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Mit den kompakten Streaminglautsprechern LSX II (Paarpreis: 1.500 Euro) beweist KEF Mut zur Farbe und zeigt der Konkurrenz erneut die Rücklichter. (Montage: F. Borowski)

Test KEF LSX II – The Next Generation: Mini-Aktivspeaker mit Maxi-Streaming-Spaß

Die Autoindustrie macht es vor: Mit einer klugen Plattformstrategie lassen sich viele Modellvarianten für unterschiedlichste Ansprüche zu überschaubaren Entwicklungskosten auf die Beine stellen. Beim Lautsprecherhersteller KEF heißt die aktuelle Plattform „W2“, die sowohl in den berühmten LS50 Wireless II als auch in dem erst kürzlich vorgestellten Standlautsprecher LS60 steckt. Jüngstes W2-Familienmitglied sind die besonders kompakten KEF LSX II, die ihren größeren Geschwistern damit funktional in nichts nachstehen. LowBeats konnte den brandneuen Speakern ausgiebig auf den Zahn fühlen.

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Die Testmuster mit Kobalt-Blauer Mattlackierung der Frontplatte: sehr schick (Foto: F. Borowski)

„Plattform“ ist ein ziemlich weitläufiger Oberbegriff. Bei Automobilen kann eine Plattform die mechanische Grundlage für unterschiedlich große Fahrzeuge sein, wie beispielsweise der Modulare Querbaukasten (MBQ) von VW. Es kann damit aber auch die Software-Basis für unterschiedliche Betriebssysteme gemeint sein. So wie etwa Apple OS X (heute macOS) die „Plattform“ für iOS, iPadOS, watchOS, tvOS und mögliche weitere künftige Betriebssysteme darstellt.

Beim britischen Lautsprecherhersteller KEF hat man sich ebenfalls für eine Plattformstrategie entschieden. In diesem Fall, um verschiedene aktive Lautsprechersysteme mit modernen Streamingfähigkeiten auszurüsten. Die KEF „Streaming-Plattform W2“ hatte ihr Debüt in den LS50 Wireless II Lautsprechern und umfasst neben den modernsten Streaming-Funktionen auch zeitgemäße Anschlüsse, wie USB-C und HDMI ARC. Kein direkter Plattform-Bestandteil, aber ebenfalls eine KEF-Kernkompetenz, sind die berühmten Uni-Q Koaxial-Treiber. Die stecken zwar in jedem modernen KEF-Speaker, sind aber keine Gleichteil, sondern an ihre jeweilige Boxenumgebung angepasst.

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Hier sind die LSX II mit den optionalen Standfüßen und dem Subwoofer KC62 zu sehen. (Foto: KEF)

Die KEF LSX II – Was ist neu?

Im Jahr 2018 kamen die LSX quasi als Mini-LS50-Wireless in den Handel. Unseren ausführlichen Testbericht finden Sie hier. Schon damals waren die LSX eher auf ein Lifestyle-orientiertes Publikum ausgelegt. Ihr Gehäuse war nicht nur kleiner als das der LS50, sondern auch aus kostengünstigerem Kunststoff gefertigt. Aber auch sie waren in verschiedenen Farben verfügbar und die Abdeckung mit Stoffen des dänischen Textildesigners Kvadrat bezogen.

An Form, Größe, Material, Treiber- und Verstärkerbestückung (70W Bass, 30W Hochton, Class-D) hat sich nichts geändert. Wohl aber an äußeren Details. So bieten die LSX II jetzt andere Farboptionen und teilweise matt lackierte Gehäuseteile sowie farblich abgesetzte Bassreflexrohre.

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Die LSX II bieten für ihre Größe ein verblüffend erwachsenes Klangbild (Foto: F. Borowski)
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Master-Lautsprecher (unten) und Slave-Speaker. Bei voller Nutzung der Drahtlosmöglichkeiten werden zum Betrieb nur zwei Stromkabel benötigt (Foto: F. Borowski)
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Die mitgelieferte Fernbedienung (Foto: F. Borowski)
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Wer gehofft hat, KEF würde die in den Modellen LS50- und LS60-W eingesetzte Meta-Materialtechnik auch in der LSX II einführen, wird jedoch leider enttäuscht. Hier war nach Auskunft von KEF das geringe Gehäusevolumen der limitierende Faktor. 

Die wichtigsten Änderungen beziehen sich auf die wesentlich ausgereifteren Streaming-Funktionen dank W2-Plattform und die praxistauglicheren Anschlüsse. Dank zeitgemäßem USB-C-Port können die LSX II jetzt beispielsweise ganz einfach als Desktoplautsprecher an Mac oder PC eingesetzt werden, oder mittels HDMI ARC als Soundbar-Alternative mit großer Stereobühne – plus Subwoofer, wenn gewünscht. Ein direkter Ausgang hierfür samt Sub-Steuerung über die gemeinsame App ist ebenfalls vorhanden.

Bei der Verbindung der beiden Lautsprecher untereinander bot schon die Ur-LSX die Wahl zwischen kabelgebunden und drahtlos. Letzteres allerdings nur bis 24 Bit/48 kHz. Die LSX II können nun drahtlos untereinander mit Samplingraten bis 96 kHz kommunizieren. Wer ein zusätzliches Kabel nicht scheut: Im Lieferumfang findet sich ein ca. drei Meter langes CAT-6 LAN-Kabel, welches die Übertragung zwischen den Lautsprechern mit bis zu 192 kHz ermöglicht. Optional bietet KEF das sogenannte „K-Stream“ Kabel mit acht Metern Länge in den Farbkombinationen Titanium-Kupfer oder Weiß-Kupfer an. Intern verarbeiten die LSX II übrigens PCM mit bis zu 24 Bit/384 kHz und beherrschen DSD sowie vollständige MQA-Dekodierung.

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Das Hauptanschlussfeld bietet jetzt zeitgemäße USB-C und HDMI-Buchsen (Foto: F. Borowski)

Sämtliche Funktionen werden nun von der gemeinsamen KEF Connect App gesteuert, die auch für die LS50W-II und LS60-W Verwendung findet. Beim Vorgänger waren noch zwei verschiedene Apps (KEF Control und KEF Stream) erforderlich. Eine bedienungstechnische Verirrung, die zum Glück der Vergangenheit angehört.

Lieferumfang und optionales Zubehör

Die zugehörige Infrarot-Fernbedienung der LSX II entspricht nun der ihrer größeren Geschwister – was allerdings nur bedingt als Fortschritt angesehen werden kann. Hatte ich bei den Vorgängern etwa die schlecht erkennbaren Tastenbeschriftungen kritisiert, ist die neue Remote mit der runden Vier-Wege-Wippe und ihrem Plastik-Feeling auch nicht gerade von begeisternder Qualität und auch funktional noch verbesserungsfähig. Dazu später mehr im Praxis-Teil.

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Der IR-Geber wirkt etwas billig, tut aber, was er soll. Direkte Quellentasten wären hilfreich gewesen (Foto: F. Borowski)

Im erstaunlich kleinen Karton mit den beiden LSX II finden sich neben der Fernbedienung und dem schon erwähnten LAN-Kabel zwei 2-Meter-Stromkabel. Natürlich handelt es sich hier um ein echtes, vollaktives Konzept, bei dem auch der Slave-Speaker über eigene Digitalelektronik und Verstärker verfügt.

An optionalem Zubehör bietet KEF neben schlanken Standfüßen (silber, weiß, schwarz, rot, blau; 349 Euro) für die freie Aufstellung im Raum auch passende Desk-Stands (Silber oder Schwarz; 159 Euro) und Wandhalterungen (Silber oder Schwarz, 229 Euro) an.

Mittig an der Unterseite hat jede LSX II ein Viertel-Zoll-Stativgewinde. Damit können auch Mini-Stative aus dem Foto-Zubehör als Standfuß genutzt werden. Und das nicht unbedingt nur als Notlösung. So habe ich die Speaker mit solchen Mini-Stativen am Desktop weg von der Tischplatte auf optimale Ohrhöhe und – dank ausreichend stabilem Kugelkopf – in die richtige Neigung bringen können. Auch optisch finde ich das eigentlich ganz ansprechend.

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Dank Stativgewinde an der Unterseite lassen sich die kleinen LSX II mit zahlreichen Haltelösungen nutzen (Foto: F. Borowski)
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Mit aus dem Fotozubehör bekannten Arca-kompatiblen Adaptern können die Speaker komfortabel an Stativen befestigt werden (Foto: F. Borowski)
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Ein Mini-Carbonstativ aus dem Fotobedarf fungierte bei mir als praktischer Tischfuß für die LSX II und brachte sie auf die richtige Höhe (Foto: F. Borowski)
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Falls Ihnen eine solche Lösung zusagt, achten Sie beim Kauf eines Mini-Stativs auf möglichst hohe Steifigkeit und, wenn es mit Neigungsmöglichkeit durch Stativkopf sein soll, auf einen entsprechend tragstarken Stativkopf. Die LSX II sind mit ungefähr 3,5 kg pro Box immerhin so schwer wie eine professionelle Kamera mit gutem Reportage-Zoom.

Gute Mini-Carbonstative mit einstellbaren Beinwinkeln und gewisser Flexibilität in der Höhe, ähnlich wie das von mir eingesetzte, kosten via Amazon ab ca. 90 Euro/St. mit Kugelkopf. Eine Alternative wäre ein solches Modell ohne ausziehbare Beine und mit separat zu erwerbendem Stativkopf.

Die LSX II in der Praxis – löppt!

Als moderne Streaming-Lautsprecher geben sich die LSX II nicht zurückhaltend, wenn es um mögliche Musiklieferanten geht. Egal ob Wireless per Bluetooth, über WLAN oder LAN über Protokolle wie AirPlay 2, Chromecast oder UPnP, per Online-Streaming von Spotify-/Tidal Connect, Qobuz, Deezer, Amazon Music, QQ Music, Internetradio, Podcasts bis hin zum (bald verfügbaren) Roon-Ready-Status. Die kleinen KEF beherrschen fast alles, was aus dem digitalen Äther kommt. Dank AUX-In kann man auch eine analoge Quelle Musik in die schnuckeligen Speaker schicken.

Die Einrichtung gestaltet sich, wie nach der Erfahrung mit den LS50W-II nicht anders zu erwarten, ganz einfach: Beide Speaker mit Strom verbinden, kurz warten. Dann die WLAN-Einstellungen am (in diesem Beispiel) iPhone öffnen und die dort angezeigten KEF als neue Lautsprecher auswählen. Das ist der übliche Vorgang zur AirPlay-Verbindung, aber damit wird auch automatisch die WLAN-Verbindung zwischen den LSX II und dem Router vermittelt, ohne dass dafür das WLAN-Passwort eingegeben werden muss. Bei Bedarf dann noch eine Bluetooth-Kopplung vornehmen und das war es im Prinzip auch schon. Von hier an ist es nur noch eine Frage der vom Nutzer gewünschten Quellen.

Ich habe mich zunächst mal für die Nutzung am Desktop entschieden. Per USB-C Kabel angeschlossen an meinen Mac und mit Roon als Musiklieferant:

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Rote Markierungen: Die LSX II sind auf drei Wegen über Roon nutzbar: via USB-Direktverbindung (obere Markierung), über das Netzwerk als Roon-Ready-Device (zum Testzeitpunkt noch nicht zertifiziert) und via AirPlay (Screenshot: F. Borowski)

Später mussten die LSX II dann auch per HDMI an meinem TV beweisen, ob sie auch ohne Subwoofer ordentlichen Stereo-Filmton generieren können.

Die LSX II sind wie ihre größeren Geschwister sehr ausgereifte und komfortabel nutzbare Streaming-Komponenten. Erfreulich ist beispielsweise, dass ich während des gesamten Tests keinen einzigen Musikaussetzer zu beklagen hatte und die (meistens genutzte) Funkverbindung zwischen den Boxen ebenfalls absolut stabil war. Natürlich hängt das auch von der Qualität des lokalen WLAN ab, aber hier funktionierte es wunderbar.

Leichte Kritik gibt es für die IR-Fernbedienung, die ohne direkte Quellentasten auskommt, sowie für den Umstand, dass die gewählte Quelle an den Speakern nur per Farbcode angezeigt wird. Also etwa Pink für USB und bläulich für HDMI. Ich mag diese Farbcode-Ratespielchen nicht und habe das auch schon bei anderen Herstellern wie iFi Audio oder Chord kritisiert. Andererseits bedeutet das in der Praxis auch nicht den Weltuntergang. Also bitte diesen Punkt nicht überbewerten.

Anmerkung: In der sehr informativen Bedienungsanleitung finden sich IR-Codes für die direkte Quellenanwahl. Mit einer passenden programmierbaren Fernbedienung könnte man also auch auf diesem Wege die Eingänge direkt auswählen.

Praktisch finde ich, dass sich in der App die Größe der Lautstärkesprünge für jeden einzelnen Tastendruck festlegen lassen. Die Skala reicht von 1 bis 100 und die Standardeinstellung ist ein Schritt pro Tastendruck. Das ist sehr genau, aber auch sehr langsam. Eine Erhöhung auf drei Schritte pro Tastendruck empfand ich als guten Kompromiss zwischen zügiger Pegeländerung und Genauigkeit der Einstellung.

KEF arbeitet derzeit daran, dass die Wiedergabe nach dem Einschalten an der zuletzt gehörten Position fortgesetzt werden kann. Auch bei Webradio und in anderen Situationen. Im Augenblick gehört dies noch zu den praktischen Einschränkungen. Das Ziel soll sein, die Lautsprecher morgens einfach mit der Fernbedienung einschalten und beispielsweise den zuletzt gehörten Sender wiedergeben zu können. Nach über 15 Jahren Entwicklung im Musikstreaming sollte man meinen, das wäre längst selbstverständlich. Aber dem ist bei weitem nicht so. Es gibt nach wie vor unzählige Streamer, die Schwierigkeiten damit haben, sich die letzte Abspielposition bzw. den letzten Sender zu merken.

Der Schwerpunkt der Funktionalität liegt natürlich in der zugehörigen App KEF Connect. Die hat inzwischen einen sehr hohen Reifegrad erreicht und bietet zahlreiche Funktionen zur individuellen Konfiguration der Lautsprecher. Hier ein paar Screenshots mit kurzen Erklärungen:

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KEF Connect 01
In der WLAN-Konfiguration des iPhone tauchen die LSX II als neue AirPlay-Speaker auf. Einfach antippen und sie werden mit dem WLAN verbunden (Screenshot: F. Borowski)
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Die Verbindung dauert nur wenige Sekunden … (Screenshot: F. Borowski)
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… dann sind die LSX II Einsatzbereit mit dem Heimnetzwerk verbunden (Screenshot: F. Borowski)
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Lautsprecher auswählen und fortfahren (Screenshot: F. Borowski)
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… Und los geht’s (Screenshot: F. Borowski)
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Der Startbildschirm. Ist ein Firmware-Update verfügbar, wird das, so wie hier, deutlich angezeigt (Screenshot: F. Borowski)
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Die Aktualisierung der Firmware erfolgt in wenigen Minuten und der Nutzer wird genau über den Stand informiert (Screenshot: F. Borowski)
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Klare Ansage (Screenshot: F. Borowski)
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Das Einstellungsmenü (Zahnrad unten rechts) bietet Zugriff auf verschiedene Parameter (Screenshot: F. Borowski)
KEF Connect 10
Sehr schön: Die Standby-LED lässt sich abschalten (Screenshot: F. Borowski)
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Konfiguration verschiedener Lautstärke-Parameter (Screenshot: F. Borowski)
KEF Connect 12
Die App bietet sogar einen Test zur Prüfung der Drahtlosverbindung (Screenshot: F. Borowski)
KEF Connect 13
Das Teilen anonymer Nutzungsdaten kann unterbunden werden (Screenshot: F. Borowski)
KEF Connect 14
Noch einmal die Startseite: Die einzelnen Funktionsblöcke lassen sich nach Bedarf umsortien (Screenshot: F. Borowski)
KEF Connect 15
Die Quellenumschaltung bzw. On/Off (Screenshot: F. Borowski)
KEF Connect 16
Streamingdienste und Live-Streams (Screenshot: F. Borowski)
KEF Connect 17
EQ-Einstellungen können als Nutzerprofile abgespeichert werden (Screenshot: F. Borowski)
KEF Connect 18
Durch die Profil-Auswahl (oben) ist die LSX II auch schnell an wechselnde Aufstellungsorte angepasst (Screenshot: F. Borowski)
KEF Connect 19
Hier erfolgt auch die Anpassung eines optionalen Subwoofers (Screenshot: F. Borowski)
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So klingen die KEF LSX II

Wie schon verraten, hat sich an den klanglich relevanten mechanischen und elektrischen Teilen gegenüber den Vorgängern nichts Wesentliches geändert. KEF hat aber an der DSP-Abstimmung gewisse Optimierungen vorgenommen, sodass die Erst- und Zweitgeneration der LSX nicht exakt gleich klingen sollten. Zur Überprüfung fehlt mir ein entsprechendes Paar der ersten Generation. Aber alles, was mir die kleinen Briten hier am Desktop um die Ohren hauen, ist so oder so absolut beeindruckend.

Die grundlegenden KEF-Tugenden der Uni-Q-Treiber bleiben von den DSP-Features natürlich unbeeinflusst. Dank der koaxialen Abstrahlung und den Besonderheiten der Gehäusekonstruktion verfügen die LSX II über die gleichen hervorragenden Abstrahl-Eigenschaften ihrer größeren Geschwister. Gerade im Nahfeld, wie bei einer Desktop-Installation, ist das von großem Vorteil, weil sich die Klangfarbe nicht mit jeder kleinen Kopfbewegung verändert. Den LSX II gelingt es auch bei relativ breiter Aufstellung und geringem Hörabstand eine stabile akustische Mitte zu erzeugen.

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Die KEF LSX II haben einen riesigen Funktionsumfang. (Foto: KEF)

Der Klangcharakter offenbart die typischen KEF-Familiengene: Frisch, spritzig, lebendig präsentieren sich Mitten wie Höhen, und egal in welchem Hörabstand macht sich stets das ausgezeichnete Timing der Speaker positiv bemerkbar. Sehr schön ist zudem, dass die LSX II das Musikgeschehen trotz ihrer geringen Größe körperhaft und glaubwürdig groß darstellen, teilweise sogar mit ordentlichem Bassanteil. Wobei die Messlatte für die unteren Register natürlich nicht zu hoch angelegt werden darf.

Insgesamt gefällt mir das Gehörte von Anfang an uneingeschränkt gut. Es fällt zunächst nichts negativ auf. Wo die Grenzen liegen, offenbart erst der (zugegeben nicht ganz faire) Vergleich mit meinen Desktop-Referenzen Wilson Audio TuneTot. Zwischen den kleinen KEF und den vielfach teureren US-Speakern liegen nicht nur einige Liter Gehäusevolumen, sondern auch klanglich etliche Stufen.

Die Begegnung mit den Wilsons zeigt auf, wo die LSX II an ihre Grenzen stoßen. Am auffälligsten empfinde ich das bei den Klangfarben und vor allem im Grundtonbereich. Letzterer ist ganz klar vom Gehäusematerial beeinflusst. Die LSX II lässt hier im Gegensatz zu den High-End-Speakern eine Koloratur durch mitschwingende Gehäusewände erkennen, wodurch beispielsweise Schlaginstrumente oder auch ein gestrichener Bass etwas „topfiger“ klingen. Hier bieten schon die LS50W-II, die über ein entsprechendes, resonanzoptimiertes Gehäuse verfügen, ein deutlich unverfälschteres Klangbild.

Übrigens habe ich hierbei auch die in der App verfügbaren Einstellungsmöglichkeiten für Desktopaufstellung berücksichtigt und ausprobiert. Allerdings mit dem Ergebnis, dass mir, unter Verwendung meiner Stative als Standfüße, eine neutrale Einstellung noch am besten gefiel. Mit den relativ flachen Zubehör-Sockeln von KEF mag das anders sein. Zum Glück haben die LSX II das richtige DSP-Rüstzeug, um auch sehr feine Klanganpassungen nach Geschmack und örtlichen Gegebenheiten vornehmen zu können.

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Mit den optionalen „Deskpads“ lassen sich die LSX II bequem auf auch auf kleinen Schreibtischen unterbringen. (Foto: KEF)

Doch für sich genommen (und ohne unfaire Vergleiche mit zigfach teureren Konkurrenten) dürfte kaum jemandem an den LSX II eine echte Schwäche auffallen. Für ihre Größe, und wenn man bedenkt, dass in Ihnen eine komplette HiFi-Anlage steckt, ist der erzielbare Klangrealismus kaum zu glauben.

Der Eindruck ändert sich auch nicht beim Einsatz der LSX II als TV-Lautsprecher. Wie Sie vielleicht wissen, bin ich kein großer Freund von Soundbars. Die wunderbaren kleinen KEF bestärken mich nur in dieser Haltung, bieten Sie doch vom Fleck weg eine tolle und realistische Stereobühne, wie es Soundbars nie wirklich gelingt. Dazu kommt diese präzise Ortbarkeit, die sich bei geschickter Positionierung der Speaker im richtigen Abstand neben dem TV quasi punktgenau mit dem Geschehen auf dem Bildschirm deckt. Mit passenden Standfüßen oder Wandhalterungen sind die LSX II jeder mir bekannten Soundbar klar überlegen, wenn es um Dinge wie Natürlichkeit, Transparenz und Ortbarkeit angeht. Und auch das Tiefton-Geschehen ist aller Ehren Wert – und bei Bedarf jederzeit per Subwoofer massiv ausbaubar.

Fazit – Die KEF LSX II machen fast alles besser

Schon allein dank der Ergänzung eines modernen USB-C-Audioports und einer HDMI-ARC-Schnittstelle sind die neuen KEF LSX II erheblich praxistauglicher als ihre Vorgänger. Doch erst die Nutzung der neuesten Streaming-Plattform W2 von KEF macht aus den überarbeiteten Streaming-Lautsprechern ein absolut rundes Gesamtpaket.

Die Sache hat nur einen kleinen Schönheitsfehler: Gegenüber den LSX der ersten Generation sind die Neuen um 300 Euro teurer geworden – trotz kostensparender Plattform-Bauweise. Zwar spielen hier sicherlich auch die aktuellen globalen Verwerfungen eine wesentliche Rolle, aber schmerzlich ist das trotzdem.

Dass die KEF LSX II dennoch wieder mit einem „Überragend“ in der LowBeats-Wertung abschneiden, hat einen einfachen Grund: Es gibt nicht viele ernstzunehmende Konkurrenten mit einer ähnlich gelungenen Kombination aus Kompaktheit, Design, Funktion, Leistung und Klang. Daher: Ehre wem Ehre gebührt.

KEF LSX II
2022/06
Test-Ergebnis: 4,5
ÜBERRAGEND
Bewertung
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
anspringender, erwachsener Klang, plastische Räumlichkeit
USB-C und HDMI-ARC-Anschlüsse
ausgereifte und vielseitige Streamingplattform
in frischen, modernen Farben erhältlich

Vertrieb:
GP Acoustics GmbH
Kruppstraße 98
45145 Essen
www.de.kef.com

Paarpreis (Hersteller-Empfehlung):
KEF LSX II: 1.499 Euro

Technische Daten

KEF LSX II
KonzeptVollaktive Streaming-Kompaktlautsprecher mit vielen Quellenoptionen. Unterstützt AirPlay 2, Google Chromecast, Roon Ready (in Vorbereitung), UPnP, Bluetooth 4.2.
Ausstattung:Uni-Q-Treiber der 11. Generation, 100W Verstärkerleistung pro Box; Spotify, Tidal,
Amazon Music, Qobuz, Deezer, QQ Music, Internetradio, Podcast
Besonderheiten:Umfangreiche Streaming-App mit DSP-Features
Eingänge/Ausgänge:
HDMI ARC, USB-C-Audio, Toslink, AUX, Sub-Out, Wireless oder drahtgebundenes Netzwerk, Bluetooth
Abmessungen
(H x B x T):
240 × 155 × 180 mm
Gewicht:7,2 kg/Paar
Alle technischen Daten

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Autor: Frank Borowski

LowBeats Experte für Schreibtisch-HiFi und High End kennt sich auch mit den Finessen der hochwertigen Streaming-Übertragung bestens aus. Zudem ist der passionierte Highender immer neugierig im Zubehörbereich unterwegs.