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Test Porsche 718 Cayman S mit Burmester: Dynamik pur

Ausgerechnet im Cayman, dem kleinsten Porsche, verdichtet sich die DNS – oder englisch: DNA, wie man heute sagt – beider Marken zu einem einzigartigen Dynamik-Erlebnis. Auch gerade, weil sich Porsche beim Cayman auf seine Wurzeln besinnt, die zum Ursprung von Burmester Audiosysteme passen. Ferdinand Porsche baute den Sportwagen, den er nicht im Angebot der anderen Hersteller fand. Der leidenschaftliche Musiker Dieter Burmester war sich nach Jahren als Ingenieur im Bereich der Medizintechnik sicher, einen Vorverstärker bauen zu können, der besser war als alles, was Anno 1977 auf dem Markt existierte.

In beiden Fällen führte die Kombination aus Ingeniosität und Unzufriedenheit mit Bestehendem zur Gründung zweier ultimativer Luxusmarken, die aber bis heute nicht nur für prall gefüllte Brieftaschen, sondern vor allem für geballte Leidenschaft stehen. Beides verdichtet sich im Cayman S mit Burmester High-End Surround Sound zu einer explosiven Mischung, die ihresgleichen sucht.

Test Porsche 718 Cayman S mit Burmester Anlage: Chronograf mit Center
Hinter dem optionalen Chronografen verbirgt sich unter einem Gitter der Mitteltöner des Center-Kanals zur Stabilisierung der Hörbühne. Die akustische Abbildung ist für diese Klasse schlicht sensationell. Mit Preset Pure gibt es eine Fokussierung wie bei High-End zuhause (Foto: S. Schickedanz)

Genau das unterscheidet das hochverdichtete Destillat beider Marken in dem kleinen Sportwagen von den illustren Mitbewerbern. Die Abstimmung von Auto und Anlage wagt die Gratwanderung hart am Limit. Wer es brav und gutmütig mag, ist mit einem Porsche Panamera plus Bose-System sicher besser bedient. Wie gesagt: Im Porsche 718 Cayman S wirst du gefordert, Farbe zu bekennen.

In den alternativen Cafes des Stuttgarter Südens rennt man mit Fragen wie „gibt es die Latte auch mit Mandel- oder Sojamilch?“ offene Türen ein. In diesem Auto aus dem tiefen Norden der Schwabenmetropole musst du alles nehmen, wie es kommt. Klingt es aus den 12 Lautsprechern mit Zutaten wie Alukörben und Neodym-Magneten scharf, ist die Aufnahme zu schwach. Spielst du Hip Hop oder Elektro-Pop mit fettem Bass, kriegst du voll einen Schlag in die Magengrube. Und forderst du den 350-PS-Motor, kriegst du erst recht was auf die Ohren.

Unweigerlich drängt sich bei diesem Duo Infernal die Jever-Reklame auf: „Wenn du das Meer gemacht hättest, hättest Du es zahm gemacht? Wenn du den Wind gemacht hättest, hättest du ihn lau gemacht? Und wenn du ein Sportauto gemacht hättest, wie hättest du das gemacht?“ Meine Antwort, nach über 1.000 Kilometern mit einigen Wechselbädern: Genau so!

Das Gleiche könntest du über das Burmester High-End Surround Sound-System des Porsche 718 Cayman S sagen. Genau so bringt man große Emotionen in ein winziges mobiles Hörstudio. Mit 1.340 Quadratzentimetern Membranfläche und einer damit verbundenen Dynamik, die an Live-Erlebnisse anknüpft.

Porsche 718 Cayman S mit Burmester High-End Surround-Sound System
Ohne Worte (Foto: S. Schickedanz)

Natürlich ist James Bond fest mit Aston Martin verbunden. Dennoch entdeckte ich Parallelen zu diesem Porsche. Die ersten Bondfilme aus den 60ern waren ebenso hart und schnörkellos wie der Ur-Porsche, der ziemlich genau zehn Jahre vorher debütierte. Dann kamen familientaugliche Phasen mit dem ulkigen Roger Moore oder dem praktischen Porsche Cayenne.

Während das Bond-Franchise nach dem gelackten Pierce Brosnan mit dem ungehobelten Daniel Graig wieder knallharte Kante zeigte, schließt sich mit dem Cayman S der zweiten Generation der Kreis zum Ur-Porsche, der im Grunde ein Feinkost-Käfer war. Schließlich baute er auf der Plattform des Dauerläufers von VW auf und nutzte eine getunte Variante von dessen 4-Zylinder-Boxermotor.

Das Sound-System im kernigen Cayman wirkt dagegen bei aller Kompromisslosigkeit viel reifer als das im Vorgänger. Dort konnte es in den oberen Mitten schon mal sehr quengelig werden, während es im Oberbass für kritische Ohren etwas brummig zuging.

Durch eine neue Abstimmung inklusive verbessertem Signal-Flow im DSP und optimierten Filtern gelang dabei trotz grundsätzlich gleicher Hardware ein deutlicher Schritt nach vorne. Ein Schritt zu mehr Natürlichkeit, strafferem, differenzierterem Bass und einem für diese Klasse überragenden Staging. Das neue Burmester High-End Surround Sound-System vereint die Dynamik des Vorgängers mit einer Neutralität, wie man sie bisher nur eine ganze Klasse darüber im größeren Carrera fand.

Endlich kann der große Materialaufwand zeigen, wozu er wirklich fähig ist. Schließlich hat Porsche bei aller Sorge um das Gewicht richtig in die Vollen gegriffen. Die beiden, mit 22 cm außergewöhnlich großen Türbässe bekommen nicht nur Unterstützung von einem in die Karosserie integrierten 300-Watt-Subwoofer (mit eigener Class-D-Endstufe) vor der Windschutzscheibe, welcher die – wegen der gegenüberliegenden Türbass-Anordnung unvermeidlichen – Auslöschungen zwischen 60 und 120 Hertz auffüllt.

Selbst in diesem kompakten Zweisitzer setzt Burmester auf 3-Wege-Systeme und schließt die Lücke zum Hochtöner durch Mitteltöner mit Kunststoffmembranen, die ebenfalls in den extrem soliden Türen untergebracht sind.

Solchen Aufwand scheuen viele Limousinen-Bauer, doch führt er zu einer gehaltvollen Mittenwiedergabe, die sich nahtlos an die spritzigen Höhen der Hochton-AMTs (Air Motion Transformer) anfügt. Diese versteckte Porsche samt einem zweiten Mitteltonpaar unter akustisch wie optisch kunstvoll gestalteten Luftausströmern links und rechts auf dem Armaturenbrett. Das stabilisiert in Verbindung mit dem hinter dem optionalen Chronografen untergebrachten Mitteltöner die Abbildung der akustischen Bühne.

Die Maßnahmen greifen. Die Stimmen kommen nicht aus dem Fußraum und stehen gerade für einen engen Sportwagen erstaunlich plastisch über der Instrumententafel. Tonal gab es trotz weitgehend gleicher Komponenten wie beim Vorgänger einen deutlichen Sprung nach oben: Die leicht stählerne Vordergründigkeit des bisherigen Sound-Systems ist der aktuellen Variante fremd.

Essentielle Verbesserungen an der Burmester-Sound-Abstimmung

Diese essentiellen Verbesserungen waren im Grunde auch alternativlos. Mit dem neuen, akustisch äußerst ruppigen Motor sind hohe Audio-Pegel gefordert, ohne dass das System auch noch ins Grelle abdriftet. Zwar gibt es gerade bei hohem Tempo mit mittleren Drehzahlen einige Überlagerungen in den unteren Mitten, doch das Burmester High-End Surround Sound-System klingt dann immer noch mindestens so rund wie das alte, das vom 6-Zylinder-Boxer sozusagen einen roten Teppich ausgerollt bekam.

Auf Kapselung der Türlautsprecher verzichtete Porsche übrigens aus sportlichen wie akustischen Gründen: Die Maßnahme spart Gewicht und stellt den Tieftönern das gesamte Türvolumen zur Verfügung, damit sie tiefer herunterkommen.

Für den Fall, dass all der Aufwand trotzdem mal nicht fruchtet, weil Fahrweise und/oder Musikauswahl nicht zur Klangabstimmung passen, bedient sich Burmester der gleichen Mittel wie Porsche: Die Schwaben haben inzwischen ihre Variante des im Ferrari verbauten Manettino, der die Wahl der verschiedenen Fahrprogramme am Lenkrad ermöglicht. Die vier Klangprogramme lassen sich über den zentralen 7-Zoll-Touch-Screen des Porsche Communication Management (PCM) abrufen. Dort gibt es neben dem Sound-Menü für Fader, Balance, Bässe- und Höhen-Regelung noch ein Burmester-Menü mit den Presets Pure, Surround, Live und Smooth.

Lassen wir Smooth mal außen vor – es ist die akustische Analogie zu einem Motor mit defektem Turbolader – bleiben drei ernsthafte Programme, um das Set-up des Sound-Systems an die Musik, Fahrsituation und Stimmung anzupassen. Auch das Abschalten des Sound Conditioners, der den Klang an die Fahrgeräusche und Hörlautstärke anpasst, kann bei sehr basslastiger Musik helfen.

Mehr noch als bei den Fahrprogrammen, schaltete ich die Burmester-Sound-Settings um, um stets ein Optimum aus jedem Track herauszuholen. Mäßige Aufnahmen können besonders bei schneller Fahrt, wenn sie gegen Geräusche ankämpfen müssen, im Pure Modus im Stimmbereich schon mal etwas harsch wirken: dann lindern Surround oder Live den Effekt, weil sie Solostimmen nicht so klar umrissen vor einen stellen.

Umgekehrt hilft Pure bei sehr satt aufgenommenem Hip-Hop und bei hohen Pegeln gegen exzessive Bass-Orgien, bei denen man nur drauf wartet, dass sich das Dach im Takt der Musik hebt oder senkt. Schade, dass es am Lenkrad keinen Manettino für die situationsabhängige Anpassung des Audio-Systems gibt.

Porsche 718 Cayman S mit Burmester High-End Surround-Sound System
Die Gesamtbilanz des Tests zeigt, dass der Porsche 718 Cayman S gemessen an der Leistung und dem hohen Testtempo (trotz Stuttgarter Stop & Go) einen angemessenen Verbrauch hat. In diesem Punkt fielen aber bereits die größeren 6-Zylinder-Boxer aus dem Vorgänger und dem Carrera positiv auf (Foto: S. Schickedanz)

Was die Programmquellen betrifft, herrscht ebenfalls große Vielfalt. Neben USB-Anschluss für Smartphones oder USB-Sticks gibt es für den Cayman tatsächlich noch ein Single-CD-/DVD-Laufwerk – und das ist wie die beiden SD-Kartenleser zur Wiedergabe von Audiodateien serienmäßig.

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