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Test Ford Fiesta 1.0-l-EcoBoost 2017
Vor allem die Anlage hat richtig Qualm: Ford Fiesta mit B&O Play macht viel Spaß für wenig Geld (Foto: S. Varga)

Test Ford Fiesta 1.0-l-EcoBoost mit B&O Play: Freude am Feiern

Wo kriege ich nur eine blonde Perücke her? Um die Story zum Fahrtest des Ford Fiesta 1.0-l-EcoBoost mit B&O Play Premium Sound irgendwie aufzuhübschen, gingen mir sämtliche Klischees durch den Kopf, die ich mit dem zu sechzig Prozent von Frauen bevorzugten Bestseller verbinde. Selbstverständlich fiel mir dazu auch Rallye-Legende Ken Block ein, der ebenfalls gerne Fiestas zum Driften verwendet. Doch mit dieser Fiesta-Version war trotz erfolgreich absolvierter Rallye-Schule Drift & Drive bei Uwe Nittel nicht einmal an eine kleine Hommage an den Großmeister zu denken.

Schließlich fand ich eine kreative Klammer. Köln, wo ich den mintgrünen Fünftürer abholte, liegt auf Spritztour-Distanz zum Nürburgring. Warum nicht zum Mittagessen in der Pistenklause vorbeischauen? Die gehört der Familie der Ring-Königin Sabine Schmitz („Speedbee“), die ihre Rennsportkarriere mit dem Gesamtsieg im Ford Fiesta Cup 1992 auf Touren brachte.

Die Idee fand Beifall beim Beifahrer. Der verantwortliche Entwickler für das Sound-System von B&O Play Stefan Varga begleitete mich bei der Ausfahrt, weil wir beschlossen hatten, dass es besser wäre, die System-Details live auf der Straße zu erörtern als im Konferenzraum.

Für Varga erforderte es auch nicht viel Mut, sich nebendran zu setzen: Der Ford Fiesta 1,0-l-EcoBoost verfügte lediglich über 100 PS aus einem Liter Hubraum – und ein wenig sportliches 6-Gang-Automatik-Getriebe. Für den kleinen Ford stellte die Ausfahrt aber den ultimativen Härtetest dar. Um das Gute mit dem Nützlichen zu verbinden, nutzte ich nämlich meinen Testwagen Porsche 718 Cayman S mit der Burmester-Anlage als Transportmittel von Stuttgart nach Köln, um dabei gleich wertvolle Praxiserfahrungen mit dem Mittelmotor-Sportwagen für meinen Bericht sammeln zu können.

Test Ford Fiesta 1.0-l-EcoBoost mit BeoPlay Sound
Das BeoPlay System des Ford Fiesta 1.0-l-EcoBoost besitzt sogar einen Center-Speaker, um die Hörbühne über dem Armaturenbrett zu stabilisieren (Foto: S. Schickedanz)

Dadurch waren meine Ohren fast 400 Kilometer weit 821 Watt ausgesetzt, mein Popometer 350 PS, die nicht mal 1.400 Kilogramm zu schleppen hatten. Für die Bandscheiben bedeutete der Umstieg von der flachen, harten Rennsemmel auf den rund 4 Meter langen Kleinwagen zunächst mal etwas Entspannung. Der Ford Fiesta 1.0-l-EcoBoost ist komfortabel abgestimmt, wirkte aber niemals schwammig. Schnell stand für mich fest, dass man der Presse doch noch trauen kann. Bisher hatte ich immer nur gelesen, dass Ford tolle Fahrwerke bauen kann.

Klassenbester Motor trifft Top-Sound

Selbst der bis zum Geht-nicht-mehr downgesizete 3-Zylinder-Turbo-Benziner machte seinen zahlreichen internationalen Auszeichnungen als Klassenbester alle Ehre. Ich hatte nicht das Gefühl, nicht vom Fleck zu kommen. Gerade beim Mitschwimmen im Verkehr wirkte das auf äußerste Sparsamkeit gezüchtete Aggregat richtig erwachsen.

Womit ich allerdings gar nicht gerechnet hatte: Auch die Bremsen überzeugten mich durch gute Verzögerung bei einer nicht erwarteten Standfestigkeit und ordentlichem Druckpunkt. Schließlich darf man nicht vergessen, dass der zuvor gefahrene Porsche nicht nur üppig dimensionierte Brembo-Bremsen – meiner liebsten „Spaß-Bremse“ – besitzt, sondern durch seine Gewichtsverteilung und die geringere Bauhöhe gegenüber dem kleinen Ford massiv im Vorteil war.

Test Ford Fiesta 1.0-l-EcoBoost mit B&O Play Sound
Mittagessen in der Pistenklause am Nürburgring – adäquater Auslauf für den Ford Fiesta 1.0-l-EcoBoost (Foto: S. Schickedanz)

Nicht falsch verstehen, man kann die beiden grundverschiedenen Fahrzeuge, zwischen denen auch preislich Welten liegen, nicht einmal im Ansatz vergleichen. Aber die Erwähnung soll verdeutlichen, vor welchem Hintergrund der neue Fiesta bei mir bestehen musste. Man darf ja auch nicht vergessen, dass man auch aus dem Motor meines Alltagsfahrzeugs drei Fiesta-Triebwerke machen könnte und ich es schon gerne zügig angehen lasse.

Deshalb hielt ich selbst vor der Ausfahrt schon die Luft an, denn Ford hatte mir einen ganz normalen Fünftürer ohne irgendwelche auch nur im Ansatz sportlichen Accessoires gegeben. So rechnete ich schon mit dem Schlimmsten für meine Art von Erlebnisbericht, wurde aber angenehm enttäuscht.

Der kleine Kölner – er läuft tatsächlich dort vom Band – bereitete einem, ich zögere nicht vor dem Gebrauch des Wortes, Gourmet, der in Sachen Leistung ein Gourmand ist, durchaus ein gerütteltes Maß an Fahrfreude.

Daran hatte – und das war nach dem stationären Hörtest in Kopenhagen nun keine Überraschung mehr – das Sound-System einen entscheidenden Anteil. Sagen wir so: Seine Performance war dermaßen gut, dass der Fiesta sich nur Patzer verkneifen musste, um eine gute Bewertung nach Hause zu fahren.

Ford Fiesta 1.0-l-EcoBoost: Drei Zylinder und 675 Watt für ein Halleluja

Vor allem durfte er nicht mit den Lebensäußerungen seines winzigen Triebwerks der Musikwiedergabe in die Quere kommen. Das gelang ihm sehr überzeugend. Zwar war er das, was Shakespeare in MacBeth einen Zweideutler nannte: Er befördert das Verlangen und dämpft das Tun. Soll heißen, wenn du ihn nicht forderst, erweckt er den Anschein, vor Kraft zu strotzen. Doch wehe, wenn du dich davon anstacheln lässt, dann kommt nicht mehr viel.

Diese Charakteristik ist für einen zeitgemäßen Stadtflitzer äußerst adäquat, aber ziemlich diametral zum Porsche 718, mit dem ich zur Probefahrt gekommen bin. Gerade die im Testwagen verbaute 6-Gang-Automatik dämpfte sportliche Ambitionen. So konnte an diesem Auto rein gar nichts dem richtig amtlichen Sound-System die Schau stehlen.

Die 10 Lautsprecher und ihre 675 Watt-Verstärkerleistung genossen meine volle Aufmerksamkeit. Und wenn eine Frage aufkam, konnte ich gleich den Entwickler auf dem Beifahrersitz fragen. Dazu musste ich nicht Dänisch lernen. Stefan Varga ist Österreicher und arbeitet in Köln. Harman, offizieller Lizenznehmer von B&O Play für den Automotive-Sektor, hat dort seine Entwicklungskapazitäten rund um Ford ganz in der Nähe des Werks gebündelt. Denn die seit kurzem mit Samsung verbundene Marke hat mit Ford noch viel vor.

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Test Ford Fiesta 1.0-l-EcoBoost mit B&O Play Sound: Lautsprecher-Verteilung
10 Lautsprecher inklusive Center und Subwoofer mit 20-cm-Tieftöner und Doppel-Schwingspule holen Oberklasse-Klang in einen Kleinwagen (Foto: S. Schickedanz)
Ford Fiesta 1.0-l-EcoBoost mIt B&O Play: Subwoofer-Tieftöner
Der stattliche, grundsolide 20er-Tieftöner des Subwoofers hat eine Doppelschwingspule für hohe Belastbarkeit und großen, gleichmäßigen Hub (Foto: S. Schickedanz)
Ford Fiesta 1.0-l-EcoBoost: B&O Einbau-Lautsprecher
Neun Lautsprecher bedeuten viel Aufwand für einen Kleinwagen wie den Ford Fiesta 1.0-l-EcoBoost (Foto: S. Schickedanz)
Ford Fiesta 1.0-l-EcoBoost mit B&O Play: Class-D Verstärker
Der kompakte Class-D-Amp hat reichlich Power. Die Systemleistung des B&O Play Surround-Systems liegt bei 675 Watt (Foto: S. Schickedanz)
Ford Fiesta 1.0-l-EcoBoost mit B&O Play: Koaxial-Mittelhochtöner
Für Hinterbänkler gibt es Koaxial-Mittelhochtöner (Foto: S. Schickedanz)
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Seit der Bekanntgabe der Kooperation mit dem Autobauer geht es Schlag auf Schlag. Den Anfang machte der Bestseller, zum Jahresende kommt noch der neue Lifestyle-SUV Ford EcoSport dazu, den wir in Kürze ebenfalls unter die Lupe nehmen werden.

Damit ist die Kooperation zwischen Ford und Sony ein Auslaufmodell. Noch 2015 berichteten wir über den Ford Mondeo Vignale mit Sony-Sound, doch  jetzt will Ford als exklusiver Partner von B&O Play im Automobilbereich sein Profil schärfen.

Die Zeitenwende beginnt nicht umsonst mit dem beliebten Kleinwagen. Mini hat vorexerziert, dass die Verbindung aus Premium-Ausstattung und Kleinwagen perfekt in die Zeit passt (abgesehen davon, dass die Minis mit jedem Modellwechsel immer größer werden).

Da trifft sich gut, dass ich den aktuellen Mini Cooper S mit seinem Harman Kardon System bereits für LowBeats getestet habe. Schließlich war dessen äußerst gelungenes Sound-System die Benchmark für die Entwickler. Der Mini kommt auf 400 Watt, verteilt auf 12 Lautsprecher. Außerdem hat er die genialen Zentralbässe unter den Sitzen statt der üblichen Subwoofer im Kofferraum – das heißt, wenn überhaupt Bass-Module zum Einsatz kommen. Viele geben sich nämlich mit reinen Türbässen zufrieden. Ein Unterfangen, dem gerade im Kleinwagensegment durch Bauraum und Stabilität der Türverkleidungen enge Grenzen gesetzt sind.

Um da mitzuhalten, betrieb Ford gerade in Sachen Subwoofer großen Aufwand. Das großzügige Kunststoffgehäuse füllt die gesamte Reserveradmulde des Fiesta aus und beherbergt einen 20-cm-Tieftöner mit großem Magneten und verwindungssteifem Metallkorb. Sein Doppelspulen-Antrieb wird aus zwei der insgesamt 9 Verstärkerkanäle gespeist.

Ford Fiesta 1.0-l-EcoBoost mit B&O Play: Subwoofer mit 20-cmTieftöner
Reserven für die Anlage, kein Reserverad: Der Ford Fiesta 1.0-l-EcoBoost hat einen amtlichen Subwoofer mit großem Gehäuse und 20-cm Tieftöner mit solidem Metallkorb (Foto: S. Schickedanz)

Im Bass ist der Ford Fiesta 1.0-l-EcoBoost mit B&O Play also gut gewappnet, was die Räumlichkeit betrifft, verspricht er sogar Vorteile gegenüber dem Mini. Er bietet nämlich richtigen Surround-Sound statt Stereo für hinten und vorne. Dieses Konzept führte nämlich beim bayerischen Briten zu frequenzabhängigen Sprüngen in der Abbildung. Der Fiesta verfügt dagegen über eine stabile Bühnenabbildung, die mancher ausgewachsenen Limousine gut zu Gesicht stünde.

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