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Sonus faber Venere 2.5 – Aufmacher
Die Sonus faber Venere 2.5 ist optisch und klanglich absolut mehrheitsfähig. Die schlanke Standbox kostet 2.800 Euro/Paar (Foto: Sonus faber)

Test Sonus faber Venere 2.5 – Äußere und klangliche Schönheit

Sonus faber baut richtig schöne Lautsprecher. Die erschreckender Weise auch noch richtig gut sind – und im Fall der Venere-Serie nicht halb so teuer, wie sie aussehen. Ich habe mich in die „kleine“ Standbox Sonus faber Venere 2.5 für knapp 2.800 Euro verguckt – und zwar gründlich.

Wenn HiFi- und insbesondere Boxenhersteller versuchen, ihre Produkte schick oder lifestylig zu machen, endet das oft gruselig wie in der „Junges Wohnen“-Abteilung einer XXL-Möbelhalle.

Es hilft nichts, eine uninspirierte Boxensäule mit gönnerhaftem Seitenblick aufs weibliche Publikum einfach um 50% dünner zu machen – wobei der Klang proportional abmagert – und den resultierenden singenden Bleistift dann mit Fake-Aluapplikationen und läppischem Lack zu veredeln.

Der offenbart die Trübsal seiner Herstellungsbedingungen bereits aus drei Metern Entfernung – und stört mit seinem falschen Glanz die Freude über den gelungenen Kompromiss zwischen HiFi-Hobby und Einrichtungs-Rücksichtnahme zuerst nur ganz leicht. Um dann immer greller die Erkenntnis durchschimmern zu lassen, dass man doch ein ganz schöner Jammerlappen geworden ist.

Sonus faber Venere 2.5 – die Form
Das Bild aus der Vogelperspektive zeigt die sich nach hinten stark verjüngende Form der Venere 2.5. Davon versprechen sich die Sonus faber Entwickler weniger stehende Wellen im Gehäuse (Foto: Sonus faber)

Aus dem Dilemma heraus führen nur richtige Lautsprecher. Bei denen Design entweder gar nicht oder eben richtig stattfindet, als sensible, intelligente und kunstvolle Vermählung von Akustik und Ästhetik.

Der eine Weg führt im konsequentesten Fall zu brutalistischen Bollwerken im Stil etwa der Heritage-Modelle von Klipsch – die eine ganz eigene Kraft besitzen, auf die ich in meinem nächsten Test ausführlicher eingehen werde.

Der andere Weg führt zum Beispiel nach Italien. Nach Vicenza, wo die Renaissance-Architektur von Andrea Palladio das Stadtbild prägt. Und zu Sonus faber, wo die Entwickler an einem ganz normalen Arbeitstag bereits besser aussehen als bei anderen Herstellern die Dressmänner im Prospekt für die Spitzen-Baureihe.

Was die Sonus faber Venere 2.5 so besonders macht

Die Venere-Baureihe ist gar nicht mehr so neu – vorgestellt wurde sie 2013. Trotzdem sieht die Sonus faber Venere 2.5 taufrisch aus, elegant, dynamisch und zeitlos.

Und obwohl wir hier eine eher preiswerte Baureihe vor uns haben – das Portfolio von Sonus faber reicht ja weit in sechsstellige Regionen – finden wir an der Venere bereits fast alles, was die Marke so besonders macht: Den ausgeprägten Sinn für Proportionen, die spannenden, aber nie gekünstelt wirkenden Formen, welche oft an Musikinstrumente erinnern, das Gefühl für Material und wie man es perfekt kombiniert.

Die 2.5 (die rechte Standbox) im Kreis ihrer Venere Familie. Mit ihren Abmessungen von 110,7 x 34,0 x 43,7 cm (H x B x T) ist sie noch absolut wohnraumfreundlich (Zeichnung: Sonus faber)

An der Test-Box findet sich etwa Glas, mattes, offenporiges Furnier, seidenmatter Lack und gedeckt schimmerndes Metall. Hier wurde nichts dem Zufall überlassen und nichts aus dem Standard-Bauteilekatalog bestellt.

Ein Normalo-Anschlussterminal mit handelsüblichen (und funktional einwandfreien) vergoldeten Messingklemmen? Völlig ausgeschlossen, denn das würde einerseits schon rein räumlich nicht an das schmale Rückgrat der Box passen und andererseits die subtile Harmonie der Oberflächen und Farben so nachhaltig stören, als würde man eine Palladio-Villa mit Wärmedämmplatten behängen.

Sonus faber Venere 2.5 – Anschluss
Die sehr schmale Rückwand aus einem massiven MDF-Stück lässt nicht viel Platz: die Bi-Wiring-Anschlüsse sitzen daher leicht versetzt übereinander (Foto: Sonus faber)

Die Sonus faber Venere 2.5 ist eine Box, um die man herumgehen kann, und die aus keiner Perspektive die geringste Nachlässigkeit zeigt. Die andererseits aber auch erst in der dritten Dimension ihre ganze Schönheit zeigt: Auf Bildern – selbst professionell gemachten – wirkt ihre Form eigenartig flach, die live so leichten, dynamischen Linien und Flächen irgendwie verkrampft und schief.

Oder umgekehrt: Wem die Box schon auf dem Papier oder Bildschirm zusagt, der wird ihr bei einer Begegnung in Holz, Glas und Metall garantiert verfallen. So kann es passieren, dass man die Venere mit dem Herzen schon gekauft hat, bevor man einen Ton von ihr zu Ohren bekam.

Und die Chancen stehen sehr gut, dass man seine Unvernunft nie bereuen wird. Denn klanglich trifft die Venere 2.5 eine Balance zwischen klangfarblicher Stimmigkeit, Spielfreude und Detailtreue, die völlig mühelos wirkt und in dieser Ausprägung dennoch extrem selten ist.

Es gibt vielleicht ein paar isolierte Extremanforderungen, die man in dieser Preisklasse woanders noch besser erfüllt bekommt: Rock-Lauthörer etwa werden Boxen mit noch mehr Membranfläche im Bass finden – wie etwa die Canton Vento 886 oder die Nubert nuLine 334, die in echter Dreiwege-Bauweise den gehörmäßig kritischen Mittelton von großen Membranauslenkungen – und daraus resultierenden Unsauberkeiten – freihält.

Mit der Venere 3.0 hat die 2.5 eine große Schwester, die diese Forderungen ebenfalls abhakt, allerdings 1.200 Euro teurer ist. Die Sonus faber Venere 2.5 dagegen ist, wie schon im Namen angedeutet, eine 2½-Wege-Konstruktion: Der obere der beiden je 16,5cm messenden Tieftöner übernimmt dabei auch die Aufgabe des Mitteltöners.

Damit kommt der Treiber, den Sonus faber wie alle Chassis selbst entwickelt hat, im Normalfall aber bestens zurecht: Bevor die Tiefton-Hübe den Mittelton störend modulieren, hat die 2.5 längst Basspegel erreicht, die nur in freistehenden Häusern überhaupt nutzbar sind, ohne dass ein Nachbar die Polizei ruft.

Sonus faber Venere 2.5 – die Treiber
Tief- und Hochtöner werden bei Sonus faber entwickelt und mit besten Zutaten bei Spezialisten produziert (Foto: Sonus faber)

Am anderen Ende des Frequenzspektrums könnte mancher Hörer etwas Bling-Bling vermissen: Es gibt Lautsprecher, deren Hochtöner sich spektakulärer in Szene setzen. Richtiger ist das nicht, nur anders, und manche Leute brauchen das. Doch der Sonus faber Venere 2.5 fehlt obenherum nichts.

Sie zeigt die wahre Schönheit der Musik erfreulich unaufgeregt. Und dass ihr Kalotten-Hochtöner nicht isoliert wahrnehmbar ist, spricht vielmehr für seine hohe Qualität und korrekte Implementierung – für die behutsame Abstimmarbeit gutgekleideter Vicenzaner also und für die hochpräzise Zuarbeit durch Firmen wie die Dr. Kurt Müller GmbH in Krefeld, die die Seidenkalotte des Hochtöners herstellt.

Mit 29 mm hat der Tweeter einen recht großen Durchmesser und eine entsprechend ausladende, hoch belastbare Schwingspule, die ohne kühlendes Ferrofluid auskommt.

Montiert ist der Treiber – wie auch seine Basskollegen – nicht auf, sondern hinter der eigentlichen Schallwand, die um die Membran herum zu einem milden Schallführungs-Trichter ausgefräst ist.

So sieht man von den Chassis nur die Membranen, nicht aber die Körbe und Befestigungsschrauben, und das Richtverhalten der Box ist im Übergangsbereich zwischen Mittel- und Hochton schön stetig – eine wichtige Voraussetzung für gute Räumlichkeit.

Der Hörtest

Bellezza Crudel von Tone Wik
Anspruchsvoll für jede Anlage: die Kantatenmusik Bellezza Crudel von Tone Wik (Cover: Amazon)

So unscheinbar der Hochtöner tonal ist, so faszinierend leichtfüßig ist sein feindynamisches Ansprechen.

Wunderbar nachzuhören ist dieser Feinsinn mit einer Elchtestplatte, die schon so manche Edel-Box ins Schlingern brachte: Bellezza Crudel, eine Sammlung von Kantaten und Concerti von Antonio Vivaldi, gesungen von der norwegischen Sopranistin Tone Wik.

Hier kann viel schiefgehen und oft tut es das auch: Auf vielen Boxen wirkt Wiks Sopran metallisch und anstrengend.

Oder aber das Timbre stimmt und dafür fehlt ein großer Teil der interessanten und von Morten Lindberg präzise eingefangenen Akustik des Aufnahmeraums (einer kleinen Kirche in Oslo mit weit heruntergezogenem, innen holzverkleidetem Spitzdach).

Oder beides ist okay, und dafür fehlt es dem kleinen „Barokkanerne“-Ensemble, das Wik auf Barock-Instrumenten begleitet, plötzlich an Tempo und Attacke.

Nicht so bei der Sonus faber, wo wundersamerweise alles stimmt: Das Cembalo hat perkussiven, das Tempo antreibenden Biss, die Stimme feine Artikulation und zugleich samtigen Schmelz, das akustische Ambiente eine absolut überzeugende Plastizität, wie man sie sonst eher bei Koax-bestückten Boxen erwartet, aber auch da nicht immer findet.

Die formidable Ausgewogenheit der Sonus faber Venere 2.5 steht auch jedem anderen Musikstil bestens. Björks neues Album Utopia mit seinem Überangebot an Stimmen, Flöten und obskuren Geräuschen wird zu einem Klangfarben-Regenwald, in dem sich jedes Zeitgefühl aufzulösen scheint.

Der instrumentale Kammer-Rock auf Mechanics Of Dominion von Esmerine dagegen spannt den Zeitfaden wieder so straff, dass das 43-Minuten-Album nach gefühlten 15 Minuten zu Ende ist: Marimba, Glockenspiel, Drums, Piano spielen zusammen wie ein präzises Uhrwerk und tragen die Streicher- und Bläsermelodien auf einer Art rhythmischem Jetstream – und auch das gewinnt mit der Sonus faber beeindruckende Intensität.

Gehört haben wir die Box abwechselnd mit einer alten Naim-Endstufe NAP180 und einem Octave-Vollverstärker V 70 SE mit Super Black Box – beides funktionierte hervorragend, wobei die deutsche Röhre sogar noch stimmiger und selbstverständlicher musizierte und letztlich eine jener Kombinationen ergab, die man nie wieder abbauen will.

Als Quelle diente in beiden Fällen der neue DAC/Preamp Resolution Audio Cantata III, der per USB von einem Auralic Aries angespielt wurde – und der zu den besten Digitalquellen gehört, die ich je benutzt habe. Auch dazu wird es einen eigenen Artikel geben.

Neben ihrer stabilen Impedanz (offiziell ist sie eine 6-Ohm-Box) und sehr ordentlichem Wirkungsgrad trägt auch die Bassabstimmung der Venere 2.5 zu ihren exzellenten Praxiseigenschaften bei. Klar kann man auch diese Box so aufstellen, dass am Hörplatz der Tiefton dröhnt.

Aber dazu muss man sich schon sehr ungeschickt anstellen – oder ein Wohnzimmer mit ganz besonders ungünstiger Akustik haben.

Da die Bassreflexöffnung am unteren Ende der Schallwand nach vorne mündet, kommt man mit der Box relativ nah vor die Rückwand, bevor deren bassverstärkende Wirkung den Klang aus der Balance bringt.

Im Hörraum reichten etwa 20 cm zwischen dem Rückgrat der Box und der gemauerten Wand für einen sehr ausgewogenen, konturierten Bass.

Extrem tief reicht er allerdings nicht – das wäre ein weiteres Kriterium, in dem die Dreiwege-Schwester 3.0 die Nase logischerweise vorne hat, was aber beim normalen Musikhören und ohne direkten Vergleich schlicht kein Thema ist.

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Sonus faber Venere 2.5 – von vorn
Die schmale Front lässt gerade einmal Platz für die beiden 18 cm Tief- und Tiefmitteltöner. Auf dem unteren Ende der Schallwand sitzt das Bassreflexrohr (Foto: Sonus faber)
Sonus faber Venere 2.5 – von der Seite
Die Venere 2.5 ist leicht geneigt, damit die Signale von Hoch- und Tieftöner zeitgleich am Ohr des Hörers ankommen (Foto: Sonus faber)
Sonus faber Venere 2.5 – von vorn und von hinten
Die Venere 2.5 von vorn und von hinten im Vergleich verdeutlicht noch einmal die Neigung der Standbox. Gut zu sehen ist auch die haltgebende Bodenplatte aus Glas, in der die Spikes eingelassen sind (Foto: Sonus faber)
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Die optimale räumliche Abbildung ergibt sich mit einer deutlichen Anwinklung der Boxen in Richtung Hörplatz – in der ganz nebenbei auch die Gehäuseform optimal zur Geltung kommt. Und auch wenn es grundsätzlich möglich ist, die Box einfach direkt auf den Boden zu stellen – klanglich sinnvoll ist es nicht.

Denn mit den beiliegenden Glassockeln und den hinten und vorne unterschiedlich großen Spikes bekommt die 2.5 ihre charakteristische leichte Neigung nach hinten, die sowohl gestalterisch als auch akustisch beabsichtigt ist.

Einen winzigen Schönheitsfehler hat diese unglaublich gelungene Box jedoch – derzeit: Aktuell wird sie noch in China produziert und nicht im schönen Veneto wie die größeren Sonus-Baureihen.

Das ist aber eher ein akademischer Einwand, denn einerseits ist die Fertigungsqualität des mit seinen vielen Schrägen, Winkeln und Krümmungen sehr anspruchsvollen Gehäuses schlicht überragend.

Und andererseits wird die Produktion in Kürze wieder komplett nach Italien verlegt. Dort werden Schnitt und Passform sicher nicht schlechter, wie wir auch an den Anzügen der Entwicklungsmannschaft leicht erkennen können. Und sollte sich dadurch der Preis etwas erhöhen, wäre das auch nicht schlimm.

Denn so wie sie ist, ist die Venere 2.5 nicht nur ein außergewöhnlich guter und musikalischer, sondern angesichts des luxuriösen Auftritts ebenfalls ein verblüffend preiswerter Lautsprecher.

Fazit

Oft gibt es ästetisch schöne Lautsprecher oder solche, die gut klingen. Zusammen bekommt man beides nicht so leicht. Die Sonus faber Venere 2.5 ist hier vielleicht die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Denn neben ihrem sehr eleganten Auftritt klingt sie auch genauso: sie ist dezent und trotzdem bietet sie fast alles.

Im vollgestellten HiFi-Laden kann ein solcher Schallwandler gegen vorlautere Mitbewerber vielleicht nicht so gut punkten. Zu Hause in modernen, mit nur wenigen Möbeln eingerichteten Wohnzimmern wird er es umso überzeugender.

Der Umstand, dass Sonus faber die Produktion von China wieder nach Italien holt, ist ein schönes Signal – auch für die Sparfüchse unter uns: Womöglich sollte mal zügig zuschlagen. Die dann in Vicenca gebauten 2.5er werden zum derzeit gängigen Kurs sicher nicht mehr zu haben sein…

Sonus faber Venere 2.5
2017/12
Test-Ergebnis: 4,4
SEHR GUT
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Dezenter, natürlicher Klang
Aufwändige Bauweise
Exzellente Verarbeitung
Gute Preis/Leistungs-Relation

Vertrieb:
Audio Reference GmbH
Alsterkrugchaussee 435
22335 Hamburg
www.audio-reference.de

Paarpreis (Hersteller-Empfehlung):
Sonus faber Venere 2.5: 2.800 Euro

Im Beitrag erwähnt:

Test Canton Vento 886 –  viel Feinsinn und viel Kraft von unten
Test Nubert nuLine 334 – die basspotente Standbox

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Autor: Bernhard Rietschel

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Bernhard Rietschel ist gelebte HiFi-Kompetenz. Sein Urteil zu allen Geräten ist geprägt von enormer Kenntnis, doch beim Analogen macht ihm erst recht niemand etwas vor: mehr Analog-Laufwerke, Tonarme und Tonabnehmer hat keiner gehört.