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Das Rega Carbon im LowBeats Messlabor
Das Rega Carbon im LowBeats Messlabor am RB 1000 Arm des Rega P9. Das Einsteiger MM-System kostet 50 Euro (Foto: P. Schüller)

Test Rega Carbon: MM-Tonabnehmer für Einsteiger

Das Rega Carbon ist das kleinste und mit 50 Euro Einstandspreis mit Abstand günstigste Mitglied der Rega MM-Abtaster-Familie. Der Benjamin wirkt ein bisschen wie aus der Art gefallen, denn sein Systemkörper sieht komplett anders aus als Bias2, Elys2 & Co.

Kein Wunder, munkelt man doch, man könne in England einen derart günstigen Tonabnehmer gar nicht produzieren und deshalb käme das Carbon Rega-gelabelt von Audio Technica und nicht aus den heiligen Rega Hallen …

Das Rega Carbon ist zwar ein klassisches Erstausstatter-System, bewies aber im Messlabor, dass auch sehr günstige Abtaster hervorragende Werte bringen können.

So kam das Carbon mit einer Auflage von 2 Millinewton (entspricht 2 Gramm) auf eine Abtastfähigkeit von knapp über 90 Mikrometer – mithin der beste Wert der gesamten Rega-Familie. Die weiteren Messwerte:

System-Impedanz links, 462 mH/763 Ohm. Rechts: 449 mH/757 Ohm

LowBeats Auflage-Empfehlung: 1,5 – 2,0 Gramm

Ausgangsspannung (L/R): 7,3 mV/6,7 mV

Hochtonverzerrungen (L/R): -26,8 dB/-24,7dB

Systemgewicht: 4,9 Gramm (mit Schrauben: 6,3 Gramm)

Das Rega Carbon im LowBeats Messlabor
Das Rega Carbon im LowBeats Messlabor: Die Kanalgleichheit zwischen linkem und rechtem ist gut (Frequenzgang-Messung oben), die Übersprechdämpfung (unten) besser als ein 50 Euro System erwarten ließe (Messungen: P. Schüller)

Seine Parameter empfehlen das Carbon für einen mittelschweren bis schweren Tonarm. Es ist also unter den neuen, sehr leicht geratenen Rega Tonarmen RB 110 und RB 330 gar nicht so gut aufgehoben …

Das Rega Carbon im Hörtest: einiges Licht, einiger Schatten

Linving Stereo Aufnahme der Scheherazade von Rimsky-KorsakowDie
Das Meisterwerk von Rimsky-Korsakov meisterhaft eingespielt von dem Chicago Symphony Orchestra unter Fritz Rainer als Living Stereo Aufnahme. Das war bereits 1959. Dennoch hat diese Interpretation der Scheherazade immer noch Referenz-Charakter – weshalb wir sie auch als Referenzstück im LowBeats Klang Orakel nutzen

Trotz seiner hervorragender Messwerte klingt das Carbon beim ersten Hinhören nicht sehr überzeugend. Die Stimme von Nick Cave in Push The Sky Away hatte zwar diese eigentümliche Rauigkeit, die Caves Stimme so einzigartig macht, aber auch eine leicht nasale Färbung.

Noch stärker hört man diese Eigenheit des Carbon bei unserem Referenzstück für das Klang Orakel, „Die Geschichte des Prinzen Kalender“ aus der Scheherazade von Rimsky-Korsakov.

So schön diese feinsinnige Klassik-Aufnahme auch ist, mit dem Carbon verlor sie viele Reize. Es fehlte einiges an Wärme, an Schmelz, an Klangfarbe, an Dramatik. Auch die Bässe von Yello (The Expert) kamen zwar lebendig, aber weniger kraftvoll als etwa beim Bias2 oder beim Elys2 – siehe auch LowBeats Klang Orakel.

In diesem Sound-Archiv kann man sich einen Eindruck über den klanglichen Charakter des Carbon (wie auch aller anderen Rega Abtaster) verschaffen, denn hier sind alle Rega Tonabnehmer als Musik-File hinterlegt, so dass man sie ganz leicht miteinander vergleichen kann. Aber bitte zum Abhören einen guten Kopfhörer und einen guten Kopfhörer-Verstärker verwenden!

Doch zurück zum Hörtest und zu den Sonnenseiten des Carbon. Denn da gab es einige. So gelang dem Carbon die Feinauflösung komplex-perkussiver Strukturen, wie bei Chicagos „Beginnings“, wo am Ende des Stücks Bläser und Drummer reinhauen, als gäbe es kein Morgen, ausgezeichnet.

Wie überhaupt man dem Carbon an dieser Stelle ein Kompliment aussprechen muss: Seine Lebendigkeit ist wirklich anspringend und die Feinzeichnung – in Maßen – ebenfalls.

Für moderne Rock-/Pop-Aufnahmen à la Metallica oder Madonna, die mit eher geringem Dynamikumfang ausgestattet sind, ist das mitunter ausreichend und man vermutet gar nicht, dass da gerade ein so günstiges System spielt.

Fazit: Als Start-System sehr ordentlich, aber keine Dauerlösung

Der Eindruck des Carbon bleibt zwiespältig. Es hat gewisse Meriten (überragende Messwerte, sehr lebendiger Klang), die man einem 50-Euro-Tonabnehmer nicht zutrauen würde. Damit ist es sicherlich in seiner Preisklasse eines der besseren.

Auf der anderen Seite ist das Carbon ein weiterer Beweis der These, dass es für dieses Geld einfach keinen ausreichend guten Abtaster gibt – auch von Rega (beziehungsweise Audio Technica) nicht.

Für Einsteiger-Plattenspieler wie den Teac TN 200 ist das Carbon sicherlich eine brauchbare Bestückung. Auf Plattenspielern mit echtem musikalischen Anspruch – dazu gehören selbstredend alle Rega Modelle bis runter zum neuen Planar 1 – ist man mit dem Carbon auf Dauer untermotorisiert.

Rega MM-Tonabnehmer carbon
Regas MM-Tonabnehmer Carbon wird gern als Erstausstattung den kleineren Rega Laufwerken beigepackt. Er ist aber in den leichten RB-Tonarmen gar nicht so gut aufgehoben, sondern würde sich unter schweren Tonarmen wohler fühlen (Foto: Rega)

Hier die anderen Beiträge des Familientests:
Test Rega Bias2: MM-Tonabnehmer für Aufsteiger
Test Rega Elys2: Der Golf unter den MM-Systemen
Test Rega Exact: MM-Abtaster der Oberklasse
Test Rega Apheta2: MC-Tonabnehmer für Kenner

Alle Rega MM-Tonabnehmer im Vergleich
LowBeats Klang Orakel Tonabnehmer

Rega Carbon
2016/07
Test-Ergebnis: 4,0
SEHR GUT
Bewertung
Klang
Praxis
Messwerte

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Exzellente Messwerte
Sehr günstig
Keine Dreipunkt-Befestigung
Lebendiger, aber leicht nasaler Klang

Vertrieb:

TAD Audio Vertriebs GmbH
Rosenheimer Straße 33
83229 Aschau
www.tad-audiovertrieb.de

Preis (Hersteller-Empfehlung)
Rega Carbon: 50 Euro