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Bose Home Speaker 500
Der Bose Home Speaker 500 verbindet Amazon Alexa mit Display und ausgeklügelter Klangtechnik. (Foto: Bose)

Test Bose Home Speaker 500: 8 Mikrofone für Alexa

Wer etwas auf sich hält, hat heutzutage einen Smart Speaker im Programm – bemerkte auch ein Traditionshersteller aus Framingham bei Boston und schuf den Bose Home Speaker 500. Mit dieser Erkenntnis sind die sonst so trendbewussten Amerikaner zwar nicht bei den ersten. Doch ihre Klangkompetenz, die dank langer Erfahrung mit Headsets auch Mikrofon-Expertise umfasst, macht den Wireless Speaker interessant. Außerdem hat Bose in seiner langen Geschichte auch immer wieder mit einer simplen, ja beinahe narrensicheren Bedienung Maßstäbe gesetzt.

So dürfen sich die Schöpfer des Bose Home Speaker 500 durchaus Chancen auf dem immer unübersichtlicheren Markt ausrechnen. Ihre Hauptgegner dürften wohl die Big Names Apple HomePod und Sonos One sein. Die beiden hatten wir im letzten Jahr getestet und ihnen sowohl guten Klang als auch gute Funktionalität bescheinigt, Vor allem zeichnete sich der HomePod durch sein ausgeklügeltes Mikrofon-Array aus, welches während der Musikwiedergabe selbst aus großer Distanz den Apple-eigenen Sprachassistenten Siri die Befehle bestens verstehen lässt.

Zwar setzt Bose beim Home Speaker 500 und auch beim neuen Soundbar 700 auf Amazons Assistentin Alexa. Doch bei den Mikrofonen vertraut man auf jahrelange eigene Forschung für professionelle Bose Headsets oder mobile HiFi-Kopfhörer. So verfügt der Home Speaker 500 über ein optimal angeordnetes 8-Mikrofon-Array, um sowohl Nahfeld- als auch Fernfeld-Sprachbefehle zuverlässig zu verstehen. Mit seiner Reaktion kennt der gute Zuhörer, der stets ein „offenes Ohr“ für Befehle hat, eigentlich nur einen Rivalen auf Augenhöhe: den Apple HomePod.

Alexa hat ein offenes Ohr für viele Fragen

Um Fragen nach dem Wetter zu stellen oder auch nur die Lautstärke oder Programmwahl per Sprache zu steuern, braucht der Besitzer allerdings einen Amazon Account. Und er braucht etwas Geduld, denn die Installation geht zwar kinderleicht, aber neben der Anmeldung bei seinem Amazon Konto braucht man noch einen Bose-Account, bei dem ich mich während der Installation gleich zweimal an verschiedenen Stellen in der Bose Music App (erhältlich für iOS oder Android) anmelden musste. Was das Pflichtprogramm betrifft, gibt es keine Ausnahmen. Entweder man liefert sich vollständig den Kooperationspartnern aus und setzt alle Häkchen, was Datenschutzeinwilligung und Geschäftsbedingungen betrifft (nur die Push-Benachrichtigungen und Werbemails kann man gnädigerweise weglassen), oder der Bose Home Speaker 500 gibt keinen Mucks von sich.

Bose Home Speaker 500
Der Bose Home Speaker 500 verbindet Amazon Alexa mit Display und ausgeklügelter Klangtechnik. (Foto: Bose)

Und das wäre wirklich schade. Zwar hatte Bose in der jüngsten Vergangenheit nicht immer ein ganz so glückliches Händchen wie beim legendären Bose SoundLink Mini. Doch gegenüber dem leicht diffus wirkenden Klangbild des Bose SoundLink Revolve haben die Entwickler ihre omnidirektionale Lautsprecher-Technologie weiter- oder besser gesagt in eine andere Richtung entwickelt.

Anderer Ansatz als beim Bose SoundLink Revolve

In dem  16,9 cm x 20,3 cm x 10,9 cm (BxHxT) großen Aluminium-Gehäuse mit edler eloxierter Oberfläche verwendet Bose zwei Breitband-Chassis, die in entgegengesetzte Richtungen zeigen. Durch Reflexionen von den umliegenden Wänden soll dadurch ein weiträumiger Klangeindruck entstehen. Das ist immer noch eine Nummer direkter als beim für echten 360-Grad-Klang gebauten Bose SoundLink Revolve oder beim ursprünglichen Amazon Echo, wo die Treiber auf dem Rücken lagen und auf einen Diffusor strahlten, der die Schallwellen dann erst durch Gitter mit kleinen Bohrungen seitlich aus dem Gehäuse leitete. Die Abstrahlcharakteristik des Home Speakers entspricht eher einer Niere. Damit klingt der Drahtlos-Lautsprecher nicht aus jeder Richtung völlig identisch, aber von vorne und von der Seite auch lange nicht so diffus wie Echo und Revolve. Ich möchte hier dem Hörtest nicht vorgreifen, aber der Bose Home Speaker 500 ist in Sachen Klangpotenzial deutlich stärker aufgestellt.

Der neue hat noch einen weiteren Vorzug: Auf der Front seines Bose-typisch eher konservativ gestylten Gehäuses findet sich ein kleines Farbdisplay, das etwa Cover oder Senderlogos anzeigt und bei der Verwendung der Laustärkeregelung den Pegel als Balken darstellt.

Bose Home Speaker 500
Auf der Oberseite des Bose Home Speaker 500 gibt es ein Touchpad für Lautstärkeregelung, Wiedergabesteuerung und zum Abruf von sechs Lieblingssendern und Playlists. Auch das Mikrofon lässt sich hier deaktivieren. (Foto: Bose)

Zur Steuerung des Geräts stehen nicht nur die Bose Music App und die Alexa-Sprachsteuerung bereit. Touch-Tasten auf dem Gehäuse gestatten schnellen Zugriff auf Lautstärkeregelung, Wiedergabe-Steuerung und sechs Speicher für Lieblingssender und Playlists. Außerdem folgt der Bose Home Speaker 500 dem Brauch, das Mikrofon für private Momente stumm zu schalten (man liest ja immer wieder denkwürdige Sachen über die neugierige Alexa). Außerdem lässt sich der Sprachassistent über eine weitere Taste auf Empfang stellen, falls es mal zu laut wird, um mit seiner Stimme durchzudringen oder man sich die Parole „Alexa“ sparen möchte.

Abos im Mittelpunkt

Wer sich Abonnements von Musik-Diensten wie Amazon Music oder Spotify schenken will, der kann über AirPlay seine Songs vom iPhone auch direkt via WLAN an den Bose Home Speaker 500 funken. Oder man verwendet einfach Bluetooth. Für ganz Altmodische gibt es sogar einen AUX-Eingang auf der Rückseite mit 3,5-mm-Mini-Klinkenbuchse.

Nachdem ich fast 20 Minuten mit der Installation verbracht hatte – natürlich musste ich nach langer Zeit ohne Bose-Wireless-Speaker das Passwort meines Accounts zurücksetzen und nicht minder vorhersehbar zog sich der Bose Home Speaker 500 erst mal die üblichen Updates. Hätte ich noch meinen Spotify-Account mit der Bose App verbunden, hätte es noch länger gedauert, denn das Passwort dafür kennt nur mein Rechner, aber nicht das iPhone.

Bose Home Speaker 500 im Hörtest

Für einen ersten Funktionstest griff ich zunächst auf Internetradio zurück. Obwohl das von der Auflösung her selbstredend nicht die Krönung war, machte der Bose Home Speaker 500 sofort klar, dass die Entwickler ganze Arbeit geleistet hatten. Gesangsstimmen klangen zwar einen Tick vorlaut, doch der satte Bass war über jeden Zweifel erhaben. Für die bescheidenen Abmessungen haben die Amerikaner einmal mehr eine verblüffende Klangfülle aus ihrem Smart Speaker gezaubert. Der Bass bollerte auch nicht einfach drauflos, sondern bot ein erstaunliches Maß an Kontur und Präzision.

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Bose Home Speaker 500
Den Bose Home Speaker 500 gibt es in Schwarz… (Foto: Bose)
Bose Home Speaker 500
…und in Weiß. (Foto: Bose)
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Dieser grundlegende Klangeindruck blieb dann mit AirPlay vom iPhone erhalten, aber nur, was die tonale Abstimmung betraf. In Sachen Attacke, Spielfreude und Dynamik legte der Bose Home Speaker 500 mit Airplay noch mal eine ganze Schippe drauf. Und auch der Bass begeisterte noch mehr.

Mit diesem Drahtlos-Lautsprecher kann man spielend ein mittelgroßes Wohnzimmer mit sattem Sound fluten. Schön, dass die Spracherkennung so gut reagierte, dass man auch bei lauten Beats nicht von der Couch aufstehen musste, um Befehle zu erteilen. Teilweise kamen Sprachkommandos sogar noch aus dem Nebenraum an, wenn die Lautstärke nicht zu weit aufgedreht war.

Doch gerade das Lauthören machte mir total Freude – etwa mit Songs wie Sing It Back von Moloko. Als Hintergrundbeschallung beim Schreiben könnte der Bose Home Speaker 500 durchaus meine große Stereo-Anlage ersetzen – und ich höre dabei keine Fahrstuhlmusik in Flüsterlautstärke.

Einspielen macht den Bose Home Speaker 500 noch besser

Direkt nach dem Auspacken wirkten Stimmen noch etwas kühl und vordergründig. Doch das gab sich nach einer Weile mit dem Einspielen der fabrikneuen Treiber. Ich lümmelte ewig auf der Couch und hatte viel Spaß an der lebendigen, knackigen Wiedergabe mit dem für diese Größenklasse phänomenal trockenen und dabei tiefreichenden Bass. Auch die spritzigen, klaren Höhen begeisterten. Der E-Bass auf Budapest By Blimp von Thomas Dolbys Live-Album „The Sole Inhabitant“ war so etwas von intensiv und staubtrocken, dass es auch als sehr bedachter Autor schwer fällt, den Bose Home Speaker 500 nicht mit Superlativen zu bedenken. Er ist transparenter und hat mehr Kick als der Apple HomePod und musiziert viel breitbandiger und lebendiger als der Sonos One. In dieser „Gewichtsklasse“ ist er ziemlich sensationell, um es vorsichtig auszudrücken. Nach dem in meinen Ohren eher etwas enttäuschenden Bose SoundLink Revolve haben die Amerikaner wieder ein Produkt geschaffen, das Magie ausstrahlt.

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Bei der Installation des Bose Home Speaker 500 muss man seinen Bose Account mit seinem Amazon-Konto verbinden, sonst bleibt nicht nur Alexa still, sondern der ganze Lautsprecher. (Foto: S. Schickedanz)
Das Registrieren des Bose Home Speaker 500 geht wie üblich mit dem Versuch einher, einem gleich noch Werbung und Infos unterzuschieben (Foto: S. Schickedanz)
Bose Home Speaker 500
Das Display leistet in Verbindung mit der Bose Music App gute Dienste bei der Bedienung des Bose Home Speaker 500. (Foto: S. Schickedanz)
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Von Stereo würde ich allerdings trotz des trickreichen 2-Kanal-Konzepts nicht reden. Man kann das sehr schön mit dem Klassiker Blinded by The Light von Manfred Mann’s Earth Band ausprobieren – einem Titel mit extremem Ping-Pong-Stereo am Ende. Die beiden Gesangsstimmen kamen nicht von links und rechts. Allerdings – und das ist in dieser Klasse auch schon eine reife Leistung – ließ sich jeder der beiden Vokalisten klar konturiert herausgreifen und jedes Wort nachverfolgen.

Alles, was mich nicht überzeugte, ging allein auf das Konto von Alexa. Der Nutzen des Sprach-Assistenten war überschaubar. Mit seiner coolen Coveranzeige wäre der Lautsprecher für mich nicht minder begeisternd gewesen, wenn er auf die Sprachsteuerung ganz verzichtet hätte. Manche Befehle verstand Alexa sehr gut, andere überforderten sie offensichtlich. Das traf ausgerechnet den Autor selbst. Als ich eines meiner Hörbücher auf Amazon hören wollte, verstand die Sprachassistenz nicht Schickedanz, sondern irgendwas mit Chicken. Sehr witzig… Als ich die Frage nach Hörbüchern im Allgemeinen stellte, bekam ich einen reichlich ausschweifenden Vortrag über Probeabos bei der Amazon-Tochter Audible zu hören, verbunden mit der forschen Frage, ob ich gleich eines abschließen möchte. Ich verneinte leicht überrumpelt. Diesen Befehl kommentierte Alexa mit keinem einzigen Wort. Es folgte nur die Ankündigung, mir eine wahllos ausgesuchte Hörprobe aufzutischen, was auch geschah. Daraufhin schaute ich irritiert am Rechner nach, ob mir der dienstbare Geist etwas eingebrockt hatte, was irgendwann Kosten produzieren würde. Diese kleine Anekdote zeigt, was einem die neue Technik alles bescheren kann und gibt einen unmißverständlichen Wink, worauf bei Amazons Alexa das Hauptaugenmerk liegt. Ich betone das für alle, die ihren Nachwuchs womöglich mit Alexa allein zu Hause lassen.

Fazit Bose Home Speaker 500

Mit dem Bose Home Speaker 500 hat Bose mal wieder alles richtig gemacht. Zwar sind die Amerikaner damit nicht vorne dran wie mit dem SoundLink Mini, das eine ganz neue Gerätekategorie prägte. Aber sie haben die Zeit genutzt, einen rundum gelungenen, benutzerfreundlichen WLAN-Lautsprecher mit smarter Assistenzfunktion zu entwickeln, der klanglich den Vorreiter Amazon Echo wie ein lahmes Hollandrad neben einem Carbon-E-Bike aussehen lässt und selbst den Sonos One oder den Apple HomePod knapp überflügelt. Der Lautsprecher begeistert durch eine enorme Musikalität und innere Stimmigkeit, die im Kern auch das Bose SoundTouch 10 mit seinem „musikalischen“ Breiband-Chassis auszeichnete, kann aber viel lauter, präziser, breibandiger und verzerrungsärmer spielen.

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Bose Home Speaker 500
2019/06
Überragend
Bewertung
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Sehr ausgewogener, ausgesprochen dynamischer Klang, sehr satter, tiefreichender und sauberer Bass
8-Mikrofon-Array sorgt für zuverlässige Befehlserkennung auch bei recht lauter Musikwiedergabe
Musik löst sich gut vom Lautsprecher, große Bühne
Nützliches Farb-Display

Preis (Hersteller-Empfehlung): 450 Euro

Vertrieb:
Bose GmbH
www.bose.de