-Kompaktbox
Tieftöner:1 x 17,5 cm Ø
Hochtöner:1 x 25 mm, Alu-Mangan
empf. max. Raumgröße:22 Quadratmeter
empf. mind. Verstärkerleistung
>30 Watt pro Kanal (4 Ohm)
empfohlene Aufstellung:frei auf Ständer
Abmessungen (B x H x T):19,0 x 36,0 x 28,0 cm
Gewicht:6,4 Kilo
Alle technischen Daten
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Autor: Michael Jansen

Der begeisterte Oldtimer-Fan ist von Berufswegen Lautsprecher- und Messtechnik-Spezialist. Seine Beiträge fallen meist norddeutsch-trocken aus, haben aber technisch immer großen Tiefgang...