Test: Highend-Vorverstärker Cambridge Audio Edge NQ mit D/A-Wandler und Roon-Streaming an Bord. 3.999 Euro (Foto: R. Vogt)
Ein wunderbares Exemplar der Gattung Streaming DAC-Vorverstärker: der Cambridge Audio Edge NQ mit D/A-Wandler und Roon-Streaming für 4.000 Euro (Foto: R. Vogt)

Test Cambridge Edge NQ: Streaming DAC-Vorstufe mit Roon

Zwei Jahre ist es nun her, dass Cambridge Audio ihre 50-jährige Geschichte mit den Edge-Komponenten krönte und damit ihr eigenes Klang-Potenzial als auch die Wahrnehmung für das Unternehmen auf ein deutlich höheres Niveau hob. Seitdem ist der Vollverstärker Edge A ein unverzichtbares Mitglied im LowBeats Referenzregal. Und fast zeitgleich mit dem Vollverstärker brachten die audiophilen Engländer den Cambridge Audio Edge NQ auf den Markt, einen Streaming DAC-Vorverstärker, der nun aber – für Roon-Jünger wie die LowBeats Redakteure fast ein Muss – Roon ready ist. Die Zeit also war gekommen, sich intensiv den technisch eng verwandten Vorverstärker vorzunehmen – zumal dieser mit integriertem Streaming auch noch besser ausgestattet ist…

„Edge“ steht nicht nur für die teuersten Komponenten der Cambridge Audio Geschichte, es löste auch ein ganze Flut von Innovationen aus. Schon die Verpackung ist eine Show: In einem Umkarton stecken zwei ineinander verschachtelte, extradicke Transportkartons mit großen Befestigungen, die auch als Griffe dienen. Darin sichert einer Art Zelt mit Reißverschluß die wertvolle Fracht. Erst darunter findet sich in seinem Textil-Anzug der Vorverstärker nebst Zubehör-Karton. Das ist fast ein Unboxing-Video wert. Doch wir belassen es hier einmal bei einer Slideshow:

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Cambridge Edge NQ im mehrfach verschachtelten Karton (Foto: R. Vogt)
Cambridge Audio Edge NQ im mehrfach verschachtelten Karton (Foto: R. Vogt)
Unter der Plane mit Reißverschluss noch ein Schutzmantel (Foto: R. Vogt)
Unter der Plane mit Reißverschluss noch ein Schutzmantel (Foto: R. Vogt)
Cambridge Audio Edge NQ (Foto: R. Vogt)
Cambridge Audio Edge NQ (Foto: R. Vogt)
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Steht das edle Maschinchen erst einmal auf dem Tisch, zeigt sich die makellose Verarbeitung mit den pfiffigen Details, die auch den Vollverstärker schon auszeichneten: das abgerundete Gehäuse mit den großen Radien, die unter dem Deckel verdeckte Entlüftung der Kühlung, die aufgeräumte Front mit nur zwei Bedienelementen und dem großen Display.

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Cambridge Audio Edge NQ (Foto: R. Vogt)
Aufgeräumt und edel: Cambridge Audio Edge NQ (Foto: R. Vogt)
Cambridge Audio Edge NQ (Foto: R. Vogt)
Extrasteifes Bodenblech mit Kühlung von der Rückseite. Der Cambridge Audio Edge NQ steht nicht – wie die meisten HiFi-Komponenten – auf speziellen Füßchen, sondern auf längeren Streifen eines elastischen Gummis. Das sichert besten Halt (Foto: R. Vogt)
Cambridge Audio Edge NQ (Foto: R. Vogt)
Der massive Deckel mit Extra-Dämmung und Abstandshaltern zur Kühlung  und großflächiger Bedämpfung gegen Vibrationen (Foto: R. Vogt)
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Da hat Entwicklungsleiter Dominic Baker schon eine Menge Hirnschmalz ins Design gesteckt, um Form und Funktion so elegant zusammenzubringen. Das dicke Bodenblech etwa ist gleichzeitig Sockel, die umlaufende Sichtblende zieht Kühlluft von hinten an und gibt sie nach oben weiter. Durch die komplexe Falzung wird das Ganze ultrasteif und resonanzarm. Die Abluft strömt duch den verdeckten, umlaufenden Schlitz neben dem Deckel wieder aus, ohne dabei die elektrische Schirmung aufzuheben.

Cambridge Audio Edge NQ: Rückseite (Foto: R. Vogt)
Cambridge Audio Edge NQ: Rückseite mit etlichen Anschlüssen und Stummelantennchen für den Bluetooth-Empfang (Foto: R. Vogt)

Die klaren Strukturen setzen sich auf der Rückseite fort. Zentral angeordnet finden sich die analogen Ein- und Ausgänge. Es sei an dieser Stelle bereits betont: Der Edge NQ ist eine konsequent analoge Vorstufe mit symmetrischem Aufbau.

Anschlüsse der Analog-Vorstufe und des D/A-Wandlers (Foto: R. Vogt)
Anschlüsse der Analog-Vorstufe und des D/A-Wandlers (Foto: R. Vogt)

Analog: Zwei Cinch- plus zwei XLR-Line-Eingänge sollten heutzutage eigentlich reichen. Eine Phono-Entzerrung muss man extern erledigen. Die obere Buchsenreihe bietet Digitalquellen Anschluss, von USB-2.0 bis 384kHz. Ebenfalls clever: per HDMI ARC (Audio Return Channel) läßt sich ein moderner Fernseher anschließen. Damit bekommt man neben TV-Ton auch Netflix, Youtube und Co. in die Anlage. Einen Bluray-Player oder Sat-Receiver kann man an diesem Eingang nicht anschließen; dafür hat der NQ die SPDIF-Eingänge mit Cinch oder 2 x Toslink.

Cambridge Audio Edge NQ (Foto: R. Vogt)
Netzwerk und USB-Eingang des integrierten Streamingplayers sowie WLAN-Stick (Foto: R. Vogt)

Wie auch den Vollverstärker Edge A kann man den Edge NQ per Bluetooth (V4.1) ansprechen, das neben SBC und AAC Standard auch die klanglich passablen aptX- und aptX-HD-Formate neuerer Smartphones verarbeitet. Eine USB-Buchse lässt sich für den beigelegten WLAN-Stick verwenden. Wobei ich mich hier gern wiederhole: verdrahtetes LAN ist in Sachen Klang und Zuverlässigkeit stets vorzuziehen. Zumal eine aktive WLAN-Antenne auch stets eine in der Digitalwelt ungewünschte Hochfrequenzquelle darstellt.

Die linke USB-Buchse nimmt Sticks oder Festplatten mit Musik an, sofern diese gängig formatiert sind (FAT32, NTFS, HFS, HFS+). Für externe Festplatten liefert sie immerhin bis 1 Ampere Energie.

Zeit für einen Blick hinter die Kulissen, wo sich der aufgeräumte, highendige Eindruck dieser Maschine konsequent fortsetzt. Zentral entdeckt man den für eine Vorstufe gigantischen Ringkern-Transformator und die fast ein Drittel des Raumes einnehmende dazugehörende Netzteilplatine. Alle signalführenden Kabel sind zusätzlich ummantelt. Die Slideshow vermittelt einen Eindruck des makellosen Aufbaus:

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Cambridge Audio Edge NQ (Foto: R. Vogt)Cambridge Edge NQ (Foto: R. Vogt)
Alles penibel aufgeräumt: die Schaltungen des Cambridge Audio Edge NQ (Foto: R. Vogt)
Cambridge Audio Edge NQ (Foto: R. Vogt)
Die Digital-Sektion des Cambridge Audio Edge NQ (Foto: R. Vogt)
Das Streaming-Modul mit dem poetischen Namen Black Marlin (Foto: R. Vogt)
Das Streaming-Modul mit dem poetischen Namen Black Marlin (Foto: R. Vogt)
Cambridge gehörte vor Jahrzehnten zu den ersten die Ringkerntrafos einsetzten (Foto: R. Vogt)
Cambridge Audio gehörte schon vor Jahrzehnten zu den ersten Herstellern, die Ringkerntrafos einsetzten (Foto: R. Vogt)
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Einen ganz besonderen Aufwand hat bei den Briten die Lautstärkeregelung erfahren. Die besteht aus verschiedenen analogen und digitalen Bestandteilen. Es gibt den großen, sanft gleitend zu bewegenden Regler auf der Front, der sich ferngesteuert auch motorisch bewegt.

Lautstärke-Mechanik (Foto: R. Vogt)
Die aufwändige Lautstärke-Mechanik (Foto: R. Vogt)

Der aber bewegt keinen Drehwiderstand, wie das für gewönlich passiert, sondern einen Digitalgeber. Dieser wiederum steuert eine audiophile, extrem feingliedrige Widerstandskaskade, die eigentlich die Lautstärke kontrolliert, ganz analog. Das garantiert im Gegensatz zum traditionellen Drehwiderstand perfekten Kanalgleichlauf und Langlebigkeit. Kratzende Regler wird diese Vorstufe auch im Alter nicht entwickeln.

Esplosionszeichnung des Edge Lautstärke/Menü-Regler-Duo (Foto: R. Vogt)
Explosionszeichnung des Edge Lautstärke/Menü-Regler-Duos (Foto: R. Vogt)

Hinter dem Lautstärkeregler befindet sich auf der selben Achse ein Rändelrad, das sanft, aber satt rastend wahlweise die Eingänge oder Menüpunkte auf dem Display wechselt. Apropos Menü: Das minimale Menü, das sich direkt am Gerät mit den Grundeinstellungen beschäftigt, ruft man durch längeres Drücken der Powertaste auf, welche, während das Menü geöffnet ist, auch als Eingabetaste dient. Elegant. Und piffig.

Zeit, das Ganze mal in Betrieb zu nehmen. Und der Bootvorgang – eigentlich schon ein Oxymoron bei einem analogen Vorverstärker – gestaltet sich erfreulich flott. Hier mal ein Video in Echtzeit mit einem kompletten Kaltstart, also ohne Netzwerk-Standby, Hochfahren aller Systeme inklusive Netzwerkanmeldung und Booten des Streamingplayers. Aus Netzwerk-Standby startet der Cambridge fast verzögerungsfrei.

Steuerung und digitale Quellen

Webmenü des Cambridge Audio Edge NQ (Foto: R. Vogt)
Webmenü des Cambridge Audio Edge NQ (Foto: R. Vogt)

Die Konfiguration des Edge NQ gestaltet sich per Webmenü übersichtlich und zeigt, welche Parameter es überhaupt gibt. Einfach die IP-Adresse in einen Webbrowser tippen und schon sieht man das (englische) Menü. Wer gleich tiefer einsteigen möchte, kann auch die StreamMagic App verwenden, die auch den Streaming-Player füttert und die Alltagsfunktionen wie Eingangswahl und Lautstärke regelt – siehe Slideshow:

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Cambridge Audio Edge NQ (Foto: R. Vogt)
StreamMagic App, hier die iPad Version (Foto: R. Vogt)
Cambridge Audio Edge NQ (Foto: R. Vogt)
Riesige Radio-Stream-Auswahl mit sehr schneller Suchfunktion (Foto: R. Vogt)
Cambridge Audio Edge NQ (Foto: R. Vogt)
Auch vom DLNA-Server sehr schnelle Suche und Navigation (Foto: R. Vogt)
Cambridge Audio Edge NQ (Foto: R. Vogt)
Player-Anzeige mit Zeitleiste, die Sprünge erlaubt und Signalinformation zeigt (Foto: R. Vogt)
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Entwicklungsleiter Dominic Baker scheint dem Streamingplayer großzügig Rechenpower verpasst zu haben, denn die Bediedung, etwa das Suchen oder Navigieren, klappte während der Tests so schnell, wie man tippen kann. Titelwechsel wurden nahtlos vollzogen und innerhalb einer Playlist klappte Gapless-Wiedergabe selbst bei schwierigen Hires-Dateien via DLNA übergangslos. Sogar Mehrkanaldateien gab er korrekt auf Stereo gerendert wieder. Gut, wer via Roon arbeitet, kennt diese Probleme ohnehin nicht, das beherrschte der Brite mittels audiophilem RAAT-Protokol als Roon Ready Player seit neuestem ebenso perfekt.

Cambridge Audio Azur 640H (Foto: G. Geissler)
Vintage Streaming Server/Player anno 2005: Cambridge Audio Azur 640H (Foto: G. Geissler)

Der bravouröse Auftritt ist kein Wunder, denn die Kunst des Streaming beherrscht Cambridge Audio schon seit rund eineinhalb Jahrzehnten – und zählt mit dem Azur 640H sogar zu den Pionieren der Technik. Doch der Edge NQ kann gegenüber seinem Urahn natürlich auch Hires-Auflösungen aller gängigen Formate bis 24Bit/192kHz oder DSD128 und am USB-Audio-Eingang sogar die doppelte Frequenz. Online darf Musik von Spotify, Tidal oder Qobuz kommen. Und wer noch lokale Quellen wie Smartphones verbinden möchte, hat neben Bluetooth noch AirPlay und Chromecast zur Verfügung.

Praxis und Klangcharakter des Cambridge Edge NQ

Ein paar Tage Alltagserfahrung mit dem Cambridge Audio Edge NQ lassen mich vor allem eines festhalten: stressfrei. Da hakt nichts, alles bedient sich flott und intuitiv. Das große Display gefällt und ist auch aus einiger Entfernung noch gut lesbar. Einzig, und da spricht der pingelige Videoexperte aus mir, die Farbtemperatur ist spürbar zu hoch, alle Coverbilder zeigen einen wenn auch erträglichen Blaustich. Jammern auf höchstem Niveau…

Cambridge Audio Edge NQ (Foto: R. Vogt)
Cambridge Audio Edge NQ: die Fernbedienung (Foto: R. Vogt)

Die fast schon riesige Fernbedienung erledigt den Alltag übersichtlich und die vier frei belegbaren Programmtasten sind clever gemacht: bei externen Quellen drückt man Mute, beim Streaming löst die selbe zentrale Taste Pause aus. Den Streamingplayer allerdings kann man damit nicht bedienen; das macht man mit der App.

Klanglich gefiel der Brite mit einem extrem geschmeidigen Klangbild, das sich auch konsequent durch alle Zuspielmöglichkeiten vom integrierten Streaming über digitale und analoge Quellen hinweg sehr ähnlich entwickelte. Wobei mir nach analoger Zuspielung Roon am besten gefiel, gefolgt von USB 2.0, dann DLNA und zuletzt SPDIF. Ganz am Ende landeten die Funkstandards.

Cambridge Audio Edge NQ (Foto: R. Vogt)
StreamMagic: Das Streaming-Statusfenster wärend des Abspielens (Foto: R. Vogt)

Schon nach den ersten Hörtests wurde klar, dass ich im Referenzregal ziemlich weit nach oben greifen musste. Dort oben steht bei mir der Trinnov Altitude 32, den ich der Fairness halber ohne jedes Akustik-Processing als reinen digitalen Stereo-Vorverstärker nutzte. Dessen Tonstudio-Gene lieferten erwartungsgemäß ein sehr ausgewogenes, etwas nüchternes Klangbild an den aktiven Focal SM-9 Monitoren. Aber das Klangbild des Trinnov ist jederzeit fein aufgelöst und ungemein plastisch.

Dagegen spielte der Brite spürbar geschmeidiger und trotzdem schärfer abbildend. Sein sehr plastische Klangbild war ein Stückchen vor die Lautsprecher gerückt, versehen mit reicheren, wärmeren Klangfarben und noch feineren Texturen. Und es wirkte auch alles ein wenig organisch fließender, Musik mit langen Spannungsbögen fesselnder.

Die Marketing-Abteilung von Cambridge Audio kokettiert ja immer mit der Musikbegeisterung ihrer Ingenieure. Hier kann man sie tatsächlich spüren: Der Edge NQ ist von echten Musikkennern liebevoll abgestimmt.

Fazit: Ein wunderschönes Musikinstrument

Der Cambridge Audio Edge NQ entpuppte sich, ähnlich wie schon sein Vollverstärker-Bruder Edge A, als wunderbar musikalischer Geselle, der so ästhetisch klingt, wie er als Objekt wirkt. Verarbeitung und pfiffiges, dennoch schnörkelloses Design spiegelt sich im aufgeräumten, tendenziell warmen und dennoch texturreich detaillierten Klangcharakter wieder. Technisch absolut auf der Höhe der Zeit und mit mittlerweile ausgereifter Software bietet er allen Komfort und Zuspielmöglichkeiten, die man im Highend erwarten darf, aber keinesweges immer bekommt. Der NQ ist ein schönes Instrument, das zum Genießen einlädt.

Cambridge Audio
Edge NQ
2020/04
Test-Ergebnis: 4,5
hervorragend
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Sauber konturiertes Klangbild mit weichen, warmen Klangfarben
Schnelle, durchdachte Navigation
Streaming inklusive Roon
10W Strom bei Netzwerkstandby

Vertrieb:
Cambridge Audio
AUDIO PARTNERSHIP PLC
Mönckebergstr. 27
20095 Hamburg
www.cambridge.com

Preis (Hersteller-Empfehlung):
Cambridge Audio Edge NQ: 4.000 Euro

Cambridge Audio Heimat-Adresse in Geo-Koordinaten (Foto: R. Vogt)
Cambridge Audio Heimat-Adresse in Geo-Koordinaten (Foto: R. Vogt)

P.S.: Wer sich schon mal gewundert hat, was das für Zahlen auf den Gehäuseseiten sind: Es handelt sich tatsächlich um die Geo-Koordinaten des Firmensitzes.

Im Test erwähnt:

Erster Test: Vollverstärker Cambridge Audio Edge A
Test Trinnov Altitude 32: die ultimative Surround-Vorstufe


Autor: Raphael Vogt

Raphael Vogt
Technischer Direktor bei LowBeats und einer der bekanntesten Heimkino-Experten der Republik. Sein besonderes Steckenpferd ist die perfekte Kalibrierung von Beamern.