Canton Smart Sounddecl 100 mit TVG
Canton hat sein smartes Lautsprecher-Programm nun durch ein flaches Sounddeck erweitert: das Sounddeck 100 kostet 1.000 Euro und liegt nicht nur klanglich vorn (Foto: Canton)

Test Canton Smart Sounddeck 100: der Flunder-Soundbar

Canton hat die Zeichen der Zeit erkannt und trimmt sein Portfolio mit immer neuen „smarten Produkten“ für die Moderne. Wir reden dabei keineswegs nur von Wireless Soundbars oder von modernen Multiroomboxen. Nein: Canton aktiviert fast alle sein Lautsprecher bis hin zur Reference Serie. Diese Ausrichtung ist durchaus klug, denn fragt man einmal in die HiFi-Gemeinde hinein, ist die drahtlose Musikübertragung das Gebot der Stunde. Das derzeit neueste „smarte“ Produkt ist (wenn man mal von dem 12 Zolll Smart-Subwoofer absieht) das ungewöhnlich flache Canton Smart Sounddeck 100. LowBeats Autor Michael Jansen hatte in den letzten Wochen bereits die Gelegenheit, mit dem Nubert nuPro AS-3500 den wahrscheinlich schärfsten Klangbalken-Konkurrenten dieser Preisklasse intensiv zu testen. So konnte er ausloten, wo derzeit die Messlatte für Soundbars der 1.000 Klasse liegt. Ergebnis: Der Nubert hat ihn beeindruckt, doch unterm Strich sammelte Cantons smartes Sounddeck noch einige Pluspünktchen mehr. Hier ist sein Bericht.

Canton Smart Sounddecl 100 Totale
Flacher geht´s kaum. Mit sieben Zentimeter Bauhöhe sieht das Sounddeck dezent-chic aus. Und dank der Bautiefe von 33 und der Breite von 100 Zentimetern finden auch größere TVs ohne Probleme hier ihren Platz (Foto: Canton)

Dank Netflix, Amazon, Spotify und Co. sind Bild und Ton heute mobiler denn je. Es gibt nicht nur ein Wohnzimmer wo alles stattfindet: Filme und Musik werden auf smarten Phones gesehen und gehört, immer und überall. Diesem Trend kann sich auch kein Hersteller von HiFi-Komponenten mehr entziehen. Mobil soll es auch in den heimischen vier Wänden zugehen. Bester Filmton im Wohnzimmer, Heimkinoatmosphäre im Keller oder Hörbücher im Kinderzimmer, alles vernetzt, alles ist möglich.

Canton Sounddeck 100: das Konzept

Die Lautsprecher-Traditionalisten aus Weilrod im Taunus haben ihre smarten Produkte nun um ein sogenanntes Sounddeck erweitert. Das Canton Smart Sounddeck 100 basiert weitgehend auf dem bereits Smart Soundbar 9, ist aber mit 33 Zentimeter Bautiefe deutlich größer (groß genug, einen TV darauf zu platzieren) und um einiges pegelfester und klanglich ausdrucksstärker.

Canton Smart Sounddecl 100 Logo
Flacher Aufbau, aber alles andere als flacher Ton: Beim  Sounddeck 100 geben vier nach unten strahlende 100 mm große Tieftöner und zwei 50 mm kleinen Mitteltöner sowie zwei 19-Millimeter-Kalotten jeweils nach vorne musizierend den Ton an (Foto: Canton)

Also eine nur 7 cm flache Soundflunder. Nun könnte der gemeine HiFi-Freund sich fragen „Und das soll hifidel klingen?“. Sicherlich keine leichte Übung, aber das Entwicklerteam um den geistigen Vater der Abteilung Frank Göbel ist versiert genug, um aus diesen acht Chassis homogenen Sound zu zaubern. Die vier Bassisten bekommen rückseitig am Gehäuse Bassreflex-Unterstützung, um etwa auch bei 5.1-Abmischungen für genügend Druck zu sorgen. Ab 150 Hertz sorgen die beiden Mitteltöner, ab 3000 Hertz die kleinen Hochtonkalotten für die Musikübertragung.

Letztere sind über eine passive Frequenzweiche voneinander getrennt, den Übergang von Mittel-/Hochton zum Tieftonverstärker wird via DSP-Bassmanagement aufgeteilt. Angefeuert von einer Vier-Kanal-Endstufe in effizienter Class-D-Technik und einer möglichen Impulsleistung von respektablen 350 Watt sind mit dem Sounddeck erstaunliche Pegel möglich. Doch dazu später.

Canton Smart Sounddecl 100 Anschluss
Viele Wege führen zum Sounddeck 100 als Schaltzentrale. Besonders erfreulich: die vier HDMI-Anschlüsse (Foto: Canton)

Anschlussseitig ist mehr vorhanden, als man üblicherweise braucht. So sind neben HDMI Out (mit ARC = Audio Return Chanel) für die Verbindung zum Fernseher, drei weitere HDMI-Buchsen am Anschlussterminal auf der Rückseite platziert. Hier können Blu-ray-Player, Spiele-Console und Co. Zugang finden. Dazu kommen noch ein optischer und koaxialer Digital-Eingang sowie ein Analog-Eingang.

An Tonformaten akzeptiert das Sounddeck neben PCM, Dolby Digital, DTS-HD auch Dolby Atmos. Ein Sub-Out bietet zudem die Möglichkeit das Sounddeck mit einem kabelgebundenen Subwoofer zu unterstützten. Via Ethernet-Buchse geht es schließlich an den Router. Alle Buchsen sind rückseitig vertieft montiert, was eine dichte Positionierung an der Wand ermöglicht und für stimmige Optik sorgt.

Das Ganze ist verpackt in einem sehr wertig anmutenden, flachen Gehäuse, dessen Oberseite mit einer Glasplatte versehen ist. Sie sorgt für mehr Stabilität und nicht zuletzt auch dafür, dass etwaig auf dem Sounddeck platzierte Flat Screens so schnell keine Spuren hinterlassen. In meinem Fall hängt das 65 Zoll große Display an der Wand, so dass das Sounddeck 100 auf dem Sideboard liegend bündig mit der Unterkante des Fernsehers abschließt. Coole Optik.

Canton Smart Sounddecl 100 Ambiente
Die Glasplatte auf der Oberseite ist dezent & chic – und lässt sich gut abwischen… (Foto: Canton)

Das Canton Smart Sounddeck 100 in der Praxis

Die Installation des Sounddecks geht leicht von der Hand: Stromkabel anschließen, die HDMI-Verbindung zum Fernseher herstellen und ab ins Canton-OnSreen-Menü per „M“-Taste auf der Fernbedienung. Was sich hier einstellen lässt ist gleichzeitig in Kürzeln auch im Display des Sounddecks zu sehen. .

Canton Smart Sounddecl 100 Eingang
Das Sounddeck zeigt die aktuellen Einstellung in Kürzeln auch auf der Front an (Foto: Canton)

Neben Abstand zum Hörplatz, was mithin die korrekte Laufzeit einstellt, können auch Klangtüftler über Bass-, Mitten- und Höhendosierung bestimmen. Im Menüpunkt Lautsprechereinstellung / Sprachverständlichkeit lassen sich vorzugsweise bei Filmton die Dialoge deutlicher hervorgehoben. Je nach Platzierung des Sounddecks sollte eine Anpassung der Übertragungsfunktion erfolgen.

Hierzu gibt es die Wahl zwischen „freier Aufstellung“, „Aufstellung an einer Rück- oder Seitenwand“ sowie „Aufstellung in einer Raumecke“. Dafür sind entsprechend drei voreingestellte EQs wählbar. Wer gerne abends spät noch fernsieht, kann über DRC den Dynamikbereich reduzieren. Das heißt laute Filmszenen werden etwas leiser und leise Filmszenen etwas lauter wiedergegeben. Die Nachbarn mit schlafenden Kinder werden es danken. Auch lassen sich im OnScreen-Menü bis zu sieben weiteren Wireless-Lautsprecher einbinden. Wir kennen das ja bereits von all den anderen Canton Smart-Speakern, die wir schon in der Redaktion hatten. Aber in der Praxis ist diese Vielseitigkeit doch immer wieder beeindruckend.

Canton Smart Sounddecl 100 OnScreen-Menue
Über Cantons gut gemachtes On-Screen-Menü lassen sich alle systemrelevanten Einstellungen vornehmen (Foto: M. Jansen)

Um den vollen Umfang der Smart-Speakers auszuschöpfen geht es an die Netzwerk-Integration sowie der Einrichtung der Google Home-App auf das Smartphone. Damit wird gewährleistet, dass man auf die von Chromecast built-in unterstützten zahlreichen Streaming-Dienste zugreifen kann. Zu den üblichen Verdächtigen gehören Spotify, Tidal und auch Tunein Radio. In den jeweiligen Streaming-Apps sollte nach Einrichtung von Chromecast der Zuspieler – also hier die Canton Sounddeck 100 – anwählbar sein.

Cool ist in diesem Zusammenhang die Möglichkeit drei Presets mit selbst gewählten Playlisten aus Spotify auf der Canton-Fernbedienung zu belegen. Zugleich speichern die Presets alle gewählten Voreinstellungen wie Eingang, Lautstärke und Klang mit ab.

Der Hörtest

Den ersten Zugang zum Sounddeck habe ich via kostenlosen Spotify-Streaming also reduzierter Datenrate bewerkstelligt. Hier ist schon eine gute, hifidele Vorstellung geboten. Doch mit meinem Tidal-Account „HiFi“ – ich verwalte diesen Zugang über Roon – kommt richtig Freude auf.

Meine Playlisten umfassen ausgesuchte Titel alle mindestens in CD-Qualität. Die Live-Aufnahme „Trouble´s What You`re In“ von Fink etwa zeigt eine sehr authentische Live-Atmosphäre. Via Sounddeck in „Stereo“-Modus ist die räumliche Abbildung schon recht weitläufig, wenngleich aufgrund der geringen Basisbreite der Mittel-/Hochtöner von knapp einem Meter nicht ganz so breit wie mit einem klassischen Pärchen guter Lautsprecher und einer doppelt so großen Basisbreite.

Dies ändert sich sogleich im „Musik“-Modus zugunsten der fast an die bekannte weitläufige Darstellung heranreichende Wiedergabe. Tonal gibt es nichts zu meckern, im Gegenteil: Selbst feine Nebengeräusche beim Gitarrenspiel bringt Cantons Flunder an die Oberfläche und auch die Stimme klingt sehr deutlich. Nächster Track: „Still Waters Run Deep“ von Carolin No. Hier ist Bass-Kompetenz gefragt. Wahnsinn, was Cantons schmucke Kiste an Basswogen ins Wohnzimmer drückt – für einen Lautsprecher dieser Größe erstklassig. Und dabei verliert das Sounddeck nie die Selbstbeherrschung.

Der oben schon erwähnte und nun zum Vergleich herangezogene Nubert nuPro AS-3500 spielt sogar noch ein paar Hertz tiefer, mächtiger. Und auch in puncto Stimmenwiedergabe klingt der Schwabe diesen Tick offener und klarer – was ihn aber manchmal bei den S-Lauten etwas vordergründig erscheinen lässt. Das Canton Smart Sounddeck 100 besticht dagegen durch zarte Höhen und einer ebenfalls recht prägnanten Mittenwiedergabe.

Man muss an dieser Stelle eine Lanze für diese Alleskönner brechen: Weil sie natürlich überwiegend für die Wiedergabe von TV-Ton eingesetzt werden, legen die Entwickler von Anfang an einen Schwerpunkt auf beste, beziehungsweise gut verständliche Sprachwiedergabe. Beide Klangriegel bieten für eine nochmalige Steigerung der Sprachverständlichkeit eine spezielle Einstellung des DSPs. Aber der Stimmbereich ist halt auch in der Grundeinstellung schon etwas prägnanter als bei üblichen HiFi-Boxen.

Canton Smart Sounddecl 100 Messung
Für eine Raummessung recht ausgewogene Übertragungsfunktion mit leichter Mittenanhebung (rot/grün – beide Kanale dargestellt) (Messung: M. Jansen)

Kommen wir zum aufpolierten Fernsehton und damit zum virtuellen Heimkino. Schon „einfaches“ Fernsehen, wozu ich zum Beispiel Nachrichten oder Dokumentationen zähle, klingt mit dem Canton um Klassen besser als der ursprüngliche TV-Speaker. Stimmen sind einfach klar und deutlich wahrnehmbar. Schon allein deshalb, weil das typische Grummeln weg ist, das vielen Fernsehern eigen ist, um über mangelhafte Tieftonqualitäten hinwegzutäuschen.

Via Netflix gestreamte Action-Filme verdaut der Flachlautsprecher ohne Mucken. Dabei erübrigt sich eigentlich ein zusätzlicher Subwoofer. Erst recht, wenn man sein Sofa – wie vermutlich in den meisten Wohnzimmern – an der Rückwand stehen hat. Dann macht man sich einen Effekt zunutze, der in der reinen Lehre der hifidelen Musikwiedergabe zwar ein Übel darstellt aber im Heimkinobetrieb eher nützlich ist: Die Rede ist von sogenannten Raummoden, die vor allem im Bass und Tiefbass den Pegel gerne mal um einige Dezibel anheben. Weil bei diesen Raumresonanzen immer auch ein Nachschwingen einher geht sind sie dem guten Klang in der Musikwiedergabe eher abträglich, im Action-Film kann mehr Druck auch mehr Spaß bereiten.

Der Surround-Klang, den das Canton Smart Sounddeck 100 erzeugt, ist echt nicht übel: Wie realistisch er etwa im Batman-Klassiker The Dark Knight die hallige Parkhausatmosphäre wiedergibt, das macht fast schon Gänsehaut. Im Vergleich zum Nubert AS-3500 ist die Abbildung breiter und einen Tick tiefer – also noch etwas beindruckender.

Batman The Dark Knight Cover
Nicht nur von den Bildern her schwer beindruckend: auch der basslastige Sound passt perfekt zu der düsteren Stimmung des Films (Cover: Amazon)

Und doch bleibt das Sounddeck 100 in der Riege der Canton Smart Soundbars nur die Nummer 2: Denn die Größe und Abbildungsgenauigkeit ist mit dem Smart Soundbar 10 noch packender, noch intensiver. Doch der physisch kleinere Soundbar 10 braucht für ähnlich fulminante Bässe noch einen zusätzlichen Subwoofer – und wird dann im Paket deutllich teuer. In so fern stimmt die Canton Hierarchie.

Fazit Canton Smart Sounddeck 100

Canton komplettiert sein Soundbar-Angebot auf beeindruckende Weise: Das Sounddeck 100 bietet neben den vielfältigen Anschluss- und drahtlosen Zuspiel- bzw. Steuermöglichkeiten, neben Ausbauoptionen mit weiteren Canton Smart-Speakern zum Heimkino mit dezidierten Lautsprechern für jeden Kanal vor allem wirklich hörenswerte Ergebnisse.

Wer sich das Sounddeck nur kauft, um den Fernsehton auf Heimkino-Feeling aufzupäppeln, wird schwer überrascht sein, dass dieses Sounddeck deutlich mehr kann. Hören Sie mal ihre Spotify- oder Tidal-Playlist darüber, Sie werden feststellen: Das ist schon verdammt gut und dazu angetan, die Rolle der früheren Musiktruhe im Wohnzimmer einzunehmen. Bester Fernsehton, klasse Musikwiedergabe und eine hochmoderen Connectivirtät – was will man mehr? Wir sagen: beide Daumen hoch.

Canton Smart Sounddeck 100
2021/02
Test-Ergebnis: 4,7
ÜBERRAGEND
Bewertung
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Ausgwogen-offener Klang mit guter Sprachverständlichkeit und sattem Bass
Gute Dolby Atmos-Effekte
Multiroom mit bis zu sieben weiteren Lautsprechern möglich
Flacher Aufbau,  gute Verarbeitung, Glasplatte als Abdeckung nach oben

Vertrieb:
Canton Elektronik GmbH + Co. KG
Neugasse 21 – 23
61276 Weilrod
www.canton.de

Preis (Hersteller-Empfehlung):
Canton Smart Sounddeck 100: 999 Euro

Technische Daten

Canton Smart Sounddeck 100
Konzept:aktives 2.1 Virtual Surround Einbox-System
Bestückung:4 x 10 cm Bass, 2 x 50 mm Mitteltöner, 2 x 19 mm Hochtonkalotte
Besonderheit:Multiroom-Steuerung mit Google Home App
Eingänge:3 x HDMI, 1 x Coax, 1 x optisch, 1 x USB, BT
Abmessungen (B x H x T):100,0 x 7,0 x 33,0 cm
Gewicht:
12,2 Kilogramm
Alle technischen Daten
Gegenspieler:

Test Soundbar Nubert nuPro AS-3500

Mehr zu Canton:

Test Canton Smart GLE 9: Solo für zwei
Test Multimedia-Standbox Canton Smart Vento 9
Test Canton Smart Soundbar 10: Spitzenklang mit Dolby Atmos
Familientest Canton Anniversary Serie: A 55, A 45, A 35 und A 45BS
Test Canton GLE 496.2 BT: Standbox mit BT und 3D-Klang
Test Canton Atelier 1100 – Top-Klang aus der Wand
Neuer CEO und + neue Ideen bei Canton: Interview mit Christoph Kraus
Übersichts-Beitrag Familientest Canton Vento
Hintergrund: Canton DC – mehr Bass, weniger Verzerrungen

Autor: Special Guest