Nicht selten fiel bei B&W der Unterschied von einer Generation zur nächsten eher bescheiden aus. Diesen Vorwurf kann man den Briten bei der dritten Generation ihrer aktuellen 700er-Linie sicherlich nicht machen, denn da hat sich einiges getan. LowBeats hatte schon früh den größten Kompaktlautsprecher der Serie, die B&W 705 S3, im Test. Die sieht nicht nur unerwartet anders aus als ihre Vorgängerin: Die klingt auch noch viel frischer…
Die neue 700er Serie ist der dickste Brocken bei B&W: Mit sechs Lautsprecher- und zwei Center-Modellen ist sie umfangreicher als jede andere Familie im Stall. Die Preise liegen zwischen 1.500 (707 S3) und 6.500 Euro (702 S3) das Paar. Die hier getestete B&W 705 S3 kostet genau 3.000 Euro – wobei idealerweise noch der passende Ständer hinzukommen sollte. Der schlägt mit weiteren 900 Euro /Paar zu Buche. Auffällig auf den ersten Blick: Anders als die im recht klaren, kantigen Boxen-Design gehaltene S2-Generation wurden die neuen Modelle etwas schlanker und die Schallwand ist nun – in Anlehnung an die große 800er-Serie – gerundet.
Die Besonderheiten der B&W 705 S3
Nehmen wir mal den Hochtöner. Wie beim Vorgänger ist auch der der 705 S3 auf dem Oberdeck angebracht: ein sich nach hinten verjüngendes Rohr aus eloxierten Aluminium. Die Erkenntnis aus der 800er Serie, dass man das Rohr ruhig etwas länger machen darf und der Hochton damit freier klingt, wurde auch hier umgesetzt. Und als ich mir S2 und S3 nebeneinander ansah, wusste ich auf einmal, was mich an der Alten immer gestört hat: dieser eigentlich zu kurze Hochtonstummel, der eher an ein Mikro erinnert als elegant auszusehen. Und wenn es dann auch noch besser klingt, soll mir die neue Form doch gleich doppelt recht sein.
Der Hintergrund um die Auslagerung des Hochtöners auf das angeflanschte Aluminium-Röhrchen sei hier noch einmal kurz aufgeführt: Die Kalotte hat deutlich weniger Schallwand um sich herum, weshalb Schallwandreflektionen in diesem Bereich das Klangbild weniger beeinträchtigen als bei klassischen Lautsprechern. Das Röhrchen, beziehungsweise dessen Länge, ist so geschickt gewählt, dass sich die rückwärtigen Schallanteile der Kalotte totlaufen und so jegliche Energie verlieren. Diese rückwärtige Energie ist bei vielen Hochtönern ein ernsthaftes Problem, weil der Schall ja irgendwo hinmuss und nicht selten das Ursprungssignal moduliert.
Außerdem hat B&W das Hochton-Rohr über ein Entkopplungssystem auf dem Top festgezurrt; die Vibrationen des Tiefmitteltöner kommen hier also nicht an – was man auch merkt, wenn man die Hand auf die Hochton-Röhre legt. Besser geht es im Grunde nicht.
Der Hochtöner selbst ist der gleiche wie in der S2-Version der 705: der sogenannte Carbon-Hochtöner, dessen Alu-Kalotte mit einer hauchdünnen Kohlenstoffschicht bedampf ist. Auch der Tiefmitteltöner aus dem hoch-dämpfenden (und sehr elegant ausschauenden) Continuum-Material dürfte dem der Vorgängerin sehr ähnlich sein. “Treiber und Frequenzweiche seien optimiert” heißt es dazu lapidar von B&W. Hm. Dennoch darf man davon ausgehen, dass in der Serienproduktion der Hoch-, Mittel- und Tieftöner immer wieder Kleinigkeiten verfeinert werden.
Ein echter Unterschied ist natürlich die Gestaltung der nun gerundeten Schallwand. Die B&W-Schreiner fräsen die Rundung hier einfach aus dem Vollen – nämlich aus einer 25 mm starken MDF-Platte. Wie überhaupt die neue 705 aus erstaunlich dicken Wänden (durchgehend 22 Millimeter) aufgebaut ist. Das als Hinweis für all jene, die sich fragen, warum dieser Lautsprecher so schwer ist…
Optisch wird die neue S3-Serie wegen der bauchigen Schallwand sicherlich polarisieren. Denn durch die Rundung treten die Körbe der Tiefmitteltöner zwangsweise recht weit heraus. Die B&W Designer nähern sich damit optisch an die großen 800er Serie an. Akustisch ist dieser Schritt in jedem Fall von Vorteil: Durch die unterschiedliche Dicke der Schallwand sind deren Resonanzen homogener verteilt als bei einer Schallwand gleicher Stärke. Und die Rundungen sorgen zudem dafür, dass Schallwandreflektionen deutlich gemäßigter ausfallen.
Auch das Anschlussfeld wurde bei der neuen S3-Generation ganz im Sinne höchster Stabilität entwickelt. Ich frage mich ja sowieso, ob die üblichen Bi-Wiring-Anschlüsse in Kunststoffwanne (wie sie in sehr vielen Lautsprechern am Markt zum Einsatz kommen) mit der meist hohen Qualität der Gehäuse in Einklang zu bringen sind. Die Antwort lautet fast immer: nein.
B&W hat hier die richtigen Konsequenzen gezogen. Das neue Anschlussfeld ist aus Kunststoff plus Metall, sehr kompakt und extrem stabil. Auch die Bi-Wiring-Brücken sind von erfreulich hoher Qualität. Wenn man sich die vorgeblich vergoldeten Brücken der meisten Bi-Wiring-Anschlussfelder anhört, wirft man die klugerweise sofort weg und ersetzt sie durch kurze Stücke seines Lautsprecherkabels oder verwendet gleich Bi-Wiring-Kabel. Bei der B&W 705 S3 kann man sich diesen Umstand sparen: Die Metallbrücken klingen genauso gut wie unsere einwandfreien Standard-Brücken (in-akustik Premium 2,5mm²).
Für die Hörtests haben wir unter anderem die in-akustik LS 2404 Air in der Bi-Wiring-Ausführung verwendet. Das klang dann doch noch besser. Der Aufbau des LS 2402 Air ist ja mit einem Durchmesser von 2,5 Zentimeter recht üppig. Aber es passte so eben noch in den Kabelschacht des zugehörigen S3-Ständers…
Der letzte Punkt, der unter der Rubrik “Veränderung” aufzulisten ist, wäre die Abstimmung. Wie auch bei der Vorgängerin kommt die Frequenzweiche mit nur drei Bauteilen aus und ergibt einen Filter Erster Ordnung (6 dB/Oktave). Allerdings müssen die Entwickler die Werte modifiziert haben, denn die S3-Generation klingt um einiges frischer und agiler. Zudem wurde das Bassreflexrohr deutlich länger gezogen; damit rutscht die Abstimmfrequenz nach unten: In der 705 S3 kommt der Bass dadurch etwas weniger satt, dafür tiefer und trockener.
Praxis
Wie schon der Vorgängerin aus der S2-Generation können wir auch der aktuellen Version S3 eine erfreuliche Unkompliziertheit im Umgang mit dem angeschlossenen Verstärker attestieren. Ein paar Zahlen für Kenner: Der Wirkungsgrad der B&W 705 S3 liegt mit 85,5 dB (2,83 Volt) höher als bei den meisten anderen Lautsprechern dieser Größenklasse. Auch die Impedanz rutscht nie unter 4 Ohm, wie unsere Messungen belegen:
Der Dauer-Maximalpegel der 705 S3 liegt bei ordentlichen 94 dB – siehe zweites Diagramm im Slider. Das ist in dieser Größen- und Preisklasse ein guter Durchschnittswert. Weil sich aber die Verzerrungen bei diesem Pegel über den gesamten Mittenbereich ziehen, würde auch der Einsatz eines Subwoofers (und damit eine Entlastung im Bassbereich) die 705 S3 nicht pegelfester machen. Es ist also ein Lautsprecher für mittlere Pegel und kleinere Räume.
Um den Maximalpegel von 94 dB zu erreichen, benötigt die 705 S3 nicht einmal 25 Watt. Das wiederum ist eine schöne Botschaft, denn auch schwächere Verstärker (wie beispielsweise Röhren-Amps) können fast alles aus der Britin herausholen. Wir probierten es mit unserem Redaktions-Liebling, dem 300B Röhrenverstärker Mira Ceti von Fezz Audio. Und das klingt verdammt gut – ein veritabler Klangtipp für alle, die es eben nicht brutal laut brauchen…
Zur Aufstellung: Durch die etwas andere Abstimmung mit schlankem Bass und kräftigem Hochton ist die 705 S3 wie gemacht für die Aufstellung auf dem Sideboard oder auf dem Ständer in der Nähe der Rückwand. “Willkommen in der Realität”, möchte ich dazu sagen. Denn Kompaktboxen, die meterweise Platz um sich brauchen, um optimal zu klingen, waren noch nie zeitgemäß – werden aber erstaunlicherweise immer noch im Übermaß entwickelt.
Der Hörtest…
…fand diese Mal zweigleisig statt. Zum einen im LowBeats Hörraum. Hier spielte die B&W 705 S3 auf dem Ständer FS 700 S3 mit nicht einmal 30 Zentimeter Abstand zur Rückwand. Als Verstärker kam hier der überragende Soulnote A-2 zum Einsatz. Zusammen mit dem extrem stimmig klingenden Japan-Vollverstärker spielte die 705 S3 in allen Belangen klasse. Dennoch will ich hier zwei wahrscheinlichere Empfehlungen geben: 1.) den schon erwähnten 300B Röhrenverstärker Mira Ceti von Fezz Audio. Das klang ohne Wenn & Aber einfach nur bezaubernd: mit einem enormen Reichtum an Details und einer tonalen Richtigkeit, die verblüffte.
Nur selten, aber halt doch öfters kam der Wunsch nach mehr Leistung auf. Der Rega Elicit MK5 ist dann die tonal perfekte Ergänzung – zumal er auch noch einen DAC eingebaut hat.
Doch wie klingt die neue 705 überhaupt? Antwort: Sehr offen, spritzig und schnell. Und was ebenfalls entzückt: Auch höhere Pegel schluckt die Kleine relativ anstandslos. Natürlich stand unter anderem James Blood Ulmers “Crying” (Live at Bayerischer Hof) auf dem Programm. Gar nicht übel, wie die B&W hier die derben Bassdrum-Hiebe in den Raum pfefferte: nicht sonderlich satt, aber wunderbar präzise und knackig. Was man da alles hört…
Vor allem, wenn James Blood Ulmers Stimme einsetzt. Der Hochton ist durchaus kräftig, aber er lässt es halt richtig funkeln. Von den stimmlichen Eigenheiten des Bandleaders – die Stimme wirkt bisweilen etwas heiser – wird alles offengelegt. Vor allem aber geht der Raum auf: Die Bühne der 705 S3 ist breit, sehr tief und erstaunlich hoch.
Die zum Vergleich herangezogene ATC SCM 11, immerhin unsere Referenz bis 2.000 Euro, klingt deutlich erdiger und kompakter: mit mehr Grundton, eher sanften Höhen und einer kompakteren Abbildung. Das ist womöglich ehrlicher, aber weniger spektakulär. Die neue B&W bringt eine solche Fülle an Details und eine solche Luftigkeit – ohne dabei irgendwie vordergründig zu klingen – dass es im wahrsten Sinne des Wortes eine “helle” Freude war.
Wir wechseln die Szenerie und kommen zum zweiten Teil des Hörtests. Der fand nämlich in Münchens bislang einzigem HiFi Klubben statt. Die Dänen verkaufen traditionell viel B&W aus der Einsteiger- und Oberklasse. Hier, in der Münchener Luisenstraße 55, fand ich ein Pärchen 705 S2 Signature (die ja klanglich mit der klassischen 705 S2 identisch ist) zum Vergleich, mit dem ich unser Testpärchen messen konnte. Die Klubben führen die Lautsprecher immer an einer Umschaltanlage vor, auf die sie zu Recht stolz sind: So werden problemlos alle Lautsprecher im Laden an beliebigen Verstärkern miteinander vergleichbar. Einziges Manko: Man kann über die Umschaltanlage keinen Pegelausgleich vornehmen. In unserem 705-Vergleich war das aber kein Thema: Beide sind in etwa gleichlaut.
HiFi Klubben Mann Demir spielte mir über TIDAL unter anderem die legendäre Live-Version von “Stimela” (Hugh Masekela) an. Das war schon echt eindrucksvoll, wieviel mehr Information und “Luft” die neue 705 gegenüber der alten bot: Das gesamte Klangbild bekam mehr Struktur und Tiefe, überall passierte irgendetwas auf dieser genialen Aufnahme. Die S2-Version der 705 gab sich vor allem in den oberen Mitten zurückhaltend und wirkte so etwas neutraler, aber auch teilnahmsloser. Wir notieren: Die neue Abstimmung der 705 ist spektakulär offen und präzise. In meinen Ohren ist das gegenüber der Vor-Version ein echter Fortschritt.
Fazit B&W 705 S3
Manch Musikfreund wird sich über die recht frische Abstimmung der neuen 705 wundern, nicht wenige werden mit ihr fremdeln. Mit dem, für was B&W noch in den 1980er Jahren stand – nämlich warme Musikalität – hat diese Kompaktbox jedenfalls nichts mehr zu tun. Sie steht für Offenheit, Agilität und enorm hohe Präzision. Zählen wir einmal zusammen: Wir haben die feine Verarbeitung beziehungsweise das Finish, addieren den guten Wirkungsgrad und die Gutmütigkeit in Bezug auf den angeschlossenen Verstärker sowie die Fähigkeit, auch in beengten Verhältnissen enorm präzise und räumlich zu spielen. Das ergibt unterm Strich: Für kleine und mittlere Räume ist diese neue 705 mit das Spektakulärste, was man in der Klasse bis 3.000 Euro bekommen kann.
Bewertung
KlangPraxisVerarbeitungGesamt |
Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse. |
| Sehr agiler, transparent-feiner Klang |
| Klang löst sich komplett von den Boxen |
| Harmoniert mit fast allen Verstärkern |
| Gute Verarbeitung, sehr gutes Bi-Wiring Terminal |
Vertrieb:
B&W Group Germany GmbH
Kleine Heide 12
33790 Halle / Westfalen
www.bowerswilkins.com
Paarpreis (Hersteller-Empfehlung):
B&W 705 S3: 3.000 Euro
Technische Daten
B&W 705 S3 | |
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Konzept: | 2-Wege Bassreflex |
Bestückung: | HT: 1 x 25 mm Carbon-Dome, TMT: 1 x 16,5 cm Continuum-Membran |
Maximalpegel (Dauer, 1 m Abstand): | 94 Dezibel |
Aufstellungs-Empfehlung: | Wandnah auf Ständer |
Max. empf. Raumgröße: | 25 Quadratmeter |
Min. empf. Verstärkerleistung | 2 x 10 Watt |
Max. empf. Verstärkerleistung | 2 x 100 Watt |
Abmessungen (H x B x T): | 41,3,0 x 19,2 x 33,7 cm |
Gewicht: | 9,6 Kilo |
Alle technischen Daten |
Mit- und Gegenspieler:
Test 300B-Röhrenverstärker Fezz Audio Mira Ceti
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Test Kompaktlautsprecher ATC SCM11: kleine Bestie an der langen Leine
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