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Test Plattenspieler AVM R 5.3 und AVM R 2.3

Noch ein Detail, das die neuen AVMs aus der Masse abhebt: Der Plattenteller lässt sich beleuchten. Auf der Unterseite der Front links liegt ein Kippschalter. Hierüber kann blaues LED-Licht geflutet werden, eindrucksvoll leuchtend, gedimmt oder eben ganz ausgeschaltet. Ein Effekt, der sich natürlich nicht auf den Klang auswirkt, aber schön aussieht. Eine Geschmacks- oder auch Stimmungsfrage.

Die blaue LED-Beleuchtung des durchsichtig-milchigen Acryl-Tellers (hier der R 2.3) ist in drei Stufen einstellbar: aus, mittel, kräftig. Ich selbst bin kein Freund solcher Spielereien, aber bei LowBeats waren die Teller während der Tests dauerhaft beleuchtet… (Foto: S. Schickedanz)

AVM liefert beide Laufwerke ohne Tonabnehmer aus, König Kunde muss sich im freien Markt bedienen. Nach kurzer Absprache mit LowBeats Chefredakteur Holger Biermann und Vorversuchen mit den eigentlich fantastischen Abtastern Audio-Technica VM 540 und Excalibur Black war die Auswahl schnell getroffen: sie fiel auf das Lyra Delos, ein MC mit traumhaften Werten und traumhaft luftig-präzisem Klang.

Um den Vergleich zu erleichtern, nutzten wir zwei Delos,, sodass jedes AVM Laufwerk „sein eigenes“ Delos, eingebaut bekam. Anschlossen waren übrigens beide an der Röhren-Phonostufe Luxman EQ 500, die unabhängig vom stattlichen Preis (6.500 Euro) in kurzer Zeit zu einem der absoluten Redaktions-Lieblinge wurde.

AVM R 2.3 Delos
Eigentlich nackt: AVM liefert seine Plattenspieler ohne Tonabnehmer aus. Der stolze Neubesitzer muss sich auf dem freien Markt bedienen. Wir hörten und empfehlen ein MC – das Delos von Lyra. Preis: 1.260 Euro (Foto: H. Biermann)

Der Preis des Delos liegt bei 1.260 Euro. Auch das ist eine durchaus gehobene Investition. Doch die Dynamik, die Klangfarben und die Feinauflösung des Delos sind in dieser Preisklasse ohne Konkurrenz – wir sind aus Erfahrung Lyra-Fans und der Meinung, dass dieser Abtaster jeden Euro wert ist. Noch eine Subbotschaft: Beide Plattenspieler sind geschaffen für wirklich gute Tonabnehmer. Beim AVM R 5.3 und dem Delos würde ich sogar von einer Traum-Kombination sprechen.

So klingen die Vinyl-Brüder AVM R 5.3 und R 2.3

Wir starteten mit einer Luxuspressung: Sir Georg Solti dirigiert das London Symphony Orchestra in Bela Bartoks Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta. Kennt man nicht? Kennt man doch: Stanley Kubrick hat diese Musik als Background für seinen Horrorstreifen Shining genutzt. Was perfekt passt. Hier flirren die Streicher, hier wird fast so etwas wie ein psychedelischer Teppich ausgebreitet. Die Decca-Tontechniker haben das Ganze mit höchster Präsenz abgemischt.

Ein guter Plattenspieler muss schnell sein, dazu ein Gespür für die feinen Phrasierungen haben. Genau hier liegen die Meriten der beiden AVMs. Vorbildlich plastisch, höchst dynamisch lösen sich die Instrumente von den Membranen, alles hat „Luft“, wirkt unangestrengt. Wobei auch auffiel, dass der große AVM R 5.3 mehr Schub an den Tag legte. Die Streicher haben mehr Substanz, vor allem zeigte sich der Bass kantiger und die Aufnahme wirkt mit dem R 5.3 um einiges bedrohlicher.

Pau McCartnes Egypt Station Cover
Auf LP wenigstens so gut wie als HiRes: Paul McCartneys Egypt Station (Cover: Amazon)

Kürzlich hat Paul McCartney sein neuestes Studioalbum vorgestellt: Egypt Station, auch erschienen auf zwei LPs. Die deutlich besser klingen als die CD-Ausgabe, selbst die High-Res-Variante in 24 Bit verfügt nicht über diese Druckkraft. Der Mix ist anspruchsvoll, starke Basslinien überschneiden sich mit einem komplexen Geflecht an Mittelstimmen.

Hier kann ein Plattenspieler die Übersicht verlieren, das ordnende Händchen ist gefragt. Das gelingt beiden AVMs in Zusammenarbeit mit dem Delos mit Bravour. Hier prangte schönste Analyse. Das war vom kleinen wie großen Laufwerk aufs feinste souverän.

Zudem gefielen der hohe Kontrast und die dynamischen Zwischenwerte. Beide R-Modelle, das wurde schnell klar, sind echte Empfehlungen.

Aber im Vergleich verfügt naturgemäß der R 5.3 mit seiner höheren Masse, dem schwereren Teller und besseren Arm über mehr Output: Hier legte die Abbildung des Aufnahmeraumes in den räumlichen Details um wichtige Kubikmeter zu; dort lockte ein spürbares Plus an Informationen…

Der Vergleich zwischen den Brüdern fiel am Ende recht klar aus. Aber wo stehen die beiden insgesamt? Das üblich gut gefüllte Referenzregal von LowBeats beherbergt mit dem Elac Miracord 90 einen rundum soliden, wunderbar neutral-natürlichen Plattenspieler, der in allen Belangen (Ausstattung, Verarbeitung Material und Klang) so etwas wie der Maßstab um 2.500 Euro ist. Und es beherbergt den (häufig unterschätzen) Transrotor Max, der bei LowBeats mit 2 x Tonarm SME M2 9R und großem Netzteil Konstant M1 Reference die Basis aller Tonabnehmer-Vergleiche ist. Ein extrem dynamisches, rasant lebendig-klingendes Laufwerk. Das Delos wanderte sowohl in den Elac als auch in den Max.

Der erste Durchgang Elac vs R 2.3 war schnell beendet. Die höhere Auflösungsfreude und das größere Temperament ließen das Pendel rasch zugunsten des AVM ausschlagen. Man war einfach mehr in der Musik.

Der größere R 5.3 tat sich dagegen etwas schwerer, den preislich vergleichbaren Transrotor Max so einfach zu distanzieren. Denn dessen Lebendigkeit und Präzision sind exzellent. Aber die des AVM R 5.3 auch. Und er punktete mit etwas mehr Substanz. Ein hauchdünner, aber nachvollziehbarer Vorteil für den AVM.

AVM R 5.3 vs Elac Miracord 90
Einer der Kontrahenten aus dem LowBeats Referenz-Regal: der Elac Miracord 90 (Foto: H. Biermann)

Fazit AVM R 5.3 und R 2.3

Gemeinhin werde ich von HiFi-Komponenten nicht mehr überrascht. Alles scheint schon einmal dagewesen, alles ist irgendwie erwartbar. AVM hat mich überrascht. Nicht, dass sie Plattenspieler bauen, sondern deren klangliche Qualität und die durch und durch stimmige Erscheinung.

Der AVM R 2.3 ist ein blitzsauberes Laufwerk – elegant-reduziert in seiner Formsprache und höchst stabil in seinem audiophilen Charakter. Sein Preis ist fair: für überschaubares Geld gibt es einen schlauen, klangstarken Plattenspieler, das problemlos mit den besten seiner Klasse mithalten kann.

Der Auftritt des AVM R 5.3 ist mächtiger. Schon die Dicke des Tellers strahlt Souveränität aus. Dazu ein glänzender, perfekt verarbeiteter Zehn-Zoll-Tonarm – Vinyl-Herz, was wünschst Du Dir mehr? Hier wird die hohe Kunst der Feinmechanik zelebriert und zugleich mit purer Masse gepunktet.

Klanglich sind wir mit dem R 5.3 schon ziemlich weit oben in der Welt der schwarzen Scheiben. Dieses Laufwerk hat selbst das superbe MC-System Lyra Delos nicht limitiert und könnte noch mehr: Wer will, kann Tonabnehmer der gleichen Preisklasse auf diesen AVM montieren.

Im Vergleich zum R 2.3 ist der 5.3 eindeutig der bessere Plattenspieler. Kunststück, könnte man sagen, er ist ja auch Faktor 1,5 teurer. Klingt er so viel besser?

Jain. Es ist die Crux des Testers, in einem so subjektiven Bereich eine solche Wertung vorzunehmen, denn für jeden stellt sich ja die Frage, was wie viel wert ist, anders. Deshalb gibt es bei LowBeats die Preisklassen-bezogene Einstufung. Und darin ist der R 2.3 sehr gut, der größere R 5.3 überragend.

LowBeats Bewertung AVM R 2.3

AVM R 5.3
2018/11
Test-Ergebnis: 4,6
ÜBERRAGEND
Bewertung
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Lebendig präziser, kräftig-natürlicher Klang
Intelligent gemachter symmetrischer Riemenantrieb
Effiziente Entkopplung-Füße
Attraktive Plattenteller-Beleuchtung

Vertrieb:
AVM Audio Video Manufaktur GmbH
Daimlerstraße 8
76316 Malsch
avm.audio/de/

Preis (Hersteller-Empfehlung)
AVM R 5.3: 5.490 Euro
Mit Chrom-Oberfläche: 7.490 Euro

Mit- und Gegenspieler:
Test Transrotor Max: das Ausbau-Laufwerk
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