Technics SL-G700 Front
Von außen schlichte Eleganz, innen Hightech vom Feinsten. Der CD/SACD Streaming Multiplayer Technics SL-G700 ist eine wunderbar audiophile Abspielmaschine – und mit 2.500 Euro sehr fair kalkuliert (Foto: Technics)

Test SACD/CD-Netzwerkspieler Technics SL-G700

Alles unter einer Haube. Der Technics SL-G700 ist CD-Player und Netzwerkspieler zugleich. Und er kann – das hebt ihn aus der Masse weit heraus – auch SACDS abspielen. Der Preis bleibt human, der klangliche Output drückt den Musikfreund tief in das Hörsofa. Ein ganz Großer.

Wir sind dick und fett geworden. Wir haben alles. Doch nicht ausschließlich auf den Rippen. Wir haben ein großes Regal mit CDs und SACDs. Dazu haben wir auf unserer Festplatten unfassbar viele PCM-Dateien und DSDs gehortet. Kurz: Wir hüten von jeder Aufnahme der vergangenen 50 Jahre das bestmögliche Original. Im idealen Fall direkt von den Tonabnehmern der Studio-Bandmaschinen in hochwertiges Digital gewandelt.

Das Konzept des Technics SL-G700

Genau an diesem Punkt streiken die meisten Quellen in unserem High-End-Aufbau. Ok, bei der guten Schallplatte sind wir noch dabei. Aber in der digitalen Welt würden wir gleich drei Komponenten brauchen: einen CD-Player, dazu einen SACD-Player und einen High-Res-Steamer. Der High-End-Turm könnte es mit Babel aufnehmen. Aber jetzt gibt es das Tool für die einsame Insel. Technics hat einen „Ich-kann-fast-alles-Player“ für die digitale Welt entworfen. Und ich bin angefixt. Maximal sogar. Der Technics SL-G700 nimmt fast jede Silberscheibe entgegen (BluRays ausgeschlossen), ganz sicher aber jeden digitalen Code.

Technics SL-G700 mit Amp
Optisch harmoniert der Multi-Player natürlich mit den Verstärkern des eigenen Hauses, hier der Technics SU-G700. Der SL-G700 hat die Abmessungen 43,0 x 9,8 x 40,7 cm und beeindruckt mit einem Gewicht von 12,2 Kilo (Foto: Technics)

Doch er verweigert die große Show. In der edlen Front sieht er aus wie ein CD-Player, der eben auch SACDs auslesen kann. Der Rücken offenbart ihn aber zusätzlich als Streamer. Mit DSD und PCM direkt von der NAS-Festplatte hinein. Wenn wir wirklich highendig abspecken wollen: zwei Drittel der Kette brauchen wir nicht mehr – wenn wir den Technics einschleifen. Denn die Japaner legen sich mit dem SL-G700 mächtig ins Zeug. Der Subname der Serie gibt die Botschaft vor: Grand Class – wir sind in den Weinbergen des Herrn.

Technics SL-G700 REar
Die Anzahl der Anschlüsse ist überschaubar, aber ausreichend. Eingänge: 1 x Coaxial Digital, 1 x Optical, 2 x USB-A und natürlich Bluetooth. Ausgänge: 1 x asymmetrisch, 1 x symmetrisch (Foto: Technics)

Das wird bereits sichtbar, beim Entfernen der Deckplatte. Da hätte ich viel mehr Luft erwartet. Doch der SL-G700 ist gefüllt mit den schönsten Bausteinen. Im Zentrum liegt ein Ziegelstein, der allein die Wandlung von Laser zu Sound bestimmt. Links davon und abgeschirmt eine mächtige Stromaufbereitung, rechts dazu die Digitalsektion plus Leistungsstufen. Alles symmetrisch und mächtig. Das ist kein Mal-eben-Player aus Japan, sondern ein Machtwort. Hier wird die weite HiFi-Welt in ein klassisches 43-Zentimeter-Gehäuse komprimiert. Schon deshalb sollten wir Technics dankbar sein.

Abermals: Die Front des SL-G700 verrät wenig davon. Er schaut nach wie vor aus wie ein gut gelaunter CD-Player. Doch das Display rechts verrät die weiteren Optionen. Hier können wir jeden Stream tiefer betrachten – allerdings ohne Cover-Anzeige. Denn das Display ist rein monochrom aufgebaut. Kein Handicap in Zeiten, da es gute Apps gibt. Die farbenfrohe HighRes-Welt findet eher auf dem Display von iPad und iPhone statt. Das Display auf der Front des SL-G700 ist ein effektives Vehikel, aber nicht umfassend informativ.

Technics SL-G700 Display
Das Display des SL-G700 ist gut lesbar (Foto: Technics)

Klanglich aber öffnet sich der Himmel. Da gibt es beispielsweise einen batteriebetriebenen Taktgenerator – jedweder Jitter wird als „böse“ verdammt und ausgegrenzt. Ebenso wenig gibt es digitales Rauschen. Jedenfalls ist der Aufbau des SL-G700 daraufhin gezüchtet, wie die Slideshow zeigt:

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Technics SL-G700 innen komplett
Vieles ist verkapselt: in der Mitte der mächtige Laufwerksblock, links (normalerweise ebenfalls gekapselt) die Netzteil-Abteilung, hinten in der Mitte die Digitalsektion, rechts die Analog-Sektion. Für eine optimale Abschottung der Sektionen untereinander hat der Technics SL-G700 gleich 5 (!) Netzteile (Foto: Technics)
Technics SL-G700 DAC
Der DAC AK4497 von Asahi Kasei Micro gilt mit seinem hohen Rauschabstand und seinen geringen Verzerrungen als einer der besten Wandler am Markt (Foto: Technics)
analoger Signalpfad
Der analoge Signalpfad ist volständig in dual-mono aufgebaut. Dsa verhindert ein Übersprechen zwischen den Kanälen (Foto: Technics)
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Insgesamt ist der Aufbau hochwertig und ultimativ in seiner Trennung. Die Signalpfade sind dual-mono aufgebaut, jede Ebene ist verkapselt und mit eigenem Netzteil versorgt. Das sagt viel über die Komplexität solcher Multi-Player.

Und noch ein Schmankerl: der Kopfhörerausgang. Dahinter liegt ein Operationsverstärker, der in Kombination mit der Technics-eigenen JENO (Jitter Elimination and Noise Shaping Optimizationin) Engine ein erstaunlich gutes, pralles Klangbild produziert. Diese „Engine“ wird nur eingeschaltet, wenn ein Kopfhörer in Gebrauch ist. Und natürlich hat auch die Kopfhörer-Sektion ein eigenes Netzteil. In den Hörtests erwies sich der Technics auch bei Kopfhöreren mit sehr unterschiedlichen Impedanzen als sehr stabil und wohlklingend. Und zwar in einem Maß, das nicht wenige meiner externen Kopfhörer-Amps arbeitslos machen würde.

Kopfhörer/USB
Hinter dem Kopfhörer-Ausgang liegt die JENO Engine (Jitter Elimination and Noise Shaping Optimization) die nur für den Kopfhörer-Pfad zuständig ist (Foto: Technics)

Und natürlich bietet der SL-G700 das volle Programm der zeitgemäßen Streamingplattformen – von Spotify bis Tidal. Die hausgemachte App von Technics ist gut. Aber ein Vöglein hat uns gesungen, dass bald auch Roon als Steuerelement eingebunden wird. Was haben die Konkurrenten dazu zu sagen? Erstaunlich wenig. Der Technics steht als Silberscheiben-Leser und D/A-Streamer wie ein Monolith im Katalog unserer Zeit.

Der Hörtest

Streaming war das Stichwort. Nachdem ich ihn mit der Referenz-Kombi verkuppelt hatte, ließ ich per TIDAL gleich einen Gott aufspielen: Jaco Pastorius ist kein Held, sondern ein Glücksbringer des Basses und der komplexen Mischungen. Seine Labels und Mitmusiker haben ihn missachtet. Er starb als Obdachloser. Hier und da gibt es eine Luxusedition auf LP, aber kaum irgendwo ein HighRes per Stream.

Egal, ich stürze mich bei 16 Bit in Word of Mouth hinein. Schnell wird auch Unkundigen klar, das hier ein Genie des Basses seines Amtes waltet. Eine Welt verändert sich in ihrem Lauf. Die CD ist fad, eine SACD nicht zu haben. Aber immerhin ein direkter Stream über den Computer mit der Audirvana-Software, der auf 24 Bit und 44 Kilohertz hochgerechnet wird. Das zielt direkt in unser Herz, in unser Zwerchfell. Machtvoll der Künstler, komplex der Mix, umfassbar, was unsere Ohren erreicht. Der Technics SL-G700 düpiert alle Konkurrenten. Da könnten wir noch so lange hören – es wird unseren Absolutheitsanspruch nicht mindern: hier spielt eine der besten Digital-Quellen der Neuzeit.

Und wir entschuldigen uns, dass wir bei der gleichen Musik bleiben. Das legendäre Namens-Album von Jaco Pastorius. So geschrieben und eingespielt in der Mitte der Siebzigerjahre. Hier geht die Party ab, hier mischt sich ein Blechbäser-Orchester mit einem machvollen Bass. Die CD gibt es nicht her, sie deutet es an. Aber wir haben aus Japan die SACD bestellt. Der SL-G700 zeigte perfekt, wie haushoch eine SACD besser klingt. Das hätte so schön werden können. Aber leider hat sich die SACD nicht gegen den alten Bestandssumpf der CD durchsetzen können. Und doch werden bei den Connaisseuren die Regale voll sein mit SACDs. Bei Jaco Pastorius wird es überragend. Weil es eben noch keinen High-Res-Stream gibt. Aber wir sind uns sicher: Je mehr Aufnahmen in High-Res als PCM oder DSD erscheinen, desto mehr Sinn verliert die Anschaffung eines greifbaren Klangträgers.

Aber weiden wir uns noch einmal. Erst kürzlich hat der Bayerische Rundfunk seine Schatztruhe geöffnet. Ohne den historischen Bezug zu ahnen. Denn „The SACD-Recordings of Mariss Jansons“ sind knapp vor dem Tod des großen Dirigenten erschienen. Der BR huldigt damit einerseits seinen Musikern, andererseits dem Umstand, dass seit zehn Jahren das hauseigene Label besteht. Zehn SACDs – welche ziehen wir für unseren Test hervor? Die ganz große Kunst zwischen Parfüm und Fortissimo – die fünfte Symphonie von Gustav Mahler.

Mariss Jansons BRSO The SACS Recordings Box-Cover
10 SACDs mit Mariss Jansons und dem BRSO. The SACD Recordings sind ein großes Werk (Cover: BR)

Den langsamen Satz, das Adagietto kennt wohl jeder. Das war die Filmmusik zu „Tod in Venedig“. Der große Visconti führte Regie und man versinkt in Schönheit und Rausch. Gustav Mahler bediente diese Welt, als sei das Adagietto dafür geschaffen worden. Hundert Aufnahmen wird es geben. Die von Mariss Jansons spielt ganz oben mit. Er schleppt nicht, er treibt nicht – er findet das ideale Tempo auf den Punkt. Und in der Mitte vergisst er sich. Dann wird es göttlich. Man wünscht sich, dass diese Musik nie aufhören möge. Die CD-Spur verfügt nicht über die Magie, aber die SACD bringt den Reichtum an die Membranen. Das klingt, wie in monatelanger Feinarbeit ausformuliert. Dabei sind es nur zwei Live-Abende, auf die die Tontechniker zugreifen konnten. Zudem eingefangen in der gruseligen Akustik der Philharmonie zu München. Doch die wissenden Kritiker der Musik Mahlers fielen vor dieser Aufnahme nieder. Sie gilt als epochale Tat der Zehnerjahre unseres Jahrhunderts. Mehr zu den SACD-Recordings mit Mariss Jansons finden Sie hier.

Ich schleiche mich an ein Summa summarum heran. Der SL-G700 treibt die Sensibilität des Hörers in große Höhen. Er gibt sich tendenziell hell und hochauflösend. Aber auch der gute Schlag in die Magengrube ist da. Begleitet von einer wunderbaren Analyse der feindynamischen Informationen. Wo genau er klanglich residiert? Sagen wir es einmal so: Rechts vom Technics steht in meinem Hörraum ein Linn Majik Streamer. Ich würde mich von ihm trennen für den SL-G700. Links vom Technics steht ein großer Marantz-SACD-Player mit aufgemotzter Röhren-Ausgangsstufe. Auch von ihm würde ich mich für den SL-G700 trennen. Gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Ich kann meine SACD-Sammlung weiter nutzen, dazu die dicke Festplatte im NAS-Verbund. Auch der Kopfhörer-Ausgang ist überragend gut gemacht und ersetzt so manch anderen (gar nicht günstigen) Spezial-Amp aus meiner Sammlung. Wirklich viel Geld braucht es nicht – nur den Willen zur effektiven Verkleinerung.

Fazit

Der SL-G700 zeigt mal wieder, was die Japaner erschaffen können, wenn sie von den Fesseln der Firmenpolitik frei gelassen werden. Im Gehäuse geht es erstaunlich eng zu – hier wird viel Elektronik verpackt und sinnvoll abgeschottet. Klanglich steht dieser Player ziemlich weit oben: schnell, analytisch, nicht warm, aber auch nicht böse – viele Informationen auf den Quadratzentimeter. Der Technics SL-G700 zeigt Herz, Hirn, Wandler. Was wollt Ihr mehr?

Technics SL-G700
2020/05
Test-Ergebnis: 4,5
ÜBERRAGEND
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Hochdynamischer, natürlicher Klang. Großes Panorama
Hohe Vielseitigkeit: CD, SACD, Streaming
Wenig Jitter dank Batterie-betriebenem Taktgenerator
Exzellenter Kopfhörer-Ausgang mit Class-A-Verstärker

Vertrieb:
Technics
Winsbergring 15
22525 Hamburg
www.technics.com

Preis (Hersteller-Empfehlung)
Technics SL-G700: 2.500 Euro

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Im Beitrag erwähnt:
Review: The SACD-Recordings of Mariss Jansons

Autor: Andreas Günther

Andreas Günther
Der begeisterte Operngänger und Vinyl-Hörer ist so etwas wie die Allzweckwaffe von LowBeats. Er widmet sich allen Gerätearten, recherchiert aber fast noch lieber im Bereich hochwertiger Musikaufnahmen.